Tickende Zeitbomben

20. Februar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, wie viele tickende Zeitbomben Ihnen drohen? Damit meine ich hier konkret solche ungelösten externen Probleme, von denen auch Sie – speziell in puncto Finanzen – betroffen sein dürften, ohne sich ihnen entziehen zu können…

Wahrscheinlich sind es ein paar Dutzend. Einige Beispiele gefällig: die nicht ohne Kollateralschäden umkehrbare expansive Geldpolitik der Notenbanken, negative Zinsen, der nicht zu bewältigende Flüchtlingsstrom, das Auseinanderfallen der EU mit ihrem Kern Eurozone, die hohe Verschuldung von Staaten und Banken, wegen hoher Pensionsrückstellungen zunehmend auch von Unternehmen, die schleichende Überalterung, marode Lebensversicherungen und bis auf Weiteres tendenziell sinkende Aktienkurse, vor allem unter dem Druck von Verkäufen aus dem Ausland.

Fatal daran ist, dass alles irgendwie zusammenhängt: Die Geldpolitik fördert die Aufnahme weiterer Kredite durch Schuldner, die schon stark angeschlagen sind, und führt zu negativen Zinsen; die vielen Flüchtlinge kosten Steuerzahlergeld und/oder sie zwingen den Bund, die Länder und Kommunen, sich höher zu verschulden; Banken spielen mit Aktien und verstärken damit prozyklische Kurseffekte nach oben wie nach unten, sorgen also für hohe Volatilität; der Verstärkereffekt von Pensionsrückstellungen treibt die Kurse zusätzlich nach unten; und die Überalterung wird durch abschmelzende Erträge der Lebensversicherungen zu einem doppelten Problem, finanziell und sozial.

Die hier nur kurz angeschnittenen Probleme bedürfen einer Gesamtlösung. Die ist aber aus verschiedenen Gründen zunächst nicht zu erwarten. Kanzlerin Angela Merkel reibt sich zwischen den Fronten auf; die EU-Bürokratie vermittelt den Eindruck eines aufgescheuchten Hühnerhaufens; EZB-Chef Mario Draghi wird nicht müde, zu betonen, wie vorteilhaft seine expansive Geldpolitik sei, ohne bisher den Beweis dafür erbracht zu haben; und die Banken sind weitgehend mit sich selbst beschäftigt, wie das Trauerspiel um die Deutsche belegt.

Beachtenswert sind die Ablenkungsmanöver, mit denen das Volk offenbar für dumm verkauft werden soll. Typische Beispiele: die völlig überflüssige, von heuchlerischen Interessengruppen aus Finanz und Politik in Gang gesetzte Diskussion über die Abschaffung von Bargeld, die mit der Terrorismusbekämpfung begründete, womöglich schon bald beginnende Einziehung von 500-Euro-Scheinen und nicht zuletzt auch die Kampagne gegen die AfB, am vergangenen Mittwoch ausgerechnet auch während der Bundestagsdebatte – so verhilft man einer Partei auf den Thron, die nicht mal im Bundestag vertreten ist.

Was die Bargelddiskussion betrifft, hat Bundesbank-Präsident und EZB-Ratsmitglied Jens Weidmann in einem FAZ-Interview wieder mal Klartext gesprochen. Wegen seiner prägnanten Aussagen sei er hier mit entscheidenden Sätzen zitiert: „Glauben Sie, dass kriminelle Handlungen deshalb unterbleiben, weil es den 500-Euro-Schein nicht mehr gibt?

Inwieweit ein Verbot von größeren Bargeldtransaktionen illegale Aktivitäten unterbindet, ist ebenfalls eine offene Frage. Darüber hinaus gibt es von manchen Ökonomen die noch weiter gehende Forderung, Bargeld ganz abzuschaffen. Das wird damit begründet, dass die Notenbanken dann negative Zinsen in der Breite durchsetzen könnten, weil eben nicht mehr auf Bargeldhaltung ausgewichen werden kann. Aus meiner Sicht ist das aber die falsche Antwort auf die geldpolitischen Herausforderungen an der Nullzinsgrenze.“

Wozu die von Weidmann zitierten Ökonomen sich so hinreißen lassen – eine Schande. Es kommt indes noch schlimmer: Negative Zinsen sollen tatsächlich international hoffähig werden. In einigen Ländern sind sie es ja bereits, so auch in der Eurozone. Und nun, man mag es kaum glauben, schließt Janet Yellen, Chefin der amerikanischen Notenbank Fed, sie auch für die USA nicht mehr aus. Denn sie ließ neulich vor dem US-Senat den verräterischen Satz fallen, negative Zinsen seien kein Tabu. Warum man das kaum glauben mag, liegt daran, dass die Fed gerade mal zwei Monate zuvor den Leitzins nach nahezu zehnjähriger Pause erhöht hat. Noch konfuser geht es nicht.

Die Konsequenz: Rechnen Sie vorsorglich mit der Eskalation negativer Zinsen und achten Sie auf die Begleitumstände, etwa höhere Gebühren, falls Sie viel Geld auf Konten parken. Ob Sie sich dann das Geld auszahlen lassen und an einem sicheren Ort verwahren, um den Gebühren zu entgehen, oder ob Sie es lieber gleich in Gold und Silber umwandeln, entscheiden Sie je nach Ihrer individuellen Finanzplanung selbst.
© Manfred Gburek – Homepage

 

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