Tendenzen: Jugendarbeitslosigkeit

22. November 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott & Frank Meyer

In der Reihe Tendenzen werden wir in unregelmäßigen Abständen wichtige Entwicklungen aufgreifen. Die Darstellung erfolgt kurz und knapp als Tabelle oder Grafik. Eine längere Kommentierung unterlassen wir, aber wir freuen uns auf Ihre Beiträge im Kommentarbereich. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit in der Europäischen Union…

Wahre Schönheit kommt von innen heißt es. Für die EU möchte man ergänzen „wahrer Frieden auch“.

Fragen über Fragen

Was wird die Jugend in Spanien, Portugal oder Griechenland über ihre angeblichen Vorteile des geeinigten Europas inzwischen denken? Wenn sie sich gezwungen sehen, nach Deutschland zu kommen, um hier zu arbeiten, um überhaupt eine Chance zu haben – 1.500 Kilometer entfernt seiner Heimat – war das der Sinn der Sache?

Ist darunter „Integration“ zu verstehen?

Welchen Sinn hat es für Jugendliche überhaupt, sich anzustrengen, wenn es keine Perspektive im eigenen Land mehr gibt?

Was helfen die teuren und gut in Szene gesetzten Aufklärungsprogramme der EU, die versuchen, den Schein zu wahren, aber ein völlig die Realität im Leben der jungen Leute den von Seiten der Politik täglich praktizierten Optimismus ins Lächerliche zieht?

Wäre es ohne den für die schwachen Länder viel zu starken Euro, der D-Mark i.V. nicht besser gelaufen? So wie früher?

Und wer den Weg nicht nach Deutschland und auf den Arbeitsmarkt schafft, der hat genug Zeit und demonstriert auf den Straßen Spaniens – auch weil er auch nichts (mehr) zu verlieren hat.


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32 Kommentare auf "Tendenzen: Jugendarbeitslosigkeit"

  1. FDominicus sagt:

    „Welchen Sinn hat es für Jugendliche überhaupt, sich anzustrengen, wenn es keine Perspektive im eigenen Land mehr gibt?“

    Liegen die Perspektiven „nur“ im Angestelltenverhältnis? Oder liegt es vielleicht auch an Eintrittsbarrieren die so aus diversen Gründen aufgebaut wurden. Warum sollten die „Jungen“ nicht etwas selbständiges leisten können? Ist das „verboten“ oder nur „unbequem“ oder ist es einfach nur so, daß die Schwellen für das Anbieten von Arbeit zu hoch sind. Ich kenne mich nicht in Spanien aus, wenn die spanische Jugend aber ebenso wie unsere ausgebildet werden mit einem ebensolchen „Haß“ auf Selbständigkeit und/oder Unternehmertun, dann wundert mich die Perspektivlosigkeit wirklich nicht mehr.

    Sollte es in Spanien nicht auch Unternehmer geben? Vielleicht könnten diese uns ja Gründe nennen warum sie so wenig Jugendlichen anstellen. Zu teuer? Zu schlecht ausgebildet? Liegt es am Können?, am Wollen? oder woran sonst?

    Mir leuchtet auch nicht ein, warum eben die spanische Jugend nicht auswandern sollte. Was haben den die jungen Iren oder auch andere früher gemacht. Und ist nicht auch gerade ein Vorteil, daß derzeit die Europäer noch „umziehen“ können. Was wäre wenn noch nicht einmal dieser Weg offenstünde.

    Die Zahlen geben eben nicht her woran es liegen könnte. Und daher kann man m.E. nicht wirklich etwas dazu sagen. Vielleicht können wir aber für uns festellen, daß es offenbar nicht so große Problem hier gibt. Was also machen wir besser? Liegt es vielleicht daran, daß in D immer noch ein tüchtiger Mittelstand existiert? Könnte es sein, daß die Deutschen vielleicht etwas vorsichtiger mit Schuldenaufnahme oder Geld ausgeben sind?

    Wie sähe es mit Zahlen zum Vergleich in nicht EU Ländern aus. Was haben da die Amerikaner, Neuseeländer, Australier, Japaner etc. Könnte man sich nicht auch überlegen was auch anders in den baltischen Ländern ist? Irgendetwas ist doch offensichtlich anders. Das herauszufinden wäre vielleicht lohnenswerter.

    • saksalainen sagt:

      Huuu …viele Fragen…mal spontan aus dem Bauch heraus
      Angebot und Nachfrage? Will sagen, wenn es mit deinem Absatz abwärts geht, dann stellst du niemanden ein. Und was haben wir u.a. in Spanien derzeit? Ne Rezession…aha 25% offizielle Arbeitslosigkeit
      da hast du (nicht nur) als junger Mensch ganz schlechte Karten…

      zum Thema D, läuft es bei uns wirklich besser?
      Wir haben derart viele „Maßnahmen“
      EQ, überbetriebliche Ausbildungen, berufsvorbereitendes Jahr…. und schon sieht das statistisch besser aus

      Den „Haß“ auf die Selbständigkeit, der ist für mich nicht mal in der Schule zu verorten,
      als ich nach dem Studium ins kalte Wasser sprang, na, glaube mir, gehe mal zu Banken und frage nach einer Gründungsfinanzierung… 😛
      Von der Wiege bis zur Bahre …. das ist zwar tiefstes 20. Jahrhundert, aber in D besonders beliebt.
      Oft gehört „Wie selbständig? Neee, such dir mal ne anständige Arbeit“

      Baltikum? was läuft denn da besser? Die Jungen gehen weg, nicht nur weil sie können, sondern eher müssen. (Mindestlohn in Litauen circa 230€, Lettland und Estland um die 280€ pro Monat im Jahr 2011 und das bei Preisen die von unseren nicht sehr stark abweichen)

      Ich kann es aus meinem Freundeskreis sagen, viele gehen nicht nach NL, GB oder S weil es so unglaublich schön ist, schlicht aufgrund der Tatsache, dass du überhaupt einen Job bekommst und selbst als Bauhelfer oder Putzfrau mehr verdienst, als in deiner Heimat als Lehrer oder Anwalt….

