Tipps für geduldige Anleger, Warnung vor Abzockern

18. Juni 2011 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Ist Ihnen nicht auch schon aufgefallen, dass die Aktienkurse an den großen Börsen der Welt weitgehend auf der Stelle treten? Dieses Phänomen ist leicht zu erklären: 1. Es fehlt an neuen positiven Nachrichten aus der Wirtschaft. 2. Negative Faktoren werden von den Anlegern ignoriert. 3. In den USA verhindert der gezielte, gesteuerte Handel mit außerbörslichen Futures (Terminkontrakten) das Absacken der Kurse, was sich im Endeffekt auch auf die anderen Börsen glättend auswirkt.

Ist Ihnen darüber hinaus auch aufgefallen, dass der Goldpreis in Euro auf Rekordniveau notiert? Das lässt sich ja nicht allein an der üblichen Preisgrafik ablesen, sondern auch an dem im Tagesverlauf zum Teil stark schwankenden Preis für den Gold-Kilobarren in Euro, der zuletzt die Marke von 35.000 Euro übersprungen hat. Derweil ist der Silber-Kilobarren über 1000 Euro gestiegen. Auch die Erklärung hierfür ist recht einfach: Tendiert der Euro gegen den Dollar schwach, profitieren Euro-Anleger von den beiden Edelmetallen, obwohl deren Preise in Dollar mehr oder weniger stagnieren und noch ein wenig von den bisherigen Höchstpreisen entfernt sind.

Wird es so weiter gehen? Nicht mehr lange, denn Europa und die USA, Japan sowieso, haben Schuldenprobleme, die gelöst werden müssen. Geschieht das nicht noch in diesem Jahr, besteht die Gefahr eines großen Finanzkrachs wie nach der Lehman-Pleite im Herbst 2008. Also bastelt man unruhig an möglichen Lösungen, verwirft sie wieder, holt neue aus der Schublade usw. Daraus erklärt sich die ganze Hektik, mit der jetzt die Regierungschefs der führenden Wirtschaftsnationen, ihre Verhandlungspartner aus dem – zurzeit an der Spitze verwaisten – Internationalen Währungsfonds, aus der EU und den Notenbanken miteinander verhandeln.

Den großen Wurf werden sie in diesem Jahr allerdings nicht präsentieren können, sondern nur das eine oder andere Rettungspaket zur Abwendung des drohenden Finanzkrachs. Dabei dürfte es entscheidend darauf ankommen, welche Bilanzdaten die US-Notenbank – gezwungenermaßen – bis Herbst veröffentlichen wird. Denn sie kann ja ihre allzu lockere Geldpolitik nicht auf Dauer verheimlichen, sondern muss sie begründen, um den letzten kleinen Rest des Vertrauens der Anleger zu rechtfertigen.

Die aktuelle Konstellation wie auch die Aussichten an den Weltbörsen und Edelmetallmärkten sprechen zunächst dafür, mit dem Kauf von gängigen Aktien, wie sie beispielsweise in den Indizes Dax, MDax, Dow Jones und Nikkei vertreten sind, einfach ruhig zu warten sowie Gold und Silber in physischer Form (Münzen und Barren) weiter zu halten. Und Edelmetallaktien? Sie tendieren im Vergleich zu den Edelmetallen selbst ziemlich schwach und pendeln noch aus. Daraus folgt: Bestehende Positionen halten, vor 2009 gekaufte unbedingt, weil auf ihre Kursgewinne keine Abgeltungsteuer fällig wird. Erste Käufe oder Rückkäufe können sich lohnen, falls Sie in Edelmetallen insgesamt unterinvestiert sind, also vielleicht gerade mal zehn Prozent Ihres Vermögens oder weniger in dieser Anlageklasse halten.

