Systemrelevanz light. Oder: Wie wir mit Zypern an der Nase herumgeführt werden

21. März 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart Investor – Die Geschichte des Euro ist eine von Fälschungen, Lügen, Vertrags- und Gesetzesbrüchen und natürlich eine von viel Pathos. Wurde das Wort „Systemrelevanz“ im Zusammenhang mit Zypern anfangs nur als Witz gebraucht, wurde schnell klar, dass auch dieser wunderbare Anlass nicht ungenutzt bleiben soll, um ein paar weitere Milliarden aus den Taschen der Steuerzahler in diejenigen der Banken umzuleiten…

Eine willfährige Politik leistete Schützenhilfe. Der normale Gang solcher „Rettungsaktionen“ sieht grob skizziert so aus: „Unser Europa“ beschließt, dem notleidenden Land(!) zu helfen. Das Geld wird jedoch unmittelbar an die dort ansässigen Problembanken durchgereicht, die es wiederum postwendend an ihre Gläubigerbanken schicken.

Im Ergebnis werden die Bürger also unter dem Vorwand der Rettung eines anderen Landes zu Milliardengeschenken an die (eigenen?) Banken zwangsverpflichtet. Das will man den Bürgen natürlich so nicht sagen, weshalb man billigend in Kauf nimmt, dass sich die Stimmung zwischen den Völkern rapide verschlechtert: Die Steuerzahler der Geberländer schimpfen auf die „faulen und undankbaren“ Nehmer und bei den „Nehmern“ kommen vom Gesamtpaket im Wesentlichen nur die Sparmaßnahmen an.

Verständlich, dass die Menschen dort keine Dankbarkeit empfinden. Es ist ganz erstaunlich, welchen Hass das „Friedensprojekt Euro“ schon jetzt zwischen den Völkern Europas gesät hat. Wenn Etikett und Inhalt bzw. angebliche Zielsetzung und tatsächliches Ergebnis praktisch um 180 Grad auseinandergehen und man trotzdem nach dem Motto „Weiter so!“ verfährt, dann fällt einem nur noch die Orwell-Gleichung „Frieden ist Krieg“ ein – das Wort „Friedensprojekt“ hat jedenfalls vor dem Hintergrund der Realitäten einen äußerst bitteren Beigeschmack.

Erneuter „Sündenfall“

Bei der „Zypern-Rettung“ – wir ahnen, wo das Geld auch diesmal hinfließt – sollten nun erstmals auch die Sparer beteiligt werden – und zwar selbst die kleinen.

Geplant wurde dieses Bubenstück, das die EU-weite Einlagensicherung bis 100.000 EUR ad absurdum führt, auch nicht etwa auf einer halbierten Mittelmeerinsel, sondern in der Zentrale in Brüssel – unter Beteiligung auch des deutschen Finanzministers. Es ging natürlich um „Gerechtigkeit“, denn auch die Zyprer, die jahrelang hohe Zinsen kassierten, sollten ihren Beitrag leisten.

Man hatte bei diesem kalten Enteignungsversuch nicht einmal den Anstand, den Geschröpften eine Art Besserungsschein in Form von Anteilen ihrer Banken anzubieten. Normalerweise verlieren nämlich zunächst die Aktionäre ihr investiertes Vermögen und erst danach die Forderungsinhaber. Aber Anstand ist im Brüsseler Politbüro ein ebenso seltener Gast wie das Recht.

Immerhin scheint in Zypern wenigstens das Parlament zu funktionieren. Kein einziger Abgeordneter stimmte für den Raubzug auf der Insel. Da könnte sich mancher ESM-Abnicker im Bundestag mal eine Scheibe abschneiden. Wenn die versuchte Sparer-Enteignung nun zum „Sündenfall“ aufgebauscht wird, dann geht das an der Sache dennoch vorbei. Das Wort „Sündenfall“ impliziert nämlich, dass da etwas völlig Neues geschehen sei. Dem ist nicht so. Es ist einfach nur ein weiterer (versuchter) Rechtsbruch in einer schon erklecklich langen Reihe.

Und während alle Augen nach Zypern gerichtet waren, hat gestern das EU-„Parlament“ in bewährter Manier die EU-Bankenaufsicht durchgewunken, bekanntlich eine Vorstufe zur EU-Bankenunion, die die Ersparnisse der Bürger dann endgültig zur allgemeinen Selbstbedienung freigibt. Denn nach dem „Testballon“ Zypern spricht auch hierzulande nur noch wenig dafür, sein Erspartes weiter zu Minizinsen bei den Wackelbanken zu belassen, wo es dem Zugriff einer amoklaufenden „Rettungs“-Politik schutzlos ausgeliefert ist… (Seite 2)

 

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12 Kommentare auf "Systemrelevanz light. Oder: Wie wir mit Zypern an der Nase herumgeführt werden"

  1. Lickneeson sagt:

    Vielen Dank für den frustrierenden, weil wahren, Zustandsbericht.

