Süßes Gift

29. März 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Während die Herren Gelddrucker in ihren Trutzburgen ihre manische Deflationsangst pflegen, steigen weltweit jenseits ihrer Wahrnehmung die Preise für Anlagegüter wie Aktien und Immobilien immer höher…

Auch guter Rat wird zunehmend teurer. Wo die Not groß ist, sind die „Rettenden“ auch nicht fern. Nicht immer, dennoch freuen wir uns, denn auch die EZB-Geldpolitik trägt erste süße und giftige Früchte.

Die ersten Milliarden von Ersparnissen kommen langsam in Bewegung, dass wir schon jetzt staunen. Nur die Bundesbank verdirbt die Stimmung und warnt vor Übertreibungen. Das scheint ihre letzte Möglichkeit einer Geldpolitik zu sein, denn  wie bekannt hat sich die Bundesbank den Mehrheiten im EZB-Rat zu beugen. Einigkeit sieht zwar anders aus, passt aber auch wieder mal zu Europa. Damit sind wir der EZB bedingungslos ausgeliefert, komme da, was wolle. Tolles Gefühl, nicht wahr?

Ja, man muss sein Geld jetzt ausgeben, sagt der Konsum-Experte. Die offizielle Konsumentenstimmung in Deutschland hat gerade ein frisches 13-Jahres-Hoch erreicht. Der Wille scheint zumindest da zu sein.

Die Geld-Experten raten, das Geld dringend an die Börse zu schicken. Das ist so sicher wie die Rente oder die Maut, die ja nie kommen sollte. Dividenden sind die neuen Zinsen, heißt es und mal ehrlich, 2,5 Prozent sind heute viel, aber auch schnell mal im Kurs weg. Das muss man alles langfristig sehen und sich schon gar keine Sorgen machen, selbst wenn man Schwankungen nicht aushält. Das pure Dividenden-Argument scheint mir etwas gewagt mit Blick auf die ehemaligen Dividenden-Lieblinge E.ON, RWE und Telekom. Es dauert nur noch ein paar Jahrzehnte, bis die Dividenden die gefallenen Aktienkurse ausgeglichen haben. Nein, ich bin viel zu pessimistisch für die aktuellen Datenkränze in Sachen Wirtschaftsdynamik.

Auch Immobilien waren immer eine gute Sache, sofern man die Raten immer bezahlen konnte. Bei halbierten Zinsen und doppelten Immobilienpreisen kann ja nichts schiefgehen – außer alles geht schief. Wer dann jahrzehntelang im Kredit-Hamsterrad rotiert, weiß es besser. Man muss dabei sein, sonst ist man der Depp. Oder?

Zu billiges Geld kann einen Aufschwung auslösen, eine Scheinblüte und Aufschwung überall. Geschichtsbücher beschreiben das als Katastrophen-Hausse. Erst kam die Hausse, dann die Katastrophe. Zuletzt zählt bloß, was übrig geblieben ist. Meistens war es dann nicht viel.

Tja, ohne Zinsen scheint Sparen sinnlos geworden zu sein. Wenn aber der Zins der Preis für das Geld ist, es aber keinen Preis mehr hat, ist das Geld offenbar doch wertlos. Haben Sie schon Gold?

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


 

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6 Kommentare auf "Süßes Gift"

  1. Bolfo sagt:

    Gelddrucker? Die Bargeld-Menge ist stabil. Abgesehen davon existiert kein Geld, sondern nur Kredit.

    • Avantgarde sagt:

      Stimmt – es wird gar kein Geld gedruckt.
      Und selbst wenn es physische gedruckt würde dann müsste es beim Konsumenten auch ankommen. Allein der Wille konsumbereit zu sein nutzt ja nix.
      Die befürchtete Hyperinfla kann ich da auch nicht erkennen.

