Tatort „Umverteilung“

7. März 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Als ich am Mittwoch meinen Beitrag „Wer Immobilien kauft, ist selbst schuld“ für wiwo.de schrieb, war nicht zu ahnen, dass ich damit in ein Wespennest stach. Die Leserkommentare fielen dementsprechend aus. Dabei gab ich nur selbst recherchierte und zusätzlich – nicht ganz unwichtig – fast drei Jahrzehnte lang auch selbst mit Mietern erlebte Ereignisse zu Protokoll.

Um es auf den Punkt zu bringen: Deutschland ist Mieterland. Deshalb halten es Politiker, die gewählt werden wollen, mit den Mietern. Steuern, bürokratischer Aufwand, der Ärger mit Mietern und nun auch die Mietpreisbremse drohen für Vermieter unerträglich zu werden. Am Ende wird weniger gebaut, weil sich das Vermieten nicht mehr lohnt.

Das Thema ist auch anderweitig brisant: Die Mietpreisbremse in Verbindung mit der bereits stattgefundenen Erhöhung der Grunderwerbsteuer in den meisten Bundesländern und mit den um sich greifenden drastischen Anhebungen der Grundsteuer durch immer mehr Gemeinden bedeutet in dieser Kombination fast schon Enteignung. Dagegen gerichtlich vorzugehen, erscheint unrealistisch. Letzten Endes kann sich jede Regierung auf Artikel 14 Grundgesetz berufen, in dem es heißt: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“

Deutschland bewegt sich, wie andere Länder auch, auf die Umverteilung zu. Dagegen ist nichts einzuwenden, solange den Reichen, deren Geld-Grenznutzen gegen Null tendiert, etwas abgenommen wird und Stiftungen zugute kommt, die sich dem Gemeinwohl verschrieben haben. Doch die Ansätze dazu bleiben Stückwerk. Gutes tun, dazu gehen die Ansichten weit auseinander. Und im Hintergrund sorgen mächtige Lobbygruppen dafür, dass Gutes in ihrem Sinn entsteht, nicht im Sinn derjenigen, die es besonders nötig haben.

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Die Umverteiler, die in allen Parteien vertreten sind, haben mit dem französischen Professor Thomas Piketty längst ihren Heilsbringer gefunden. Sein Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ trägt nicht von ungefähr diesen an „Das Kapital“ von Karl Marx erinnernden Titel. Pikettys enorme Fleißarbeit lässt sich am besten mit dieser These zusammenfassen: Vermögen und Einkommen sind ungerecht verteilt.

Einer seiner prominenten Kritiker ist Daniel Stelter, ehemaliger Unternehmensberater und danach Gründer des Forums „Beyond the Obvious“. Er hat das Buch „Die Schulden im 21. Jahrhundert“ geschrieben, in dem er mit Piketty abrechnet. Das liest sich dann so:

„Piketty beschreibe nur Symptome. Als Ursache der ungleichen Vermögens- und Einkommensverteilung sehe er eine über der Wachstumsrate der Wirtschaft liegende Kapitalverzinsung und „zu wenig Staat, zu wenig Umverteilung und zu wenige Eingriffe der Politik in die Wirtschaft. Ich sehe das Problem hingegen in der Überschuldung in weiten Teilen der westlichen Welt.“

Stelters Fazit war neulich in „€uro am Sonntag“ zu lesen:

„Bevor es zum großen Knall kommt, wäre es doch besser, mit einer geordneten Vermögensabgabe die Eurozone zu retten.“

So einen Vorschlag hat unter anderen auch schon der Internationale Währungsfonds gemacht. An dem Vorschlag ist also etwas dran. Über die Modalitäten dürfte allerdings so lange hinter verschlossenen Türen verhandelt werden, bis es doch zum großen Knall kommt.

Wie bereitet man sich auf ihn vor? Ganz bestimmt nicht mit dem Kauf von Immobilien, wie eingangs beschrieben. Eher mit dem Kauf von Gold.

