Tiefe Zinsen, hohe Schulden

11. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Eine Abkehr von der Tiefzinspolitik ist nicht zu erwarten – ohne dass es zu neuerlichen Finanz- und Wirtschaftserschütterungen kommt. In Japan zeigt sich seit Jahren ein chronisches Anschwellen der Staatsschulden, begleitet von sinkenden Zinsen. Ganz ähnliche Entwicklungen zeigen sich in den Vereinigten Staaten von Amerika und im Euroraum…

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Folgt die westliche Welt der japanischen Blaupause? Die Beantwortung dieser Frage erfordert einige grundsätzliche Anmerkungen zu Zins, Schulden und den wirtschaftlichen Folgen, die tiefe Zinsen nach sich ziehen.

Lassen Sie uns mit einem einfachen Beispiel beginnen. Soll sich die monatliche Zinsbelastung auf 500 Euro belaufen, so kann der aufzunehmende Kreditbetrag umso höher ausfallen, je niedriger der Kreditzins ist (siehe Abb. 1).

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Es ist daher nicht verwunderlich, dass in einem Umfeld sinkender Kreditzinsen die volkswirtschaftliche Verschuldung anschwillt; und auch nicht, dass sich eine Kultur der Dauerschuldnerei einstellt. Der Grund: Werden Kredite fällig, können sie durch neue Kredite ersetzt werden, die mit einem niedrigeren Zins ausgestattet sind. Das verringert die Zinslast – und schafft Raum für ein Ausweiten der Verschuldung.

Was im Kleinen gilt, gilt an dieser Stelle auch im Großen: Staaten können sich immer stärker verschulden, und zwar in Relation zur gesamtwirtschaftlichen Leistung, wenn der Zins im Zeitablauf absinkt (siehe Abb. 2).

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Eine solche Schuldenwirtschaft wird jedoch immer stärker abhängig vom Abwärtstrend der Zinsen, weil nur so die Zinsrechnung – insbesondere bei steigender Verschuldung – beherrschbar bleibt (siehe Abb. 3).

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Das Gesagte macht deutlich, wie gefährlich die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 für die Schuldenwirtschaften gewesen ist. Kredite wurden fällig, viele Kreditnehmer erhielten jedoch keine Anschlussfinanzierung mehr.

Entweder waren die Kreditgeber nicht mehr bereit, die Dauerschuldnerei weiter zu finanzieren; oder aber sie stellten Kreditzinsen in Rechnung, die die strauchelnden Schuldner nicht zahlen konnten oder wollten.

Nur die Eingriffe der Zentralbanken in die Kreditmärkte haben verhindert, dass die Kreditpyramide zusammengestürzt ist. Die Zentralbanken haben zum einen die Marktzinsen auf historische Tiefstände geschleust.

Zum anderen haben sie unmissverständlich in Aussicht gestellt, dass die elektronische Notenpresse angeworfen wird, um strauchelnden Banken und Staaten jede gewünschte Geldmenge bereitzustellen.

Angesichts des Versprechens, dass Pleitewellen abgewendet werden, sind Investoren wieder bereit, Schuldnern, die es eigentlich gar nicht verdienen, Geld zu leihen. Die Dauerschuldnerei kann weitergehen. Doch Verschuldung hat Grenzen…



Grenzen der Verschuldung

Nun könnte man denken, dass das Herunterdrücken der Zinsen durch die Zentralbanken die Dauerschuldnerei gewissermaßen verewigen könne. Das jedoch wäre voreilig geurteilt.

Erstens: Das künstliche Absenken der Zinsen provoziert fehlgelenkte Investitionen und Spekulationsblasen, die nachfolgend platzen und zu Wirtschaftszusammenbrüchen führen. Das Ausweiten der Schuldenlasten geht folglich mit einer zusehends fragiler werdenden, in ihrer Schuldentragfähigkeit nachlassenden Volkswirtschaft einher.

Zweitens: Damit die Dauerschuldnerei sich fortsetzen kann, bedarf es Kreditgeber, die selbst noch bei extrem tiefen Zinsen bereit sind, fällige Schulden zu refinanzieren – und zudem auch noch neue Kredite zu vergeben. Von diesen Kreditgebern gibt es derzeit offensichtlich genug: Die Schuldpapiere der Staaten – und auch die der Banken – werden bereitwillig gekauft von institutionellen, aber auch privaten Investoren.

