Syrien-Krieg wird offiziell

29. August 2013 | Kategorie: Gäste, Kommentare

vom Smart Investor  Nach dem syrischen Giftgas-Massaker drängen die USA auf „Bestrafung“ Die Nachrichten, die uns vom Giftgas-Massaker in Syrien erreichten, waren ohne Wenn und Aber schockierend. Jegliche Nachfrage – so suggerierte insbesondere der Boulevard – verbot sich angesichts der abstoßenden Wucht der Bilder von toten Kindern… 

Auf die Macht der Bilder ist Verlass und das wissen kriegsführende Parteien ganz besonders gut. Schon am ersten Tag und noch vor Aufnahme irgendwelcher Untersuchungen stand das Ergebnis fest: Assad ist schuldig und wer schuldig ist, verdient einen ordentlichen Denkzettel, besser noch – die chirurgische Entfernung aus dem Amt mittels Marschflugkörpern.

Schlag auf Schlag erfahren wir von der bemerkenswert raschen Zusammenziehung der Truppen im Mittelmeer. Da muss man schon fast dankbar sein, dass Zypern noch vor wenigen Monaten „gerettet“ wurde, denn heute dient die Insel britischen Verbänden bereits als Operationsbasis.

Trotz der massiven Propaganda mag in der Bevölkerung bislang keine rechte Kriegsbegeisterung aufkommen. Nach jüngsten Umfragen lehnen nicht nur die Deutschen, sondern auch die Amerikaner selbst mehrheitlich den von der US-Regierung vorangetriebenen offenen Angriff auf Syrien ab. Auch außerhalb der NATO steht Friedensnobelpreisträger Obama mit seinen Plänen zur Maßregelung Assads relativ isoliert da. Russland und China machten bereits deutlich, dass sie derzeit kein Anti-Assad-Mandat der UNO mittragen werden – Alleingänge der USA und ihrer Verbündeten lehnen sie ebenfalls ab.

Die Fiktion einer „Weltgemeinschaft“, die handeln müsse, so das bemühte Konstrukt in Teilen der nur als „kriegslüstern“ zu bezeichnenden Medien, kann jedenfalls nicht überzeugen. Wenn die bevölkerungsreichsten Länder wie China und Indien auf Abstand gehen und selbst die Mehrheit der Menschen innerhalb der NATO-Länder keinen Angriff auf Syrien will, wer eigentlich ist dann diese ominöse „Weltgemeinschaft“?!

Die Regierungen der USA, Großbritanniens oder Frankreichs, für die ein Waffengang auch eine willkommene Ablenkung von der Malaise zu Hause wäre?! Oder ist es gar die Regierung der teilsouveränen Bundesrepublik Deutschland, die in hündischer Ergebenheit eigentlich immer wedelt, wenn ihr Herrchen pfeift. Umso eiliger scheinen es jetzt die USA zu haben, den bislang verdeckten Zermürbungskrieg gegen Assad offiziell zu machen und erfolgreich Fakten zu schaffen.

Befindet man sich nämlich erst einmal im Krieg, verstummt erfahrungsgemäß auch die Opposition. Bis dahin wird die Bevölkerung unter das Dauerfeuer von Propaganda und Desinformation genommen. Denn das, was offenbar längst beschlossen wurde – nämlich die Eskalation zu einem richtigen Krieg –, soll irgendwie moralisch und richtig erscheinen. Auf eine Frage allerdings werden wir dabei aber wohl eher keine Antwort erhalten: Warum haben die syrischen Machthaber die unübersehbare „rote Linie“ eines Chemiewaffeneinsatzes überschritten, obwohl ihnen doch völlig klar sein musste, was ihnen dann blüht?! Ein Fall für die Historiker.

Marktreaktionen

Es erscheint profan, im Angesicht dessen, was sich rund um Syrien aufbaut, über Märkte zu sprechen. Dennoch reagieren sie darauf – und das ziemlich direkt. Am Offensichtlichsten ist der Anstieg des Ölpreises – wie eigentlich immer, wenn es in der Region zu Spannungen kommt. Auch nur die Möglichkeit (vorübergehender) Versorgungsengpässe hat aufgrund des enormen Energiehungers erhebliches Negativpotenzial für die meisten Volkswirtschaften.

