„Tarnkappen-Bärenmarkt“ hat begonnen

15. Januar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Jüngst haben wir berichtet, dass die US-Industrie den fünften Monat in Folge auch im Dezember geschrumpft ist. Wir könnten weiter anmerken, dass ein so tiefes Niveau zuletzt im Juli 2009 festgestellt wurde; also unmitttelbar nach der globalen Finanzkrise. Wir haben auch schon erwähnt, dass der Baltic Dry Index – ein wichtiger Preisindex ür das weltweite Verschiffen von Hauptfrachtgütern (hauptsächlich Kohle, Eisenerz und Getreide) auf Standardrouten. – nun auf ein Rekordtief gefallen ist.

Wir haben auf viele andere grundlegende Indikatoren verwiesen, die alle auf das selbe hinweisen – nämlich auf eine sich rapide abschwächende Weltwirtschaft. Warum ist also aus dem Aktienmarkt – der ja angeblich ein Frühindikator sein soll – noch immer nicht wirklich die Luft raus?

Eine teurer Markt

Der Dow Jones fiel um 2% im Jahr 2015. Und der S&P 500 fiel um knapp 1%. Dieser Rückgang war offensichtlich nicht stark genug, um Alarm auslösen. Aber dem Ökonom und Nobelpreisträer Robert Shiller zufolge sind US-Aktien fast nie so teuer wie jetzt gewesen.

Das Shiller-KGV – oder CAPE-Ratio bezeichnet – ermittelt den inflationsbereinigten mittleren Gewinn der letzten zehn Jahre. Damit werden die Jahresschwankungen der Unternehmensgewinne, die sehr volatil sein können, geglättet. Als Ergebnis erhält man ein genaueres Bild davon, wie teuer eine Aktie oder ein Markt wirklich ist.

Aktuell liegt das CAPE-Ratio für den S & P 500 bei 25,5. Nur drei Mal in den letzten 135 Jahre lag es höher – im Jahre 1929, 2000 und 2007. An keinem dieser drei Zeitpunkte war es sinnvoll, Aktien am US-Markt zu kaufen.

Aber warten Sie … Die Geschichte ist ein wenig komplizierter.

Der Dow und der S&P 500 wurden jüngst von wenigen hochkapitalisierten Aktien nach oben gezogen. Der technologielastige Nasdaq100 verdankt seine positive Zahlen den sogenannten FANG Aktien – Facebook, Amazon, Netflix und Google (heute Alphabet). Diese vier Tech-Lieblinge sind wie wild gestiegen – das erinnert uns an die Dotcom-Blase der späten 1990er Jahre. Und alle (ausser Alphabet) weisen ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von mehr als 100 auf. Aber abseits dieser wenigen Werte kann man von Euphoríe nicht sprechen, im Gegenteil.

Ein Tarnkappen-Bärenmarkt

In der Tat sieht es so aus, als ob ein Tarnkappen-Bärenmarkt bereits begonnen hat. Zum Beispiel ist die durchschnittliche Aktie im Russell 3000 – einem sehr breit gefassten US-Aktienindex – nun schon 20 Prozent von Ihrem 52-Wochen-Hoch aus betrachtet gefallen. Das sollte die Alarmglocken läuten lassen. Denn ein 20 Prozent Absturz von einem 52-Wochen-Hoch ist die Standard-Definition eines Bärenmarkts.

Was ist los?

Dr. John Hussman von Hussman Funds schreibt folgendes:

„Ich bin weiterhin davon überzeugt, dass die US-Finanzmärkte, vor allem Aktien und Anleihen mit schlechtem Rating, sich in der späten Phase der Top-Formation der dritten Spekulationsblase seit 15 Jahren befinden. Auf der Grundlage von Bewertungsmaßstäben, die extrem stark mit darauf folgenden Markterträgen korreliert sind, zeigen die aktuellen Extreme Marktverluste von 40 bis 55 Prozent bis zum Abschluss des laufenden Marktzyklus an. Das heisst, auf 10 bis 12-Jahressicht ist mit einer NULL-Prozent-Nominalrendite und einer negativen Realrendite beim S&P 500 zu rechnen. Dabei handelt es sich um kein „worst case-Szenario“, sondern um eine ganz normale Markterwartung.“

Nun sind wir wieder an der Reihe: Wir erinnern uns daran, dass im Jahr 2000 – im gleichen Jahr schlugen wir vor, aus US-Aktien auszusteigen – Warren Buffett ein „verlorenes Jahrzehnt“ für den US-Aktienmarkt prognostizierte. Die Aktienkurse waren im Verhältnis zum BIP zu hoch. Aus seiner Sicht war es unwahrscheinlich, dass wir eine positive Rendite in den nächsten 10 Jahren sehen werden.

