Sommer-Spezial: Investieren in Silber – Teil 1

26. August 2009 | Kategorie: RottMeyer

Nach und nach spricht es sich herum, dass es neben Aktien, Anleihen, Fonds, Bargeld, Termingeldern, Hedgefonds und Zertifikaten auch noch andere Möglichkeiten für Investitionen gibt – beispielsweise die Edelmetalle. Was??? Dieses Zeugs? Das ist doch viel zu teuer! Naja, teuer ist immer relativ. Eine Bratwurst in Frankfurt kostet inzwischen drei Euro (6 DM). Vier Bratwürste kosten soviel wie eine Unze Silber. Die Geschichte zeigte öfters schon, dass Papiergeld so verderblich ist wie so eine Bratwurst – Gold und Silber hingegen behielten ihren Wert…

Ach, ist das schwierig. Schaut man sich die weltweiten Anlageklassen an, hat man die Qual der Wahl… Allein die weltweiten Anleihen machen nach der Aufstellung meines Freundes Thorsten Schulte (Silberjunge) 83.000 Milliarden USD aus. Sicherlich ist auch für Sie ein Teil reserviert. Pro Nase auf der Welt gibt es Anleihen in Höhe von 12.500 USD. Sie müssen sich nicht wirklich anstellen. (Homepage von Thorsten Schulte)

Bei Aktien ist die Summe nur ein Drittel der Summe der Anleihen. Aber ich schätze, dass es auch davon genügend Papiere für alle Bürger dieser Welt geben könnte. Um die Altersvorsorge sollte man sich deshalb keine Sorgen machen. Man findet genügend Material, in das man sparen kann. Nur wie sich die einzelnen Anlageklassen entwickeln, oh, jetzt fragen Sie bitte die Götter. Ich brauche jetzt mal einen Taschenrechner…

Ein paar Zahlen

Für jeden Erdenbürger stehen 95.600 USD an Derivaten zur Verfügung. Opps! Nein, das geht uns nichts an, obwohl es das sollte. Dann schauen wir auf die Anleihen. Davon gibt es pro Nase 12.300 USD, allein 7.800 USD-Anleihen aus den USA. Für Aktien stehen pro Weltenbürger 5.300 USD bereit. Sollte das offizielle zur Verfügung stehende US-Staatsgold verkauft werden, wenn es noch komplett da wäre, reichte es aus, wenn jeder Erdenbürger 36,50 USD auf den Tisch legen würde. Weg wäre es…

Dann bliebe als Vergleich noch der Silbermarkt. Jährlich werden ca. 680 Mio. Unzen im Gegenwert von 9,8 Mrd. USD aus dem Boden geholt. Pro Erdennase sind das 1,44 USD. Vergessen Sie es! Die Hälfte nimmt allein die Industrie ab. Freundlich gerechnet, bliebe Silber im Gegenwert von 0,72 USD pro Mensch übrig. Bitte vergessen Sie sofort wieder diese Zahl…!

Kulminierte Silberkäufe 1977 – 2009
(Quelle: Bloomberg, Silberjunge)

Silberbestände (oberirdisch)

Ironie an:

Am Besten ist es, wenn man auf die „sichere“ Variante setzt, wovon es am meisten gibt – Anleihen. Das sagt Ihnen auch der Berater Ihrer Wahl bzw. Ihres Misstrauens. Regierungen und Notenbanken gewährleisten, dass es immer genügend dieser Schuldpapiere gibt. Auch für Sie! Die meisten haben solche Papiere als langfristige Anlage in Policen, Pensionskassen oder anderen Vehikeln.

Ironie aus – aber nur zur Hälfte:

Ihr monatlicher Sparplan für die Lebensversicherung kostet 100 Euro? Gratulation! Sie könnten jetzt der Hoffnung anheim fallen, irgendwann mal ganz reich zu sein. Was aber am Schluss dabei herauskommt, kann Ihnen nicht mal Ihr allwissender Versicherungsvertreter erzählen. Und was man dafür alles kaufen kann, weiß er natürlich auch nicht. Vielleicht hat Ihnen der Herr eine Beispielrechnung zurückgelassen. Man weiß nur, dass am Tag der Abrechnung die vereinbarte Summe X zuzüglich einer Überschussbeteiligung ausgezahlt werden soll. Wie hoch die Überschüsse aber ausfallen, kann Ihrem Vertreter auch egal sein, sobald er die Provision für den Abschluss des Vertrages in der Tasche hat. In 20, 30 oder 40 Jahren ist er vielleicht längst über alle Berge, um einen Regenschirm nachwerfen zu können.

