Warnungen aus Amerika

7. Juli 2009 | Kategorie: Kommentare

von Frank Meyer

Schaut man aus dem Fenster, geht das Leben seinen seinen normalen Weg. Fast. Es ist wie in den letzten Jahren. Die Autos fahren auf den Straßen, Leute gehen einkaufen, Damen lassen sich im Studio ihre Nägel bearbeiten. Beim Italiener um die Ecke sind die Tische besetzt. Das ist immer so nach einem Zahltag, so der Wirt. Soweit die gute Nachricht…

Hat die „Krise“ einen Bogen um Deutschland gemacht? „Schau Dich doch um“, heißt es. „So schlimm kann es nicht sein, wenn man sich den Arbeitsmarkt anschaut, Stahlunternehmen höhere Preise im Markt durchsetzen können und Leute ihr Geld ausgeben. Das Gerede von der „Krise“ kann man schon nicht mehr hören“…

Viele scheinen von grünen Sprossen gegessen zu haben, wäre wohl die Antwort von Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson von der Harvard-Universität. Ferguson geht davon aus, dass die Weltwirtschaftskrise Deutschland besonders hart treffen wird. Die Indizien dafür beschreibt er als „überwältigend“. Statt entschlossen zu reagieren, steckten aber deutsche Politiker und ihre Wähler den Kopf in den Sand, schreib er in einem Beitrag für die Wochenzeitung „Die Zeit“.

„Am besten hat Finanzminister Peer Steinbrück wohl die deutsche Haltung zusammengefasst, als er 2008 vorhersagte, die USA würden infolge der Krise ‚ihren Status als die Supermacht des globalen Finanzsystems verlieren.“

„Doch bald werden die Amerikaner dran sein mit der Schadenfreude. Eine bedrückende Realität wird die Deutschen zwingen, ihre Verdrängungshaltung aufzugeben.“

So schrumpfe die deutsche Wirtschaft bereits heute viel schneller als die amerikanische, und vielen Banken in Deutschland drohten in den kommenden Monaten neue Rekordverluste, orakelt Ferguson.

Die gesichteten Sprossen werden gerade in einem Labor für Toxikologie untersucht. Das Ergebnis wird am Montag, dem 28. September erwartet. Ich kreuze mir diesen Tag schon mal im Kalender an – ein Tag mit einem Kreuz nach dem Kreuz – und nicht zu übersehen.

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