Er hatte recht. Aktien stiegen bis zum Jahr 2007 … und dann brach der Markt zusammen und am Ende des Jahrzehnts notierten die Kurse niedriger. Anleger verloren viel Geld. Und jetzt?

Hussman fährt fort:

„Der Risiko-Zyklus ist nun bereits intakt. Die altbekannten Warn- und Schwächesignale schlagen deutlich an. Die interne Verfassung des Aktienmarkts, insbesondere die Marktbreite, und die Spreads am Anleihenmarkt verschlechtern sich zusehends. Und zwar auf die selbe Weise, wie im Jahr 2007 die interne Marktverfassung und die ersten Bankrotte im Subprime-Sektor Warnsignale waren … die Konsequenzen aus vielen Jahre fehlgeleiteter Kapitalströme und Renditejagd um jeden Preis zeigen sich bereits jetzt.“

Unser Börsenindikator, entwickelt vom ehemaligen Valueline-Analysten Stephen Jones, zeigt exakt das Gleiche an. Verluste für den US-Aktienmarkt. Und zwar so weit die Augen reichen. Es sei denn, Sie sind bereit und willens, weiter als 10 Jahre in die Zukunft zu blicken.

Bis dahin weist unser Indikator auf niedrigere US-Aktienkurse hin. Der Aktienmarkt erlebt einen Anpassungsprozess mit Blick auf die Überbewertung, Überregulierung, erdrückende Schuldenlast, Fehlallokation von Kapital und Überalterung der Bevölkerung.

Werden Jones und Hussman richtig liegen? Werden wir richtig liegen? Wer weiß das schon… Aber wenn Sie Ihren Depotauszug im Jahr 2025 überprüfen … und Sie sehen nur die Hälfte des aktuellen Wertes angezeigt… denken Sie daran: Wir haben Sie gewarnt. Wenn Sie aber jede Menge Geld verdient und uns ignoriert haben … bitte vergessen Sie, was wir gesagt haben.

Warum wir eine Depression begrüssen
von Bill Bonner

Der Dow Jones gab in jüngster Vergangenheit stark nach. Chevron, Apple und Goldman Sachs führten die Verliererliste an… Die Presse macht China, Nordkorea, den Ölpreisverfall und „geopolitische Sorgen“ dafür verantwortlich. In der ersten Handelswoche verlor der Dow Jones mehr als sechs Prozen an Wert. Mal sehen, wie es weitergehen wird.

Wir glauben, dass ein 50 Prozent Verlust vor der Tür steht. Also, wenn es in dem Tempo weiter nach unten geht, könnten wir bereits im Mai oder Juni bei den besagten 50 Prozent Minus angekommen sein. Oder noch früher.

Manche Leser werfen uns häufig vor, alles zu „negativ“ oder „deprimierend“ zu sehen. Gestern hat man uns sogar beschuldigt, ein Feuer der Angst und des Schreckens zu schüren, um Börsendienste zu verkaufen. Das bestreiten wir. Mit Angst verkauft man keine Finanzdienstleistungen.

Fragen Sie einfach Goldman. Die Wall Street verkauft Gier, keine Angst. Die Wall Street verspricht Gewinne, keine Verluste. Die Wall Street bietet Träume voller Reichtum, nicht Albträume voller Armut.

Außerdem ist es ja nun mal so, dass man angesichts eines Kurssturzes vorher Liquidität aufbaut. Dazu braucht man wirklich keinen teuren Börsendienst.
Wir hier im Newsletter-Tagebuch handeln weder mit Angst, noch mit Gier. Unsere einzige Aufgabe ist es, schwach, demütig und unsicher uns ein Bild vom großen Ganzen zu machen.

Selbstverständlich geht es um viele Punkte, die eine Rolle spielen … und sie sind überall. Wie im Rorschach-Test riskieren auch wir, nur das zu sehen, was wir sehen wollen.
Aber Sie sehen nichts, wenn Sie nicht die Mühe machen, überhaupt Ausschau zu halten. Also, schielen wir … wir belasten unsere Augen. Und was sehen wir?

