Theorie & Praxis

20. Februar 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

Die Weisen aus dem Wirtschaftswunderland haben oft außergewöhnliche Gedanken. Sie sehen gerade Inflationsgespenster tanzen, obwohl die doch schon so lange da sind. Jetzt, wo alles teurer wird, verwechseln sie das mit starker Wirtschaft. Ach, die Experten!

Die meisten sind laut, gerne im Fernsehen, oft eitel, wahrscheinlich auch überschätzt und überbezahlt. Wozu braucht man sie? Die meisten sahen nichts. Sie sehen nichts. Und sie werden wohl auch nie etwas sehen. Experten sollten Hausfrauen beobachten, wenn ihnen die Preise beim Einkaufen die Lockenwickler vom Kopf wehen. Viele Fachleute der Volkswirtschaft kennen das Volk nicht. Sie orientieren sich an falschen Büchern, zitieren das Falsche, was vielleicht unter Umständen sogar falsch abgeschrieben wurde.

Die Praxis von heute will sich einfach nicht an die Lehrbücher halten. Was tun? Ganz einfach: Die Praxis an die Theorie angleichen. So wurden schon beachtliche Statistikfortschritte bei Arbeitsmarkt- und Inflationszahlen erzielt, die mit der Realität so viel zu tun haben wie Stiefmütterchen mit Stiefmüttern.

Zudem entdeckt man, dass Währungsmärkte machen, was sie wollen und will sie zähmen – in Bahnen lenken. Das ist kein früher Aprilscherz, sondern ernsthafte Diskussionsgrundlage von Peter Bofinger. Und auch das dürfte Sie interessieren: Der Wirtschaftsweise sieht in steigenden Nahrungsmittelpreisen die Folge wilder Spekulation. Wer aber gibt den Spekulanten so billiges Geld? Bofinger sagt auch, dass unser Währungssystem chaotisch sei. Doch wer hat`s erfunden? Und so schlägt man täglich Säcke und meint die Esel. Chapeau!

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten, 20.02.2010


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2 Kommentare auf "Theorie & Praxis"

  1. jean sagt:

    „Die meisten sind laut, gerne im Fernsehen, oft eitel, wahrscheinlich auch überschätzt und überbezahlt. Wozu braucht man sie?“

    Das ist die eine Million Frage. Soweit ich zurückdenken kann, sind diese Schnarchnasen nie richtig gelegen. Die sind immer hinter her mit ihren Prognosen.

    Zu Peter Bofinger, na ja…Die Interviews mit ihm sind wie die mit Paris Hilton. Aus denen wird man nicht schlau sondern verdummt. Wobei ich finde eine Interview mit Paris Hilton ist „heisser“…

  2. Stuelpner sagt:

    man könnte es auch etwas „ausgeglichener“ sehen
    Zitat: „Wer aber gibt den Spekulanten so billiges Geld?“
    Muss jeder der eine Waffe oder billiges Geld in die Hand bekommt, auch gleich größtmöglichen Schaden anrichten? Wenn die Leute kein Gewissen mehr haben, sollten sie eben …
    Aber in diesen Gesellschaften in denen Politiker am gewissenlosesten sind, kann man es anderen wiederrum nicht verübeln, wenn sie der Vorbildrolle der polit. Eliten nachkommen.

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