      Fallen aber die Kredite aus dann könnte so ein Stückchen Metall vielleicht doch und trotz Deflation zu einem bestimmten Zeitpunkt sehr viel besser sein als das wackelnde oder bereits gestrichene Kreditgeld.

      • Frank Meyer sagt:

        Na Moment…. 60 Milliarden kommen jeden Monat dazu. Ich weiß nicht, wieviel jeden Monat an Krediten (Geld) auslaufen. Das Geld bekommen die Banken bzw. die Inhaber der Staatsanleihen + ABS + Pipapo. Was mache die Damit? Kreditvergabe in Euroland könnte besser sein. Die werfen es auch nicht mehr in der Form bei der ZB in Euroland ein, die schicken es nach USA? Euro runter? Dort Zinsen höher… Hebel 10? Wg des Discount-Fensters der FED. Okay.
        Da wird schon Geld gedruckt. Aber ob es reicht?
        Bargeldentwicklung jetzt über 1 Billion in Europa. Steil hoch… Geldmengen steigen. Lt. Statistik.
        Hyperinflation würde ja einen kollektiven Run aus dem „Geld“ in… weiß der teufel was… bedeuten. Ist so noch nicht.

        Wie es aussieht… Christian Varian beschreibt es treffend auf der Metallwoche http://www.metallwoche.de/hard-asset-makro-1315-liquiditaetsmangel-gewann es ist eine dreifache Enteignung und man fährt trotzdem das System gegen die Wand. Hyper-Deflation…
        Ist die Deflation wirklich ein Problem in der Welt einer Zentralbank? Die können jederzeit mehr. Und es bessert sich soch, laut EZB. Das wird schon…

    • FDominicus sagt:

      Nun ich bezweifele, daß die Bargeldmenge steigt, wie auch immer es ist sicher, daß die „Geldmenge“ steigt. Und das weitaus stärker als alles andere, und ja dieses „Geld“ ist ein IOY. Was aber nichts daran ändert das einfach mehr Zahlungsmittel da sind. Dieses Zahlungsmittel fließt irgendwo hin und es sieht nicht danach auch als ob es hautpsächlich in den Aufbau von Produktionsmittel fließt. Was ja nur heißt so doll sieht es insgesamt mit dem Absatz nicht auf. Schaut man sich um sieht es eher so aus also ob das ganze in Beton und irgendwelchen Anleihen landet, auch wenn man dafür bezahlen muß. Aber Frank Meyer hat ja geschrieben, wenn es keinen Preis mehr für Geld gibt, hat es auch keinen Wert mehr. Und da hat er sehr recht.

      Nur eins wird immer gelten, ein Kredit wird irgendwann fällig und wenn das Geld nicht da ist – was dann? Hilft derzeit nur eine neue Runde Geld drucken aber damit wird ja das Geld immer wertloser, irgendwann kippt dann aber das Vertrauen um – und dann?

  2. Helmut Josef Weber sagt:

    Hallo Bolfo,
    meine Altersvorsorge besteht aus Edelmetallen und einer Minirente.
    Ich habe keinen Kredit am laufen und werde auch keinen Kredit in meinem Leben mehr aufnehmen.
    Wenn ich zusätzlich Geld benötige, dann verkaufe ich eine halbe oder eine ganze Unze bei meinem Händler um die Ecke.
    Aber Du hast Recht, Geld ist Schuld/Kredit.
    Was ist denn dann mein bezahltes Gold???
    Ich denke, es ist etwas „Unkaputtbares“ in dem ich einen Teil des Geldes, das ich für meine frühere Arbeitsleistung erhalten habe, gespeichert habe.
    Ich denke, meine goldene Altersvorsorge ist kein Kredit, sondern Geld, dem keine Schuld gegenüber steht.
    Und wenn es dem Herrgott gefällt, und er lässt mich so alt werden wie meinen Vater, dann habe ich noch über 20 Jahre; die Unzen die dann noch im Tresor liegen, bekommen meine Kinder.
    Viele Grüße
    H. J. Weber

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