    Wie ich hier schon häufiger kommentierte bleibt Europa eine moderne Fuggerzone für das Grosskapital.Sparer, Kleinanleger aber vor allem „normale“ Arbeiter und Angestellte sind von Anfang an die grossen Verlierer des Euro.Ausbeutung der arbeitenden Bevölkerung über Sklavenlöhne, Leiharbeit und Verpflichtung zur zusätzlichen privaten Rentenvorsorge, die dann wiederum ordentlich besteuert wird.

    Und in Kürze folgt dann die Teilenteignung zum Wohle des Euro.

    Ich weiss nicht, wie andere Leser darüber denken, aber Politiker sollte man durch Nichtwählen und gezielte Kapitalflucht zum Nachdenken anregen.

    Und….demonstrieren darf man als Deutscher ja auch .

    MfG

    • markku sagt:

      “Nichtwählen … zum Nachdenken anregen”

      Das wird leider nicht funktionieren, sondern zementiert nur den Status quo. Merke: Nichtwählen = Zustimmung!

      Wenn Sie also etwas ändern wollen, dann muss zu den pers. Maßnahmen noch mehr kommen. Anders wählen (AfD, FW, Linke, PdV, … je nach pers. Geschmack! Lassen Sie sich dabei auch nicht von Parolen “schaffen eh keine 5% irritieren” — das sind nur systemerhaltende Sprüche) wäre ein kleiner aber notwendiger Anfang.

    • Reiner Vogels sagt:

      Nichtwählen ist kontraproduktiv, weil die etablierten Parteien letztlich davon profitieren. Schließlich ist es am Ende rechtlich vollkommen egal, wie hoch die Wahlbeteiligung ist. Auch eine Wahl mit nur 20% Beteiligung ist gültig.

      Besser ist es, alternative Splitterparteien zu wählen. Aus heutiger Sicht bieten sich m.E. an die PdV und die AfD, wenn sie es denn schaffen, die hohen bürokratischen Hürden für die Zulassung zur Wahl zu überwinden.

      Selbst wenn sie an der 5%-Klausel scheitern sollten, was ja keineswegs heute schon ausgemacht ist, ist die Wahl dieser Parteien ein echter Protest, der den Altparteien zu schaffen macht.

      Ein Beispiel: Wenn die Stimmen der FReien Wähler in Niedersachsen an die CDU gegangen wären, wäre die CDU heute noch die Regierungspartei. Niemand soll meinen, dass die ehemals bürgerlichen Parteien nicht genau davor, dass ähnliches bei der Bundestagswahl geschieht, eine Höllenangst haben. Nur eine solche Angst kann den nach wie vor vorhandenen vernünftigen Politikern in diesen Parteien (z.B. Schäffler in der FDP, Willsch und Bosbach in der CDU)Gehör verschaffen.

  2. wolfswurt sagt:

    Alternativen zu wählen ist doch keinerlei Alternative zur Struktur des Parteiensystems.

    Das Übel ist das System der Parteien, welches die Interessen einer Partei aber niemals die Gesamtinteressen eines Volkes vertritt.

    Volksvertreter haben das Volk zu vertreten und nicht partikular Interessen von Gruppierungen.

    Volksvertreter sind vom Volk direkt in das Parlament zu wählen.
    Sie haben keinerlei Gruppierung anzugehören.

    Das Wichtigste ist jedoch ein sofortiges Abwahlrecht bei Fehlverhalten.
    Anschließend Bestrafung mit aller Konsequenz.

    • Peter G. sagt:

      Die gewünschten und berechtigten Änderungen unseres politischen Systems können Sie auf legalem Wege nur durch Wahl von Parteien erreichen, die diese Ziele in ihrem Programm haben. Die Alternative wäre Umsturz, Revolution, wobei diese Lösung den umerzogenen Deutschen schwer fallen dürfte (den heißblütigen Südländern weniger).
      Systeme durch demokratische Mittel zu ändern ist schwer, wenn nicht unmöglich. Ein Beispiel für strukturelle Änderungen des ausgeuferten Bankensektors (incl. Strafverfolgung aller Verursacher) ist Island.

      • wolfswurt sagt:

        Durch wählen einer Partei kann man nicht das Parteiensystem abschaffen!
        Auch nicht durch wählen der AfD.

        Alle Wahlalternativen stehen auf dem Boden des Parteiensystems(Parteienstaat) und werden tunlichst vermeiden sich selbst abzuschaffen.

        Der Weg wird so sein: wegen Unfähigkeit der Parteien, sprich der Menschen die in Parteien agieren, das Land zu regieren, bricht das Parteiensystem zusammen.
        Nach einer Systemimplosion entsteht etwas Neues.
        Ob das Neue dann eine Verbesserung des Alten ist wage ich zu bezweifeln.
        Sind wir doch in einem Zyklus des Kulturniederganges ähnlich dem von Rom.

    • Lickneeson sagt:

      „Volksvertreter haben das Volk zu vertreten und nicht partikular Interessen von Gruppierungen.“

      So ist es.Sicher führe ich durch Nichtwählen keinen Politikwechsel, bzw. Umsturz aus.Aber wenn ich mir die Politclowns der Piraten anschaue,wird mir übel.Es braucht einen Systemwechsel auch im Denken und Handeln, siehe auch das Theater um Managergehälter.

