Krise – ick liebe Dir….!

5. September 2009 | Kategorie: Kommentare

Ist es nicht hübsch an der Börse? Man muss nur ein paar Euro hinschaffen, schon sind es am kommenden Tag mehr, vorausgesetzt, man hat ein paar Euro. Eigentlich muss man gar nicht mehr arbeiten, wenn man Geld hat oder es billig leihen kann. Und schon entstehen Werte und heiße Herzen…

Anlagenotstand…. Man hört dieses Wort jetzt häufiger. Zum Glück haben damit immer weniger Leute Probleme. Anlagenotstand klingt wie vereiterter Zahn und böse Krankheit im Doppelpack. Nein, die Dinge sind jetzt einfacher geworden, wenn auch nicht viel übersichtlicher. Voller Erheiterung nehme ich zur Kenntnis, dass man heute keine Werte mehr schaffen muss, denn das hat die Börse schon längst übernommen. Dass Unternehmen gerade jetzt keine Werte schaffen, sondern in Schwierigkeiten stecken, wäre ein zu vernachlässigender Faktor. Dafür reagieren sie mit Sparmaßnahmen. Es senkt Kosten, sagen Unternehmensberater. Ein Index fürs Glück reicht aus und etwas Geld. Notfalls kann man die Oma im Altenheim mit einem Blumenstrauß überraschen…

Es ist eine seltsame Situation, sie fühlt sich auf dem Börsenparkett wie ein Boom an, der nicht sichtbar ist. Doch Vorsicht auf allen Etagen! Morgen könnte der Boom um die Ecke springen. Da muss man dabei sein, bevor es noch teurer wird, heißt es.

Die armen Investoren…

Rennt der eine los, sprinten zwei weitere hinterher, was nun vier andere aus den Sesseln hebt. Welcher Kasse haltende Fondsmanager kann es sich heute leisten, keine Aktien zu haben? Seine Klienten würden ihm den Hintern versohlen. Doch es hat auch eine angenehme Seite. Es ist ja nicht sein Geld, sondern das Geld der Investoren, das unter diesem Anlagenotstand leidet. Kauft man heute Aktien, hält man sich die dummen Fragen der Anleger vom Leib, warum das Depot so schlecht läuft. In solch einer Situation ist es besser zu kaufen, statt zu warten. Schließlich will man seine Kunden auch nicht verprellen, kann man doch gleichzeitig in deren Schatulle greifen – für gewisse Aufwendungen und neuerdings auch eine erfolgsabhängige Performancevergütung entnehmen, wenn man den Vergleichsindex schlägt. Die Hedgefonds haben dieses Prinzip erfunden. Mancher Manager ist dabei sogar reich geworden, seine Schäfchen dafür oft ärmer.

Wer Zugang zu billigem Geld hat, ist noch besser dran. Er muss sich nur noch entscheiden, auf welches Pferdchen er setzt. Anleihen? Aktien? Gold? Wir schauen in die Lehrbücher. Etwas abgegriffen sehen die Seiten schon aus, aber für eine weitere Runde dürften sie noch durchhalten.

Was macht das Geld gerade?

Wir holen unser Fernglas heraus. Es bewegt sich etwas. Anleihen scheinen es nicht mehr zu bringen, wenn man den Eindruck gewinnt, dass die Konjunktur wieder auf die Beine kommt. Wo das sein soll, sehen wir nicht, aber die Lautsprecher verkünden es ja. Aus amerikanischen Geldmarktfonds sind 20 Prozent der Gelder geflüchtet. Wohin? Offenbar in Aktien. Sie sind attraktiver geworden, sagen große Investmenthäuser mit den schnellen Computern und klugen Programmen, von denen auch mal eins geklaut wird. Für jede Nase der Welt gibt es Anleihen im Wert von 12.500 USD. Während hinter diesen große Anlagen mit noch größeren Versprechen der Rückzahlung stecken, haben großen Firmen zumindest einen echten Wert.

