Sturmtief an der Algarve

9. März 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Bankhaus Rott

Portugal ist ein wunderschönes Land. Besonders bekannt sind derzeit neben dem seit Dekaden in allen Reiseprospekten abgedrucktem Bild Strand mit Felsen vor allem die Löcher in den Taschen der Banken und des Schatzamtes. Größer als die Refinanzierungssorgen ist offenbar nur der Fundus an Versprechen und irrlichternden Ansätzen, wie mit dem Renditeanstieg umzugehen ist. Dabei ist der eingeforderte Zins nicht die Ursache des Problems sondern Folge einer zerbrechlichen ökonomischen Situation.

Zwei große Probleme sind es, die viele Banken des Landes belasten. Mangelnde Liquidität und mangelndes Eigenkapital. Im Grunde bleibt bei einer derartigen Ausgangslage nur die möglichst ordnungsgemäße Abwicklung. Damit stehen die Banken Portugals natürlich nicht alleine dar, allerdings ist es nicht sonderlich hilfreich, wenn der Staat ebenfalls nicht auf Rosen gebettet ist. Wie bei zahlreichen Banken wäre auch bei einigen Staaten eine rasche Umstrukturierung die sinnvollste Lösung. Sinnvoll ist übrigens in diesem Falle nicht mit schmerzlos gleichzusetzen.

Lassen wir die Banken und die Wunderwelt der Bilanzierung heute einmal beiseite. Eventuell verkündete „positive Ergebnisse“ lösen sich ohnehin meist in Luft auf, sobald der Deckel über der Bewertung des Kredit- und Anlagebuchs auch nur ein wenig gelüftet wird.

Der Staat selbst kommt finanziell ebenfalls nicht auf die Beine. Es handelt sich geradezu um eine europäische Seuche, die sich die Schatzämter aus diversen denkbaren Gründen selbst eingehandelt haben. Wie seltsam ist es doch, wenn Banken als Staatsfinanzierer auftreten – also Staatsanleihen kaufen – damit der gleiche Staat diesen Banken Staatshilfe gewähren kann. Wie blödsinnig dieser Madoffsche Anlageplan ist, bleibt vielleicht im Parlament, nicht aber an den Märkten ein Geheimnis. Wohl kaum ein ernstzunehmender Investor aus dem Banken- und Versicherungssektor wird derzeit eventuelle Long-Positionen in diesen Papieren ausbauen. Aktive Käufer sind in eher winzigem Maßstab bestenfalls einige Hedgefonds und die allzeit renditegierenden Retailkäufer. Aber mit einer handvoll €100.000-Tickets entsteht noch lange kein liquider Bondmarkt. Vor allem die Ausländer ziehen ihre Gelder systematisch aus Portugal ab – das gilt sowohl für die Einlagen bei den Banken als auch für kurzf-und langfristige Staatspapiere. Der Abfluss ist enorm.

Die oben dargestellte Tendenz entspricht den Trends, die aus Irland und Griechenland bekannt sind. Liquidation von Long-Positionen. Die Entwicklung ist ebenso einseitig wie real, eine wirkliche Gegenseite neben der Zentralbank ist nicht existent. Ein Markt sieht in der Tat anders aus. Der Markt für Peripherieanleihen ist aktuell vielleicht vergleichbar mit dem Markt für Brechdurchfall – stellt irgendjemand eine Geldseite? —>

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3 Kommentare auf "Sturmtief an der Algarve"

  1. Kleine Presseschau vom 9. März 2011 | Die Börsenblogger sagt:

    […] Rott & Meyer: Sturmtief an der Algarve […]

  2. khaproperty sagt:

    In der Tat „Brechdurchfall“, was sich leider (nicht nur) in Europa darstellt. Der Geburtsfehler des Euro wurde nach der deutschen Wiedervereinigung hinter Lkw-Ladungen von Euphorie versteckt. Nach der nie bewiesenen Devise „Es ist doch immer gut gegangen“ schusterten Kohl und Mitterand bei ihren Spaziergängen das zusammen, was wir nun als Euro-Krise mit Hunderten von Milliarden-Verlusten vergeblich zu reparieren trachten. Verschiedenes läßt sich auf Dauer niemals gleich behandeln. Das geht schief, quod erat demonstrandum. Der Verdacht, gerade auch deutsche Politik trachtet danach, einen Weg zu beschreiten, welcher „alternativlos“ zur Aufgabe der nationalen staatlichen Existenz und in die – bereits praktizierte – Transfergesellschaft sowie anschließend den EU-Bundesstaat führt, verdichtet sich zusehends. Nicht simpler Unverstand treibt die Kanzlerin. Sie möchte offenbar eine „Neues Deutschland-EU“ mit dem Rest von Europa als Vasallen. Sie wird sich noch wundern – und uns alle wird es arm machen.

  3. Bankhaus Rott » Sturmtief an der Algarve sagt:

    […] Hier geht es weiter! […]

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