Technischer Kurzschluss! Oder: Warum bei Barrick Gold gar nichts glänzt.

20. Februar 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Die technische Reaktion der Edelmetalle und der Minen hat eine Menge Beachtung gefunden. Trotz der technisch fälligen Reaktion bei den Bergbaufirmen und der Erleichterung, die manch einer nun verspüren mag, lässt sich bei den Minen zwischen vielen Haare nur wenig Suppe finden …

Nach wie vor werden das Liquiditätsrisiko und die rapide verschlechterten Kennzahlen unterschätzt. Wenn der Geschäftsbetrieb kein Geld in die Kassen spült, muss man sich die Moneten andernorts besorgen. Angesichts der üblen Zahlenwerke (sowohl GuV als auch Bilanz) wissen auch die Kreditgeber mittlerweile, dass sie besser nicht jedem Geld leihen sollten. Manch einen Marktteilnehmer verleitete jedoch der jüngste Kursanstieg bereits wieder zu neuem Vertrauen in die Fähigkeiten der Firmenchefs. Was sind schon ein Milliarden, die man auch im Vorjahr wieder in den Sand gesetzt hat.

Immerhin, aus einem zweiwöchigen Kursanstieg zu schließen, das Management sei nun wohl doch „fähig“, ist ein unterhaltsamer Ansatz. Überträgt man dies auf den Bankensektor, kommt man zu überaus interessanten Ergebnissen. Man möchte sich geradezu im Nachhinein darüber freuen, wie viele fähige Manager die Internetfirmen bis zur Jahrtausendwende ans Tageslicht gefördert hatten. Wie man generell aus einer Kurserholung von minus 70% auf minus 65% auf solche Ideen kommen kann, bleibt nebulös, aber das mag jeder für sich beurteilen.

Insgesamt lässt sich die Leistung oder zumindest eine mangelnde Fehlleistung jedoch nur an der langfristigen Veränderung der Erträge und der Bilanz ablesen. Daher ist es mal wieder an der Zeit für einen Blick auf einen der bekannteren Branchenvertreter.

Es gibt zwar noch wesentlich übler aufgestellte Unternehmen im Sektor, aber als Beispiel taugt Barrick Gold allemal, denn das eine oder andere gilt es hier geradezurücken. So kursieren Charts, die aus dem mehrjährigen Kursverlauf der Aktie auf die Bewertung des Unternehmens schließen. Das ist ein sehr schlichter Ansatz, der weder Kapitalmaßnahmen noch eine Veränderung der Verschuldung in die Betrachtung einbezieht. Eine Beurteilung der Bewertung ohne diese beiden Faktoren ist offenkundiger Unfug. Schnell, sicher, falsch.

Durch regelmäßige Verwässerungen kann sich das langfristige Bild weit von dem entfernen, was der Kursverlauf vermittelt. So ist statt dem Kurs die Marktkapitalisierung bei der Beurteilung der Lage heranzuziehen. Davon auszugehen, ein Unternehmen würde wieder so bewertet, wie vor zehn Jahren, weil sich der Kurs auf demselben Niveau befindet ist falsch.

Die folgende Grafik zeigt den Verlauf des Aktienkurses, die Zahl der ausstehenden Aktien und die entsprechende Marktkapitalisierung („Börsenwert“).

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Die Verwässerung wird von Anlegern gerne ausgeblendet. Das ist gefährlich, denn welche Aussagekraft hat der Aktienkurs selbst, wenn ständig neue Aktien verkauft werden? Wer nicht an den Kapitalmaßnahmen teilnimmt oder am Sekundärmarkt weitere Aktien kauft, dessen Anteil am Unternehmen und damit an den Gewinnen (so denn welche anfallen) nimmt ab.

Neben dem Finanzsektor war der Minensektor bei Kapitalerhöhungen in den letzten Jahren ganz vorne dabei. Barrick hat die Zahl der ausstehenden Aktien seit 1998 in etwa verdreifacht. Im Jahr 1998 bedeutet der damalige Jahresgewinn Nettogewinn von 301 Millionen Dollar einen Gewinn pro Aktie in Höhe von 0,79$. Würde Barrick heute die gleiche Summe verdienen, was das Unternehmen nicht schafft, dann würde dies einen Gewinn pro Aktie von lediglich 26 Cents bedeuten. Da die Firma aber ohnehin nicht profitabel ist und im Vorjahr etwas mehr als 10 Milliarden Dollar Verlust ausgewiesen hat, hat dies auch sein Gutes. Die Verluste von 9,65 Dollar pro Aktie verteilen sich auf mehr Schultern als früher … (Seite 2)

 

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7 Kommentare auf "Technischer Kurzschluss! Oder: Warum bei Barrick Gold gar nichts glänzt."

