TEVANKO – winzige Tröpfchen auf einem großen heißen Stein

3. Dezember 2008 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Unsere Kanzlerin meinte vor wenigen Tagen, der Aufschwung sei bei den Menschen angekommen. Ich weiß nicht, welches Land sie gemeint hat – Deutschland kann es nicht gewesen sein. Selbst offizielle Statistiken künden von einer wachsenden Verarmung breiter Teile der Bevölkerung. Auch in der angeblich reichsten Stadt Deutschlands, in München, sind 16.000 Menschen pro Woche auf „Die Tafel“ angewiesen.

Im Mai 2008 meldete der Armutsbericht der Bundesregierung, dass 40 % der Kinder von Alleinerziehenden von Armut bedroht sind. Aber auch 30 Prozent der Migrantenkinder sowie fast zwei Drittel der Kinder von Hartz-IV-Empfängern sind betroffen. Ob die Zahlen inzwischen freundlicher geworden sind, wäre zu bezweifeln. Überschuldung betrifft beispielsweise in Halle an der Saale bereits 20% der Bürger. In Wuppertal und Gelsenkirchen liegt der Wert bei 19 bzw. 17 Prozent. Selbst im reichen München sind 10 Prozent der Bürger überschuldet.

Die Chefin der Münchner Tafel Hannelore Kiethe schlägt Alarm: „Wir sind am Limit. So schlimm war es noch nie – wir werden von einer Welle von Bedürftigen überrollt.“ Inzwischen versorgt die Münchner Tafel in der Stadt gut 16 000 Menschen pro Woche. „Vor gut vier Jahren waren es hingegen „nur“ 10.000 Bedürftige“, sagt Hannelore Kiethe. „Die Schlangen werden täglich länger.“ berichtet die Münchner tz.

Die Gründe sind vielschichtig. Vielen wurde der Umgang mit Geld nie gelehrt. Daraus resultierende fehlende Fähigkeiten und Fertigkeiten im Umgang mit Geld waren oft Gründe für die heutige Verschuldung – mit fatalen Folgen. Doch nicht nur das: Vor allem in den letzten Jahren sind viele Bürger durch Niedriglöhne und steigende Preise ganz automatisch abgestürzt. Inzwischen trifft es auch immer mehr Rentner. Die Durchschnittsrente in München bei Männern liegt derzeit bei 975 Euro, schreibt die tz.

Betroffen von Armut sind aber vor allem die Kinder. Wenn jetzt vor Weihnachten die Spendenaufrufe ins Kraut schießen, möchte ich persönlich auf eine kleine Stiftung aufmerksam machen, die vor allem den Schwächsten in der Gesellschaft hilft, den Kindern. Die TEVANKO-Stiftung begegnete mir im Urlaub: Frau Andrea Aigner leitet die TEVANKO-Stiftung, die treuhänderisch von der Reuschel Bank in München verwaltet wird. Es sind kleine Summen, die jährlich aus dem 40.000 Euro kleinen Stiftungskapital fließen, doch die Hilfe kommt zu hundert Prozent bei denen an, die sie brauchen. Mit Andrea Aigner habe ich im Oktober 2008 ein Interview über ihre Tätigkeit und die Situation in München geführt.

Interview vom 18.10.2008

Frau Aigner, erzählen Sie mir zu Beginn etwas über die TEVANKO Stiftung

Die gemeinnützige TEVANKO ist eine Treuhand-Stiftung. Als Treuhänder fungiert das Bankhaus Reuschel & Co. So ist es der Stiftung möglich, ihre Arbeit sehr kostenbewusst zu leisten. Alle Vorstandsmitglieder arbeiten ehrenamtlich für die Stiftung. Unsere Familie war immer sehr hilfsbereit und ich wollte schon als kleines Mädchen dauernd die Welt retten. Deshalb haben meine Mutter (84) und ich die Stiftung im Andenken an meinen verstorbenen Vater gegründet. Der Name steht für Thomas, Eva, Andrea Kobor (Mädchenname). Ich stand und stehe (trotz Multipler Sklerose) immer „on the sunnyside of life“ und hatte sehr viel Glück im Leben, nun ist es für mich an der Zeit, etwas zurückzugeben. Genau dies möchte ich im Rahmen der TEVANKO Stiftung tun.
 
