PIGS-I ist überall…

29. Dezember 2009 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Hasta la vista, Espania! Was für eine Überraschung! Einen Tag nach dem Debakel um Griechenland hat es jetzt Spanien erwischt. Standard & Poor`s senkt den Ausblick für das Kreditrating. Und wen vernascht man morgen?

Ratingagenturen haben spätestens seit ihrem Tiefschlaf inmitten der ganzen Sauerei an den Finanzmärkten etwas an Charme eingebüßt. Sie schauten dem Treiben an den Kreditmärkten lange zu, ohne etwas zu meinen, haben durch die Gegend gedöst und machten gleichzeitig dicke Geschäfte mit denen, von denen die bezahlt werden – den Banken.

Nun scheinen sie aber aufgeweckt worden zu sein. Um Reputation kämpfend, sind sie ausgerechnet hier in Europa fündig geworden. Gestern traf es Griechenland. Die Betrügereien von Griechenland in Sachen Transparenz und Statistik sind ein offenes Geheimnis. Und auch die Schuldenberge wären mit einem Knopfdruck abrufbar gewesen bzw. hätten rote Alarmlampen angehen lassen müssen. Der richtige Schuss zur richtigen Zeit will gekonnt gesetzt sein. Unter PIGS (Schweinchen) versteht man heute die vier südlichen Euro-Mitgliedsländer mit den vielen Schulden und den noch höheren Zuwendungen aus der EU. S&P hat heute bei Spanien zugeschlagen. Sicherlich rein zufällig… Sie sollten sich eine neue Abkürzung merken: PIGSI – eine Wortkreation eines Frankfurter Börsenhändlers in einer einfachen Formel… PIGSI = PIGS+Irland.

Man kann jetzt eine große Verschwörung vermuten, dass man sich einen Tag nach Griechenland und einer tiefgründiger Analyse zu einer Abstufung des Ausblicks durchgerungen hat. In der Tat, Spanien geht es gar nicht gut, 20 Prozent Arbeitslosigkeit im nächsten Jahr werfen die Frage auf, wer denn die Schulden und jetzt höheren Zinsen mit seinen Steuern stemmen kann. Nur hält dieser Zustand schon eine geraume zeit an. Bevor Fitch oder Moody`s auf die Idee kommen, einen Warnschuss vor das Bug der Spanier zu setzen, war S&P diesmal schneller – ein kleiner Konkurrenzkampf unter Freunden, vielleicht sogar politisch motiviert, sagen Händler.

Angesichts des strengen Geruchs vor der eigenen amerikanischen Tür fragt man sich, warum man lieber in Europa kehrt, als in den USA. Ich stelle mir das ganz lustig vor. Man kann Märkte mit Auf – und Abstufungen richtig bewegen, sicherlich nicht zum Nachteil der Amerikaner. 9 Uhr – irgendwo in einem Besprechungsraum. Aufmunitioniert mit Buchstaben und Zahlen trifft man sich und berät die Agenda. Ahhh…! Feuern wir doch heute mal auf … S&P und Moody´s (Warren Buffett hält 20 Prozent an Moody`s) hat man an den Märkten eine Macht wie der Papst im Mittelalter. Und der Markt der weltweiten Anleihen ist schlappe 83 Billionen Dollar groß. Ein Schuss wirkt Wunder, hebt den Dollarindex an wichtigen technischen Marken und veranlasst eine Flucht aus Müll in die ach so tollen AAA-Papiere, mit denen die USA zufälligerweise auch geratet wird. Ganz nebenbei zaust es den Euro – vielleicht sogar zur Freude der EZB. Das Schlafmützendasein der drei Ratingagenturen bekommt auf einmal einen Anstrich von Wichtigkeit.

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