Was treibt diese Investoren an, zum Beispiel zehnjährige Staatsanleihen mit einer Rendite von 0,9 Prozent zu kaufen? Oder das japanische Pendant mit einer Rendite von 0,5 Prozent?

Vor allem eine Antwort drängt sich auf: Dass nämlich Investoren erwarten, die Zinsen werden nur vorübergehend niedrig sein und früher oder später wieder auf „auskömmliche“ Niveaus steigen. Würden sie das nicht erwarten, hätten sie kaum mehr Grund, ihr Geld in niedrig verzinslichen Anleihen zu investieren – und die Dauerschuldnerei würde ein jähes, ein schmerzliches Ende finden. Das mag der Grund sein, warum die US-Zentralbank nun die Erwartung künftig steigender Zinsen schürt. Das hebt das Vertrauen in den US-Dollar und die amerikanischen Zinsmärkte.

Wie aber sind die Aussichten einzuschätzen, dass die US-Zinsen tatsächlich angehoben, dass sie auf „normale“ Höhen zurückkehren werden?

Die Aussichten dürften eher gering sein. Das weltweite Schuldgeldsystem kann steigende Zinsen nicht verkraften, ohne dass die Probleme zutage treten, die Regierungen und Zentralbanken verbergen wollen. Die dennoch möglichen Zinsanhebungen in den Vereinigten Staaten von Amerika haben daher das Potenzial, zu erheblichen Erschütterungen in den Finanzmärkten und Konjunkturverläufen zu führen. Der aktuelle Goldpreis unterschätzt die Risiken, die mit einem erneuten Aufflammen der Kreditausfallsorgen oder Inflationsgefahren verbunden sind.

Steigende Schuldenlasten sind möglich dank sinkender Zinsen

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Im Euroraum – wie auch in allen anderen großen Währungsräumen – zeigt sich folgendes Bild:

Die Zinsen sinken ab, die Schuldenquoten steigen an. Ab Mitte der 90er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts sorgte das Bestreben, die Maastricht-Kriterien zu erfüllen und dadurch dem Euro beitreten zu können, in vielen Ländern zu einem Rückgang der Neuverschuldung, vielfach ging die Staatsverschuldung in Prozent des Volkseinkommens sogar zurück. 

Begleitet war diese Entwicklung von sinkenden Zinsen. Der Grund: Der „Stabilitäts- und Wachstumspakt“ grenzte das Schuldenmachen der Staaten ein – und übte einen mäßigenden Einfluss auf die Zinsen aus. Zudem gingen die Marktzinsen zurück, weil mit dem Euro die Erwartung verbunden war, von nun an sei mit einer stabilitätsorientierten Geldpolitik im Euroraum zu rechnen. 

Mit der Finanz- und Wirtschaftskrise änderte sich das Bild. Zusätzliche Konjunkturausgaben sowie Löcher in den laufenden Haushalten wurden durch Kreditaufnahme gestopft, und die Staatsschuldenquote stieg stark an – von 66,4 Prozent Ende 2007 auf 92,7 Prozent Ende 2013. 

Die anhaltend tiefen Zinsen ermuntern die Staaten zum Wirtschaften auf Pump, etwa um die lahmenden Volkswirtschaften mit kreditfinanzierten Ausgaben in Schwung zu bringen und die Massenarbeitslosigkeit im Euroraum zu senken. Es wäre daher alles andere als verwunderlich, wenn die Schuldenstände der Staaten im Euroraum in den kommenden Jahren weiter an-schwellen. 

Zins, Sparen und Investieren – wie Volkswirtschaften wachsen 

Der Zins bezeichnet einen Wertabschlag: Heute verfügbare Güter sind mehr Wert als künftig verfügbare Güter. Ist der Marktzins hoch, steigt das Sparangebot. Das heißt, Menschen sind zusehends bereit, weniger zu konsumieren und ihre Mittel produktiv einzusetzen, um dadurch künftig mehr konsumieren zu können.  Genau das beschreibt den Wachstumspfad der Volkswirtschaft: Durch Konsumverzicht und Sparen wird der Kapitalstock gemehrt, der eine zusehends produktivere Wirtschaft erlaubt. 

