Dummes Geld – versus – Altes Geld

13. November 2009 | Kategorie: Kommentare

von Frank Meyer

„Diejenigen, die keine eigenen Entscheidungen treffen können, machen andere für ihre Fehlentscheidungen verantwortlich“ klagt ein Freund beim Abendessen. Er ist seit 20 Jahren Vermögensverwalter. Dabei vermute ich, er ist eher Psychologe…

„Es ist eine Plage mit dem Geld, die Leute wollen immer mehr davon und haben so wenig Ahnung von den Dingen. Das ist dann meine Aufgabe. Nun ja, schaute ich ihn an. „Es ist doch Deine Aufgabe, oder nicht? „Ich bin Vermögensverwalter, und keine CashCow, flucht er. „Und ich traue dem Braten immer noch nicht!“ sagt er…

Meckern kann jeder

Er scheint Probleme zu haben, vermutete ich, denn schließlich ist der DAX seit Mitte März um 50 Prozent gestiegen. Er hat für die Kunden fast sämtliche Positionen bei 7.000 bis 7.500 Punkten glattgestellt und ist in den Anleihemarkt und Gold umgezogen. Das brachte ihm viel Zustimmung und auch zusätzliche Kunden, denn es hat sich herumgesprochen, dass er rechtzeitig die Krise erkannt und gehandelt hat. Zwei Jahre lang hat er die Füße still gehalten. Seine Kunden waren zufrieden. Heute bekommt er böse Anrufe, denn er hat statt 50 Prozent im DAX nur 20 Prozent für sein Klientel „erwirtschaftet“ – seit März 2009.

Heute schaut er dem Markt hinterher. Was würde es bedeuten, wenn er nicht dabei wäre? Vielleicht nichts. Vielleicht auch zweierlei. Einerseits sitzen ihm die Kunden im Nacken, denn statt kleinster Gewinne im Anleihebereich oder im Tagesgeld, sehen sie jeden Abend, dass der DAX schon wieder gestiegen ist. Die Krise ist vorbei, und der Manager meiner Penunzen hat gepennt, werden sie sagen mit einem „Na warte!“ Ich werde zu einem wechseln, der seine Sache versteht.

Nein, ich möchte nicht als Verwalter von Vermögen arbeiten…

Lebensnotwenig?

Ist es wichtig, 50 Prozent Rendite gemacht zu haben? Das könnte sein, aber ich bin mir nicht sicher. Es ist schon mal nicht schlecht, nichts verloren zu haben, wenn man beispielsweise seit März gegen die Kurse wettet. Blauer kann der Hintern gar nicht werden. Jetzt im August 2009 scheint es, als käme die Welt nominal wieder in Ordnung. Werterhalt? Dabei fällt mir diese Geschichte aus dem Jahr 2002 ein…

Flashback

Nachdem Flugzeuge ins World Trade Center gelenkt worden sind brach der DAX bis auf 3.600 Punkte ein, um sich dann bis auf 5.500 Punkte zu erholen. Die Rezession wäre fast vorbei, sagten die Experten. Die Indikatoren drehen nach oben, die Weltwirtschaft beginnt wieder zu wachsen, hieß es übereinstimmend. Und dann regnete es nicht nur, es schüttete auch noch. Zum mageren Glück kam auch noch Pech dazu, hinein bis zum Frühjahr 2003, als der DAX auf 2.200 Punkte durchsackte.

Was wäre eigentlich, wenn der DAX gar nicht selbst bestimmt wäre? Was, wenn man aus dem Dollar-Raum auf den deutschen Leitindex schaut? Dann sieht der Chart schon ganz anders aus.

Im Moment stört, dass der DAX steigt, aber das Handelsvolumen nicht. Die Deutsche Börse meldet ein Umsatzminus von 55 Prozent im Vergleich zum Juni 2008. Rund 100 Millionen Papiere wechseln täglich den Besitzer. „Es kommt kein Material auf den Markt“, sagten Händler. Deshalb steigen die Kurse. Was, wenn alle zur gleichen Tür wieder heraus wollen? Gute Frage! Die klugen Investoren ahnen (hoffen), dass das Geld in Euro sicherer ist als in US-Dollar. Vielleicht ist es auch nur die Flucht aus dem Dollar? Schließlich sieht die Welt-Leid-Währung nicht sonderlich gut aus.

Nachdem Billionen neuer Gelder versuchen, die Welt wieder gerade zu rücken, bleibt die Frage, wo das Geld sicherer ist. Anleihen werfen gar nichts mehr ab, die Investoren sind zudem risikofreudiger geworden und Geld gibt es offenbar wie Sand am Meer. Vielleicht spielt es gar keine Rolle, ob Wirtschaften wachsen, sondern nur, wo es etwas zu holen gibt. Und hier schließt sich der Kreis. Es ist wie früher, mit dem Unterschied, dass die Hasenfüße ahnen, wie es ausgehen wird und Gold kaufen.

„Ist die Krise vorbei? Die angeblich schlimmste Krise seit 1929…? frage ich. „Ich meine nicht“, sagte der Freund. Das Komische an der Krise ist, dass die Dummen nicht aus dem Markt gespült wurden. Samt der Banken wurden auch sie gerettet und fordern jetzt ihre ihnen zustehenden Renditen ein. „Doch ich glaube, dass ihnen Mister Market den Hintern versohlen muss, bis die Börse wieder ihrer eigentlichen Aufgabe nachkommt. Der eine hat Geld und keine Ideen. Der andere hat Ideen und kein Geld. Und niemand berichtet großartig darüber. Das kann dauern. Das Schlimmste ist aber im Moment – das dumme Geld. Das alte Geld hat Geduld. Komisch, es kauft zur Zeit Sachwerte wie Grund, Boden und Edelmetalle. Seltsam. Hat es deshalb so alt werden können?

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