Super! Weniger verdient!

30. August 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott  In den letzten Wochen wurde an den Börsen wieder der berühmte Etragssalat mit Verlustgarnierung serviert. Abgesehen von einigen TV-Laiendarstellern konnten wohl nur wenige den Zahlen etwas Positives abgewinnen…

In der Breite kam es bei den deutschen Firmen zu einem zweistelligen Ertragsrückgang. Es handelt sich um das dritte negative Quartal in Folge. Das Letzte wird es nicht gewesen sein…

Im Casino kann man so manch unterhaltsame Beobachtung machen. Menschen basteln an Systemen, setzen einfach so ihr Geld oder sind nur wegen der Gratisgetränke anwesend. Der Einstellung, das Risiko am Roulettetisch läge darin, nicht zu setzen, wird man allerdings nicht begegnen. Diese kuriose Meinung verbreitet sich lediglich in der Börsenberichterstattung. Lieber heute sein Geld verbrennen, sonst frisst die Inflation alles auf. Ein überaus bemerkenswerter Ansatz.

Waren es im Jahr 2000 die Internetseiten ohne Geschäftsmodell, die die Welt auf den Kopf stellen sollten, so ist es nun die Zentralbankpolitik, die alles anders macht, als es vorher immer war. Sei es das letzte finanzpolitische Zucken im Pazifik, dem man das Etikett Abenomics aufgeklebt hat, das Geschwafel vom Zinsonkel aus Amerika oder die pseudowissenschaftlichen Geldgebete der Genossen von der EZB.

Über Pressekonferenzen und mediale Wiederholungen infizierte das Dabeisein-Virus neben der chronisch erkrankten Finanzbranche andere Teile der Anlegerschaft. Man muss investiert sein, das Risiko liegt woanders. Nun ist dies eine überaus putzige Einstellung, wie selbst eine flüchtige Beschäftigung mit der Historie der Finanzmärkte offenbart. Viele halten sich an die Aussage, mehr Gewinn sei nur mit mehr Risko zu erwirtschaften und denken, dieser Satz lasse den Umkehrschluss zu, und mehr Risiko führe zwingend zu mehr Ertrag. Wie Ihnen viele Menschen bestätigen können ist dies alles andere als ein Naturgesetz.

Der eine oder andere scheint jedoch bereits so abhängig vom Verbal-Dope zu sein, dass er mit verklärtem Blick das größte Risiko für die Aktienmärkte in der Zinsdebatte und der Ausgestaltung des so genannten „Taperings“ sieht. Nun gesellt sich das nicht eben seltene Ereignis eines medial vorbereiten Militärschlags noch hinzu, dass vielerorts als „die Ursache“ der Kursrückgänge genannt wird. Das ist eine überaus dankbare Position, auf die sich vor allem medial präsente Menschen gerne zurückziehen. Sie befreit den bequemen Geist von allem, was mit Analyse und Bewertung zu tun hat. In ihrer Schlichtheit erinnert die Debatte an die sinngemäß durchaus vergleichbaren Parolen der Jahrtausendwende oder an die Monate vor dem Kollaps zahlreicher Immobilienmärkte. Aber bequemer geht es nicht, geht es schief, lag es an der Fed und an „externen Schocks“. Was die Frage aufwirft, was denn an einem globalen Finanzmarkt in die Kategorie „intern“ eingeordnet werden könnte.

Bricht sich der Trubel Bahn, so kommen fahrig wirkende Aussagen zustande, die innerhalb von drei Minuten erst die niedrigen Zinsen als Hauptgrund für die Attraktivität von Aktien ausmachen um im Anschluss fallende Bondkurse, sprich steigende Renditen, als den größten Anreiz für die Aktienanlage auszumachen. Angesichts der grundsätzlichen Problematik einer derart monokausalen Herangehensweise und der technischen Unmöglichkeit der so genannten „Rotation“ fragt man sich, ob sich auf dem Börsenparkett auch ein paar fleischessende Vegetarier tummeln. Aber so war es schon immer. An der Börse rennen viele, ganz anders als im Supermarkt, stets den steigenden Preisen hinterher.