Ein Hoch, ein Top! Und was sehen wir dann?

Einen übergeordneten, säkularen Abschwung, wenn Aktien fallen oder sich nicht von der Stelle bewegen werden in den nächsten 10 Jahren. Wenn wir Recht haben, werden viele Vermögen, Jobs, Reputationen und Glücksbringer verschwinden. Bankrotte, Depressionen, Turbulenzen, eine Deflation – das werden wir wahrscheinlich sehen, vielleicht, vielleicht auch nur ein wenig von all dem.

Viele liebe Leser finden dies nicht wirklich attraktiv; und sie misstrauen unseren Motiven. Sie scheinen zu glauben, dass wir aufgrund der Wolken am Horizont am liebsten möchten, dass es sofort zu regnen anfängt.

Aber warten Sie … Sie haben Recht. Das ist das Muster, nach dem wir schon immer gesucht haben! Diese ausgetrocknete Erde braucht etwas Nasses zum einweichen … und eine gesunde Wäsche eben. Aber wenn die Leser denken, dies ist „negativ“, sind sie insofern selbst dafür verantwortlich, nicht wir. Sie werden auf das berühmte halbleere Glas sehen; wir sehen wir nur den Teil, der voll mit einen St. Emilion Grand Cru 2006 ist.

Sehen wir es mal positiv… Wenn wir Recht haben, werden Sie in zehn Jahren viel mehr für Ihr Geld am Aktienmarkt erhalten. Nicht nur das, sondern auch ein großer Teil der Schulden und Effekthascherei, die jetzt das System würgen, sind dann weggespült.

Greenspan, Bernanke und Yellen werden schließlich als die Gauner und Amateur-Künstler erachtet werden, die sie ja auch wirklich sind.

Unternehmen, die schon im Jahr 2008 hätten bankrott gehen sollen, werden nun endlich an der Wand sein. Und die Spekulanten, Bankiers und Schwindler, die in der letzten Krise eigentlich schon in die Knie gehen sollten, werden dann auch verschwunden sein.

Ja, einige Investoren werden den Schmerz fühlen. Die Wirtschaft wird leiden. Sie wird von bitteren Schicksalsschlägen und unerhörtem Unglück getroffen werden…
… aber am Ende in einem viel besseren Zustand sein!

Man sollte sich vor einer Korrektur am Aktienmarkt nicht fürchten. Es ist etwas, worauf man sich freuen sollte…wie auf den Klempner, der gekommen ist, um Ihre Badkanalisation in Ordnung zu bringen. Es kann zwar zunächst etwas schmutzig werden; aber die Erleichterung ist groß, wenn Sie am Ende die Toilette wieder benutzen können.

Neulich sahen wir eine Schlagzeile von unseren Kollegen von CaseyResearch. Darin wurde empfohlen, Short in US-Aktien zu gehen. Das heisst, auf fallende Kurse zu setzen.
Wahrscheinlich wird sich das als guter Rat erweisen. Aber dazu bedarf es eines hohen Maßes an Vertrauen, das wir nicht haben. Es genügt uns, einfach dem Markt fernzubleiben.

Cash Is (Still) King

Wohin also mit dem Geld? Cash, liebe Leser … Cash. Es braucht keine andere Finanzdienstleistung. Cash is king. Und das wird so lange der Fall sein, bis wir zum nächsten Wendepunkt kommen. Denken Sie über folgende Punkte nach..

Die Fed hat leicht zugängliches billiges Kreditgeld zumindest in den letzten 20 Jahren begünstigt – sie hat die Zinsen angesichts kleinster Anzeichen von Not schnell gesenkt und sie tat selbst dann nichts, als es Zeit war, die Zinsen wieder zu erhöhen.

Jedes Mal, wenn eine Kreditkontraktion beginnt, reagiert die Fed mit noch geringeren kurzfristigen Zinsen. Und jedes Mal, wenn der Preis für Kredite fällt … schafft sie damit eine andere Blase.

Der Nasdaq-Blase in den späten 1990er Jahren … die Immobilienblase, das Enstehen der Studentenkreditblase, Blasen bei Unternehmensanleihen, Staatsanleihen … und bei einer kleinen Gruppe von auserwählten Technologie-Aktien, die die US-Börsenindizes auf selten gefährliche Höhen hochgezogen haben.

