Terminator Draghi und die Folgen für Anleger

28. Juli 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Manfred Gburek) Der hier in der vergangenen Woche angekündigte Ausbruch des Gold- und Silberpreises nach oben ist schneller als erwartet gekommen. Die Begründung fällt zunächst scheinbar leicht: „Die EZB wird alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten“, behauptete ihr Präsident Mario Draghi vor Finanzfachleuten in London…

Daraufhin fielen die Kurse der Anleihen, stiegen die Kurse der Aktien und die Preise der Edelmetalle. Den Euro erhalten, daraus schlossen Anleger voreilig: Alles – auch gegen deutsche Bedenken – unternehmen, um die Währungsgemeinschaft nicht auseinanderbrechen zu lassen, notfalls sogar zu Lasten der Euro-Stabilität. Folglich würden die Preise von Sachwerten, zu denen traditionell neben Immobilien und Aktien (als Sach- und Ertragswerte) auch Edelmetalle gehören, neuen Auftrieb erhalten.

Wer jedoch die Märkte genauer beobachtet hatte, wusste: Gold und Silber waren schon einige Tage vorher zu Favoriten der Großanleger geworden, weshalb unter anderem der Goldpreis bei Notierungen unter 1600 Dollar immer wieder eine Auffanglinie bildete. Eine weitere Beobachtung: Während die Diskussion um die Fehlkonstruktion der Eurozone auf ihren Höhepunkt zusteuerte, erholte sich der Euro gegenüber dem Dollar.

Spätestens da musste allen klar werden, dass an der voreiligen Schlussfolgerung der Anleger etwas nicht stimmen konnte. Denn den Euro zu Lasten seiner Stabilität zu erhalten, würde ihn gegen den Dollar ja nicht stärken, sondern schwächen. Folglich muss die Aussage von Draghi anders interpretiert werden: Der EZB-Präsident hat von Seiten der Politiker führender Euroländer das Mandat erhalten, alles zu unternehmen, um die Gemeinschaftswährung nach internationaler Abstimmung – auch mit den USA, Großbritannien, Japan, China u.a. – aus der Schusslinie zu bringen. Die dafür erforderlichen Maßnahmen werden nicht nur das ganze geldpolitische Repertoire der EZB umfassen, sondern auch das fiskalpolitische der Euroländer, weitere Anleihenkäufe durch die EZB inbegriffen. „Glauben Sie mir, sie werden ausreichen“, bemerkte Draghi dazu in „Terminator“-Manier während seiner Londoner Rede.

Was bedeutet das alles für Anleger? Gestatten Sie mir dazu den Rückgriff auf einen Spruch von Börsen-Altmeister André Kostolany, der auf die Frage nach den Antriebskräften der Börse zu antworten pflegte: „Psychologie und Liquidität“. Beide verkörpert jetzt Draghi: Psychologie, indem er in der wichtigen Finanzmetropole London – und nicht etwa in der weniger wichtigen von Frankfurt – unmissverständlich klarstellt, dass die EZB alles Notwendige tun wird, um den Euro zu erhalten. Und Liquidität, indem er betont, dass die Maßnahmen der EZB ausreichen werden.

Daraus folgt das, was wir derzeit an den Märkten erleben und weiter erleben werden: Internationale Großanleger stürzen sich auf Aktien und Edelmetalle, zum Teil auch auf Rohstoffe, und in einigen Ländern, zum Beispiel in Deutschland, auf Wohnimmobilien. Im Gegenzug trennen sie sich von Anleihen, speziell auch von deutschen Bundesanleihen, denen sie die bis vor Kurzem dominierende Rolle als sichere Häfen immer weniger zutrauen… (Seite 2)

 

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2 Kommentare auf "Terminator Draghi und die Folgen für Anleger"

  1. katzbuckel sagt:

    Zitat:

    Mit dürren Worten: Unter der Komplizenschaft der amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde SEC wurden für Billionen Dollar wertlose bzw. gefälschte Aktien/Wertpapiere in alle Welt verkauft. Herzlichen Glückwunsch an alle Wertpapier-Anleger!!! Schauen Sie sich Ihre Akten und Wertpapiere mal genauer an. Vielleicht sind sie das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind.

    Zitatende

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