Wenn der Zins von der Zentralbank künstlich abgesenkt wird, hat das weitreichende Folgen. Der sinkende Zins gaukelt ein Ansteigen des Sparmittelangebots vor, das es gar nicht gibt. Es kommt zum „Scheinaufschwung“, zum „Boom“, der aber früher oder später in sich zusammenfallen muss. 

Vor allem aber lässt der sinkende Zins das Sparangebot schrumpfen – im Vergleich zu einer Situation, in der der Zins nicht künstlich abgesenkt worden wäre. Für Investitionen (die tendenziell bei sinkendem Zins zunehmen) stehen zu geringe Ressourcen zur Verfügung – und sie werden durch Bankkredite, denen keine echte Ersparnis zugrundeliegt, gedeckt. Mit anderen Worten: Es kommt zu einer zusehends inflationären Kreditfinanzierung. 

Es ist allerdings denkbar, dass bei künstlich gesenkten Zinsen das Investitionsverhalten leidet. Das wäre etwa dann der Fall, wenn die Zinsen derart niedrig sind, und die Bewertungen für zum Beispiel Aktien, Anleihen und Immobilien bereits recht hoch sind, dass Investoren sich mit Neuinvestiti-onen zurückhalten – weil sie fürchten, die hohen Preise könnten nachgeben und es daher besser ist, trotz tiefer Zinsen mit Neuengagements abzuwarten; Stagnation stellt sich ein. 

Wie dem auch sei: Ein künstliches Herabsenken der Zinsen ist kein „Kavaliersdelikt“, es bringt die Volkswirtschaft in ein äußerst schwieriges Fahrwasser: Der Wachstumspfad – der auf einem aufeinander abgestimmten Spar- und Investitions-prozess ruht – wird gestört. Es kommt zu Fehlentwicklungen im „Boom“, auf die Korrekturen (Krisen) folgen. 

Ein Herabdrücken des Zinses durch die Zentralbank ist folglich kein „Heilmittel“, sondern es leitet Fehlentwicklungen ein – die anfänglich meist übersehen werden, die aber früher oder später zutage treten. Tief gedrückte Zinsen befördern nicht etwa den Wachstumsprozess der Volkswirtschaft, sie stören ihn vielmehr. 

© Prof. Dr. Thorsten Polleit – Marktreport Degussa Goldhandel GmbH



 

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12 Kommentare auf "Tiefe Zinsen, hohe Schulden"

  1. FDominicus sagt:

    Ich möchte an diesem Eintrag nur eines kritisieren. Den Bezug zum BIP. Egal wie pervertiert unsere Eigentumssysteme schon sind. Der Staat hat nicht Zugriff auf jeden einzelnen ¢ des BIP und was ich schlimmer finde das BIP gaukelt eine weitaus geringere Verschuldung vor.

    Nehmen wir Ihren letzten Eintrag über die 3.75% Zins für die USA. Bei 17 Billionen an Schulden (ausgeschrieben: 17 000 000 000 000) machte das über 600 Mrd alleine ans Zinsaufwand bei einem Haushalt von 1,1 Billionen, also durchaus mehr als die Hälfte. Bei nur 5% hätte die USA nur noch einen Haushalt der die Zinsen bedienen würde.

    Das macht es viele eindrücklicher klar, warum die Zentralbanken alle daran setzen werden die Zinsen niedrig zu halten. Das diese sich um die Erhaltung der Kaufkraft der Währung gar nicht scheren, dürfte niemanden mehr überraschen.

  2. Ruhestein sagt:

    Nur einmal möchte ich erleben, dass nicht von einer Schuldenkrise, sondern von einer exorbitant auswuchernden Guthabenkrise gesprochen wird. 😉

    • Avantgarde sagt:

      Das wirst Du wohl kaum erleben….
      Schließlich sind die Guthaben immer Gut und die Schulden werden als so etwas wie ein biblische Schuld angesehen.
      Wo kämen wir denn hin wenn wir die sich immer weiter konzentrierenden Guthaben kritisieren würden – aber bitte nicht nach oben.
      Ach nee – dann lieber den mentalen Kurzschluß, daß die Lösung im vermehrten gleichzeitigen Sparen aller Marktteilnehmer läge.
      🙂

      • FDominicus sagt:

        Zeigt das bei Ihnen gilt Kredit = Guthaben. Was nur dann stimmen würde wenn alle Kredite immer zurückgezahlt würden. Leider hat man nur Kredit = Forderungen und viele davon wird man bald abschreiben dürfen. Ihr Versuch ist klar zu erkennen. Was wollt Ihre denn es gibt doch gar keine Schulden und auf der anderen Seite gespartes ist immer auch ein Kredit – was natürlich reiner Blödsinn ist.

