Teufelskreis zwischen Bank- und Staatsrisiken

9. August 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Volker Schnabel (Mack & Weise) „Organisierte Kriminalität ist die von Gewinn- oder Machtstreben bestimmte planmäßige Begehung von Straftaten, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit von erheblicher Bedeutung sind, wenn mehr als zwei Beteiligte auf längere oder unbestimmte Dauer arbeitsteilig unter Verwendung gewerblicher oder geschäftsähnlicher Strukturen, unter Einflussnahme auf Politik, Massenmedien, öffentliche Verwaltung, Justiz oder Wirtschaft zusammenwirken.“ (Wikipedia)

Die offenkundig sogar auch von den Notenbanken (!) über Jahre hinweg geduldete Manipulation des von 16 großen – system(un)relevanten – Banken (z. B. Barclays, Lloyds, Deutsche Bank) ermittelten Referenzzinssatzes LIBOR (London Interbank Offered Rate), von dem weltweit ein Volumen von sagenhaften 500 Billionen USD an Finanzgeschäften (von Hypotheken über Kreditkarten bis hin zu Derivaten) abhängig ist, erfüllt augenscheinlich gemäß der eingangs zitierten Wikipedia-Definition nichts Geringeres als den Tatbestand des organisierten Verbrechens.

Es bleibt daher im Interesse der Demokratie gerade wegen des leider inzwischen üblichen „Freikaufens“ der mit hoher krimineller Energie agierenden Bank(st)er (siehe auch Subprime-Verbriefungen oder forclosure-Skandal) zu hoffen, dass nicht der einstige deutsche Bankier M. A. Rothschild (1744-1812) am Ende recht behält:

„Gebt mir die Kontrolle über die Währung einer Nation, dann ist es für mich gleichgültig, wer die Gesetze macht.“

Doch selbst wenn es noch eines letzten Beweises für die dringend notwendige Abwicklung der Pleitiers des Finanzsektors nach schwedischem oder noch besser nach isländischem Vorbild (mit Verurteilungen der Protagonisten!) bedurfte, „retten“ Politiker und Notenbanken das degenerierte Finanzcasino weiter „alternativlos“ mit beispiellosen billionenschweren Interventionen, und das natürlich letztendlich auf Kosten der Ersparnisse der ahnungslos gehaltenen Bevölkerung.

Es „gelte den Teufelskreis zwischen Bank- und Staatsrisiken zu durchbrechen und Ansteckungsgefahren zu vermeiden“, appellierte in schon beängstigender Einfältigkeit Finanzminister Schäuble an die eilig aus dem Urlaub zusammengerufenen Abgeordneten des Deutschen Bundestages, die in überwältigender Mehrheit und ebenso frei von jeglicher Erkenntnis mal eben 100 „Rettungs“-Milliarden für den eine Bilanzsumme von 3,635 Billionen Euro (siehe Grafik) ausweisenden insolventen spanischen Banksektor abnickten.

„Der eingeschlagene Weg ist nicht bequem, aber er ist so unvermeidlich wie erfolgsversprechend“ resümierte der Finanzminister das Abstimmungsergebnis, ohne dabei auch nur mit einer Silbe das bereits im Mai 2012 auf 155 Mrd. Euro (!) gestiegene Rekordvolumen zweifelhafter Kredite der spanischen Banken (8,95 % aller ausstehenden Kredite an private Haushalte und Unternehmen) zu erwähnen! (Seite 2)

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Ein Kommentar auf "Teufelskreis zwischen Bank- und Staatsrisiken"

  1. 4fairconomy sagt:

    „letztendlich auf Kosten der Ersparnisse der ahnungslos gehaltenen Bevölkerung.“

    Die Bevölkerung kann und darf sich nicht darauf verlassen, dass sie von „oben“ oder von wem auch immer von ihrer Ahnungslosigkeit befreit wird. Dafür ist schon jeder selbst verantwortlich (Prinzip Eigenverantwortung). Und nun steht halt die Mehrheit da, verwickelt in einem Schneeballsystem, welches, als alles noch so gut ging, nicht durchschaut wurde oder werden wollte. Und nun droht das Ende des Spiels und das Verteilen der Verluste. So funktioniert halt dieses Spiel: viele Gewinne sind die zukünftigen Verluste. D.h. die Verluste als Spiegelbild eines grossen Teil der Gewinne werden einfach gekonnt in die Zukunft verlagert (als Verbindlichkeiten, welche sich in Zukunft als unbezahlbar erweisen). Die Zukunft ist aber jetzt bzw. steht vor der Tür. Mitgegangen mitgehangen. Besonders unrühmlich allerdings die Rolle der Wissenschaft, der Ökonomen, welche nicht zu warnen wussten – und in etwas geringerem Masse der Medien.

    Die Tatsache ist einfach: real Sparen kann man nur, in dem man sich damit an das zukünftige Sozialprodukt beteiligt. Alle anderen Sparformen sind nur Illusionen: gewisse können zwar dabei reich werden, aber volkswirtschaftlich gesehen resultiert unter dem Strich nur Verluste. Besonders eindrücklich dieser Zusammenhang bei Investitionen in den Boden: trägt in Zukunft zur Geldentwertung bei, verursacht katastrophale Blasen und schafft für die Zukunft null reale Werte (= Gelddeckung, denn Geld= Forderung an das Sozialprodukt, Geldvermehrung muss mit einer Vermehrung des Sozialproduktes einhergehen oder ist reine Illusion. Geldanlagen welche sich nicht an die Vermehrung bzw. Stabilisierung (!) des Sozialproduktes beteiligen sind volkswirtschaftlich gesehen Verlustgeschäfte).

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