Tempolimit für den DAX

12. Mai 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Frank Meyer

Man soll die Feste ja feiern, wie sie fallen. An der Börse ist inzwischen an jedem Tag so etwas wie Männertag. Onkel DAX schaukelt besoffen auf dem oberen Rand der Kurstafel herum. Wer hat ihn da hochgejagt?

Das Prinzip war einfach. Die EZB hat angekündigt, Benzin auszukippen und dann mit der letzten Zinssenkung Feuer gelegt. Die Explosion jagte den DAX binnen drei Wochen um 900 Punkte auf den höchsten Stand seines 25-jährigen Bestehen. Doch was ist das? Fernab der Blicke steigen wieder mal erste Rauchzeichen aus dem Rentenmarkt. Ungeachtet der Feierei stiegen am Donnerstag und Freitag die Renditen der großen Märkte an. Die Kurse fielen. Ist das Wort „alternativlos“ inzwischen auch schon an der Börse angekommen?

Seltsam ist auch, dass die im DAX enthaltenen 30 Aktien mehrheitlich eben nicht auf Allzeithochs notieren. Ist es Zauberei? Ist es nicht, nur eine Täuschung. Der DAX wird als sogenannter Performance-Index ausgewiesen, wo Dividenden nicht heraus gerechnet werden. Bereinigt um diese, stünde er noch 29 Prozent unter seinem Allzeithoch von 2000 und 16 Prozent unter seinem letzten Hoch von 2007. Aber wen kümmert das? Die Zahlen machen Schlagzeilen. Schon sind die Experten unterwegs. Auch ihr Atem verrät Feierlaune und ist so explosiv wie die Börse selbst. 10.000 Punkte gelten als ausgemachte Sache. Sie sagen das, weil es andere sagen.

Ich war enttäuscht, als am Mittwoch das alte vermeintlich Hoch geknackt wurde, denn es blieb still im Handelssaal: Kein Gejohle, kein Champagner, keine Torte. Blubb. Das war`s. Gab es nichts zu feiern? Seit Jahresanfang stieg der DAX um neun Prozent. Ich dachte, es wären 30 Prozent, weil die Wirtschaft so gut läuft. Die Umsätze sind rückläufig, aber das sind ja nur Kleinigkeiten, wenn das große Bild stimmt. Ich warte auf den Moment, wo Sigmar Gabriel endlich ein Tempolimit für den DAX fordert. Das bringt mich dann auf 180.

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


Print Friendly, PDF & Email

 

Schlagworte: , , , ,

3 Kommentare auf "Tempolimit für den DAX"

  1. Lickneeson sagt:

    “ Ich warte auf den Moment, wo Sigmar Gabriel endlich ein Tempolimit für den DAX fordert.“

    Kommt noch, Herr Meyer.Herr Gabriel sollte mal seine Ernährung dahingehend umstellen, das auch sein Hirn von der Energie etwas absorbiert.Dickie wirkt doch wie ein pubertierender Klassenclown, der so durchsichtig agiert, das man froh ist , das er nicht Kanzler oder Aussenminister ist.

    PS:Wäre schön wenn Sie auf dem Börsenbalkon mal die „Merkelsche Handhaltung“ einführen würden.Das wirkt souverän, kompetent und – mystisch.

    Danke.

  2. samy sagt:

    N‘ Abend.

    heute im Zug musste ich über die Performance-Indexe nachdenken. Was zunächst so schlüssig klingt- also dass dieser Index doch die Wahrnehmung der Realität verfälscht- sehe ich nun etwas lockerer, denn warum Messen zwei verschiedene Indexe, der DOW und der Dax, den gleichen Rekordstand in der selben KW (der selbe Tag?)? Der Dow ist schließlich ein Kursindex.

    Wenn ein Thermometer in Fahrenheit skaliert und ein anderes in Celsius, dann würden wir uns natürlich nicht über das eine oder andere Ergebnis -also das Delta der Temperaturveränderung (!)- lustig machen. Zugegeben, natürlich bliebe die Möglichkeit, das eines der beiden Thermometer zufällig richtig misst. Nur welches?

    Das führt zum zweiten Gedankengang. Alles ist relativ, ganz im Sinne Albert Einsteins, so auch ein Index. Wir können natürlich sagen, dass unser Performanceindex zu optimistische Ergebnisse bringt. Nur könnten die Amis genauso sagen, dass ihr Kursindex ja viel zu pessimistisch sei. So hätte der Dow als Performanceindex auf Schlusskursbasis am Freitag, 10. Mai 2013 29.092,46 Punkte gezählt.

    Wer hat nun absolut (!) recht?

    VG

  3. Michael sagt:

    DAX bei 14000 und DOW bei 20000 – davon wird geträumt.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.