        Einem Guthaben muß nicht zwingend eine Forderung gegenüber stehen. Ganz einfaches Beispiel sind die Edelmetalle. Niemand muß sich dafür verschulden, aber das ist für Ihre Argumentation ja einfach nur hinderlich und deswegen lassen Sie es geflissentlich unter den Tisch fallen.

        • Michael sagt:

          Wenn Kredit das Geld selbst ist, dann ist ein Guthaben die Summe über die bei der Bank zurückgegebenen Tauschmittel und ein Darlehen ein Bestand an überantwortetem Kredit. Das Darlehen sagt, ‚Tue mit dem Tauschmittel was du willst, sammle es wieder ein und gib den Packen mit zu einem bestimmten Zeitpunkt wieder zurück‘. Wenn der Zins anfällt dann wird er gedruckt und du sammelst ihn mit ein.

          In der Praxis schaut es etwas anders aus. Das abgegebene Tauschmittel verschwindet … das Gegengewicht zum Darlehen kann da sein oder nicht.

          Jener der zuerst Wiedereinsammelfreunde bekundete (der sog. Schuldner) kann zuvor eifrig produziert und Güter getauscht haben usw… wenn er nicht rechtzeitig fertig wird mit dem Wiedereinsammeln wird derjene sogar insolvent. Das Tauschmittel ist da. Die Frage ist immer wer hat das Guthaben. Die Besicherung ist allein dazu da eine Transaktion anzustoßen um einen Tauschmittelzufluss zu erzeugen.

          Die Bank ist die Gegenseite zum Konsumenten. Der Konsument sammelt nicht wieder ein erhält das Produkt und die Bank sammelt nur ein ohne etwas zu produzieren. Das ist keine Schelte.

          Das Geld ist nie weg, es hat nur jemand anders. Zumeist die Bank, wer sonst.

          • FDominicus sagt:

            Das sehen Sie durchaus teilweise falsch. Erst einmal sind Vermögen grundsätzlich nicht nur Sichteinlagen. Zweitens hat nicht jemand anders das Geld sondern es kann verschwinden. Sehr einfaches Beispiel. Sie geben mir 100 € ich verbrauche es und zahle nicht zurück. Somit ist Ihre Geld schlicht und einfach weg, Ihre Forderung können Sie sich „knicken“. Ich habe schön davon gelebt aber es wurde nun einmal schlicht und einfach verbraucht.

            Es dient nicht dazu den Kapitalstock zu vergrößern um dann eventuell irgendwo zu investieren. Es wurde einnfach verbraucht und der größte einfache Verbraucher ist der Staat und das unproduktivste was es gibt ist es in einen Krieg zu ziehen in dem es NUR darauf ankommt Gegenstände zu zerstören. Das Geld ist aber so was von weg und weil es wo weg ist, schnappen sich die Staaten die Zentralbanken und sagen: „Druck mal“ und diese Systemprofiteure tun genau das.

    • Skyjumper sagt:

      @Ruhestein
      Das mag daran liegen dass es zwar ökonomisch wurscht ist wie man das Kind nennt, denn tatsächlich sind Guthaben und Schulden nur die beiden Seiten ein und derselben Medaille, aber …… das Problem entsteht wohl aus der Sicht der meisten Betrachter durch den Schuldner.

      Würde er nicht mehr ausgeben wollen als er hat ……… würde er keine Schulden aufbauen und die Guthaben hätten keine Chance zu wachsen. Und würden Sie ganz korrekt sein wollen, müssten Sie darauf bestehen von einer Geldsystemkrise zu sprechen. Denn ohne Schulden würde unsere Wirtschaft einerseits nicht wachsen können, andererseits haben die Schulden/Guthaben offenbar eine Größenordnung erreicht wo ein nachhaltiges Wachstum auch mit neuen Schulden/Guthaben nicht mehr möglich scheint.

      • FDominicus sagt:

        Nicht alle Guthaben sind Schulden, somit sind Guthaben und Schulden nicht zwei Seiten der gleichen Medaille. Ihre Vorraussetzungen sind falsch also kann eine Folgerung nicht bewertet werden. Ein Guthaben kann nämlich Ihr Lager sein in dem Sie was-immer-sie-wollen lagern. Es gibt demgegenüber keine Schuld.