  1. pat sagt:

    Sehr schöner Artikel, der Anlagetipps mit viel „Fantasie“ auf den Boden der Tatsachen zurückholt.

    Auch das einfache Fazit am Ende finde ich klasse in Zeiten in denen bei Anlagetipps das Motto zu herrschen scheint: „Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht.“

    Das KISS-Prinzip ist auch in Anlagedingen empfehlenswert. Wer die Dinge kompliziert macht, tut dies meist als Verschleierungstaktik um sich selbst einen Vorteil auf Kosten seines Gegenübers zu verschaffen.

  2. Bankhaus Rott sagt:

    Guten Tag zusammen,

    unlängst hat Newmont Mining das neue Zahlenwerk präsentiert. An mancher Stelle ist von einem Jahresgewinn die Rede, von dem man sich nicht irreführen lassen sollte. Diese Aussage bezieht sich auf den adjustierten Gewinn, der leider in den Medien mehr und mehr zum Standard wird.

    „(Newmont FY 2013 Report) In 2013, the Company reported net loss (…) of $2.5 billion or $5.06 per basic share. The Company reported adjusted net income of $695 million or $1.40 per basic share in 2013.“

    Ein nicht unbedeutender Unterschied.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

  3. Lickneeson sagt:

    In der Tat, erhellend. Erstaunlich wie ein Goldunternehmen bei einer Preissteigerung von ca. 200$ auf 1900 $ sich derartig verschulden kann. Natürlich gab es auch steigende Förderkosten etc. und Barrick hat , soweit ich weiss, lange im Vorraus ihr Gold zu deutlich niedrigeren Preisen verkauft, konnte also von der deutlichen Preissteigerung nicht voll profitieren. Wenn ein Unternehmen bei steigenden Produktpreisen weniger Gewinn einfährt liegen die Gründe mal sicher woanders.

    Man muss natürlich stets zwischen Investments und Daytrading unterscheiden, bei letzterem sind Fundamentaldaten zwar unterstützend, aber nicht zwingend. Wie schon Helmut der Kohl sagte: „Wichtig ist was hinten rauskommt“. Hauptsache keine heisse Luft.

    Ihr Fazit am Schluss ist erfrischend sinnvoll!

    MfG

  4. crunchy sagt:

    Das ist Alles richtig: Fundamentalanalyse und Technik muss man immer zusammennehmen. Dabei sollte man, gerade im Falle von ABX allerdings nicht vergessen,
    dass der Markt die Management“qualitäten“ schon lange ausdiskutiert hat, jeder somit
    davon Kenntnis hat. Und dennoch, oh Wunder, die Aktie wird noch notiert!
    Nachdem heute den Minenaktien die Luft ausgeht, wird auch bald der Goldpreis runterkommen, wahrscheinlich schon morgen. Dann wird´s spannend, ob die
    jeweiligen, technischen Unerstützungen halten. Passiert dies, und der Goldpreis nimmt anschliessend die 1360, sollte man durchaus an die verteufelten Aktien denken!
    Dann stellt Jeder fest, dass dieses schlechte Mangagement den Anstieg nicht verhindern kann und später, dass bei aktuellen Produktionskosten von 911 Dollar, die Sonne aufgeht.

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo crunchy,

      tja, das ist so eine Sache mit dem Einpreisen. Der eine nimmt an, alles Schlechte sei eingepreist, der andere denkt an alles Gute, der dritte an alles. Das wird sich zeigen. Schlussendlich ging es im Artikel auch nicht darum, ob Barrick morgen steigt oder fällt sondern um die beliebten Vermischungen von Thesen, wie es gerade passt. Wie gesagt, steigen kann alles.

      Das Management ist ein „weiches“ Thema, ob diesbezüglich alles eingepreist ist, wird sich zeigen. Sicher wird der eine oder andere neue CEO schon einmal ein paar Abschreibungen vorweggenommen haben, um sich mit ein paar relativ besseren Quartalen Freunde zu machen. Das langfristige Bild lässt sich den Charts im Artikel entnehmen.