      So und jetzt erst einmal Lob an das Bankhaus Rott & Frank Meyer.
      Ich mag eure Seite. 🙂

      • 4fairconomy sagt:

        „na, glaube mir, gehe mal zu Banken und frage nach einer Gründungsfinanzierung… “

        Das ist der eigentliche Skandal in Anbetracht der Summen, welche sich auf den Finanzmärkten tummeln bzw. in Anbetracht der unglaublichen Vermögen, welche nach einer Anlagemöglichkeit suchen.

        Aber so lange nur in Unternehmen investiert wird, wenn damit die Aussicht besteht, das Vermögen zu vermehren, so lange wird es immer wieder grössere oder kleinere Zusammenbrüche geben und so lange wird die aktuelle Krise nicht zu lösen sein (extrem prozyklisches Verhalten bei der Unternehmensfinanzierung -> Externalisierung von sozialen Kosten)

        Not-wendig ist ein Kapital, welches primär unternehmerischem Tun dient und die Rendite an zweiter Stelle kommt, und nicht umgekehrt. Die Rendite bzw. die geforderten Zinsen müssen sich aus Angebot (Ersparnisbildung) und Nachfrage für Unternehmenskredite ergeben.

        • FDominicus sagt:

          „Das Problem ist letztlich die Massenerwerbslosigkeit. Welche Altersklasse dies mehr oder weniger trifft, ist weniger entscheidend. Schliesslich ist es ein eklatantes Systemsversagen. Und das hat ganz bestimmte Ursachen.“

          Natürlich Inteventionismus geht immer auf Dauer schief und mit dem Falschgeldsystem sowie der Ausbreitung von immer mehr Staat wird es sicher nicht besser. Ist Spanien also in diesem Bereich noch fortgeschrittener?

  2. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo FDominicus,

    >
    Liegen die Perspektiven “nur” im Angestelltenverhältnis?
    >

    Nein, wie kommen Sie darauf?

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

    • FDominicus sagt:

      Weil ich nicht weiß wo ich die Perspektivlosigkeit einordnen kann. Es gibt eine Rezession ja nur war ja auch davor schon die Arbeitlosigkeit der Jugendlichen höher als in anderen Ländern. Ich frage: Was läuft in Spanien anders? Ich weiß es nicht. Es muß aber irgendwelche Gründe geben, denn das die „Jungen“ nicht arbeiten wollen kann ich mir nur schwer vorstellen. Also was speziell hindert Sie daran in Spanien Ihre Arbeit anbieten zu können?

      • samy sagt:

        Moin,

        die griechische und spanische VW verfügen nun einmal über keine Geschäftsmodelle mehr, die für Arbeitsplätze sorgen bzw. genügen Steuereinnahmen, um die Schulden zu senken.

        In Spanien hat sich doch jeder auf die Immobilien gestürzt, und seien es Jugendliche gewesen, die die Maurerlehre absolviert haben.
        Was brächte es, wenn ein Jugendlicher anbietet für einen Euro die Stunde Häuser hochziehen würde, aber keiner braucht Häuser? Oder Cocktails am Strand für 2,50€ werden, aber keiner Geld hat, um welche zu trinken?

        Weiterhin ist diese VW jetzt hoffnungslos überschuldet. Wer hat den nun noch das Geld bzw. die Kreditwürdigkeit, um neue Geschäftfelder zu erobern?

        Der Staat? Die Unternehmen oder die Banken? Die Privathaushalte?

        Nö!

        Wer soll den ein Geschäftgründung finanzieren? Wieso sollte ausländisches Kapital nach Spanien fliessen? Der Euro ist relativ hart, die Produkte müssten international wettbewerbsfähig sein. Das braucht Zeit, um sich zu entwickeln, setzt eine Bereinigung der Märkte durch Crash’s voraus.

        Fazit: Die gut ausgebildeten Arbeitskräfte werden ihre gefragten Leistungen im Ausland anbieten und das ist sehr gut für uns.

        Die wenigen gut ausgebildeten bleiben in der Heimat, schlecht für Spanien.

        VG

      • Bankhaus Rott sagt:

        Hallo FDominicus

        Spanien hat einen der starrsten Arbeitsmärkte in Europa. Bei Entlassungen haben die Unternehmen kaum andere Möglichkeiten, als junge Menschen vor die Tür zu setzen. Schulabgänger und Absolventen sehen sich mit Einstellungsstops konfrontiert. Das alles mag man gut oder schlecht finden, es bringt zumindest eine gewisse Logik in die Betrachtung. Auffällig ist bei der längerfristigen Betrachtung, dass die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien im Jahr 2000 noch ungefähr auf dem Niveau der Länder Frankreich und Italien lag.