Betroffen sind hier die alternden Ökonomien des Westens ebenso wie die aufstrebenden des Ostens. Der Ölpreis jedenfalls knüpft fast nahtlos an das Momentum an, das sich im Umfeld des ägyptischen Umsturzes schon aufgebaut hatte…



„Kriegsbörsen“

An den Aktienmärkten blieb die Reaktion ebenfalls nicht aus. Dabei lassen sich zwei Phänomene identifizieren: Abwärts gerichtete Kurse und ansteigende Volatilität. Diese Reaktion ist stimmig wenn man sie mit früheren „Kriegsbörsen“ vergleicht: 1991 (Irak), 2003 (Irak) und 2011 (Libyen). Zwar sollte man sich vor monokausalen Erklärungen hüten, aber ein Krieg in der sensiblen Region hat Auswirkungen auf den heimischen Aktienmarkt.

Das Muster, das sich herauszubilden scheint, geht dabei in etwa so. Im Vorfeld eines militärischen Eingreifens der USA kommt es zu heftigen verbalen Schlagabtäuschen, die die Börsen zum Teil extrem verunsichern und die Kurse weit nach unten treiben. Sobald die Angriffe aber erst einmal gestartet sind, kommt es an den Märkten – und das soll nicht zynisch klingen – fast zu einer Art Erleichterung. Die Anspannung löst sich umso schneller, je rascher sich zeigt, dass die USA die Oberhand behalten.

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Die Kurse erreichen also um den eigentlichen Kriegsausbruch tendenziell lokale Tiefs. Ein Vergleich der drei Charts scheint noch etwas anderes anzudeuten. Je länger der zeitliche Vorlauf, desto mehr werden die Marktteilnehmer zermürbt und desto tiefer fallen auch die Kurse (1991).

Und noch ein Phänomen ist sichtbar: Mit jeder Wiederholung wird der Effekt schwächer, wobei Libyen ohnehin einen Sonderfall darstellt. Die Märkte gewöhnen sich dabei nicht unbedingt an die Schrecknisse des Krieges, aber die Marktteilnehmer lernen aus jedem vergangenen Kriegsereignis und bilden entsprechende Erwartungen für künftige Kriege. Die Standarderwartung ist mittlerweile, dass die USA die Sache zügig für sich entscheiden, sobald sie losschlagen.

Aus dem Gesagten lässt sich der Schluss ziehen, dass es im Fall Syrien eine eher kurze Börsenreaktion geben wird. Weder sind Verhandlungsprozesse noch sind Ultimaten vorgesehen. Es geht um eine praktisch aus dem Stand ausführbare Strafaktion gegen Assad – vermutlich in der Hoffnung, dass die „Rebellen“ im Lande dann den Rest erledigen. Soweit die Standarderwartung. Allerdings ist diesmal kein UNO-Mandat vorhanden und die Koalition um die USA bleibt klein. Viel dürfte daher davon abhängen, wie die anderen Großmächte, die allesamt Interessen in der Region haben, reagieren. Das ist über den zu erwartenden Militärschlag hinaus das eigentliche Risikopotenzial der Situation.

Fazit

Die dramatische Zuspitzung des Syrien-Konflikts hat die Börsen erreicht. Wir gehen davon aus, dass es schon innerhalb der nächsten Tage zu einem Angriff der USA auf das Land kommt. Ob danach „zur Tagesordnung“ übergegangen werden kann, hängt von den Reaktionen Russlands und Chinas ab. Der Nahe Osten bleibt ein Pulverfass.

© Ralf Flierl, Ralph Malisch Homepage vom Smart Investor

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12 Kommentare auf "Syrien-Krieg wird offiziell"

  1. Bummbumm sagt:

    #Trotz der massiven Propaganda mag in der Bevölkerung bislang keine rechte Kriegsbegeisterung aufkommen. Nach jüngsten Umfragen lehnen nicht nur die Deutschen, sondern auch die Amerikaner selbst mehrheitlich den von der US-Regierung vorangetriebenen offenen Angriff auf Syrien ab. #

    Tja, da wird es Zeit, dass sich eine Organisation bildet, zb. Citizens for a Free Syria, die einen Spot dreht. Zb. mit Hill & Knowlton. Die haben bereits Erfahrung damit, als sie für die Citizens for a Free Kuwait die Brutkastenlüge gedreht haben. Das hat gewirkt.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Brutkastenl%C3%BCge

    Die können das bestimmt nochmal.

  2. JayJay sagt:

    Nichts wird passieren von der russischen bzw. chinesischen Seite, die labbern zwar immer viel aber am Ende kuschen sie sowieso vor den paranoiden Amis und ihren Helfern (GB/FR)sowie Hündlein Germany.

