Straftatbestand: Kaufverweigerung

18. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt! Das könnten auch die Worte von Mister Market oder den Göttern sein, endlich mit Dingen aufzuhören, die diesen Schlamassel angerichtet haben. Hemmungsloses Konsumieren auf Kredit gehört dazu. Viele haben das verstanden und richten sich auf Dinge ein, die im letzten Jahresgutachten der fünf Weisen noch nicht standen und fahren entsprechend ihre Ausgaben herunter. Die Mehrarbeit von gestern wird bald die Kurzarbeit von morgen sein.

Fragen Sie mal die Autobauer! Opel ruft jetzt auch nach Hilfe. Was könnte die Konsumenten jetzt eigentlich noch bewegen, sich den dritten Flachbildschirm zu kaufen, oder ein neues Auto mit zwei Tankfüllungen gratis? Ich weiß es nicht. Vielleicht die Einführung eines Straftatbestandes der Kaufverweigerung und das Verbot von Sparbüchern?

Sparen verboten
Die wenigsten Amerikaner wissen, was „Sparen“ ist. Wüssten Sie es, wäre es wohl schon verboten worden. Die Ausgaben einzuschränken würde für Corporate Amerika bedeuten, schnell noch größeren Schwierigkeiten gegenüber zu stehen. Doch der Bürger ist lernfähig. Auch bei Unternehmen steigt gerade die Lernkurve. Sie streichen die kostenloses Wasserflaschen, lassen die Mitarbeiter ECONOMY fliegen und schicken andere in ihre kreditfinanzierten Häuser nach Hause. Es ist wie der Kater nach einem zu üppigen Fest. Irgendwann vor geraumer Zeit hat diese Party ihren Höhepunkt überschritten. Nach dem letzten Böller um Mitternacht ist es finster geworden. Viele wünschten sich, der Punschmann schaute noch einmal vorbei. Unterwegs ist er ja, doch nur im Auftrag der Banken. Für Otto Normal sind die Kannen zu klein. Die Gläser bleiben leer. Wohl dem, der nüchtern geblieben ist.

Viele Leute konnten in den letzten Jahren nichts zur Seite legen, denn das Leben wurde schnell teurer, die Reallöhne aber schleichen heute noch irgendwo weit hinter der Kurve entlang. So erleben viele ihre eigene persönliche Stagflation, ohne im Wörterbuch der Wirtschaftswissenschaftler nachlesen zu müssen. Glücklich derjenige, der über Ersparnisse verfügt. Im Schnitt wurde hierzulande jeder 10. Euro auf die hohe Kante gelegt. Vielleicht muss man uns Deutschen das Sparen ja auch verbieten. Dann ginge es auch der Konjunktur besser. Das würde ein Experte jetzt raten.

Fröhlich eine Fußfessel umgelegt
Wer Schulden hat, nimmt gerne jedes Konjunktur – und Steuerprogramm an, wie der Ertrinkende den Strohhalm. Schulden machen abhängig, zwingen den Schuldner sich auszuliefern, sich unterzuordnen und Dinge zu dulden, auf die man später nicht stolz sein wird. Die meisten Amerikaner leben damit. Sie hatten in Bezug auf Schulden nicht diese Berührungsängste wie die Deutschen. Solange es Kreditkarten gab, gab es ja auch irgendwie immer Geld. Oder? Seit aber die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes abgenommen hat und Gläubiger den Tag der Abrechnung ausgerufen haben, häufen sich die Schwierigkeiten für Unternehmen zusehends. Diejenigen, die zu groß geworden sind, um in aller Ruhe sterben zu können, mutieren jetzt zu Banken, um dann bei der FED frisches Geld auftanken zu können. Gerne gibt man dann seine Müllpapiere als Sicherheit dafür her.

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist eben alles möglich, auch das Unmögliche. Wenn das mal keine unkonventionellen Maßnahmen sind, die da gerade getroffen werden. Und was passiert mit dem Bürger? Fehlt noch, dass im letzten Akt wirklich Hubschrauber aufsteigen, um Schecks abzuwerfen. Ben Bernanke hat daran im Jahr 2002 keinen Zweifel gelassen, als er nach seinen Werkzeugen gegen eine Deflation gefragt wurde. Ach ja. Amerika hat es einfacher. Doch ich ahne auch den Plan. Ohne Inflationierung wird die Welt durch ihre geschaffenen Schulden erstickt. Nur bleibt die Frage, wann und wie diese Inflationierung startet. Und auch ob es gelingt.

Wir deutschen Hasenfüße
Und wir Deutschen erlauben uns Konjunkturgeschenke in Höhe von 50 Mrd. Euro, um dieses Ding, das auf den Kunstnamen „technische Rezession“ hört zu bekämpfen. Das sind pro Bürger 600 Euro oder auch kleine Tröpfchen auf einem sehr großen und heißen Stein. Einfacher wäre es doch gewesen, wenn man jedem Bürger die 600 Euro einfach in die Hand drücken würde. Frohes Fest! Doch die meisten hätten das Geld sicher wieder zur Bank geschleppt. Ein Sparverbot gibt es ja zum Glück (noch) nicht.

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