      • Skyjumper sagt:

        @FDominicus
        Ich verstehe was Sie meinen. Und bezogen auf das kleinste denkbare Wirtschaftssubjekt – nämlich eine Einzelperson – haben Sie damit auch Recht. Will heißen, dass Sie als Einzelperson durchaus Guthabenpositionen ohne Gegenpart aufbauen und halten können. Das gilt auch für mehrere Einzelpersonen, aber nie für das System als solchem.

        Auch Ihr Warenlager mußte angeschafft werden, vermutlich mußten Sie es mit Geld bezahlen. Dieses Geld ist nichts anderes als ein Schuldschein, der jeweils aktuelle Eigentümer erwartet dafür zu irgendeinem Zeitpunkt irgendeine Leistung zu bekommen. Ihr Warenlager stellt Sie also durchaus schuldfrei, nicht jedoch das Gesamtsystem. Irgendwo im Gesamtsystem vagabundiert das Geld mit dem Sie bezahlt hatten, und damit auch die Schuld. Es ist nun einmal die primäre Eigenschaft von „Geld“ dass es sich dabei um ein Leistungsversprechen, gleich eine Schuld, handelt.

        Auch dieser Satz von Ihnen:
        „Zeigt das bei Ihnen gilt Kredit = Guthaben. Was nur dann stimmen würde wenn alle Kredite immer zurückgezahlt würden.“
        Ist nicht korrekt. Natürlich gibt es Kredite die nicht zurückgezahlt werden. Aber regelmässig reduziert sich eben auch die Guthabenseite um genau die Höhe des nicht zurückgezahlten Kredites. Insoweit verhält sich ein nicht zurückgezahlter Kredit ähnlich wie eine Tilgung: Beides reduziert die Gesamtsumme des Geldes im System.

        Aber von diesen theoretischen Bilanzierungsfragen einmal abgesehen ging es bei der Fragestellung von @Ruhestein nicht um Sie oder mich oder Lieschen Musterfrau, sondern um das große System. Banken, Versicherungen, Staaten, Zentralbanken. Und da geht’s nun einmal nicht mal theoretisch um Warenlager, sondern um bilanzierte Forderungen (Guthaben) denen entsprechende Versprechen (Schulden) gegenüberstehen.

  3. Michael sagt:

    Die im Artikel angesprochene Strategie der Erhöhung der Schulden zum günstigen Zins/Preis ist dahingehend kurzzsichtig, da die Ratings spätestens dann angepasst werden, wenn die Neuschuldenaufnahme sich vertreuert. Der Moment der ‚Überraschung‘ kommt wie bei Insolvenzverschleppung, wenn die Realität einem selbst eingeholt hat.

    Ein niedriger Zins im gegeben Umfeld führt dazu, dass billiges Geld wird umverteilt, aus dem Wirtschaftsraum abgesagt (unifunktionaler Geldersatz) landet im Vermögen und zu diesem Zeitpunkt wird für alle Beteiligten in der Nationalökonomie just dieses Tauschmittel teuer. Deswegen wäre auch die ausgewogene Balance der Kräfte/Vermögen im Wirtschaftsraum vonnöten. Im Boom abkassieren und im Bust das letzte rauszupressen ist die andere Variante. Im Moment werden aber nicht nur die eigenen Mitarbeiter ausgepresst sondern alle in der Nationalökonomie. Am Ende sagt der Generaldirektor, ‚Hier können wir nicht mehr investieren, schauen sie was die Politik aus dem Land gemacht hat‘. Gelebte Häschenhaftigkeit sieht anders aus.

    In dem Sinne wäre die Ausweitung des Mittelstands in einem Teil des nicht von der ‚Industrie‘ dominierten Teil des Produktmixes eine zumindest vorausschauende Handlung. Bescheidenheit beim Gewinn kann man von den Tauschmittel Staubsaugern nicht erwarten.

  4. FDominicus sagt:

    Gerade dazu heute auf mises.de:
    http://www.misesde.org/?p=8682

    Wir haben kein Guthabenproblem sondern „nur“ ein Schuldenproblem. Jede Menge ungedecktre Schuldscheine. Derzeit nur noch etwas wert durch den Glauben und staatliche Gewalt….

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