        Die strukturellen Probleme Spaniens sind zudem beträchtlich, da gut ein Fünftel aller (!) Beschäftigten im Boomzeiten im Baugewerbe tätig waren. Diese Jobs sind in einer Art Blitz-Strukturkrise rasch weggebrochen und werden auf absehbare Zeit nicht wiederkehren. Vom vermeintlichen Dauerwohlstand ging es übergangslos in den Realeinkommensverdampfer. Erwischt hat es auch in diesem Sektor zuerst, die die kündbar waren, angefangen von afrikanischen Hilfskräften bis zu den jüngeren Spaniern.

        Die Probleme in anderen Ländern müssen nicht zwangsläufig kleiner sein. Möglicherweise dauert es einfach länger, bis sie sich entfalten. Die Geschwindigkeit des Einbruchs in Spanien war enorm.

        Die Unterschiede in der Entwicklung der einzelnen Länder sind deutlich. So lagen die Zuwachsraten bei der der Jugendarbeitslosigkeit in Irland, Spanien, Portugal und Zypern zwischen 2000 und Dezember 2011 um mehr als zehn Prozentpunkte über der Zuwachsrate bei der Quote arbeitlsloser älteren Bürger.

        Beste Grüße
        Bankhaus Rott

        P.S.:
        Vielleicht haben wir ja den einen oder anderen Leser, der in Spanien lebt und der etwas zu berichten hat …

  3. gilga sagt:

    Tja, für Deutschland kann man schon ein paar Punkte als „Begründung“ ins Feld führen:

    – zunehmende Überalterung der Gesellschaft => man muss in bestimmten Positionen/Berufen inzwischen Abstriche bei den Qualifikationen machen um ausreichend Personal zu finden (nach den Zahlen die ich kenne geht das aber erst 2015 wirklich massiv los). Wie viel davon wahr ist kann ich nicht beurteilen; wird jedoch auch unabhängig von Presseberichten immer wieder angebracht und ist in vielen Firmen live zu beobachten

    – massiver Ausbau des Niedriglohnsektors => dort „verschwinden“ sehr viele Leute körperlich belastbarer + wirken in den ganzen Trendy-Shops (Apple, Mode etc.) + Dienstleistungssektor einfach „besser“ auf die Kundschaft; Erwartungen/Bedarf für hochwertige Beratung etc. besteht ohnehin nicht mehr (Gründe: in bestimmten Fällen nicht nötig, Kunde ist selber „blöd“, nur Interesse am Preis, Infos besorgt sich der mündige Kunde ohnehin lieber extern&unabhängig)

    – sehr wenig Möglichkeiten sich zu „verstecken“ + staatlicher Anreiz => Insbesondere in dem Bereich der für den Niedriglohnsektor prädestiniert ist, ist zumeist kein Geld/eigene Firma/Netzwerk (z.B. für Schwarzarbeit) etc. in der Familie da, um die Kinder zu unterstützen => das Amt + wirtschaftliche Verhältnisse der Familie zwingen zur Annahme schlecht bezahlter und offiziell registrierter (da dann ja Aufstockung vom Amt) „Jobs“.

    – in den „wachsenden“ Sektoren (auch außerhalb des Niedriglohnsektors) wird auf ein Qualifikationsprofil gesetzt, das ältere Menschen momentan zumeist nicht haben (insb. bestimmte technische Berufe) und nur schwer erwerben können/wollen/dürfen/…

    – ein gewisser Anreiz sich Selbständig zu machen (insb. Niedriglohnsektor) und sonst nicht „lukrative“ Arbeit für (jetzt) vergleichbar „viel“ Geld (im Vergleich zu kleinem Lohn + Aufstockung) auszuüben (der Hammer kommt dann bei Krankheit oder ggf. Rente)

    Für viele der Länder wage ich keine Aussagen, da ich die Umstände im einzelnen nicht kenne… in den Ländern in denen es gut läuft dürfte es sich zumeist jedoch um eine Teilmenge der schon für Deutschland aufgeführten Punkte handeln (wobei mich hier insb. Polen und die Tschechen wundern; eigentlich hört man ja da auch immer nur von Fortschritt in der Presse…).

    Für viele Länder in Europa in denen es schlecht läuft liest man zumindest davon, dass neben der Rezession, die sicherlich nicht gerade förderlich für die Beschäftigung von Jugendlichen ist, auch zahlreiche Faktoren die Neueinstellung der Jungen massiv negativ beeinflussen. Zumeist werden hier starre gesetzliche Vorgaben ins Feld geführt: Wenn man schon bei den alten Arbeitnehmern kaum/schwer Kürzungen vornehmen kann, überlegt man es sich 2x junge Arbeitnehmer einzustellen, welche zudem noch angelernt werden müssen. Ob dem so ist kann ich selbst nicht beurteilen.

  4. 4fairconomy sagt:

    Wenn die Jugendlichen eine Stelle bekämen auf Kosten der älteren Erwerbstätigen, welche meist eine Familie ernähren müssen, wäre die Situation besser?

    Das Problem ist letztlich die Massenerwerbslosigkeit. Welche Altersklasse dies mehr oder weniger trifft, ist weniger entscheidend. Schliesslich ist es ein eklatantes Systemsversagen. Und das hat ganz bestimmte Ursachen.

