Tasche leer, Magen leer

12. September 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Der Begriff Lebenszyklus erfreut sich in den letzten Jahren auch bei „zertifizierten Finanzplanern“ großer Beliebtheit. Man macht es sich bequem und gibt sich dem Irrglauben hin, anhand statistischer Tabellen und bewaffnet mit den Ertrags- und Korrelationswerten der Vergangenheit die passende Geldanlage für die nächsten 30 Jahre ermitteln zu können. Eine Studie zeigt, was für viele US-Bürger am Zyklusende wirklich in den Büchern stand.

Das in den letzten Jahren stark rückläufige Finanzvermögen vieler US-Bürger zeigt, wie weit so manche Finanzplanung ins Leere zielt. Die Ausrede „externer Schocks“ ist zwar beliebt aber unwürdig, denn schon ein kurzer Blick ins Geschichtsbuch oder auf die Entwicklungen in anderen Regionen der Welt zeigt, wie instabil vermeintlich ewig währende Systeme sind. Auch der Sinn der allgegenwärtigen Ausrichtung auf die nominalen Wertsteigerungen wird selten hinterfragt. Doch was heißt es schon, wenn man in 30 Jahren €200.000 Euro ausgezahlt bekommt.

Das National Bureau of Economic Research (NBER) widmet sich im Rahmen einer Studie den finanziellen Verhältnissen der US-Bürger im Alter. Meistens kreisen derartige Untersuchungen um den Besitz zu Beginn des Ruhestands. Das NBER hingegen wertete die finanzielle Situation am Lebensende aus. Die übliche Fragestellung „wieviel haben die Rentner“ wandelten die Forscher in Richtung „kommen sie damit aus“ um. Das Ergebnis ist eindeutig.

(NBER) We find that a substantial fraction of persons die with virtually no financial assets—46.1 percent with less than $10,000—and many of these households also have no housing wealth and rely almost entirely on Social Security benefits for support. In addition this group is disproportionately in poor health.

Bemerkenswert ist vor allem der Hinweis darauf, dass viele dieser Haushalte zum Renteneintritt als ordentlich positioniert gegolten hätten, eine Feststellung, die einigen Rentenplanern zu denken geben sollte. Aber was soll’s, die Gebühren für die Beratung sind ja bei Abschluss fällig.

Based on a replacement rate comparison, many of these households may be deemed to have been well-prepared for retirement, in the sense that their income in their final years was not substantially lower than their income in their late 50s or early 60s. Yet with such low asset levels, they would have little capacity to pay for unanticipated needs such as health expenses or other financial shocks.

Wenn man am letzten Lebenstag den letzten Taler ausgibt, dann kann man das durchaus als Punktlandung bezeichnen, bei vielen reicht das Geld jedoch schon einige Jahre vorher nicht mehr aus. Mit der Abhängigkeit von der Social Security hängen die meisten dann am staatlichen Tropf und somit an der Füllhöhe der Taschen anderer. Ein Umlagesystem hat positive und negative Aspekte.

Der fromme Wunsch allerdings, die Auszahlungen könnten unabhängig von den Einzahlungen ein Eigenleben des stetigen Wachstums führen, wird sich auch bei einer Ausweitung der Umverteilung nicht erfüllen. Relativ zu den Staatseinnahmen hat der Anteil der Zahlungen für die Social Security in den letzten Jahren einen neuen Höchstwert erreicht.

Der zweite Teil der Vorsorge, die kapital-„gedeckte“ Rücklage, hat den durchaus sympathischen Hauch der Eigenständigkeit ist aber gegen Probleme ebenfalls nicht immun … (Seite 2)

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2 Kommentare auf "Tasche leer, Magen leer"

  1. gilga sagt:

    [OT] Zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts:

    1) Karlsruhe hat ja ein Limit von 190Mrd € gesetzt… da, theoretisch, eine Haftung von bis zu 100% möglich ist, dürfte der ESM dann doch (zunächst) nur einen Gesamtumfang von 190Mrd statt 700Mrd haben, oder? Oder ist das „Bedarf der Zustimmung des deutschen Vertreters“ spitzfindig auszulegen? Bei einem Austritt/Ausfall (und damit einer einhergehenden Erhöhung des Haftungsbetrages) wäre ja keine Zustimmung „nötig“… also geht es dabei nur darum, wenn die 100% Haftungssumme erhöht werden soll?

    (Wobei einer der Richter im Kommentar gerade meint; die Erhöhung des Haftungsanteils wäre über einen Artikel im ESM ausgeschlossen => auch bei Ausfall bleibt die Haftung auf die genannte Summe beschränkt; höre ich zum ersten Mal)

    Damit kommen wir zu:

    2) Umfassende Information(!) des Bundestags/Bundesrats muss sichergestellt werden. Spitzfindige Auslegung: Ich sage Dir alles, was ich (unter Umständen auch gegen Deinen Willen) gemacht habe bzw. momentan(! das kann sich ja dann noch kurzfristig ändern) plane in Zukunft zu tun (z.B. wie ich in einer Frage abzustimmen beabsichtige). Und? Damit hat 1) doch keine Wirkung mehr, oder?

    3) Passt irgendwie zu 1)… Eine der Begründungen habe ich(!) so verstanden: Wenn kein Konvent stattfindet/vorgesehen ist, dann kann auch nicht dagegen geklagt werden, dass die eigenen Rechte nicht gewahrt wurden. Wenn, dann hätte ein Konvent stattfinden, der Kläger davon jedoch ausgeschlossen sein müssen… Hmm…

    Über die Einschätzung eines Juristen zu diesen Einschränkungen wäre ich dankbar…

  2. braindead sagt:

    wähwähwäh

    .goldseitenblog.com/peter_boehringer/index.php/2012/09/12/nicht-im-namen-des-volkes-iv

    da stehts deutlich imho

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