Vor uns die spannenden Monate

11. Juli 2009 | Kategorie: Kommentare

von Manfred Gburek

Das gegenwärtig scheinbar richtungslose Hin und Her an den Finanz-, Rohstoff- und Edelmetallmärkten lenkt von der viel spannenderen nächsten Zukunft ab. Zum Beispiel von der Frage, ob es noch vor der Bundestagswahl am 27. September zu einem größeren Knall kommt (Opel, Porsche usw.). Oder von der naheliegenden Spekulation, ob die internationale Finanzwelt sich nach dem jüngsten, von lauwarmen Sprüchen durchsetzten G8-Gipfel doch noch zu einer koordinierten Aktion durchringen wird. Immerhin haben die Staats- und Regierungschefs da geschworen, ein stabiles Weltwährungssystem zu schaffen.

Um die Antworten vorwegzunehmen: Die noch im Amt befindliche schwarz-rote Bundesregierung wird mithilfe der Medien viel unternehmen, ja sogar alle erdenklichen Tricks anwenden, um einen Knall vor der Wahl zu verhindern. Derweil wird die Finanzwelt sich im schnellen Tempo nach vorn zu bewegen versuchen: Die führenden europäischen Notenbanken incl. EZB (und wohl auch IWF) werden das 1999 initiierte, fünf Jahre später vorzeitig bis 2009 verlängerte und nun vor einer weiteren Entscheidung stehende Abkommen zur Begrenzung von Goldverkäufen unter neuen Bedingungen wieder vorzeitig verlängern. Am 24. und 25. September, also unmittelbar vor der Wahl, wird Kanzlerin Merkel beim – im Gegensatz zum G8-Gipfel – viel wichtigeren G20-Gipfel in Pittsburgh groß auftrumpfen, um sich den Deutschen ein letztes Mal vor der Wahl als die einzig wahre, von anderen Staatschefs hofierte Regierungschefin zu präsentieren. Ganz schön cleveres Timing.

Der G20-Gipfel wird es darüber hinaus in sich haben. Es ist nämlich höchste Zeit, dass die verantwortlichen Politiker und Notenanker ein neues Weltwährungssystem nicht nur beschwören (wie zuletzt beim G8-Gipel), sondern zumindest in groben Zügen entwerfen. Das wird in Pittsburgh der Fall sein, allerdings hinter verschlossenen Türen. Über die Rollen, die der US-Dollar und das Gold dann spielen sollen, herrscht noch keine Einigkeit (z.B. Dissens zwischen den USA und China), sodass über den groben Entwurf hinaus keine konkreten Gewichtungen und Paritäten zu erwarten sind. Die jetzige Weltwirtschaftskrise wird demzufolge wohl nicht schon 2009 ihr Tief erreicht haben, sondern erst 2010. Also wissen alle Verantwortlichen, dass sie sich mit ihren Entscheidungen zur Krisenbekämpfung beeilen müssen – und das ginge am besten, wenn die seit fast vier Jahrzehnten vorherrschende Währungs-Unordnung endlich von einem neuen Weltwährungssystem abgelöst würde. Vor uns liegen wahrlich ganz spannende Monate.

Das übrigens auch aus einer grundsätzlichen Überlegung heraus: Die Krise und das Währungssystem stehen in einem pikanten gegenseitigen Verhältnis zueinander. Das heißt, je tiefer die Bruttoinlandsprodukte der wichtigsten Länder sinken, desto stärker wird der Druck auf Regierungen und Notenbanken, über die bisherigen Maßnahmen zur Belebung der Konjunktur hinaus ein neues Währungssystem zu etablieren, um damit eine Vertrauensbasis zu schaffen. Und je schneller dieses System in Grundzügen so feststeht, dass es glaubwürdig kommuniziert werden kann, desto schneller kann sich die Konjunktur erholen. Besonders spannend: Interessierte Kreise malen die Krise bereits jetzt in den dunkelsten Farben aus, um zusätzlich Druck auszuüben, damit das neue Währungssystem möglichst früh Realität wird. Und zwar nach den Vorgaben eben dieser – höchsten internationalen – Kreise, die von den üblichen vernetzten informellen Machtzirkeln beherrscht werden. Auch ganz schön clever.

Wie das neue System aussehen könnte, habe ich hier am 22. Mai skizziert. Wird Gold die wichtige Rolle, über die ich damals geschrieben habe, einnehmen können? Ich denke schon, jetzt erst recht. Denn zur Schaffung der im vorigen Absatz erwähnten Vertrauensbasis gehört nun mal etwas, was international ohne Wenn und Aber als Wert anerkannt ist, ohne dass Regierungen diesen Wert dauerhaft manipulieren können und ohne dass die globalen Gelddruckmaschinen oder die von Fed-Chef Bernanke losgeschicken Geldhelikopter es zu zerstören vermögen.

Aber wie steht es um das Gold in seiner Funktion als Anti-Dollar? Gar nicht so anti, schließlich besitzen die USA gemäß World Gold Council mit 8133 Tonnen (t) den größten offiziellen Goldschatz der Welt. Fügt man diesem in Gedanken den überwiegenden Teil des offiziellen deutschen, vor allem in den USA deponierten und somit von unseren amerikanischen „Freunden“ gehüteten Goldschatzes hinzu (gesamter Bestand: 3413 t), ergeben sich locker 10.000 bis 11.000 t. Überlegungen, wie weit der US-Einfluss reicht, lassen sich auch aus den Schätzen anderer den USA gewogener Länder ableiten, wie Italien (2452 t), Japan (765 t), Taiwan (424 t) oder Portugal (383 t). Im Übrigen hat der Anteil der Entwicklungs- und Schwellenländer an den offiziellen Goldreserven während der vergangenen Jahrzehnte rasant zugenommen, so dass die USA sich unter ihnen mit irgendeiner Art von goldgedeckter Weltwährungsordnung nicht gerade Feinde machen würden. China und die Golfstaaten besitzen so hohe Dollarreserven, dass sie sich mit den USA in einer Pattsituation befinden.

Wenn schon so viel für ein weiter vom Dollar (qua US-Macht) und vom Gold (qua Vertrauensbasis) dominiertes neues Währungssystem spricht, worin besteht dann das Problem? 1. In den Details, und derer gibt es viel mehr, als die G20-Runde Mitglieder hat. Genaugenommen so viele, wie selbständige Währungen existieren, für die Paritäten zum Dollar wie auch zu anderen Währungen und zum Gold bestimmt werden müssten. 2. Im Tempo, das zum Etablieren einer Vertrauensbasis mittels goldgedecktem Währungssystem vorzulegen ist, bevor die Weltkonjunktur total einbricht. Denn kein gescheiter Politiker oder Notenbanker glaubt noch an die Selbstheilungskräfte des Marktes.. 3. In der Unvollkommenheit, zu der die neue Weltwährungsordnung wegen des notwendigen Tempos geradezu verdammt ist. Daraus dürfte an den Märkten eine Jahre währende Unsicherheit erwachsen, die auf jeden Fall eines bewirken wird: dass sicherheitsbewusste Anleger den Goldpreis nach oben treiben werden. Lassen Sie sich also nicht von dem zuletzt enttäuschenden Preisverlauf irritieren. Oder um die hier vor zwei Wochen geäußerte Kernthese zu wiederholen: Goldpreisesxplosion ja, aber erst später.

Manfred Gburek, 10. Juli 2009

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