Die „Wirtschaftswoche“ berichtete, dass Sie schon 90 Jahre alt werden müssen, um etwas von der Riesterrente zu haben, zumindest als Normalverdiener. Diese Form der modernen Altersvorsorge scheint nur ihrem Namensgeber und den Verkäufern Gewinne zu bringen. Und die gesetzliche Rente? Die hat sich selbst entzaubert. Sollte man die Altersvorsorge in die eigenen Hände nehmen? Zumindest einen Teil davon? Ich glaube ja.

Man weiß heute nur, dass 100 Euro der Menge von acht Unzen Silber entsprechen, also 250 Gramm. Auf ein Jahr hoch gerechnet, sind das immerhin drei Kilogramm. Da unserer Papiergeldsystem schon in die Jahre gekommen ist, sein Getriebe ständig Öl verliert und nach noch mehr Schmierstoffen verlangt, liegen Sachwerte gut im Rennen – als Sicherheit für den Fall der Fälle. Gemeint sind damit nicht Papiersilber und Papiergold, also Anlagevehikel in Zertifikaten.

Hält unser Währungssystem bis zur Rente durch? Wir wissen es nicht. Was bekommt man für hundert Euro im Jahr 2030? Eine Bratwurst? Oder nur das Brötchen? Fragen Sie Ihren Experten! Viel! wird er Ihnen sagen… Und in welcher Währung? Hä? Das wissen vielleicht nicht mal die Götter. Sie wissen aber, dass eine Unze eine Unze bleiben wird. (31,1 Gramm) wie wohl auch ein Kilogramm 1000 Gramm entsprechen werden – außer der Staat mischt sich hier auch noch ein… Der Rest bleibt Spekulation mit vielen bunten und oft reißerischen Unbekannten…

(noch)langweiliges Gold

Über Gold wird inzwischen viel geschrieben. Vieles davon ist richtig, vieles davon aber grober Unfug. Manche Meldungen erheitern nur, aber dienen der Irritation und Desorientierung. Vieles davon scheint sogar bewusst falsch verstreut zu werden. Eines scheint aber begreiflich zu sein: Edelmetalle sind Versicherungen, keine Renditebringer. Vielleicht steigt ihr Preis stärker als Aktien. Vielleicht auch nicht. Sicher ist nur, dass man darauf zurückgreifen kann, wenn man es wünscht.

Man kann auch zu anderen Sachwerten greifen, wie zum Beispiel Wein, Kunst, Grund und Boden. Doch wer kennt sich schon in diesen Spezialthemen aus, auch wenn sie unglaublich spannend sind wie das Sammeln von Briefmarken, Zigarettenschachteln oder Happy Hippos aus den Kinderüberraschungseiern. Edelmetalle sind einfach zu verstehen, einfach zu handhaben, privat, diskret und haben ein längeres Leben als unser Papiergeld.

Es erspart Ärger, wenn es in die nächste Krise geht, erspart Frust bei der Bedienung von Sparprogrammen, deren Verkauf oder vorzeitigen Auflösung. Wer weiß, wie lange man arbeiten muss, um die in den Genuss der angesammelten Sparanteile in abgespeckter Kaufkraft zu kommen?

Gold ist spannend und langweilig zugleich. Darüber wird viel geschrieben, im Gegensatz zum Silber. Warum? Darum dreht sich mein kleines Sommer- Spezial in mehreren Teilen. Da der Autor dieser Zeilen, unter dem Sie wahrscheinlich ebenso leiden wie er selbst, nichts Besseres zu tun hat, schickt er in den kommenden Tagen immer mal wieder einen kleinen Beitrag zum Thema Silber heraus, sozusagen eine Bedienungsanleitung für die Nicht-Silberbugs. Viel Spaß damit…!

Silberpreis in Euro 1970 – 2009

P.S. Bei 160.000 geförderten Tonnen Gold im Gegenwert von 960 USD/Unze bleiben pro Erdenbürger 23,5 Gramm im Gegenwert von 725 USD. Da sage mal einer, Gold wäre langweilig…

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