Abseits der beinahe religiös anmutenden Exegese nichtssagender Zentralbankprotokolle zeigen die Aktienmärkte durchaus ernstzunehmende Symptome einer überaus ambitionierten Bewertung. Leider muss man darauf hinweisen, dass das nicht heißt, dass sich schon morgen mittag der DAX halbiert. Es geht vielmehr um eine Einschätzung ob es langfristig ein guter Zeitpunkt ist, um sich mit Anteilsscheinen einzudecken. Danach sieht es auch nach dem Rückgang nicht aus… (Seite 2)

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4 Kommentare auf "Super! Weniger verdient!"

  1. Lickneeson sagt:

    Aus der Rotation kann für „Neueinsteiger am Aktienmarkt“ schnell eine Zentrifuge werden.

    KGV,Cash Flow,Schulden….dank dem tapernden Zinsbär der FED sind das alles unwichtige Kennzahlen im Casino des gedruckten Geldes.Seit 2009 wird ja auch der belohnt, der einfach long ist.Zweifler oder Realisten stehen kopfschüttelnd am Rand und wenden sich wieder dem Sparbuch zu.

    Aber seit Mai(!!!)sollen ja die Privaten wieder sehr stark „rotieren“, vom Timing wieder mal super.Charttechnisch stehts auf Messers Schneide,
    saisonal und politisch dreht es auf negativ.Mit zunehmenden schwachen Unternehmensdaten fängt der Fisch langsam an zu stinken.

    Man konnte beim Gold sehr schön sehen, wie aus Goldgräberstimmung und Selbstzufriedenheit ein mittlerer Migräneanfall werden kann.M.E. steht geanau das am Aktienmarkt in den Startblöcken.

    Eine schöne Fallhöhe hat z.B. der MDax, EUR/YEN und der SPX.

    Also eher Ausstieg als Einstieg, bzw. Short-Einstieg!

    MfG

  2. Michael sagt:

    Vermutlich wird die Lage nicht besser. Mich persönlich beschleicht der Verdacht – die großen Schiffe haben ob ihres Gewichts um Fahrt aufzunehmen die Beiboote über Board geworfen. Mit Unmengen an Geld haben sie sich zwar vom Strand lösen können, aber gleichzeitig die Chance genommen an Land zu gehen.

    Das Ergebnis sind Geisterschiffe, die zwar mächtig beeindrucken und mancherorts die Phantasie anregen, aber außer stack gerankten Skeletten und vermodernden Tauen bleibt wenig übrig auf Dauer. Letzte Dekade wurde eine Armada gebaut, die kam zwar aus dem Trockendock kam und nahm fahrt auf, laufen im Moment aber den wendigen Schiffen entgegen.

    Selbst ein bunt bemaltes Geisterschriff bleibt ein selbiges. Es wird allein das Motiv aus welchen Titel sich die Finanzierung der großen Schiffe nicht mehr lohnt ändern, aber anstatt Banken die sagen, ‚Wir tragen die Finanzierung nicht mehr‘, werden halt Anleger die Segel streichen …

    Alles hat ein Ende … und das ist gekommen. Auf zu neuen Ufern. Milliarden und Abermilliardern für den Klabautermann.

  3. crunchy sagt:

    Salamicrash: Die Geldpumpe bläst den Wohlfühlballon, den auch Erwachsene verinnerlichen, soweit auf, bis zusätzliches Pumpen das Volumen optisch nicht mehr vergrößert, kurz vor dem Platzen.

    Was, wenn ein Friedensnobelpreisträger die Welt zum Krieg ruft, und keiner geht hin? Ende seiner Währung!
    Nix für den Euro, schon gar nicht, wenn Frankreich aufwacht und an der amerikanischen Seite den menschenverachtentenden Wahnsinn, wegen seiner Verschuldung, mitmacht. Oder Italien/ Spanien unerwartet England ersetzt? Ende des €uro!

    Die Zukunft ist hart, wer in Gold und Silber vorsorgt, hat eine!

    Die Tea-Party hat in der westlichen Welt Zulauf. Ewig Gestrige, denen der gesamtgesellschaftliche Zusammenhalt gelinde gesagt, hinten, ganz unten, vorbeigeht. Wollen wir das?
    Nicht zweifeln, informieren und AfD wählen.

  4. MFK sagt:

    Diese AfD Wahlpropaganda nervt.

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