Stoßgebete aus dem Zinstempel

19. September 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Für die Halter von Anleihen waren die letzten Jahre überaus angenehm. Pensionskassen, Versicherungen und Fonds durften sich über hohe und zumindest in diesem Jahr von vielen nicht einmal im Traum erhoffte Gesamterträge freuen. Die kommenden Jahre werden für diese Anleger ernüchternd ausfallen...

In den vergangenen drei Jahren brachte ein Porftolio von Euro-Unternehmensanleihen Anlegern insgesamt 23% ein. Seit dem Jahr 2000 wurden im Mittel fast 6% pro Jahr vereinnahmt, was angesichts der aktuellen Renditen wie ein nur noch schlecht sichbarer Gruß aus der Vergangenheit wirkt. Diese Vergangenheit ist für viele Bondhalter noch nicht vorbei, eine Wahrnehmung, die sich in den kommenden Jahren ändern wird.

Das durchschnittliche Renditeniveau deutscher Bundesanleihen mittlerer Laufzeit sank seit der Jahrtausendwende von mehr als 5% auf derzeit um 1%. Seither ist die Rendite 10-jähriger deutscher Staatspapiere von mehr als 5% auf nunmehr etwa 1% gefallen. Vor allem die dynamischen Renditerückgänge der letzten Monate sorgten bei Langläufern für erneute Marktwertgewinne. So notiert die 3,25% 2042er Bundesanleihe aus dem Jahr 2010 derzeit knapp 28 Punkte über par.

Ein großer Teil des Kuchens wurde folglich schon verspeist, es gibt eben auch am Bondmarkt nichts umsonst. Das gilt insbesondere für Marktwertgewinne. Betrachtet man die Situation am Anleihemarkt rein technisch – nicht markttechnisch – so lässt sich ableiten, wieviel es denn maximal noch zu holen gibt. Entweder ein Investor kauft eine Anleihe und wartet bis zur Fälligkeit. In diesem Fall realisiert er die aktuelle Rendite, es sei denn der Emittent fällt aus

Hofft man auf weitere Marktwertgewinne, so setzt nach kurzer Rechnung Ernüchterung ein. Einmal angenommen das Renditenivau der Unternehmensanleihen gemessen an einem Benchmark Index mit einer Duration von aktuell 4,8 fällt von 1,08% auf 0,0%. Dieser rasche Fall auf Null resultiert anhand einer schnellen Daumenpeilung in einem Gesamtertrag eine Daumenpeilung von etwas mehr als 5 Prozent. Wohlgemerkt, dazu müssten auch die Risikoprämien für alle im Index enthaltenen Unternehmen auf Null fallen, und das bei immerhin 44% Titeln mit einem Rating im BBB-Segment.

Die Attraktivität derartiger Anlagen mag jeder für sich beurteilen. Vielleicht sehen wir das auch zu konservativ, wir konnten schon mit der Preis/Klick-Ratio wenig anfangen. Hoffnung ist eben keine Strategie.

Die gerne geführte Diskussion, ob auch die Risikoprämien für Unternehmen in den negativen Bereich rutschen können, wollen wir an dieser Stelle nicht vertiefen. Im Großen und Ganzen ist dies für die Betrachtung irrelevant, denn mit dem Kreuzen der Nulllinie nach unten wandelt sich der Anleger zum gebührenpflichtiger Geldparker. Für Pensionskassen ist dies dauerhaft ein wenig sinnvolles Geschäftsmodell, dem man gleich mit der Liquidierung ein Ende bereiten könnte. „Wir nehmen den Mitgliedern heute fünf Euro weg, damit sie morgen vier haben.“ Klingt nicht plausibel das Sprüchlein, aber möglicherweise ergeben sich zumindest steuerlich völllig neue Möglichkeiten.

Der folgende Chart zeigt die Entwicklung des iBoxx € Corporate TR Index (Investment Grade Unternehmensanleihen) sowie den Verlauf des DAX und MSCI World TR in Euro.

1Natürlich gibt es andere Zeiträume, in denen der DAX besser abgeschnitten hat, aber das ist nicht der Punkt. Die Aktienindizes dienen an dieser Stelle nur der besseren Möglichkeit der Einordnung.

Auffällig ist der sehr hohe Gesamtertrag der Bonds bei relativ geringer Volatilität. An diese Erträge und die geringe Schwankungsbreite haben sich viele Anleger im Laufe der Jahre gewöhnt, so dass die Umstellung einigermaßen holprig von statten gehen dürfte… (Seite 2)



 

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Ein Kommentar auf "Stoßgebete aus dem Zinstempel"

  1. Michael sagt:

    Bei allen Wertpapieren, wobei Anleihen naja, gilt schnell wieder raus.

    Unternehmensanleihen haben Nachteile. Sind es solide Unternehmen – Ausnahme war bei uns vor 2 Jahren die voest-alpine – die konkrete Vorhaben finanzieren, dann ist die Rendite eher bescheiden.

    Alle anderen kann man schwer einschätzen. BBB ist halt ein Lower Medium Grade und damit ist halt, bei Eintrübung der Gesamtwirtschaftslage oder Branche (nachgeschlagen auf Wikipedia) kann das Übel anklopfen. Wer in der Breite mit großen Volumen investiert ist der sitzt schnell mit den nicht realisierten Gewinnen der Vergangenheit da und kann auf kein anderes Pferd setzen da der Rest schon am nächsten Trail westwärts zieht und die Bewertung der eigenen Papiere südwärts.

    Anleihen sind ein gutes Geschäft wenn sie gestiegen sind. Dann haben sie hohe Rendite und hohe Kurse und sie sind an pflegeleicht im bescheidenen Rahmen. Aber selbst ich geht wenn der Kursanstieg so ca. 2 Jahre Zinszahlung beträgt (in meinem Fall steuerfrei vs. Kest damit fast 3) eher schon in Absprungposition. Es kommen dann eher die Kurzläufer zurück. Bin immer so aufgefächert, dass jedes Jahr so ca. etwas zurückkommt.

    Wir haben allein den Sonderfall dass offensichtlich schon Geld der Sparer wird eingesammelt die Aktienspekulation anzuheizen. Wenn man dann hört die Aktien sind zwar nicht gestiegen aber der Dollar und damit haben sie sich positiv entwickelt … dann wirds Zeit gemütlich die Stufen runterzugehen in den Keller um im Anschluss die Papiere einzusammeln nachdem man sich gemütlich eine Zigarettchen gegönnt hat. Zu dem Zeitpunkt wollen alle liquid sein. Spätestens dann sind Anleihen uninteressant.

    Wenn man voll beschleunigt in eine Kurven kommt kann man nicht mehr rausbeschleunigen. Die Chancen sind immer da, wenn die Lage nicht ersichtlich ist – das wäre die Kurve im Falle eines Autos.

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