Ich zitiere hier Thomas Mayer, eine Art Thinktank der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch, weil er das Kaufmotiv zuletzt in einem „Finanzen“-Interview besonders gut auf den Punkt gebracht hat:

„Gold ist die Put-Option, also eine Absicherung gegen den Zusammenbruch des Kunstgeldsystems. In der Vergangenheit musste für diese Put-Option eine Prämie gezahlt werden in Form von entgangenen Zinsgewinnen. Die ist in diesen Niedrigzinszeiten entfallen. Gold ist und bleibt für mich eine sehr interessante Anlageklasse.“

Wodurch kann der große Knall ausgelöst werden?

Diesbezüglich sind der Phantasie kaum Grenzen gesetzt. Nur ein Beispiel: Wir erleben gerade, wie griechische Politiker ihren Europartnern auf der Nase herumtanzen. Das muss auf Dauer schief gehen. Von einem guten Ende kann längst nicht mehr die Rede sein. Ich rate Ihnen deshalb dringend, die Reaktionen der in diesem Fall besonders relevanten Märkte (Aktien, Anleihen, Edelmetalle) laufend zu verfolgen. Dann werden Sie recht schnell ein Gespür für gravierende Veränderungen entwickeln. Ich gehe sogar so weit, zu behaupten, dass Gold in diesem Kontext als Indikator eine besonders wichtige Rolle spielt, weil es als Antipode des Kunstgeldsystems (siehe Mayer) international relevant ist.

Manfred Gburek – Homepage


 

Ein Kommentar auf "Tatort „Umverteilung“"

  1. Michael sagt:

    Die sog. Vermögensungleichheit ist komplett egal. Die Probleme die daraus entstehen sind eher eine Reaktion auf ein falsches Verständnis von der Wirkungsweise und der Organisation vom ‚Baumwoll’geld. Das von als ‚Geld‘ fälschlicherweise bezeichnete Tauschmittel ist von Kollektivisten korrumpiert.

    Das liegt schon an der Definition von Geld als Recht damit in der Gesellschaft und isoliert von der Bevölkerung. Kollektivismus ist der erzwungene Zusammenhalt und Solidarität ist der freiwillige. Da geht es ja schon an. Zumal Geld einen anderen Wirtschaftsteilnehmer nicht verknappt werden kann durch ein Teilnehmer in der Realwirtschaft bspw… stellt sich nicht die Frage ob der Chancenraum nicht offen wäre. Baumwollgeld ist die perfekte Abbildung eines Tauschmittels dass man besser gegen jedes andere beliebige Gut zeitnah tauscht. Bei der Software sagt man , ‚Works as designed‘.

    Der links liberale Sozialismus schadet noch nicht, der ist eben noch nicht hilfreich. Ich kann auch durch mit der Definition einer Frederiecke Spiecker etwas anfangen. Insbesondere bei der Bewertung von Arbeit und nicht in der Organisationsform von ‚die‘ Arbeit. Das ist eine Dimension.

    Ich bin selbst noch am Verfassen der Artikel zum den Themen Verteilung, Umverteilung der Kommunikation einer leicht verständlichen Sicht. Geschrieben sind diese Artikel schnell, das Problem war eher, dass man passende Worte insbesondere Begrifflichkeiten findet und Schritt für Schritt die den Leser an das Thema heranführt. Mit dem guten alten Marx kommen sie nicht weit. Man sucht mit der Verteilungdiskussion am falschen Eck.

    ‚Gold’/Gut ist Geld für Menschen, Wirtschaft und Betrieb. Gold ist kein ‚Geld‘ für Unternehmen und Gesellschaft. Gold ist Ausdruck von Freiwilligkeit und nicht Zwang. Assetmärkte sind auch nichts anders als Güter gezwungen in ein mentales Korsett.

    Ein massives Problem das im Moment da ist, ist eher die Fixierung der Rolle des unselbstständig Erwerbstätigen beinahe exklusiv als Konsument. 2 Jobs bringen nichts. Das ist das selbe Modell. In Österreich heißt der Flächentarifvertrag Kollektivvertrag. Das muss man sich einmal auf Zunge zergehen lassen, wie so Vertrag heißt ist egal, aber was der Gedankengang bei der Bennenung war und welcher Geist mitgeschwungen sein muss ist doch erstaunlich.

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