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo 4fairconomy,

      uns geht es nicht darum zu beurteilen, was „generell“ besser oder schlechter ist. Vielmehr sind die Zahlen auch vor dem Hintergrund der Sozialsysteme zu verstehen. Wenn die Träger eines Umlageverfahrens keinen Job haben, ist das zumindest wenig förderlich für die Stabilität.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

      • 4fairconomy sagt:

        Hallo Bankhaus Rott

        Wenn aber die jüngeren Träger eines Umlageverfahren weniger von Arbeitslosigkeit betroffen sind auf Kosten der älteren Erwerbstätigen, so ist die Belastung für das System eher grösser. Die jüngeren Generationen können sich noch eher mit einem Zimmer bei den Eltern, einer WG usw. arrangieren, also mit weniger auskommen.

        Die Jugendarbeitslosigkeit ist schlimm und nimmt vielen jungen Menschen die Perspektive, in naher Zukunft eine Familie gründen und ein „bürgerliches“ Leben führen zu können. Würde aber die Jugendarbeitslosigkeit ausgewechselt mit einer entsprechenden Erwerbslosigkeit der älteren Erwerbstätigen, welche ordentlich Steuern zahlen, z.T. noch eine Familie ernähren usw., würde der gesellschaftliche Zusammenhalt wohl noch stärker leiden.

        Der Mangel an Erwerbsmöglichkeiten über eine höhere Jugendarbeitslosigkeit vorübergehend „auszugleichen“ ist gesellschaftlich gesehen wohl das kleinere Übel. Eine Katastrophe ist es trotzdem. Siehe auch Beitrag von EcCo, wonach die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland statistisch gar nicht erst richtig erfasst wird, also das Problem „unter den Tisch“ gewischt wird.

        Besser wäre, die Lebensarbeitszeit der vorhandenen Arbeitsmöglichkeiten anzupassen. Oder die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommen. Die Frage ist die der Finanzierung und damit der Verteilung des volkswirtschaftlichen Kuchens zwischen Erwerbs- und Kapitaleinkommen.

        Die Produktivitätsgewinne finanzierten in den letzten Jahrzehnten hauptsächlich Kapitaleinkommen, während die Erwerbstätigen relativ gesehen immer weniger vom Kuchen hatten. Es ist dasselbe Muster, welches seit Jahrzehnten abläuft und verfahrene Situationen auf mehreren Gebieten hervorruft: die (Produktivitäts-)Gewinne werden privatisiert (d.h. an wenigen verteilt), die (Krisen-)Verluste und (soziale) Kosten (des Produktivitätswachstums) werden sozialisiert bzw. möglichst breit verteilt. Die (Jugend-)arbeitslosigkeit ist ein Symptom einer solche Wirtschaftspolitik.

        • Skyjumper sagt:

          @ 4fairconomy

          Es ist natürlich die Frage ob der Teufel (Arbeitslose über 25) oder der Beelzebub (Arbeitslose unter 25) weniger schlimm seien. Das beides schlimm genug ist steht glaube ich ausser Frage.

          Ihrem letzten Absatz möchte ich allerdings widersprechen. Sie spielen darauf an, dass lediglich die Unternehmer, oder Kapitalseite, Gewinner der Produktiviätssteigerung wäre. Dem ist nicht so.
          Auch Sie, und ich, und jeder Beschäftigte im System, ist ein Profiteur der gestiegenen Produktivität.

          Oder glauben Sie tatsächlich es würde Ihnen mit Ihrer Arbeitskraft gelingen neben dem täglich Brot, der Beschaffung der erforderlichen Energie und dem Instandhalten Ihrer Behausung auch nur im entferntesten Gelingen einen PC (oder was immer Sie benutzen um hier zu Posten) zusammenzubauen? Zugegeben: Das ist jetzt provokant. Aber das unterste Ende der Produktivität ist das jeder alles selbst machen muss. Arbeitsteilung, Spezialisierung und technische Maschine, alles Instrumente der Produktivitätssteigerung, haben uns dahin geführt wo wir heute sind. Ich würde daher sagen wollen, dass bisher noch ein Großteil der Gesellschaft davon profitiert hat.

          Die Frage stellt sich jedoch immer drängender, ab welchen Punkt das Verhältnis kippt, oder vielleicht auch bereits angefangen hat zu kippen.

          • 4fairconomy sagt:

            Hallo Skyjumper

            Ich habe bewusst geschrieben „relativ gesehen“, d.h. natürlich hat eine Mehrheit profitiert. Es gibt eine Minderheit von unverschuldeten Verlierern. Die Entwicklung wäre aber nicht möglich gewesen ohne Konsum auf Pump (Privat- und vor allem Staatsverschuldung weltweit), Belastung der Umwelt und Belastung der Menschen (Unsicherheiten, Flexibilität, Belastung am Arbeitsplatz). Dem Gewinn der Entwicklung stehen Kosten und Schulden gegenüber. Was ich sagen wollte: unter dem Strich hat netto vor allem die Kapitalseite profitiert. Die Mehrheit hat auch profitiert, aber an ihr und den zukünftigen Generationen bleiben hohe Kosten hängen, die von den Erwerbseinkommen alleine nicht zu finanzieren sein werden.