      Steigende Fremdkapitalkosten bei hohem Leverage und eine des Öfteren erhöhte Zahl der Aktien ist hingegen ein hartes Thema. Bemerkenswert ist es, wie Vorgehensweisen, die bei Banken zu Recht äußerst kritisch betrachtet werden, bei Minen teilweise sogar Zuspruch ernten.

      In der Regel scheint die Herangehensweise bei der „Bewertung“ von Minen zu sein, der Goldpreis werde es schon richten. Das kann passieren, es kann aber auch noch eine Weile auf sich warten lassen. Besonders viel Zeit haben jedoch vor allem kleinere Minen nicht, das erklärt vermutlich die große Freude über den letzten kleinen Kurssprung beim Gold.

      Die Diskussion um die Produktionskosten ist interessant. Vor allem, da es viele Firmen des Sektors stets schaffen, trotz eines Goldpreises, der weit über den Produktionskosten liegt, Geld zu verbrennen. Es ist wie immer eine Frage, was man so in diese Kosten einbezieht. Die Zahlen vieler Firmen wirken auf uns so verlässlich wie die NPL Kalkulation der Hypo Alpe Adria. Wir lassen uns aber gerne positiv überraschen.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

      • crunchy sagt:

        Das ist das Schöne an Rott Meyer (…oder, was sonst?): Es wird n i c h t untergehen!
        Warum? Man kann, wenn man mit etwas Abstand, einen neuen Gedanken hat, diesen
        auch noch, wenn auch knapp (Neue Geschäftsidee?) platzieren.
        Schön und Gut: ABX hat nun wie viele Andere, auch Kinross die Reserven neu bewertet.
        Damit haben sie nur mal eben Bilanzen so angepasst, als ob die schlechten Zeiten wieder angebrochen wären. Das könnte des Pudels Kern sein, errare humanum est: Irre sind auch Menschen (wie mir ein Jugendfreund mal trotz meines 7-jährigem Latinums verklickert hat). Oder, wie Sie es oben erwähnten; es kann immer etwas dazukommen.
        Und genau das finde ich heute erwähnenswert. Kinross, der Kanadier, könnte in seinen russischen Tätigkeiten behindert werden. Juhuu, sage ich da nur und schaue auf das Chart!
        Doch, bin ich ehrlich, gebe ich zu, es ist mir schon wieder zuviel Jubelgeschrei bei den Minen im Allgemeinen losgegangen. In der Historie waren Investments darin oft erst dann wirklich rentabel, wenn Aktieninvestoren verzweifelten, sprich konventionelle Aktienmärkte crashten. Dieses Mal haben wir allerdings Papiermärkte in Gold, die Interdependenzen(-ferenzen) entwickeln werden.
        Sport, Spiel, Spannung und ganz viel Diskussion bei ?
        Rott Meyer!

        • Bankhaus Rott sagt:

          Hallo crunchy,

          vielen Dank für den Kommentar.

          Eine Anmerkung noch zu den Abschreibungen. Das Herunterschreiben der Reserven war nur ein kleiner Teil der Gleichung. Dieser wurde viel diskutiert, vermutlich weil man denkt, ein steigender Goldpreis würde wieder für Zuschreibungen in gleicher Höhe sorgen. Das ist falsch. Hier ein Auszug aus dem letzten Quartalsbericht in dem Barrick auf die Abschreibungen eingeht.

          „The company recorded an impairment charge for the Pascua-Lama project of $896 million(2) due to the decision to temporarily suspend construction in the fourth quarter. At the Porgera mine, the company recorded an impairment charge of $595 million based on changes to the mine plan to focus primarily on higher grade underground ore. As a result, Porgera’s estimated mine life has decreased from 13 years to nine years. Lower gold price assumptions and the impact of sustained inflationary pressures on operating and capital costs led to a reduction of reserves and life-of-mine production at the Veladero mine in Argentina, resulting in an impairment charge of $300 million. At Jabal Sayid, the annual update to the life-of-mine plan showed a decrease in net present value. In addition, the project’s fair value was impacted by a delay in first production. As a result, the company recorded an impairment charge of $303 million. As part of its annual goodwill impairment test, the company recognized a goodwill impairment charge of $551 million for its Australia Pacific gold segment, primarily related to the lower estimated fair value of Porgera.“

          Beste Grüße, einen schönen Sonntag
          Bankhaus Rott

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