      Eine Politik im Sinne des Volkes, und zwar des eigenen Volkes.Das Gefasel von einem gemeinsamen Europa dient nur dem Befüllen finanziell dicker Taschen.Die Vermischung von Politik und Kapital via Aufsichtsrat/-Vorstandsposten nebst dicken Nebeneinkünften schreit geradezu nach Erneuerung.

      Das Schlimmste an der Eurokrise ist, wie auch im Artikel beschrieben, das Hetzen der einzelnen Nationalbevölkerungen gegen „die Anderen“.

      Zeit für eine europäische „Internationale“?

      MfG

  3. Peter G. sagt:

    In der Systempresse (Spiegel) wird der staatliche Zugriff auf private Konten mittlerweile als berechtigte Besteuerung der Guthaben erklärt. Da die betroffenen Banken nicht insolvent seien (!), greife auch das Einlagensicherungsgesetz nicht.

  4. EuroTanic sagt:

    Wenn ein Zypriote sein sauer verdientes Geld an die Bank seines Vertrauens gibt, dann ist das nichts anderes als ein Kredit. Wenn die bank dann pleite geht, ist der Kredit möglicherweise teilweise, oder ganz W E C H. Der Skandal ist meiner Meinung nach nicht, dass die kleinen Leute enteignet werden sollen, sondern dass diese das Geldsystem nicht kapieren. Die kapieren nicht, dass der Euro/Dollar/Yen/etc. kein Geld ist, und die Bank nicht „Geld“ verleiht, sondern Geld aus dem Nichts schöpft. Wenn man in einem Betrugssystem verliert ist nicht der Verlust ein Skandal, sondern das Betrugssystem.

  5. Umdenker sagt:

    Den legalen Zinsbetrug schon bemerkt ??

    Die Banken haben das Monopol zur Gelderzeugung – durch Eintippen einer

    Bilanzverlängerung ensteht Kredit und somit Geld aus dem Nichts.

    Aber wer hat mal genau nachgerechnet ?

    Würden Banken nur auf ihr eigenes, echt „verliehenes“ Geld Zins kassieren, wäre jeder Kredit

    mit mindestens ca 80-90 % weniger Zins belastet. Die Tilgungsrate wäre viel günstiger und

    die Krise gar nicht so schnell gekommen dank Zinseszins – nur etwas später. Aber immerhin später.

    Und das Schlimmste : die Justiz schaut zu.

    Besser nicht ansehen – danach können Sie nicht mehr gut schlafen:

    http://www.banken-volksbegehren.at/banken/justiz-giralgeldschoepfung-unbekannt-video

    Die Zwangsenteignung von Bankguthaben in Zypern ist ein Offenbarungseid des
    weltweiten Banken – und Geldsystems. Nicht das Geld der Sparer wird großteils

    als Kredit „verliehen“ , sondern neu erschaffenes, aus dem Nichts am Computer erzeugtes

    Geld“verleihen“ Banken als „Kredit“. Banken verleihen nur zu einem kleinen Teil ihr eigenes,

    echt vorhandenes Geld, KASSIEREN ABER AUF DEN VOLLEN KREDITBETRAG ZINSEN !
    Aus z.B. 1% Mindestreserve (EZB) entstehen auf wundersame Weise 99% Kredit aus dem Nichts!
    Der eingebaute Systemfehler : Der Zins wird bei der Kreditschöpfung nicht miterzeugt –
    daher erfordert das verzinste Geldsystem ewige Neuverschuldung, was unmöglich ist und
    einem illegalen Schneeballsystem entspricht. Wer glaubt, sein Geld sei auf der Bank sicher,
    wird bald eines Besseren belehrt werden. Der Zinsbetrug fliegt auf, weil die LETZTEN „Mitspieler“

    alias Kreditnehmer die Zinsen nicht mehr bezahlen können.

    Das Volk erwacht:

    http://www.banken-volksbegehren.at
    http://www.banken-in-die-schranken.eu

  6. Unwissenheit hat schon immer zu Nachteilen geführt. Früher konnten die Leute nicht lesen, dann nicht rechnen und heute verstehen die Meisten nicht wie unser Geldsystem funktioniert. Eine nachhaltige Veränderung wird wohl erst dann eintreten, wenn die Masse versteht was gespielt wird. Wie Henry Ford schon sagte:“Es ist gut, dass die Menschen des Landes unser Banken- und Geldsystem nicht verstehen, denn sonst, so glaube ich, hätten wir noch vor morgen früh eine Revolution.“

    Das gilt heute mehr denn je.

    Was kann man tun? Kapitalfluch ja, aber wohin ? Gold und Silber sind sicher eine Alternative. Viel wichtiger ist aber meier Meinung nach, dass Kredite und Leasingverträge vermieden werden.

  7. silkehamburg sagt:

    „Mr.Dax“ Dirk Müller: Lasst die Banken Pleite gehen! Der Euro ist die falsche Währung für Europa!

    http://goo.gl/oi0XI

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