Wein schlägt Aktien

13. November 2009 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Zeitlos

von Frank Meyer

Das ist doch mal eine gute Nachricht. Die Wirtschaftskrise lässt die Bordeaux-Weine preislich in den Keller fallen, berichtet meine frühere Kollegin Angela Ulrich aus Paris. Was früher oft als Spekulationsobjekt für 200 Euro über die Theke ging, kostet jetzt nur noch die Hälfte. Nun ja, 100 Euro sind heute viel Papier. Pardon! Viel Geld. Und das für eine Flasche…

Wenn ich die Wahl zwischen einer Aktie der Münchener Rück für 97,65 Euro hätte oder einer Flasche Bordeaux für 100 Euro, ich würde mich für den Wein entscheiden. Das mit den Weinen ist überdies eine sehr nette Angelegenheit, wenn man sie mit Freunden trinkt. Während man eine Aktie kauft und die Bank mit dieser Aktie gleichzeitig auch noch etwas anderes anstellen kann, z.B. sie verleihen, ohne dass ich es weiß, ist man mit Wein auf der sicheren Seite. Man kann ihn einfach im Keller liegen lassen und warten. Im Gegensatz zu Papierwerten wird Wein eher besser statt schlechter. Es gibt auch Ausnahmen. Irgendwann kommen auch mal wieder bessere Zeiten. Im Moment überlassen die Spekulanten den Genießern das Feld. Gott scheint Wein zu mögen…

Ich kann mich daran erinnern, dass Weinfonds stark in Mode waren und überall beworben wurden, als die Welt nach anderen Anlageklassen suchte und durch das viele Geld verrückt geworden war. Doch wie die Moden kommen, gehen sie auch wieder. Die Hartgesottenen bleiben übrig und die haben meist Ahnung – auch von Wein. Vielleicht sollte man sich ein jetzt paar Flaschen einlagern? Man kann ja nie wissen. Hat sich Wein als Investment bewährt?

Wer sich mit Wein auskennt, hat vielleicht schon mal was von der London International Vintage Exchange gehört, kurz Liv-Ex. Das ist eine Internetplattform für hochwertigen Wein, die 1999 von ehemaligen Aktienhändlern gegründet wurde. Enthalten im Weinindex sind 100 meist französische Top-Weine, darunter 90 Bordeaux-Weine. Zugang zur Liv-ex haben professionelle Weinhandelshäuser und Weinfonds. Die Privaten bleiben draußen. Dort kann man aber die Preise finden, sollte Opa mal eine Flasche im heimischen Keller übersehen haben oder die bessere Hälfte nach etwas Genüsslichem dürstet. Orientierung findet man am Liv-ex 100 – Index, sozusagen dem DAX für Weinspekulanten.

Vergleicht man die Performance wichtiger Indizes mit dem Liv-ex 100 -Index, so hat sich der Wein-Index im Vergleich zu 2004 nahezu verdoppelt. Andere Indizes sehen dagegen aus wie ein Kasten Essig. Manchmal ist es zum Wein-en.

Eine ähnliche Entwicklung wie Wein verzeichnet Gold. Es scheint etwas dran zu sein, dass man mit „Sachwerten“ ganz gut fährt, im Gegensatz zu anderen verderblichen Dingen wie Hypothekenfinanzierern, Warenhäusern, Herstellern von überaus sinnlosem Schnickschnack und Papiergeld. Bei Sachwerten weiß man eben was man hat. Und Wein, naja, den kann man auch noch genießen…

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