    Gold & Silber Ahoi

  3. mfabian sagt:

    Ich habe mich gestern mal durch die internationalen Medien gekämpft. Nicht nur westliche Seiten sondern auch östliche und arabische und nicht nur offizielle Medien sondern auch die sogenannt „Alternativen“.
    Dabei bin ich zum Schluss gekommen, dass es derzeit drei Fragen gibt:

    1. Hat es überhaupt einen Einsatz von Chemischen Waffen (cw) gegeben?
    2. Wurden cw von Assad eingesetzt (Haltung von USA, GB, F)
    3. Wurden cw von der muslimischen Bruderschaft eingesetzt mit dem Ziel, es dem Regime Assad in die Schuhe zu schieben? (Russland)

    So lange diese drei Fragen nicht abschliessend geklärt sind und entsprechende Beweise vorliegen, darf man eigentlich über Krieg gar nicht sprechen.

    Und selbst wenn Fragen 1 und 2 mit „ja“ beantwortet werden, die USA also mit ihren Anschuldigungen richtig liegen, stellen sich für mich persönlich die Fragen: Würden Bomben auf Damaskus das Problem lösen? Würden nicht wieder unschuldige Zivilisten getötet während Assad sich in seinem Bunker (oder Erdloch) verkriecht?

  4. bluestar sagt:

    Smart Investor: Warum haben die syrischen Machthaber die unübersehbare „rote Linie“ eines Chemiewaffeneinsatzes überschritten, obwohl ihnen doch völlig klar sein musste, was ihnen dann blüht ?!Ein Fall für Historiker.“

    Eher ein Fall für den logischen Verstand. Noch dazu wo die Truppen des Regimes militärisch auf dem Vormarsch und die sogenannten Rebellen hoffnungslos zersplittert sind. Warum stellt in den Medien eigentlich keiner die Frage, wo die Waffen der sunnitischen Söldner herkommen und über welche sie verfügen ? Bloß nicht sagen, dass auch Söldner aus dem Libyenkrieg dabei sind, wo es Sarin in reichlichen Mengen gibt. Und die unverkennbare Eile der Angriffsvorbereitungen unserer für das Wohl der Menschheit und das Gute sorgenden Verbündeten ist doch echt glaubhaft, oder ?
    Zumindest ist jetzt das Thema NSA total in den Hintergrund gerückt,
    das ist doch nicht schlecht gemacht, oder?

    Beantworten wir doch lieber die Frage nach geostrategischen Interessen unserer Besatzungsmacht, das bringt uns schon eher weiter. Alles andere ist reine Propaganda auf dem Niveau Deutscher Wochenschauen – allerdings wesentlich besser verpackt und in Farbe.

    • Michael sagt:

      (: Das stimmt. Es traut sich eh keiner mehr von Bürgerkrieg sprechen. Die sog. Rebellen könnte man beinahe als ‚Invasoren‘ bezeichnen. Wie Irland – da war kaum ein Soldat aus England dabei. Das waren genauso Freelancer. Bis auf Team Lead Ebene traue ich mir auf jeden Fall zu vermuten, dass da nicht viel beherzte oppositionelle den Aufstand proben. Es wird an sich immer schwieriger die Nachrichtenlage einzuordnen. Die Kommunikation ist an sich verwirrend. Teils kommt schon – das Giftgas im Spiel war ist sicher – einen Tag später wurde es immer offensichtlicher. Es ist halt ein Britisch + Französische geprägter Ursprung (erstaunlich das just diese Beiden gleich die Messer wetzten von Europäischer Seite).

  5. Michael sagt:

    Danke interessant.

    Jo mei. Denke nicht dass der Absturz grob wird. Wäre sicher ein erfrischendes Lüftlein würde ein DOW mal bei 7000 durchgehen … und bei 3,5k wieder fangen – das käme mir doch gewagt vor, das mal so frisch von der Leber zu vermuten. 70% Mega Shopping Rabatt.

    Das hat damals bei uns schon der Bruno Kreisky schon festgestellt. Wenn mal die Ruhe aus der Region verschwindet wird es sehr schwer selbige wiederherzustellen im besten Fall. Eigentlich aus den Aussagen hervor, dass dieser Fall eher der unwahrscheinlichere bleibt. Ist aber schon ein Weilchen her.

  6. Avantgarde sagt:

    http://www.youtube.com/watch?v=Fv28_q98Xe8
    Ich zweifle, ich zweifle….