Spannend wird es bei der Aktienauswahl. Eine einfache Methode, die Spreu vom Weizen zu trennen, besteht im Vergleich einzelner Aktien mit den auch auf goldseiten.de veröffentlichten Indizes XAU und HUI. Das heißt, hat sich eine bestimmte Aktie seit Jahresbeginn besser entwickelt als der entsprechende Index, spricht das für ihren Kauf schon jetzt. Hat sie sich dagegen schlechter entwickelt, heißt es abwarten. Ob Aktien aus der ersten Reihe (Barrick, Newmont, Anglogold, Gold Fields, Newcrest, Fresnillo, Pan American Silver u.a.) beim nächsten Aufwärtsschub besser abschneiden werden als Junior- oder Explorationsaktien, lässt sich nicht pauschal beantworten. Viel spricht indes dafür, dass unter den ganz großen Gewinnern eher Junioraktien zu finden sein werden.

Aber wie sie finden? Eine bewährte, jedoch zeitraubende Methode beginnt mit dem Blick auf die englischsprachige Internetseite www.mcewencapital.com. Dort finden Sie eine ganze Reihe hochinteressanter Juniors aus dem McEwen-Index. Warum Juniors? Weil die Erschließung neuer Minen so viel Geld kostet, dass die führenden Gold- und Silberkonzerne es lieber für den Kauf von Juniors ausgeben, vorausgesetzt, deren Gold- oder Silbervorkommen sind nachgewiesen – was im Übrigen nicht ausschließt, dass sich demnächst auch die großen Edelmetallkonzerne Übernahmeschlachten liefern.

Nun noch ein ernstes Wort zu Explorationsaktien, von denen die eine oder andere durchaus für eine herausragende Performance gut sein mag. Nur sie zu finden, erscheint ohne umfangreiche Studien vor Ort fast unmöglich. Was windige Geschäftemacher, auch Promoter genannt, schon vor Jahrzehnten auf die Idee gebracht hat, Anlegern – vor allem auch deutschen – vorzugaukeln, sie seien auf eine tolle Goldader gestoßen oder mit ihren vermeintlichen Bohrungen zumindest in deren Nähe gekommen.

So weit, so harmlos. Doch dann beginnt die Abzocke: Die Promoter bringen zum Beispiel eine Million Aktien ihrer angeblichen Explorationsfirma zum Kurs von 10 Cent an die Börse, treiben den Aktienkurs mit wenigen Kaufaufträgen auf 50 Cent in die Höhe und animieren unbedarfte Anleger mit dem Hinweis auf die Verfünffachung des Aktienkurses und auf den schon bald zu erwartenden Goldfund zum Kauf. Inzwischen haben sie allerdings die Zahl der ausgegebenen Aktien von einer auf zehn Millionen verzehnfacht und verkaufen sie mithilfe von Börsenbriefen oder auf anderen dubiosen Wegen den unbedarften Anlegern, deren Gier wegen der Verfünffachung des Kurses und wegen der Hoffnung auf den Goldfund kaum zu befriedigen ist. Sind die Aktien untergebracht, ziehen sich die Promoter und ihre Verkaufshelfer zurück, der Kurs verfällt mangels Nachfrage, und am Ende bleiben die Anleger auf ihren so gut wie wertlos gewordenen Aktien sitzen.

Solche Entwicklungen sind kennzeichnend für das Ende von Aufwärtstrends. Weil sie in Bezug auf Edelmetallaktien zurzeit erst in den Anfängen stecken, kann man – neben anderen, hier immer wieder genannten Indizien – auch diesbezüglich davon ausgehen, dass der Aufwärtstrend der Edelmetalle noch nicht zu Ende ist. Nehmen Sie jedoch die gerade beschriebenen Zustände als Warnung für die Zukunft ernst. Und falls Sie glauben, nicht auf Promoter hereinfallen zu können, sollten Sie an das Ende anderer Aufwärtstrends denken, als Aktienkurse sich quasi in Luft auflösten, etwa am Neuen Markt beginnend Anfang 2000, an allen Weltbörsen im Frühjahr 2003 und dann wieder Ende 2008. Doch wie schon betont: Die Edelmetalle und ihre Aktien bleiben von diesem Schicksal noch eine ganze Weile verschont.

Manfred Gburek, 17. Juni 2011

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