            Die Produktivitätssteigerung ist mindestens so sehr dem menschlichen Geist zu verdanken wie dem Kapital. Ohne den Erfindergeist und der Kreativität der Menschen – deren Entwicklung die Familie und das Bildungssystem ermöglichen, gebe es keinen Fortschritt. Das Kapital trägt das Risiko von Investitionen, und dafür muss es entlohnt werden. Aber was über der Risikoprämie hinausgeht, müsste sich dem Wachstum anpassen. Volkswirtschaftlich gesehen bedeutet ein durchschnittlicher Gewinnzuwachs des Kapitals welcher über der Wachstumsrate liegt, eine relative Verringerung der Erwerbseinkommen am zu verteilenden Kuchen. Damit stellt sich das Problem der Markträumung. Die Finanzierung der steigenden Kapitalerträge verlangt nach einer Ausweitung der Produktion, welche verkauft werden muss. Was zunehmend schwierig wird, wenn der Anteil der Erwerbseinkommen am zu verteilenden Kuchen abnimmt. Eigentlich müssten sich die Empfänger von Kapitalerträgen, wofür ja mehr produziert werden muss, mit ihrem Konsum immer mehr an der Markträumung beteiligen. Was nicht stattfindet, da die Empfänger von Kapitalerträgen nicht immer mehr Konsumbedürfnisse sondern vor allem immer mehr Anlagebedürfnisse haben. Wenn es nicht genügend Unternehmen gibt, welche sich verschulden können und so zur Markträumung beitragen, muss sich jemand anderes Verschulden, damit der Markt geräumt werden kann. Denn dies ist Voraussetzung, dass die Erwerbstätigen ihre Stelle behalten können.

            Aus dem gesagten wird auch ersichtlich, dass das System nur bei genügend exponentiellem Wachstum funktioniert, damit sich immer mehr Unternehmen verschulden können. Nur so lässt sich der Markt räumen ohne Konsum auf Pump. Damit aber die Unternehmen einen Kredit aufnehmen können, müssen sie in der Zukunft ihrerseits mehr einnehmen können, als sie je an Geld investiert haben. Sie müssen mehr produzieren können, als sie mit ihrer Investition auf Pump Güter konsumiert hatten. Es braucht also eine immer höhere Verschuldung durch Unternehmen, weshalb auch immer mehr produziert und konsumiert werden muss. Es ist ein Ponzi-Schema. Sobald das Wachstum abnimmt, würde es rasch zu einem Zusammbruch kommen, wenn nicht der Staat die Schuldenspirale aufrecht erhalten würde. Sobald dies nicht mehr möglich ist, geht eigentlich gar nichts mehr. Und diesem Punkt nähern sich immer mehr Staaten.

            Letztlich müssten die Marktmechanismen von Beginn an dafür sorgen, dass die Vermögensseite nicht immer rascher wachsen kann als das Sozialprodukt.

          • Skyjumper sagt:

            Hallo 4fairconomy

            Jetzt bin ich ganz mit Ihnen in einem Boot.

        • Bankhaus Rott sagt:

          Hallo 4fairconomy,

          danke für Ihren Kommentar. Rein finanziell betrachtet, ist es in der Tat unwichtig, wer zu einem bestimmten Zeitpunkt einen Beitrag an die Rentenkasse leistet. Allerdings dürfte sich die Einschätzung des Systems und der Wille zur Aufrechterhaltung des status quo in den Gedanken der Menschen verschiedener Altersklassen durchaus unterscheiden. Wer nächstes Jahr in Rente geht beurteilt die Lage vermutlich etwas anders als ein 25-jähriger.

          So wird heutigen Beitragszahlern bereits gesagt, dass man zwar heute die Rentenzahlungen nicht senken könne, weil das ungerecht sei. Gleichzeitig heißt es, selber könne eben dieser Beitragszahler zukünftig nicht mit einer ausreichenden Rente rechnen. Nun ist Ehrlichkeit in Bezug auf die Tragfähigkeit eines Systems durchaus erfrischend, jedoch ist die Mischung „heute mehr zahlen, später weniger bekommen“ für jüngerer Menschen vermutlich eine eher wenig motivierende Mischung.

          „Der Mangel an Erwerbsmöglichkeiten über eine höhere Jugendarbeitslosigkeit vorübergehend “auszugleichen” ist gesellschaftlich gesehen wohl das kleinere Übel.“

          Wir maßen uns nicht an, darüber zu urteilen, für wen es schlimmer ist, keinen Job zu haben. Zudem wünschen wir uns nicht, dass ein Staat auf diesem Feld soziologische Großstudien in Echtzeit durchführt. Die vielzitierte „Generationengerechtigkeit“ sollte jedenfalls mehr als eine Richtung kennen.

          Die Statistiken in Deutschland haben bekanntermaßen ihre Schwächen und mögen die Lage besser darstellen, als sie ist. Aber das allein ist kein Grund davon auszugehen, dass dies bei den Zahlen aus Spanien oder Griechenland nicht der Fall ist.

          Beste Grüße
          Bankhaus Rott

  5. ontherock sagt:

    Sie vergleichen hier innerhalb Europas, nennen dann auch die USA; warum nicht auch China?

    Dann würde klar, dass aus der Momentaufnahme getrickster Daten nichts abzulesen ist als die blanke Angst, noch lange nicht genügend Arbeit exportiert zu haben als daß das globale Lohnniveau nicht vom arbeitssuchenden Landarbeiter chinesicher Herkunft bestimmt würde.

    caw

    • FDominicus sagt:

      Es geht hier offensichtlich um einen Vergleich. Dann muß man eben auch mal außerhalb der EU schauen was da die „Jugendarbeitslosigkeit“ angeht. Die Begründung in Deutschland würde es „nur“ arbeitende Jugendlich in Minijobs geben, kann kaum die ganze Wahrheit sein.