Und nun stellt sich die Fed vor, dass es möglich ist, wieder in die Normalität zurückzukehren?!

Was sehen wir jetzt?

Wie wir bereits jüngst berichteten, schauen wir sehr genau auf das vom Nobelpreisträger entwickelte Shiller-KGV, Cape-Ratio. Und mit Blick auf dieses Verhältnis war der Markt, genauer gesagt der S&P500, nur drei Mal in den letzten 135 Jahren teurer: im Jahre 1929, 2000 und 2007. In allen drei Fällen kam es zu dramatischen Kursstürzen.
Für Aufregung ist also gesorgt … Bleiben Sie am Ball!

Quelle: Kapitalschutz Akte
„Tarnkappen-Bärenmarkt“ hat begonnen(von Bill Bonner)
Warum wir eine Depression begrüssen (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

3 Kommentare auf "„Tarnkappen-Bärenmarkt“ hat begonnen"

  1. Incamas SrL sagt:

    Für mich zählt nur ein Fakt: Mit einer 0 Zins Politik versucht man das Finanzsystem, Staaten, Banken am Leben zu erhalten. Das wird nicht ewig funktionieren. Somit gibt es dann Schuldenschnitte. Die schönen Papiere welche mann Assets nennt werden dann wertlos, dahin die schönen Altersversorgungen. Am Ende des Tages werden dann nur werthaltige Dinge zählen wo a. der Staat nicht drann kommt- b. kein Papier ist. Zypern, Griechenland hatten bereits Kapitalverkehrskontrollen wo die Guthaben eingefrohren wurden.

  2. Peter Schirl sagt:

    Hallo ja das ist ein guter Kommetar.
    Die Märkte sind nach meiner Meinung manipuliert worden
    durch die ewigen Zinssenkungen QE1-QE4usw.
    Ich sehe den DAX FALLEN bis auf 2009 Tief.

    DANKE

  3. Argonautiker sagt:

    Es ging bei dem ganzem Manöver nach der 2008er Krise doch immer nur um Zeitgewinn. Daraus hat man ja auch nie einen Hehl gemacht. Das man diese Zeit dazu benutzen wollte, um sich in eine gute Position für den Kollaps zu bringen, indem man die Gesetze schuf, um die zu erwartenden Verluste dann möglichst gut auf das Volk verteilen zu können, daraus hat man gegenüber dem Volk natürlich schon einen Hehl gemacht.

    Dieses wird wahrscheinlich so geschockt sein, und die Knappheit so groß werden, daß man sie sehr leicht für Kriegszwecke gewinnen können wird, weil das eine der wenigen Möglichkeiten sein wird, die man noch bezahlt. Denn es wird kaputt gemacht werden müssen, denn unsere Wirtschaft ist ja unter anderem deshalb so am Ende, weil wir materiell gesehen ja eigentlich übersatt sind, dieses Übersatte jedoch schlecht verteilt ist.

    Wenn die prognostizierten 50% richtig sein sollten, und für einen Crash eine Zahl einsetzen zu wollen, halte ich wirklich für Glaskugellesen, was ja durchaus einigen gelingt, dann wird das für sehr, sehr viele, sehr bedrohlich, denn 50% von „kaum genug“, ist ganz schön viel.

    Aber 50% ist bei einer Crash Prognose eben wirklich nur Glaskugellesen. Ein dem Unbekannten einen kalkulierbaren Namen geben, um die Ängste vor dem Unbekannten unter Kontrolle zu halten. Denn wer kann in einem maroden Gebäude schon sagen, was nun wirklich stehen bleibt, und was einstürzt, weil das Marode, beim Einstürzen, durchaus auch Gesundes mitreißen kann, sodaß eine bloße Bewertung von dem Verhältnis, was marode ist, und was gesund ist, in die Irre führen kann.

    Aber irgendwie macht das Glaskugellesen eben auch Spaß. Leider reichen meine Kenntnisse in der Branche nicht, um eine Einschätzung der Quantität der Bereinigung abzugeben, aber eine Zeitliche Prognose traue ich mir schon zu, und Tippe eher auf April, als Kipppunkt. Glaskugelgelesen.

    Ist es jetzt makaber in diesem Zusammenhang, verspätet einen guten Rutsch zu wünschen? 🙂

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