Tage der Besinnung(slosigkeit)

29. Dezember 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Ronald Gehrt

Es ist immer wieder eine kritische Phase, diese Häufung von Feiertagen unmittelbar vor der Jahreswende. Fonds und Hedgefonds tun was sie können, um ihre Performance werbewirksam zum Stichtag Silvester maximal auszureizen, haben aber andererseits immer die Sorge im Hinterkopf, dass ihnen womöglich die ganzen zu niedrigen Barbestände und aufgepumpten Portfolios um die Ohren fliegen, sollte der gebauchpinselte Anleger auf den wirren Gedanken kommen, derartig hohe Kurslevels zum Ausstieg zu nutzen.

Denn immer dann, wenn die Kurse zur Ruhe kommen, besteht die Gefahr, dass der Anleger nicht nur Tage der Besinnung genießt, sondern auch zur Besinnung kommt und dementsprechend aussteigt. Gründe gäbe es dafür genug – also, was tun?

Man verbreitet Optimismus mit der Brechstange. Immerhin ist nun wieder die Zeit der Prognosen gekommen. Ob man es nun wissen will oder nicht, hinter jeder Ecke lauert jemand, der zu wissen behauptet, wo der DAX am Ende dieses kommenden Jahres stehen wird.

Natürlich wissen viele Anleger langsam, dass Leute, die nicht einmal einen DAX-Schlusskurs des laufenden Handelstages vorhersagen können, wohl kaum imstande sind, das Kursniveau dieses Index in zwölf Monaten weissagen zu können. Aber erstens mag man es trotz alledem, mit Optimismus übergossen zu werden wie eine Weihnachtsgans im Ofen (und aus dem selben Grund …), zweitens sind ja schließlich auch Wahrsager und das Tarot nicht ausgestorben. Also hört man gerne hin … und sind diese Prognosen optimistisch genug, sind viele nur zu gerne bereit, fehlende Argumente zu übersehen, dem neuen Jahr mit Spannung statt mit Skepsis entgegenzusehen und dementsprechend Gewinnmitnahmen erst einmal bleiben zu lassen.



Außer einem Artikel im Handelsblatt, das nach einer Befragung von Experten eine durchschnittliche Prognose für das Jahresende 2015 bei 9.960 Punkten veröffentlichte, liegt das, was mir so in die Finger kam, zwischen 11.500 und 13.000 Punkten und damit bei einem Anstieg zwischen 15 und 30 Prozent für unseren DAX. Interessant ist dabei, dass alle angeblich ausreichend viele Experten befragt haben und trotzdem derartig unterschiedliche Voraussagen dabei herauskommen. Alleine das sollte eigentlich stutzig machen, aber wozu? Wenn man einen DAX bei 13.000 Punkten gut gebrauchen kann, ist man geneigt, die optimistischeren Prognosen im Hinterkopf zu behalten und bei vorsichtigen Prophezeiungen auf Durchzug zu stellen.

Eine etwas verrückte aber vielleicht doch überdenkenswerte Idee wäre, sich selbst darüber Gedanken zu machen, warum der DAX womöglich im Jahr 2015 um 30 Prozent steigen könnte.

Gut, selber zu denken kommt aus der Mode, man merkt es im täglichen Leben immer deutlicher. Aber will man derartig tiefschürfenden Argumenten der in Lohn und Brot der Finanzindustrie stehenden Analysten einfach folgen wie: Nach einem relativ mageren Jahr, wie es 2014 war, kommt es meist zu einem wieder starken Jahr. Wow. Weise Worte.

Oder will man sich das faszinierende Argument zu eigen machen, dass, wenn man die Performance der letzten 80 Jahre in einen Topf schmeißt und solange darauf herumtrampelt, bis Mus dabei herauskommt, das in 2015 anstehende Vorwahljahr im US-Präsidentschaftszyklus statistisch gesehen das stärkste von allen ist? Zu letzterem Argument habe ich mich ja vor einigen Wochen in einem Marktkommentar bereits ausgelassen. Das Argument, dass nach einem eher schwachen doch wohl sicher ein starkes erfolgt, ist nicht mal einen Kommentar wert… (Seite 2)

 

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2 Kommentare auf "Tage der Besinnung(slosigkeit)"

  1. Michael sagt:

    Die Hausse tanzt am kleinen Zeh und der scheint schon geschwollen.

  2. Midas sagt:

    Warum denn so pessimistisch? Jetzt kommt Afrika nach Europa und Geld ist Dank der Draghibank in Hülle und Fülle überreichlich vorhanden. Also werden Millionen (oder Milliarden? ) neue Wohnungen, Straßen und Autos gebaut. Westeuropa wird der Superkontinent, der USA und China zusammen in den Schatten stellt. Wir werden alle geradezu unendlich bereichert. Also Leute, kauft Aktien, kauft, kauft, kauft.

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