      Wir haben eben in Deutschland doch noch viele kleine bis mitttlere Firmen die aber offenbar wirtschaftlich erfolgreich sind. Ich weiß nicht ob es hier war oder auf einem anderen Blog in D bilden kleine bis mittlere Betriebe nach den dortigen Zahlen 77 % der Ausbildungsplätze an. Wohl kaum um diese dann an wen auch immer zu verlieren oder weil man Sie nicht braucht. Wenn es so etwas in den anderen Ländern nicht gibt, wo sollen dann die Leute „ausgebildet“ werden?

      • gilga sagt:

        „in D bilden kleine bis mittlere Betriebe nach den dortigen Zahlen 77 % der Ausbildungsplätze an. Wohl kaum um diese dann an wen auch immer zu verlieren oder weil man Sie nicht braucht.“

        Doch, zumindest im Osten wird genau dies oft genug getan. Die genaue Sachlage ist mir nicht bekannt, aber es hängt wohl damit zusammen, dass man ab einer gewissen Größe Ausbilden muss oder Strafen zahlt bzw. sonstwelche Nachteile hat (ich denke hier können andere qualifiziertere Aussagen machen). Zudem sind die in Ausbildung befindlichen, so sie denn die nötige Qualifikation und den Willen mitbringen, in bestimmten Branchen eine billige und gern gesehene Arbeitskraft (insb. dort wo auch ohne viel Grundlagenwissen etwas geleistet werden kann). Harte Zahlen hierzu (wie viele der Auszubildenden werden übernommen bzw. sind auch 2-3 Jahre später noch im Betrieb im Vergleich zur normalen Mitarbeiterfluktuation) wäre mal interessant, kenne ich aber nicht. Es kam/kommt dennoch oft genug in meinem persönlichen Umfeld vor, um hier auf ein gewisses System zu schließen.

      • ontherock sagt:

        … genau deshalb, um zu vergleichen, hatte ich angeregt, China miteinzubinden.

        Die Zahl chinesischer Jugendlicher, die keine Arbeit haben, rückte die Zahlen der restlichen Länder in die richtige Perspektive. Eine solche nämlich die nicht bei den USA aufhört, ist ‚eh alles Propaganda, und einem damit die Möglichkeit gibt, die Lage zu Ende zu denken!

        • Bankhaus Rott sagt:

          Hallo ontherock,

          die Zahlen für China liegen laut OECD bei 7,6%. Ob diese glaubwürdiger oder unglaubwürdiger sind als die Daten von Eurostat muss jeder für sich entscheiden.

          Beste Grüße
          Bankhaus Rott

  6. Lickneeson sagt:

    Erstmal ein Lob an Ihre Arbeit.Bittersüsse Artikel mit traurigen Wahrheiten in meist sehr gut lesbare Form zu bringen – Respekt.

    Zur Statistik:

    Ich hätte mir für die ALO-Zahlen einen längeren Zeitraum gewünscht, evtl. seit 2000/2006.So wäre deutlicher geworden, das die hohe Arbeitslosenzahl, gerade der Jugendlichen in Spanien, Greece usw. eben strukturelle Ursachen hat und durch die Finanzkrise nur verschärft wurden.Diese Länder waren vor der Euroeinführung Agrarstaaten ohne wesentliche Industrie.Nicht umsonst wollen sich Norditalien/Nordspanien von ihren kostenintensiven „Südbrüdern“ abspalten.

    Aufällig finde ich die hohe Zahl in den baltischen Staaten, galten diese doch vor wenigen Jahren noch als Musterschüler.Auch Frankreich als „starke EU-nation“ fällt aus dem Rahmen.

    Zudem wäre es interessant gewesen, wie hoch der Anteil der Migranten in den einzelnen Staaten an der Quote ist.Meist über mangelnde Bildung gepaart mit Sprachdefiziten bilden sie ja die traurige Mehrheit an den Arbeitslosen.Das schlägt auch den Bogen zu unserem Musterländle: Deutschland.

    Auch bei uns bekommen die kaum vermittelbaren Migranten zunehmend Gesellschaft von Jugendlichen Schulabgängern mit geringem Abschluss(oder einen Abschluss ohne die darin bezeugten Kenntnisse!)
    In einem Kommentar weiter oben wird sehr richtig auf die Überalterung und den aufkommenden Fachkräftemangel hingewiesen.Hier liegen für Deutschland grosse Probleme und für Arbeitslose aus den Nachbarstaaten grosse Chancen.

    Doch nicht alle können/wollen bei uns arbeiten.Ich hatte in einem Kommentar vor einigen Tagen das Wort „Deglobalisierung“ angesprochen.Die einzelnen Staaten müssen weg von der reinen Sichtweise auf Globale Märkte.Der Nutzen, den die globalen Märkte für die grossen Unternehmen haben,wird mit den Problemen vor Ort und den irrationalen Strukturen für Arbeitnehmer(Pendler mit mehr als 3 Std. Arbeitsweg/Leiharbeit/Dumpinglöhne etc.)bald nicht mehr mithalten.

