Heiter bis wolkig

7. Juli 2009 | Kategorie: Kommentare

von Frank Meyer

Die Börsen nehmen das Ende eines turbulenten ersten Halbjahres zur Kenntnis. Noch am Montag und Dienstag wurden die Depots aufgehübscht. Man nennt das „Window Dressing“, was diesmal wohl aus Essig und Öl bestand. Essig zum Putzen und Öl zum Ausrutschen…

Zumindest können jetzt die Fondsmanager im Halbjahresauszug zeigen, wie toll sie gewesen sind. Das tut man überall in der Welt. Wenn Quartale oder Jahre wechseln, beginnt das Putzen mit den Tasten BUY und SELL. Nicht dass jemand sagen kann: Was? Fondsmanager Mister X hat noch Arcandor-Aktien? Pfui Bäh! In den Verwahrfächern für Aktien und Fonds wird einiges geputzt, worauf man in der Realität oft vergebens wartet. Nach einer Bauchlandung im März steht der DAX jetzt wieder dort, wo er zu Beginn des Jahres sorgenvoll gestartet war. Was lehrt uns das? Nichts.

Die Hälfte des Jahres ist vorbei, damit aber kaum diese sogenannte Krise. Es hätte auch schlimmer kommen können. Wir Hunnen haben das Glück, im Herbst wählen zu gehen. Bis dahin sind wir sicher. Langsam scheint sich aber die Sorge breit zu machen, dass dieses viele billige Geld zwar irgendein Wachstum anschieben könnte, aber mit der unerwünschten Folge von Preissteigerungen – wo auch immer. Irgendwo muss sich dieses neue Geld doch entladen, so die Frage an den früheren EZB-Chefökonom Ottmar Issing auf einer Veranstaltung in Frankfurt.

Er sieht in der kommenden Zeit keine Inflation auf Deutschland zurollen. Die EZB wird das Geld rechtzeitig wieder aus dem Markt nehmen, und zwar, bevor eine Teuerung sichtbar wird, sagte er. „Es ist nicht einfach, aber machbar.“ Was werden die Notenbanker in den USA und Großbritannien tun? Wir wissen es nicht, so wie sie vorgeben haben, von der heranrollenden Flutwelle nichts gewusst zu haben.

Zickige Börsen und Zauberstäbe

An den Börsen scheint es einen Stimmungsumschwung zu geben. Bei fast allen Gesprächspartnern war zu spüren, dass sie dem Braten nicht so recht trauen. ZEW, Ifo und andere Indikatoren sind durch die Hoffnung auf bessere Zeiten gestiegen. Es braucht aber auch der realen „Untermalung“. Vielleicht liegt es ja auch an der jetzt erkennbaren „Schulter-Kopf-Schulter-Formation“ (SKS) im DAX? Interessant ist zudem, dass man beginnt, die statistische Größen zu hinterfragen.

Reporter unterschieden bei der Betrachtung der US-Daten zwischen offiziellen und den eigentlichen Zahlen und ließen die Fragezeichen tanzen. Offiziell liegt die US-Arbeitslosenquote bei 9,5 Prozent (U3), weniger offiziell aber bei 16,8 Prozent (U6). Und inoffiziell ist mehr als jeder fünfte US-Amerikaner arbeitslos. Die ersten beiden Zahlen stammen aus dem Buereau of Labour Statistics, Seite 20 (Link), die letzte Zahl wird auf ShadowStats (Link) nach Berechnungen und der Formeln aus dem Jahr 1980 veröffentlicht.

…noch mehr Fragen als Antworten

Zugleich fragt man sich, wie es die Verbraucher anstellen, einerseits ihre Sparquote auf fast 7% zu erhöhen und gleichzeitig ihrer Konsumwut auf ähnlicher Weise nachzugehen, als wäre nichts geschehen – und das auch noch bei steigenden Arbeitslosenzahlen, geizigen Banken und steigenden Zinsen für Kredite. Doch wir werden später dahinter kommen – wohl wenn es wieder zu spät.

Die Gerechtigkeit hat gesiegt, steht in den Schlagzeilen. Madoff geht für 150 Jahre hinter Gitter. Er hat Geld von Anlegern genommen und konnte es am Tag der Abrechnung nicht zurückgeben. Im Zusammenhang mit Madoffs Verurteilung fragt Bill Bonner nach dem Unterschied zwischen Madoff und der amerikanischen Regierung. Interessante These…

Auf der Suche nach Post

Die Finanzmärkte sind zur Zeit langweilig und trügerisch. Leute mit Geld wühlen täglich im Briefkasten auf der Suche nach Einladungen, wie sie früher Alan Greenspan verschickte. Der Kopf dröhnt noch von der letzten Party. Bei Bernanke & Co. stapeln sich die Briefe in Büros und Garagen. Ob sie ihren Weg in die Post und dann zu den noch Verkaterten schaffen? Wir wissen es nicht, aber sie wissen aus alten Büchern, dass man dieses Problem mit noch mehr Punsch in den Griff bekommen kann, und die Party wieder in Schwung. Die Götter schauen beeindruckt zu. Werden neue Schulden die Welt wirklich besser machen? Vielleicht. Bis zum nächsten Stromausfall.

Diese Seite drucken



weitere Berichte

Aufgelesen

Ronald Gehrt Blog
Videoblog

Print Friendly, PDF & Email

 

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.