    Das US-Regime welches als erstes Land Atomwaffen auf das bereits besiegte Japan geworfen hat,
    in Vietnam den bisher größten Einsatz von Chemiewaffen durchgeführt hat an dem die Menschen bis heute leiden,
    und jungst im Irak die genetische Basis in Basra, Falludjah, Bagdad durch Uranwaffen zerstört hat…..
    …..besitzt die Chuzpe den moralischen Zeigefinger zu schwenken ?

    • bluestar sagt:

      Danke Avantgarde für diesen Link.Richtig ekelerregend diese Arroganz bei dieser Blutspur und Lügenbilanz der letzten Jahre.
      Aber: Noch ekliger ist die unterwürfige Schleimspur der Einheits-Medien in den Besatzungszonen der Weltmacht.
      Schön, dass es diesen Blog mit mündigen Bürgern gibt.

      Gibt es hier eigentlich jemanden der nicht die AfD wählt und seine
      Stimme den Einheitsparteien anvertraut ?

  7. crunchy sagt:

    Es geht nicht um Waffentechnik, nur um´s Überleben.
    Tartus ist der einzige immer eisfreie Hafen der Russen, der von der NATO noch nicht eingekreist ist. Und darum geht´s den Amis.
    Ende Gelände!
    Ich weiß, auf dieser Seite, sorry Frank, sollte keine Parteiwerbung gemacht werden:

    https://www.alternativefuer.de/2013/08/27/afd-lehnt-militaereinsatz-in-syrien-ab/

    Vielen Dank, Herr Friedensnobelpreisträger Barack Hussein Obama!
    Vielen Dank, Mutti! Deine Patriot-Bataillone warten darauf, an der
    türkisch-syrischen Grenze, angegriffen zu werden.
    Vielen Dank, an die Blockparteien, die der untergehenden Weltmacht
    die Füße küssen.
    Vielen, vielen Dank an die Zeit, die uns geschenkt wird, gerade jetzt
    wählen zu dürfen! Reicht sie noch?
    Egal: Wir werden widerstehen!

    Alternative für Deutschland wählen!

  8. Jochen sagt:

    Untergehende Weltmacht ?

    Na hoffentlich. Endlich.

  9. samy sagt:

    Die Hoffnung stirbt zuletzt, auch in Nahren Osten …

    http://www.stern.de/panorama/westjordanland-israelische-soldaten-tanzen-mit-palaestinensern-2054525.html

    So manche Generation von Soldaten hat sich in so manchen Kriegen gefragt, wie bin ich nur in diesen Schützengraben gelandet? Und der da drüben?

    http://de.wikipedia.org/wiki/Weihnachtsfrieden_%28Erster_Weltkrieg%29

    Dann diese dilettantische Außenpolitik der „Willigen“. Auch eine Nicht-Handlung eine nun eine Handlung, wird analysiert, führt zu neuen kriegerischen Tendenzen, weil ein Signal der Schwäche. Und die Handlung -also das Bomben- ist ebenfalls ein Signal der Schwäche, weil genauso dumm wie imperialistisch. Imperialistisch, dass meine Generation das alte angestaubte Wort, aus längst vergessenen Strassenkämpfen, noch einmal in den Mund nehmen muss.

    Grüße

  10. samy sagt:

    Avanti Diletanti,

    das die Amis eine so kopflose Politik betreiben? Haben sie vergessen, dass die Perser das Schachspiel erfanden? Und das die Russen es perfektonierten? Ein schlechter Zug nach dem anderen …

    Und eine Entscheidung über einen Angriff auf einen arabischen Staat am 9. Sept fällen -also 2 Tage vor 9/11- und an einem Montag? 2 Tage vor 9/11, welcher Patriot kann da noch nein sagen?

    Gut, in diesem Artikel werden Kriegsbörsen besprochen. Was geschieht nun bis zum 9.Sept? Erholung? Abverkäufe? Wie ist erure Meinung?
    Ich tippe wir erleben spätestens Freitag Kursrutsche. Kommt dann Montags das „JA“, dann geht es weiter bergab.

    VG

    PS: Die Welt als Schachbrett? Was sagt eigentlich der von vielen VT’lern verhasste Zbigniew Brzezinski (ein Name der sogar noch schwerer zu schreiben als zu sprechen ist)? Klingt vernünftig.

    http://www.youtube.com/watch?v=0SXBeMhIgFo

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