Tickende Zeitbomben auf dem Weg in die Altersarmut

30. November 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Vor einer Woche ließ die Heute-Show im ZDF endlich mal wieder Satire vom Feinsten aufblitzen. Ihre Opfer: Exkanzler Gerhard Schröder, sein ehemaliger Minister Walter Riester und Kanzlerfreund Carsten Maschmeyer. Ihre Kernaussage: Die Riester-Rente ist Mist…

Dennoch wird sie weiter angeboten, als sei nichts gewesen. (heute-show, 21.11.2014) Ihre Kombination aus vermeintlicher Altersvorsorge und tatsächlicher Abzocke erscheint halt nach wie vor reizvoll, weil man/frau glaubt, etwas geschenkt zu bekommen. Doch dem ist unter dem Strich nicht so.

Selbst schuld, werden Sie jetzt eventuell einwenden, warum beachten die Leute nicht einfach, worauf sie sich einlassen? Dazu müssten sie allerdings ihre Kenntnisse in Finanzmathematik gehörig auffrischen, was den meisten Sparern aus naheliegenden Gründen schwer fällt. Und wie frühere, in mehreren Büchern beschriebene Beispiele des Mathematikers Bernd W. Klöckner belegen, sind sogar hoch dotierte Banker nicht in der Lage, jenseits der vier Grundrechenarten richtige Renditen oder Effektivzinsen auszurechnen.

Es bleibt dabei: Die gesetzliche Rente ist insofern eine solide Basisvorsorge, als sie von Politikern egal welcher Couleur mit sämtlichen zur Verfügung stehenden Mitteln gefördert wird. Dagegen steht alles andere – von der Riester-Rente über mehrere Spielarten der Lebensversicherung und Fondssparpläne bis zur betrieblichen Altersvorsorge und zur eigenen Immobilie – unter dem Vorbehalt, dass sich am Ende so manches davon als unsolide erweist.

Gburek_Online_-_2014-03-14_22.19.28Man denke neben den verschiedenen Varianten der Riester-Rente nur an die stark rückläufigen Ablaufleistungen der Kapitallebensversicherung: Falls sie den Lebensabend verschönern sollten, heißt es jetzt, auf manches Schöne zu verzichten. Und falls sie zur Entschuldung des Eigenheims vorgesehen waren, muss halt noch eine Restschuld irgendwie abgetragen werden.

Dennoch bevorzugen die meisten Deutschen nach wie vor das Sparen im Kollektiv. Nichts macht dies deutlicher als der Siegeszug der Spezialfonds, konzipiert als Altersvorsorge über Versicherer: Deren Mittelaufkommen belief sich laut Fondsverband BVI allein in den ersten drei Quartalen 2014 auf die stattliche Summe von netto 25,9 Milliarden Euro. Addiert man dazu das Mittelaufkommen der ebenfalls der Altersvorsorge dienenden Versorgungswerke, Pensionskassen und ähnlichen Einrichtungen in Höhe von 9,3 Milliarden Euro, ergeben sich bereits 35,6 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Alle deutschen Publikumsfonds zusammen brachten es in den ersten drei Quartalen nur auf ein Mittelaufkommen von netto 26,5 Milliarden Euro.

Während Anlegern der Einblick in die Zusammensetzung ihrer Publikumsfonds im Großen und Ganzen möglich ist, gilt das nicht für Spezialfonds. Das heißt, deren Manager können bis zu einem gewissen Grad machen, was sie wollen, ohne dass Anleger davon Kenntnis erhalten. Spezialfonds sind eine Domäne für allerlei festverzinsliche Wertpapiere, und deren Renditen tendieren gegen Null. Daraus folgt: Wer über Versicherer, Versorgungswerke usw. mithilfe von Spezialfonds fürs Alter vorsorgt, wird zwar laufend über den Stand der eingezahlten Beträge und möglichen Abläufe informiert, erfährt aber nichts über deren Hintergründe.

Eine tickende Zeitbombe auf dem Weg in die Altersarmut?

So könnte man es nennen, denn im Zeitalter der Null- bis Strafzinsen mögen sich die Manager der überwiegend auf Zinspapieren basierenden Spezialfonds noch so sehr anstrengen, um passable Renditen zu erwirtschaften, Erfolg werden sie damit kaum haben. Das heißt, wer im Alter nicht verarmen will, muss zusätzlich vorsorgen. Das wird uns mit Fondssparplänen leicht gemacht, allerdings auf Kosten der Ergebnisse, die von Provisionen und Gebühren angenagt werden. Immerhin: Wer regelmäßig Anteile eines breit streuenden erfolgreichen Aktienfonds kauft, sei dieser gut gemanagt oder als ETF (Exchange Traded Fund) konzipiert, hat am Ende wahrscheinlich besser fürs Alter vorgesorgt als mit den meisten Spezialfonds, ganz zu schweigen von der Riester-Rente.

Zweifellos gehört dazu viel eigene Initiative. Sie wird Ihnen erleichtert, wenn Sie beispielsweise Dachfonds der Firma Sauren kaufen, die es sich seit vielen Jahren zur Gewohnheit gemacht hat, Fondsmanager nach deren Qualität zu beurteilen. Ziehen Sie dagegen eigene Recherchen vor, sollten Sie neben der Fondsgröße – je größer, desto geringer ist die Gefahr, dass ein Fonds von der Bildfläche verschwindet – und neben der Höhe der Performance auch deren Stetigkeit als wichtiges Kriterium heranziehen. Und falls Sie sich für Ihre Recherchen besonders viel Zeit nehmen können, erscheint es sinnvoll, einen Teil Ihrer Altersvorsorge statt mit Aktienfonds direkt mit Aktien zu besorgen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten werden Sie feststellen, dass Sie dabei sogar viel Erfolg haben können.

Manfred Gburek – Homepage


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