Welche Projekte fördern Sie?

Die gemeinnützige TEVANKO Stiftung kümmert sich aktiv um sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche in Deutschland, überwiegend an den Brennpunkten der Großstädte. Unser Motto lautet: schnelle und unbürokratische Soforthilfe. Kinder sind unsere Zukunft. Sie sind die schwächsten und somit schutzbedürftigsten Mitglieder unserer Gesellschaft. Wir wollen diesen Kindern das Leben bunter und fröhlicher gestalten. Im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützten wir bereits Organisationen in München wie z. B „Die ARCHE“, „ghettokids – Soziale Projekte e. V.“, das Clemens-Maria-Kinderheim, die „Deutsche Lebensbrücke e.V. und in Bremen „Rückenwind für Leher Kinder e.V.“.

In den Zeitungen steht immer wieder, dass es den Deutschen durchschnittlich immer besser geht, nicht zuletzt wegen immer geringerer Arbeitslosenquoten.

Das Statistische Bundesamt ging in seinem „Datenreport 2006“ davon aus, dass in Deutschland 13 Prozent der Bürger von Armut bedroht oder arm sind, davon 1,7 Millionen Kinder unter 16 Jahren. Trotz Aufschwung steigt die Kinderarmut in Deutschland weiter. Laut Deutschem Kinderschutzbund lebten im März 2007 rund 2,6 Millionen Kinder und Jugendliche in ärmsten Verhältnissen – mit schweren Folgen für ihre Zukunft. In Bayern leben nach Auskunft der Wohlfahrtsverbände 130 000 Kinder unter 15 Jahren in Haushalten, die Hartz IV empfangen. Und die Schere geht weiter auseinander – auch im reichen München.

Wie schätzen Sie die Situation in München ein, einer der reichsten Städte Deutschlands?

Laut Auskunft des Münchner Sozialreferats lebten im Juni 2008 inzwischen ca. 19 700 Kinder von Sozialgeld oder Hartz IV, das sind in etwa 12% oder jedes 8. Kind.

Was sind Ihrer Meinung nach die Ursache dafür, dass immer mehr Menschen an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden?

Arbeitslosigkeit, Alleinerziehend, Hartz IV Empfänger. Auch hierzulande ist leider oft mangelnde Bildung die Ursache von Armut und Hunger. Deshalb fördern wir ebenso Bildungsmaßnahmen und unterstützen dabei nationale Organisationen mittels Geldzuwendungen bei der Realisierung solcher Projekte.

Heißt das, der Aufschwung, von dem so viel in den Zeitungen stand, kam beim Volk gar nicht an?

Welcher Aufschwung? Dort, wo der Aufschwung nötig wäre ist er nach meiner Meinung nicht angekommen. Die Reichen werden reicher, die Armen ärmer und die Schere klafft immer weiter auseinander. Weltweit agierende Konzerne werden immer reicher und mächtiger, der Mittelstand wird Stück für Stück wegrationalisiert, die sog. Unterschicht wird in 1 € Jobs und Hartz IV gedrängt. Auf diese Weise wird auch die Würde dieser Menschen massiv untergraben.

Vielen Dank Frau Aigner für das Interview und Ihre Einblicke.

Ich unterstütze seit September 2008 als Förderer die TEVANKO-Stiftung, da ich meine, dass es besonders kleine Stiftungen nicht einfach haben, und soweit es die finanzielle Lage zulässt, schnell und einfach helfen können. Und so werde ich in diesem Jahr wieder auf Böller verzichten, der Umwelt und natürlich der Einbären zuliebe – und der Kinder wegen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.tevanko.de

Print Friendly, PDF & Email

 

Schlagworte: , ,

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.