Neues von der EGP (Europäische Glühbirnen Partei)

24. Juli 2009 | Kategorie: Kommentare

von Frank Meyer

Na? Sind Sie auch schon so aufgeregt wie ich? Am 1.9. wird die Welt besser. Die Glühlampen hauchen ihr Licht aus… Sie freuen sich? Naja, nicht mehr lange! Warten Sie, bis die EGP – die Europäische Glühbirnen Partei in den Bundestag einzieht. Und es gibt Neuigkeiten! Wichtige Nachrichten! Umwerfende Dinge, über die es zu berichten gilt. Bitteschön! (Jetzt gehen mir die Ausrufezeichen aus….) Sie müssen nur Klicken…

K l i c k e n !!!! Hier Hier Hier!! Lach!

Sehen Sie! Schon haben Sie geklickt, und warten jetzt gespannt auf die Ankündigungen. Damit habe ich gerechnet, dass Sie das tun werden. Arme Leser! Es gibt eigentlich nichts Neues, nur ein paar Buchstaben. Die Politiker machen es doch auch so. Sie wählen eine Überschrift und füllen den Rest mit mehr oder weniger interessanten Buchstaben. Meist sind diese weniger interessant, dafür aber umfangreich.

Ha! Da gibt es ein ungeheuerlich freches Video von mehr oder eher weniger bekannten Menschen aus dem öffentlichen Leben, die doch tatsächlich sagen, man sollte nicht wählen gehen. Wählen ändert nichts, denn würde Wählen etwas ändern, wäre es ja verboten. Moment, Herr Hofer, Moment, Frau Dingsda… (Kenne ich Sie?) Es gibt ja noch die EGP, die Europäische Glühbirnen Partei . DIE sollten Sie wählen…!

Also das war so…

Nach der Ankündigung im Juni, die EGP zum Schutze der Glühbirnen zu gründen, war die Resonanz überwältigend – naja, sie tendierte gegen Null. Das sollte mich aber nicht davon abhalten, jetzt so zu tun, als wäre es wichtig. Es ist nicht mal meine Idee, nur aus der Politik und Wirtschaft abgeschaut – sozusagen eine Imitation ihre Erfolgsgeschichten.

Noch schreibe ich an einem Wahlprogramm. Ich muss mich beeilen. Am 27. September wird die Welt endlich besser, mit einer neuen Regierung, vielleicht sogar mit einer Frau mit bunten Kostümen – und bei mir zu Hause geht das Licht aus – mangels Glühbirnen. Meine Nachbarin plagt die gleiche Sorge. „Rettet die Glühbirne!“, rief sie mir heute am Briefkasten entgegen. Dabei fiel ich ihr sofort in die Arme. Über die Irritationen berichte ich vielleicht später.

Zu den Fakten

Am 1.September wird erst mal der 100-Watt-Birne das Licht ausgeschossen. Später sind die anderen Wall-Kaliber dran. Das haben Leute in der EU so beschlossen. Man trifft da immer so komische Entscheidungen, die dann hier einfach so durchgesetzt werden. Wäre Pupsen verboten – wir hätten eine Verordnung. Nach dem ganzen Gemüsekrampf sind jetzt krumme Gurken, glückliche Zucchini und andere für uns jetzt fremdländisch erscheinende Dinge wie naturbelassener Salat wieder erlaubt, aber die Glühbirne wandert nach und nach ins Museum. Über erste Hortungsaktionen verzweifelter Glühlampenliebhaber haben wir ja auch schon berichtet.

In Australien wurde die Verwendung der Glühbirne zur Lichterzeugung schon vor rund einem Jahr untersagt. Man wartet jetzt nur noch auf den Klimaeffekt. Ist der Sommer deshalb so verregnet? Man weiß es nicht. Apropos. Unterschiedliche Experten erwarten CO2-Einsparungen in Deutschland von 3 Millionen Tonnen. Das entspricht etwa 10 Prozent des Kohlendioxid-Ausstoßes des RWE-Braunkohlekraftwerks Niederaußem. Wo issn das? Das nur nebenbei.

Ein Hauch von Hoffnung

Die Amerikaner sind gerade dabei, Edisons Glühbirne neuen Energienormen anzupassen. Dabei wird der klassischen Glühfaden mit einer Gas gefüllten Kapsel umgeben. Die Hülle wirkt wie ein Reflektor, der die Hitze wieder zum Glühfaden leitet, der diese in Licht umwandelt. Eine Effizienzsteigerung von bis zu 50 Prozent sei so möglich.

EGP steht für Menschlichkeit

Ja, der Slogan gefällt mir auch. Er ist so universell wie die Wahlplakate, die mich bald belästigen. Keiner hat bislang die psychologischen Aspekte dieses Glühbirnenverbots in Betracht gezogen. Man sitzt abends im verdächtigen Glanz einer Energiesparlampe und merkt gar nicht, dass dieses quecksilberverseuchte Teil richtiges Tageslicht verstrahlt. Nach einer halben Stunde könnte ich mich dann aufs Fahrrad setzen, so wach bin ich. Oder ich könnte durch die Wohnung rennen und mich aufregen, dass ich schon wieder wach bin. Man könnte mindestens 20 Stunden am Tag arbeiten. Wollen wir das?

Glühbirnen versenden ein gemütliches Licht, eines, das den Autor dieser Zeilen gar nicht auf die Idee bringt, die Leser auch noch nachts mit neuen Einträgen auf seinem Blog zu nötigen oder gar durch die Gegend zu telefonieren. Gesunde Menschen vertragen kein Licht von Energiesparlampen. Schauen Sie sich doch mal an Ihrem Arbeitsplatz um und beobachten Sie die Kollegen. Doch wer ist schon noch gesund heute…?

Milchmädchenrechnungen

„In der gesamten EU könnte man größenordnungsmäßig 20 bis 23 Millionen Tonnen CO2 einsparen“, sagte Claudia Kemfert vom DIW. Wunderbar! Dafür versuchen wir die Schornsteine der Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, mit weltweiten Abwrackprämien und anderen auf neuen Schulden basierten Stützungsaktionen. So eine Weltwirtschaftskrise hat doch auch einen ökologischen Aspekt. Na mal ehrlich! Wer heute Glühbirnen verbietet, vergeht sich morgen sogar an Kerzen. Gegen soviel Unsinn, ich wette, die Energiesparlampen-Lobby steckt dahinter, muss es doch eine Partei geben..

So, ich habe es eilig, muss noch am Parteiprogramm schreiben. Vorschläge sind willkommen. Hier flattert gerade ein Vorschlag für ein Wahlkampfmotto auf den Tisch. Danke A.G. aus Templin.

Der Letzte macht das Licht aus…

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