The American Way of Lies

24. November 2013 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Lug und Betrug! Nach Watergate gibt es in den USA jetzt offiziell auch ein Statistik-Gate. Ja, Statistiken werden gebogen, dass selbst Grashalme neidisch werden. Harry Potter fühlt sich in der Statistikbehörde pudelwohl und schiebt dort Überstunden, der arme Kerl…

Die US-Arbeitsmarktzahlen per monatlich per Telefonumfrage erhoben. Durch Zufall kam heraus, dass kurz vor der US-Wahl die Zentrale zur Herstellung freundlicher Wirtschaftsdaten getrickst hat. War ein Angerufener nicht zu Hause, hat er wahrscheinlich gearbeitet. Oder? Also hat das die Behörde so festgehalten und die Bögen entsprechend ausgefüllt. Sorry, nur ein Einzelfall, hieß es. Klar. Und, oh Wunder, die Arbeitslosenquote kam kurz vor der US-Wahl mit 7,8 Prozent heraus, und damit unter dem Ziel des Präsidenten von weniger als acht Prozent. In der DDR war das ähnlich, da gab es offiziell auch Vollbeschäftigung.

Apropos, wer in den USA drei schlecht bezahlte Jobs hat, hat eben drei Jobs oder Jobs für drei. Das hilft der Statistik, übrigens nicht zu verwechseln mit Statik. Selbst die Arbeitslosenquote von 7,3 Prozent im Oktober ist der gespielte Witz in Tüten. Eher sind 20 Prozent arbeitslos, denn 91,5 Millionen Amerikaner stehen dem Arbeitsmarkt gar nicht zur Verfügung. Zudem erhalten 14 Prozent der Bevölkerung Lebensmittelmarken. Die USA fahren auf der Felge, dafür sprüht diese ordentlich Funken, die einem Feuerwerk ähneln. Aber das Radio spielt laut, auf dem American Way of Lies. Vor Schreck ist der Dow Jones jetzt über 16.000 Punkte gestiegen und damit dem Tag der Abrechnung ein Stückchen näher gekommen.

P.S. Übrigens habe ich erfahren, dass 42 Millionen Deutsche jetzt in Lohn und Brot stehen. Sind das nicht tolle Zeiten? Sowohl der Lohn „lohnt“ sich oft nicht meht… und auch das Brot, das man dafür heute bekommt. Manche Sorte davon würde ich hier und dort als chemische Keule oder Abfall bezeichnen. Aber es macht satt bzw. beruhigt den Magen. Modernes Brot wird immer häufiger hergestellt von schlecht bezahlten Leuten, die eben nur schlechtes Brot kaufen können.

Manche würden das Fortschritt nennen und gebührend in die Hände klatschen, während sie so etwas für 80 Cents aus dem Automaten – frisch aufgewärmt – noch nie gegessen haben. Hauptsache satt. Mahlzeit!

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


 

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