Strategische Konkursverschleppung

4. März 2015 | Kategorie: RottMeyer

Die Ausgaben des Bundes sind im letzten Jahr um sechs Milliarden auf 303 Milliarden Euro gestiegen. Hallo? Wir haben gar nichts gespart? Wenn ja, dann an der falschen Stelle, sagen Verschwörungstheoretiker. Aber das Sparen von heute ist auch nicht mehr das, was man früher darunter verstanden hat. Doch es kommt noch besser…

von Frank Meyer

Danke EZB! Ihre künstlich gesenkten Zinsen, manche würden von Manipulation sprechen, haben die deutsche Staatskasse im letzten Jahr um 29,6 Milliarden Euro entlastet. Nur ewig Gestrige behaupten, die EZB betreibe versteckte Staatsfinanzierung. Niemals! Selbst die Renditen für Länder mit den größten Schuldenbergen sind Dank dieser gigantischen Subvention ins Bodenlose gestürzt. Dabei wurden gar keine Schulden reduziert – im Gegenteil!

Geld für fast Umme

Inzwischen röcheln die Renditen für irische Staatsanleihen mit zweijähriger Laufzeit bei nur noch bei 0,05 Prozent herum. Selbst Spanien, wo man sich erst neulich einer Rekordverschuldung rühmen konnte, zahlt auf zwei Jahre nur noch 0,18 Prozent, etwas weniger als Portugal mit fast schon gigantischen 0,23 Prozent. Es heißt sogar, die Portugiesen wollen ihren Kredit beim IWF vorzeitig zurückzahlen. Mumpitz! Man will diesen Kredit durch andere Kredite ablösen. Aber wer nimmt es heute in Zeiten der strategischen Konkursverschleppung schon noch genau mit den Begrifflichkeiten.

Die USA müssen für die gleiche Laufzeit noch 0,68 Prozent zahlen und damit mehr als die gesamten europäischen Staaten, außer Griechenland. Aber da bin ich optimistisch. In ein paar Monaten und einige Lügen später werden griechische Staatspapiere die US-amerikanischen überholen ohne einzuholen. In der DDR wäre das auch so gewesen.

Im Krisenjahr 2008 betrug der durchschnittliche Zinssatz für deutsche Staatskredite noch 4,23 Prozent. Bis 2014 sank der Zinssatz dann auf 2,08 Prozent und wird dieses Jahr, wenn es so weitergeht, nur noch mit der Lupe zu finden sein. Die dadurch gesparten Milliarden kann man ja anderswo verheizen, notfalls auch in Kiew oder Athen. Am besten in beiden Ländern – vor allem, wenn man so vom Euro profitiert hat. Nein?



Undank ist der Welten Lohn

Umso erstaunlicher ist es doch, dass nur 18,6 Prozent der Deutschen dieses Himmelsgeschenk als solches wahrnehmen. In Italien liegt diese Quote bei 31 und in Spanien bei 24 Prozent, was nicht verwundert. Das ergab eine Studie der italienischen Tageszeitung „ La Republica“ – durchgeführt durch mehrere Meinungsforschungsinstitute in sechs Ländern. Ich warte jetzt stündlich auf eine Gegenstudie der EU-Kommission. Dort werden dann mindestens 108% der Deutschen sagen, sie hätten vom Euro profitiert. Was bedeutet das eigentlich? Nominal mehr in der Tasche zu haben und real weniger?

Undankbare 37 Prozent der Deutschen meinen also, dass der Euro nur Komplikationen gebracht habe und das trotz der Dauerwiederholung des Gerüchts, der Euro wäre gut für uns alle. Schade. Millionen verplemperter Sendeminuten und Milliarden dafür aufgewendete Euros? konnten ein Drittel der Deutschen nicht überzeugen. Wo liegt der Fehler? Sie ahnen es: Es waren viel zu wenige Sendeminuten und viel zu wenige Milliarden, mit der die Vorteile unserer Einheiz-Währung beworben wurden. Selbst die Kirche war mit ihren Botschaften wesentlich erfolgreicher.