    Entscheidend für jedes Land ist es seinen Einwohnern Arbeit zu bieten,von denen sie leben können.Es müssen wieder Beziehungen zwischen Betrieb/Arbeitnehmer sowie Gemeinde/Bürger geschaffen werden.Der Bio-Trend ist ein Vorläufer.Produziere zu höheren Preisen Qualität, die die Menschen aus der Umgebung gerne bezahlen.Kein Schwein muss dafür 40 Std. per LKW durch die EU gekarrt werden.Die Beliebigkeit von Standorten(Steuervorteil) und Personen(Leiharbeit,Dauerbefristete Verträge)ist ein Irrweg, der nur in Unruhen, Krawallen und Schuldzuweisungen enden kann.

    Naiv, aber wahr.

  7. EcCo sagt:

    Die niedrigen Zahlen für Deutschland täuschen über die tatsächliche Situation hinweg, weil Jugendliche in der Regel gar keinen Anspruch auf ALGI haben, schon aufgrund der Tatsache, daß sie noch nie gearbeitet haben und damit nicht in der Statistik auftauchen.

    Außerdem werden sie häufig bis zum vollendeten 25. Lebensjahr zu einer Bedarfsgemeinschaft mit den Eltern hinzugerechnet und haben damit ebenfalls keinen Anspruch auf ALGII und tauchen in der Arbeitslosenstatistik nicht auf. Insofern ist die Zahl der Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland sehr schwer quantifizierbar. Ich bin mir derzeit nicht sicher, ob man das überhaupt aus den Statistiken der Behörde für Arbeit herausrechnen könnte.

    http://www.bodenseekreis.de/soziales-gesundheit/arbeitslosigkeit/jugendarbeitslosigkeit/zahlen-definitionen.html
    (Zitat) im Dezember 2006 (Berufsbildungsbericht 2007) 415.015 Arbeitslose unter 25 Jahre alt. Noch einmal so viele dürften in Maßnahmen sein. Laut Berechnungen des Statistischen Bundesamtes liegt die tatsächliche Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland bei 15 Prozent – fast doppelt so hoch wie bei den Erwachsenen.

  8. Bankhaus Rott sagt:

    An die gesamte Leserschaft,

    zunächst stellen wir fest, dass der kurze „Artikel“ sein Ziel erreicht hat: Es soll diskutiert werden. Wir freuen uns über das viele Lob aber auch natürlich über die kritischen Gedanken der Leserschaft, daher ein Dankeschön an Sie alle!

    Wie Sie sicher nachvollziehen können, ist es nicht machbar, in jedem Artikel eine umfassende Abhandlung der „Weltenlage“ zu bewerkstelligen.
    Das ist im Speziellen ausdrücklich nicht die Idee der sehr knappen Veröffentlichungen im Bereich „Tendenzen“. Die hier dargestellte Momentaufnahme ersetzt keine ausführliche Untersuchung, wie sollte sie? Dennoch hat auch ein Schnappschuss sehr wohl eine Aussagekraft.
    Blickt man auf die Jugendarabeitslosigkeit, so ist es tatsächlich sehr interessant, sich die historische Entwicklung anzusehen. Aber wie auch immer sich der Trend der letzten Jahre darstellt, er dürfte den meisten Menschen, die heute keinen Job haben, egal sein. Früher waren wir auch alle jünger.

    Wer sich für die historischen Datenreihen interessiert findet diese in der öffentlich zugänglichen Datenbank von Eurostat.
    epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/statistics/search_database

    Wir freuen uns weiterhin auf Lob und Kritik – Lassen Sie sich nicht aufhalten!

    Beste Grüße an die Leserschaft
    Bankhaus Rott

  9. samy sagt:

    Wir sollten die neuen EU-Einwanderer willkommen heißen.

    Sie sind gut ausgebildet, sorgen für Steuereinnahmen und der Teil der hier Wurzeln schlägt sorgt wieder für Schwung in unserer überalternden Bevölkerung. Südländische Kulturen sind nun einmal kinderfreundlicher, weisen höhere Geburtenraten auf. Gilt sogar für die Irländer, obwohl Nordeuropa. Auch sind wir uns kulturell verwandter, eine Integration sollte einfacher sein.

    • FDominicus sagt:

      „Wir sollten die neuen EU-Einwanderer willkommen heißen.“

      Der Meinung bin ich auch.

      „Sie sind gut ausgebildet, sorgen für Steuereinnahmen “
      Warum das ein Vorteil für die Neukommenden sein sollte, erschließt sich mir nicht. Ist doch nur wieder „relative“ bequem für unsere Steuerschlucker….

      „und der Teil der hier Wurzeln schlägt sorgt wieder für Schwung in unserer überalternden Bevölkerung.

      Ich bezweifele das.

      „Südländische Kulturen sind nun einmal kinderfreundlicher, weisen höhere Geburtenraten auf. “

      Das ist nach den Statistiken für Italien und Spanien falsch. Italien liegt noch unter unsern Geburtsraten.

      „Gilt sogar für die Irländer, obwohl Nordeuropa. Auch sind wir uns kulturell verwandter, eine Integration sollte einfacher sein.“

      Ich denke alles was hier zu Europa gehört liegt uns näher. Weitaus näher sicherlich als Zuwandere aus einem komplette anderen Umfeld.

      Für mich ist einer der wenigen Vorteile der EU, daß die Leute relative „frei“ umherziehen können. Wenn ich dann aber lese dies soll beschränkt werden, wird meine Unmut über die EU gewaltig größer.

      Ich hoffe die Neuankömmlinge finden sich hier zurecht und werden nicht allzu sehr von unserem nimmersatten Staat ausgequetscht.

