Tanken für die Rettungsschirme

8. April 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Zur österlichen Tradition gehört inzwischen zweifelsohne auch ein Besuch der stundenlangen Staupartys auf den Autobahnen. Ohne Benzin wären diese kollektiven Meditationen auf Asphalt überhaupt nicht möglich. Und hätte man das Benzin nicht erfunden, wäre der Staat längst schon pleite…

Dieser ruft sich aber traditionell und in regelmäßigen Abständen immer wieder selbst auf den Plan, die Ölmultis an den Pranger zu stellen. Das Kartellamt soll diesen Sprit-Irrsinn beenden und die Ölmultis der Manipulation überführen. Man will die Bürger schützen, heißt es. Wer aber beschützt die Bürger vor denen, die soviel Geld drucken, dass damit nicht nur Banken und Staaten gerettet werden können, sondern gleichzeitig die Preise Flügel bekommen und so höhere Steuern die Staatskasse befüllen?

Höhere Ölpreise machen auch den Börsen zu schaffen. Doch nicht deshalb ging es in dieser Woche mit den Kursen bergab. Sie sind auf einem gut ausgelegten Osterei aus der US-Notenbank ausgerutscht. Der oberste Gelddrucker der USA will auf die Spaßbremse treten. Lächerlich! Ohne die Hochdruckbetankung der FED können die USA nicht durchkommen. Selbst der viel umjubelte Aufschwung basiert auf billigem Geld und statistischen Wundern.

Hochdruck auch beim billionenschweren ESM-Rettungsschirm. Das Tankstellen-Geschrei überdeckt, wie er heimlich, still und leise durch die parlamentarischen Gassen gedrückt wird. Wie hoch wird der Schaden sein, den er verursachen wird? Dabei geht es um mehr als nur Millionen wie an den Zapfsäulen. Auch hier bleibt der Bürger schutzlos. Mit dieser in Treibstoff umgerechneten Menge könnte man die ganze Nordsee füllen. Ach ja, tut man ja gerade, bloß mit Gas.
©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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