Apropos Glaube… Da war doch noch was: Nach Angaben des spanischen Wirtschaftsministers verhandelt man in Europa schon jetzt über ein drittes Kreditprogramm für Griechenland. Das wurde vom EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und seiner Entourage umgehend dementiert. Mister „wenn es ernst wird, muss man lügen“ ist unterdessen „hochbesorgt“ über die Lage in Griechenland, was zwangsläufig zur Überlegung führen muss, ob Juncker sich um Griechenland sorgt oder vielmehr um sein schönes Euro-Projekt und damit vor allem um sich selbst. Auf dem „Abend der Industrie“ sagte er am Wochenbeginn…

Das ist die Schuld der großen politischen Partei-Familien Griechenlands, die das Land an die Wand gefahren haben…

Wie erfrischend, der „Mister Euro“… Man darf schon fragen, wer damals unbedingt Griechenland im Euroverbund haben wollte und vor allem, wer die ganze Zeit mit diesen „politischen Partei-Familien“ in Griechenland zusammengearbeitet hat mit einer gewissen politisch gewollten Blindheit. Vielleicht war man in dieser Hinsicht politisch mindestens so korrupt und unter einer Decke, weil es ja einer guten Sache dienen sollte. Aber sagen Sie das mal einem Sozialisten in konservativer Uniform. Die Unterschiede sind längst schon verschwommen.

Der Euro ist inzwischen Glaubenssache geworden. Je weniger ihn der „Markt“ möchte, desto mehr verteidigen ihn die Sozialisten. Das ist in etwa so, als wollte man mit ihm gleichzeitig einen Kühlschrank heizen und eine Herdplatte kühlen.

Susanne Kablitz: Bis zum letzten Atemzug

Donnerschlag am Donnerstag

Und so freuen wir uns auf den kommenden Donnerstag. Dann wird die EZB erklären, warum es gut ist, dass wir sie haben und wie wachsam sie in ihrer Geldpolitik ist. Dann fällt hoffentlich auch am Donnerstag der Donner-Schlag für alle, die in den letzten Monaten sehr sorgsam alle Anleihen aufgekauft haben und sie künftig der EZB und den nationalen Notenbanken für noch teureres Geld überlassen werden – wenn sie es denn tun werden. Man hört ja, dass es in der Bundesbank Sorgen gibt, wo man denn die viele Stücke herbekommen soll, die man für das EZB-QE-Programm aufkaufen muss, will und wird.

Man muss heute im großen Rahmen denken. Klotzen statt Kleckern im Billionenbereich. Das ist eine Zahl mit zwölf Nullen, also mehr Nullen, als diejenigen, die über Zinsen und Geldmenge entscheiden. Nur noch sechs Prozent machen sich laut einer anderen Umfrage Sorgen, dass es zu einer weiteren Finanzkrise kommen könnte.

Die weltweiten Schulden wuchsen seit dem Ausbruch der Finanzkrise um 85 Prozent. Die Wirtschaftsleistung um 20 Prozent. Eine Einheit neuer Schulden bewirkt also immer weniger, als ob man mit durchgedrücktem Gaspedal im Auto immer langsamer vorankommt. Irgendwann fährt das Auto automatisch rückwärts und vorwärts zugleich. Im Geldsozialismus mit Gangstern in den Statistikabteilungen seinen Predigern an vorderster Front ist heute alles möglich – sogar staatlich bestellte Wunder.




 

2 Kommentare auf "Strategische Konkursverschleppung"

  1. oki sagt:

    Lieber Frank, alles verstanden bis auf eine Kleinigkeit: Die EZB kauft monatlich für ca. 60 Mrd. Staatsanleihen usw. für „´n Appel und´n Ei“ aber WER verkauft/tauscht seine höhenverzinsten Papiere? Wahrscheinlich sind die Bänker u. Versicherer viel viel viel schlauer als ich – muss ja so sein..

    • Frank Meyer sagt:

      Hallo oki,

      klar, die EZB schafft das Geld aus dem Nichts und zahlt die Anleiheinhaber aus. Was die mit dem Geld machen… das wird spannend. Oder haben wir beide Staatsanleihen zum Verkaufen an die EZB? Ach Mist, wir sind ja keine Bank. Die Bank hat übrigens sie Staatsanleihen gekauft mit Geld aus dem Nichts. Grundlage war u.a. Einlagen der Sparer.

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