      Mir wäre es natürlich noch lieber die Hürden für die Arbeitsaufnahme egal in welchem Land wären geringer. Hier wiederhole ich mich halt. Was behindert speziell in Spanien die Arbeitsaufnahme von „Jugendlichen“…

  10. Skyjumper sagt:

    In jedem 3. Artikel den man dieser Tage lesen kann steht etwas über den Zusammenhang von Schulden, Überschuldung, Zinsen, Zinseszins, Vermögenskonzentration.

    Schulden und Überschuldung bedeutet für unsere Gesellschaften aber nicht nur dass wir in den letzten Jahrzehnten bereits die Erträge verfrühstückt haben welche die nächste Generation erst noch erwirtschaften muss, …….. nein, wir sind tatsächlich noch viel weiter gegangen.

    Der erste Schritt, noch vor den Schulden und schließlich der Überschuldung, war die Steigerung der Produktivität. Und dieser Prozess hält, begleitend zur Schuldenaufnahme, weiterhin an. Ein erheblicher Anteil unseres sogenannten „Wachstums“ basiert darauf.

    Ab einem gewissen Maß ist die Steigerung der Produktivität meiner Meinung nach jedoch als eine ganz eigene Art des Schuldenmachens zu betrachten. Wir haben bereits heute das Produziert was wir eigentlich erst in 10 Jahren gebraucht hätten. Das 3. Auto in der Familie, der 5. Fernseher, Tablett-PC zum Smartphone, Laptop zum Desktop. Wenn wir heute schon mehr haben als wir eigentlich brauchen, die Preise deshalb immer niedriger werden um uns überhaupt noch zum Kaufen des effektiv unbenötigten zu animieren ……… was sollen die heutigen Jugendlichen den noch produzieren? Oder gar erst die die nach ihnen kommen?

    Wir haben nicht nur die Ressourcen der nächsten Generation verbraucht, haben nicht nur das Geld der nächsten Generation verbraucht …….. nein, wir haben auch die Arbeit der nächsten Generation bereits verbraucht.

    Strukturreformen, Hindernisabbau, Geschäftsmodelle …….. das klingt alles im 1. Moment sehr verlockend und plausibel. Letztlich sind das alles aber nur Umschreibungen dafür um mit weniger Aufwand mehr herstellen zu können. Mehr Produkte für wen? Vor allem wenn dieses „mehr“ an Produkten mit immer weniger Beschäftigten zu immer geringeren Löhnen hergestellt werden muss?

    Es braucht einen intelligenten Ansatz mit der Tendenz zu weniger, nicht zu mehr. Kleiner, langsamer, weniger. Weniger Anspruch, weniger Luxus, aber auch weniger Stress und weniger getrieben sein.

    Und da uns das ganze viel zu spät auffällt, vielen sogar erst noch auffallen muss, wird dieser prozess wohl alles andere als angenehm

    • Lotus sagt:

      Sie haben vollkommen recht. Und denkt man mal anders herum, kann die heutige Situation der Millionen Arbeitslosen, nur allein in Europa, den Druck auf ihre Psycho-Regierungen zur Kursänderung führen. Die Steuern fehlen, die Staatskassen bleiben leer, nix geht mehr nach Brüssel oder in Banken, fertig.

      Abgesehen davon, dass sich Menschen wieder daran erinnern, dass Hilfe zur Selbsthilfe ohne Beteiligung des Staates automatisch zu Veränderungen führt. Not macht erfinderisch. Die Griechen haben heute schon einen Selbstläufer in der Versorgung etabliert. Die Menschen brauchen den Staat nicht. Gut so. Genauso sieht es in Deutschland aus. Arme sind nicht gleich arm, sondern sie sind pfiffig und nutzen ihre Fähigkeiten hinter verschlossenen Türen. Die Deutschen sollten sich endlich mal abgewöhnen, gefilmte Einzelfälle von Armut auf den Rest zu projizieren. Das ist Propaganda allerhöchster Güte. Aus Arbeitslosen, die fast alle Fachkräfte waren, kann man keine Blödiane machen.

      Und ganz ehrlich, die meisten Langzeitarbeitslosen in Deutschland über 50 werden den Teufel tun und je wieder ein steuerbehaftetes Arbeitsverhältnis eingehen. Das ist deshalb genial, weil sie sich ausrechnen, wie niedrig ihre Rente mal ausfallen wird. Es lohnt sich einfach nicht mehr. Egal, wie die dämlichen und statusdenkenden Arbeitnehmer über Arbeitslose urteilen. Es ist die einzige Chance, das System kollabieren zu lassen. Insofern beglückwünsche ich jeden Arbeitslosen. Sie ist die klügste Bevölkerungsschicht. Lg.

      • Skyjumper sagt:

        Zwar kann ich Ihrer Beschreibung des Ist-Zustandes kaum widerspreche. Doch auch wenn viele Arbeitslose, oder anderweitig aus dem Standartschema rausgefallene Menschen, sicher nicht so schlecht dastehen wie man es uns anhand von Einzelfällen (die dann aber doch auch wieder nicht so vereinzelt sind) weiß machen möchte, so ist das dennoch nur eine Momentaufnahme.

        Über kurz oder noch kürzer führt dieser Weg entweder in einen Sozialdarwinismus allerschlimmster Coleur, oder in gewalttätige Revolutionen durch die Habenichse.

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