Fluchtbewegungen aus einem Hafen in einen anderen sind nicht binnen weniger Tage abgeschlossen, sagen die Frankfurter Händler. Ich kenne keinen, der jetzt einen Pfifferling auf Anleihen gibt. Sie sind suspekt. Täglich werden es mehr, sagen sie. Allein in dieser Woche werden in den USA Papiere in Höhe von 250 Milliarden Dollar in den Markt gedrückt. Und wenn sie keiner will, kauft sie eben die Notenbank, streicht den Vorgang mit Quantitative Easing an und gibt es als Fortschritt aus. Muss man sich Sorgen machen? Nicht doch! Es macht die Welt stabiler, zumindest für eine gewisse Zeit X.

Medikamente ohne Beipackzettel

Notenbanker verkünden auch, dass sie überschüssige Liquidität schnell wieder absaugen können, wie Wasser aus dem Mund während einer Zahnbehandlung. Werden die Schnapszauberer einem jetzt besser gelaunten Trinker das wirklich antun? Vielleicht sucht man noch nach Möglichkeiten der Dosierung, dass der Schluckspecht die richtigen Menge seines Stoffes bekommt, dass er einerseits in Stimmung bleibt und zugleich nicht randalierend durch das Lokal läuft. Vielleicht stellt man ihm ja auch eine ganze Flasche hin, wenn er verspricht, nur ein Gläschen am Tag trinkt. Wir wissen, wie das Experiment endet, höchstwahrscheinlich wieder mit einem Kater, neuem Schnaps und letztlich einer neuen Lokaleinrichtung.

Happy Finanzierung, Happy Banking, Happy Bilanzierung, Investorenherz, was willst Du mehr? Wenn es dann auch noch funktioniert, umso besser. Aktien sind gar nicht teuer. Bei Onvista steht, dass Commerzbank, ThyssenKrupp und die Lufthansa ein KGV von Null ausweisen. Hey, das sind richtige Schnäppchen! Nicht zu vergessen BMW. Da beträgt das KGV 1272. Holla, ist das nett! (Quelle)

Ach, liebe Leserinnen und Leser, der Autor dieser Zeilen glaubt, dass die Dinge wieder verrückt werden müssen, um zu funktionieren. Wenn das die Krise ist, dann möge sie bitte bleiben. Liebe Krise, man könnte sich in Dich verlieben.

Jetzt da man davon ausgehen kann, dass große Banken nicht mehr umkippen, sich Notenbanken um die Geldflüsse kümmern und mehr davon produzieren, brauchen wir keine Werte mehr, schon gar keine Dinge wie Bescheidenheit, Zufriedenheit und Anstand. Was wir brauchen sind niedrige Zinsen, schnelles Geld und schnelle Computer, etwas Geld und heiße Herzen.

Zahltag

Vor wenigen Wochen noch hat man den Leuten Termingelder wie geschnitten Brot verkauft, klassische Lebensversicherungen und sichere Riesterprodukte. Seitdem stieg der DAX 50 Prozent. Manche waren sogar noch schneller. War es absehbar? Wir wissen es nicht. Wird es weiter gut laufen? Für Anlageverkäufer ist dieser Sommer eine bittersüße Zeit. Sie können ihren Kunden jetzt wieder raten, gegen Gebühren Umschichtungen vorzunehmen. Jetzt wo die Krise zu einem Sommermärchen geworden ist, finden sie sicher die passenden Verkaufsargumente..

Und was ist mit Gold?

In Amerika wurden dazu gerade Hedgefonds-Manager befragt. 20 von 22 gaben an physisches Gold als persönliches Investment zu kaufen. „Gold ist die ultimative Währung, die am besten performed, wenn die Wirtschaft an einem Extrem ist – sei es Inflation oder Deflation“, sagte der CEO von Moonraker, Jeremy Charlesworth, gegenüber Medienvertretern.

…physisches Gold.
…persönliches Investment.

Ihr Füchse!

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Leserpost aus Wien: Tatort Bank Austria… weiter hier…



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