Süßes für den Gabentisch. Konsum als gelebter Patriotismus.

29. November 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart Investor

Mit dem letzten Freitag wurde in Amerika die „besinnlichste“ Zeit des Jahres eingeläutet – die Vorweihnachtszeit, in der die Kassen des Einzelhändler regelrechte Sphärenklänge von sich geben sollen. „Black Friday“ hat in diesem Zusammenhang ausnahmsweise nichts mit der Börse zu tun, sondern bildet den Auftakt für jene geradezu rauschhafte Konsumfreude, der sich auch bereits hochverschuldete Bürger kaum entziehen können…

Konsumieren ist nicht nur erste Bürgerpflicht, es ist gelebter Patriotismus. Denn Frieden, Freiheit und Fortschritt werden heute am Grabbeltisch der großen Einzelhandelsketten bzw. auf den Shoppingportalen der Onlinehändler verteidigt. Der Konsument ist jener Held, auf dem alle Hoffnungen einer nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik ruhen.

Auch hierzulande titelte der Boulevard schon letzte Woche vom hervorragenden Weihnachtsgeschäft – das nebenbei bemerkt noch nicht einmal begonnen hatte. Seit Jahren ist das Spiel bekannt, das insbesondere von den Interessensvertretern des Einzelhandels betrieben wird. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zeigt man sich stets von der Konsumfreude der Verbraucher positiv überrascht und versucht wohl auf diese Art einen kleinen Kaufrausch herbeizujubeln – Küchenpsychologie in der Praxis. Im Januar, wenn dann der Rausch verflogen ist und die offiziellen Statistiken präsentiert werden, reibt man sich dann erneut verwundert die Augen, wenn man kleinlaut zugeben muss, dass das ach so erfreuliche Weihnachtsgeschäft wieder einmal mit einem realen Minus endete.

Süße Versuchung

Die nun mit Macht heraufziehende Vorweihnachtszeit ist aber nicht nur die Zeit des allgemeinen Konsum- und zahlreicher weiterer Räusche, sondern auch die der süßen und kalorienreichen Versuchungen. Zwar dürfte hinsichtlich weihnachtlicher Spezereien bei manchem schon lange vor dem Fest eine gewisse Sättigung eintreten, immerhin lungern die Lebkuchen bereits seit August in den Regalen des Handels herum.

Dennoch funktioniert das Geschäft mit Süßem – allen gesundheitlichen Bedenken zum Trotz – seit Jahrzehnten hervorragend.

Die Südzucker AG (WKN 729 700) deren Keimzelle in der Verarbeitung von Zuckerrüben lag, ist heute ein breit aufgestellter internationaler Konzern mit vielfältigen Interessen in den Bereichen Nahrungsmittel und Bioenergie. Im Wesentlichen weist der Titel zwei Charakteristika auf, von denen jedes bereits für sich alleine von Interesse wäre: Value plus Momentum.

Zusammen ergeben sie ein attraktives Potential, das durch den jüngsten Rücksetzer im Kursverlauf („Dip“) sogar noch erhöht wurde.


Zu den Märkten

Die allgemeine Nachrichtenlage ist nach wie vor überwiegend negativ und teilweise regelrecht irritierend. Auf politischer Ebene wird unverdrossen eine marktfeindliche Agenda vorangetrieben, die paradoxerweise für die Märkte zunächst einmal Unterstützung bedeuet. So ließ der EUGH den ESM erwartungsgemäß passieren und die Einigung auf weitere „Hilfe“ für Griechenland – eigentlich für Banken, die auf Papieren des bankrotten Mittelmeerstaates hocken – wird wohl noch diese Woche verabschiedet. Von Bundestagsabgeordneten darf man in ihrer weit überwiegenden Mehrheit nicht mehr erwarten, als ein erneutes Abnicken der von der Regierung ausgehandelten Verträge.

Während diese Maßnahmen und Entscheidungen per Saldo expansiv wirken, ist es insbesondere die Konjunktur, die weiter Sorgen bereitet. Dass die Börsen derzeit dennoch per Saldo steigen, dürfte auf eben diese „Mauer der Angst“ zurückzuführen sein, an der die Kurse buchstäblich nach oben kriechen. Zudem befinden wir uns aus dem Blickwinkel der Saisonalität in der attraktivsten Phase des ganzen Jahres. Beiden Phänomenen widmen wir uns in unserer Smart Investor Dezember-Ausgabe ausführlich.

Fazit

Die Aktienmärkte befinden sich jetzt saisonal in der günstigsten Phase des Jahreszyklus. Auch sentimenttechnisch sieht es aufgrund des hohen Pessimismus gut aus. Wir gehen davon aus, dass die Märkte noch ein gutes Stück weiter an der Mauer der Angst emporklettern werden.

© Ralf Flierl, Ralph Malisch Homepage vom Smart Investor

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