Börse im Blindflug – wie zu guten Zeiten

26. Juli 2010 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer (aus den Lübecker Nachrichten vom 2.8.2009)

Im Norden sind chinesische Marienkäfer auf dem Vormarsch, melden die Nachrichten. Essen sie mit Stäbchen? Tragen sie Fotoapparate? Vermutlich nicht. Doch es ist genauso interessant wie die Frage, warum der DAX in dieser Woche schon wieder drei Prozent zugelegt hat und im Juli um zehn Prozent dicker geworden ist. Krise? Ach was!

Wenn das die Krise ist, kann sie gerne bleiben, kommentierte ein Händler. Und wenn es in dieser Geschwindigkeit mit dem DAX weiterginge, feierte er Weihnachten bei 10.000 Punkten. Absurd.

Dabei ist es recht einfach. Rennt ein großer Investor in den Markt, rennen zwei weitere hinterher, was vier Andere aus ihrem Sessel hebt. Das Geld hat Panik, nicht im richtigen Markt zu sein. Dabei mehren sich Stimmen, dass die Erholungswelle in den nächsten Tagen abebben könnte. Unternehmen schreiben Verluste, doch man flüchtet lieber aus dem ausgelaugten Hafen der Anleihen in die Aktien und hofft, dass dieses viele frisch gedruckte Geld seine Wirkung entfaltet und ein Boom um die Ecke springt. Konjunkturpakete, Staatsgarantien und Lautsprecher vor der Bundestagswahl bringen manchen Investoren um den Verstand. Im März kosteten Aktien 50 Prozent weniger. Heute aber muss man dabei sein.

Tonnenweise Quartalszahlen stürzten in dieser Woche aufs Parkett. Es muss eine Verschwörung sein, wenn alle gleichzeitig berichten. Vorteilhaft daran ist aber, dass viele Daten dabei einfach untergehen und nur extreme Zahlen Aufmerksamkeit erregen. Irgendwann ist der Spuk mit den Zahlen aber vorbei – genauso wie die Zeit der schwarz gepunkteten Käfer im hohen Norden.

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