Tektonische Plattenverschiebung

14. März 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Am vergangenen Mittwoch veröffentlichte „Die Welt“ eine beeindruckende Grafik mit der Überschrift: „Europas Währung im freien Fall“. Derzufolge war der Euro seit Mai 2014 gegen den US-Dollar um 29,9 Prozent gefallen, gegen den Hongkong-Dollar um 29,8 Prozent und gegen Chinas Renminbi um 29,4 Prozent. Sogar gegen Indiens Rupie musste der Euro um 24,4 Prozent Federn lassen, gegen Argentiniens Peso um 18,5 Prozent und gegen Südkoreas Won um 18,3 Prozent. Hier verschieben sich nicht nur Währungen, hier verschieben sich – bildlich gesprochen – ganze tektonische Platten.

So etwas kann nie und nimmer ohne Konsequenzen bleiben. Aber welche?

Traditionell heißt es, eine schwache Währung sei positiv für den Export. Demnach müsste das Geschäft deutscher Autokonzerne in den USA und in China regelrecht brummen. Diese Interpretation ist zwar im Großen und Ganzen richtig, aber zu einseitig. Denn nicht zuletzt, um Währungsschwankungen auszugleichen, haben die Autokonzerne längst Produktionsstätten in jenen Ländern errichtet. Andere deutsche Paradebranchen, wie Maschinenbau, Chemie- und Elektroindustrie (allesamt Beispiele für deutsche Exporterfolge), sind denselben Weg gegangen. Nicht zu vergessen: Der größte Teil deutscher Exporte fließt in den Euroraum, und der leidet gerade überwiegend unter schwacher Konjunktur und hohen Schulden.

Der schwache Euro ist in erster Linie zweifellos auf die extrem expansive Geldpolitik der EZB zurückzuführen. Die soll so bleiben, hat ihr Chef Mario Draghi verkündet, und zwar mindestens noch eineinhalb Jahre. Das viele Geld schlägt sich in steigenden Aktienkursen und Immobilienpreisen nieder. Damit wird es zunehmend zu Spielgeld, denn weder bei Aktien noch bei Immobilien handelt es sich unmittelbar um produktive Investitionen, höchstens mittelbar. Sie geraten zu Spielobjekten.

Insofern ist auch eine Tabelle aufschlussreich, die ich am 10. März beim Internet-Börsendienst wellenreiter-invest.de gefunden habe. Darin sind die Gewinner- und Verliererbörsen in den beiden ersten Monaten dieses Jahres aufgeführt, und zwar nicht in der Heimatwährung, sondern jeweils einheitlich in US-Dollar. Demnach rangiert Russland mit plus 15 Prozent einsam an der Spitze; dann folgen jeweils etwas unter plus 10 Prozent Portugal, Japan, Philippinen und Indien. Ergänzt sei noch, dass Deutschland mit plus 6,1 Prozent einen ehrenvollen elften Platz einnimmt und Brasilien mit minus 15,9 Prozent vor der Türkei mit minus 15,7 Prozent und Griechenland mit minus 14,5 Prozent die rote Laterne hält.

Da ich die Wellenreiter-Tabellen seit längerer Zeit verfolge, kann ich nur sagen: Die Favoriten wechseln sich derart oft ab, dass es schon der ganz hohen Kunst der Aktienanalyse bedarf, wenn man als Börsianer von ihnen profitieren will. Doch solcher Aufwand lohnt sich meistens nicht, weil schon der nächste Favoritenwechsel ansteht. Arme Manager internationaler Aktienfonds, die den Aufwand trotzdem betreiben müssen!

Die tektonischen Platten können schnell einen Tsunami auslösen, bei den Währungen wie auch an den Aktienbörsen. Deren Schwankungen sind immer seltener zu begründen, sieht man einmal davon ab, dass die Kausalität von schwachem Euro und Draghis Geldpolitik offenbar eindeutig gegeben ist. Doch bereits beim Zusammenhang dieser Geldpolitik mit der Hausse von deutschen Aktien und Immobilien muss man sich fragen: Übertreiben die Anleger da nicht zu sehr? Es handelt sich ja primär um eine Liquiditätshausse. Erst wenn die Konjunktur im Euroraum, gemessen an der Wirtschaftsleistung, mit mehr als 2 Prozent wachsen würde, ließe sich behaupten, dass diese Hausse einigermaßen durch fundamentale Daten untermauert wäre. Aber davon sind wir noch um einiges entfernt, denn große Volkswirtschaften wie Frankreich und Italien wollen einfach nicht vom Fleck kommen.

Wie verhält man sich als Anleger, um nicht zum Opfer der hier genannten Imponderabilien zu werden? Am besten, Sie laufen keinem Trend hinterher und beobachten stattdessen die Anlageszene so lange, bis sich gravierende Änderungen abzeichnen. Diese sind als Nächstes bei den Edelmetallen fällig, ganz besonders dann, wenn die Störmanöver am Terminmarkt aufhören. Das wird noch in diesem Jahr der Fall sein.

Manfred Gburek – Homepage



 

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5 Kommentare auf "Tektonische Plattenverschiebung"

  1. 1,21 Gigawatt Leistung? sagt:

    Ja, ich schreibe es schon wieder:

    Kauft, kauft, kauft GOLD UND SILBER!

    Und sagt es auch Euren Freunden und Familien. Selbst dem Nachbarn sagt es!

    Ich habe es bereits geschrieben: Jeder Deutsche kauft eine Unze Gold oder 5 Unzen Silber, aber in echt, als Münze und nicht als ETF oder sonstiges Papier.
    Dann ist Schluss mit physischem Handel, dann ist der Laden leer!!!

    Reset…

  2. bluestar sagt:

    Hallo Herr Meyer,
    warum gibt es eigentlich keine Übersicht mehr über die letzten Kommentare ?
    Das finde ich sehr schade, da diese Seite auch von den interessanten Beiträgen der Kommentatoren lebt und mit der Übersicht sehr schnell neue t Kommentare auch zu älteren Beiträgen gefunden werden konnten.

    VG aus Sachsen und ein schönes WE für Sie.

  3. MFK sagt:

    Komisch in meiner Welt hat der EURO gegenüber dem Dollar seit seiner Einführung um über 22% aufgewertet.

  4. bluestar sagt:

    Klasse, Übersicht LETZTE KOMMENTARE ist wieder aktiv.
    Vielen Dank.

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