Steht Mario Draghi etwa über dem Gesetz?

28. November 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Claus Vogt

Ende November trat EZB-Präsident Draghi in Frankfurt vor die Mikrofone und versprach wieder einmal Dinge zu tun, die ausdrücklich und aus gutem Grund verboten sind. Im Kern sagte der Herr der europäischen Gelddruckmaschine, die EZB werde die Finanzmärkte bei Bedarf noch stärker manipulieren, als sie das bisher schon getan habe…

Sie werde weitere Wertpapierkäufe mit frisch gedrucktem Geld vornehmen und dabei auch Staatsanleihen berücksichtigen, also eindeutig verbotene Staatsfinanzierung mit der Gelddruckmaschine betreiben, und das alles „ohne unnötige Verzögerung“.

Natürlich verwendete Draghi nicht die von mir gewählten klaren Worte. Er wählte stattdessen die für moderne Zentralbankbürokraten typischen Euphemismen und Propagandahülsen. An der Bedeutung seiner Worte ändert das aber selbstverständlich nichts.

Ob Draghi das Warten auf die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs in der sich eigentlich gar nicht stellenden Frage der Unzulässigkeit dieser Anleihenkäufe als nötige oder unnötige Verzögerung beurteilt, ließ er offen. Allerdings müssen wir wohl auch in diesem Punkt das Schlimmste von Draghi befürchten. Denn gemessen an seinen Worten und Taten ist dieser Mann ganz offensichtlich fest entschlossen, die Demokratie in Europa abzuschaffen und durch ein Zentralkomitee unter seiner Führung zu ersetzen.

Was genau geht hier vor? Wie ist es möglich, dass dieser Mann, der aus dem Dunstkreis von Goldman Sachs kommt, ungestraft dem Volk verkünden kann, dass die Gesetze für ihn nicht gelten? Ist Draghi der über dem Gesetz stehende oberste Feudalherr Europas? Der neue Napoleon? Womöglich Gott?

Die Notenbanker beherrschen unser Geld

Tatsache ist, dass die Welt, in der wir leben, kaum noch als demokratisch bezeichnet werden kann. Denn eine kleine Gruppe von Zentralbankbürokraten, die nicht durch freie Wahlen an die Macht gekommen ist, hat eine der wichtigsten parlamentarischen Kompetenzen – die Macht, über das Geld der Untertanen zu verfügen – an sich gerissen. Damit bestimmt diese kleine Gruppe jetzt maßgeblich über Wohl und Wehe der Bevölkerung.

Hinter verschlossenen Türen und ohne jeden öffentlichen Diskurs hat diese Gruppe irgendwann den Beschluss gefasst, Sparer, Rentner und den größten Teil der hart arbeitenden Bevölkerung mit ihrer Nullzinspolitik und deren Folgen massiv zu bestrafen und gleichzeitig den Marktwert von Anleihen und Aktien hemmungslos zu manipulieren. Gewaltige Spekulationsblasen, massive Fehlinvestitionen und globale ökonomische Ungleichgewichte sind die Folge, deren Ausmaß allerdings erst nach dem Platzen der Blasen an den Aktien- und Anleihemärkten sichtbar werden wird.

Angeblich tun die Zentralbanker das, um auf diese Weise für Wirtschaftswachstum zu sorgen. Dabei gibt es gar keine ökonomische Theorie, die erklären könnte, wieso das funktionieren soll. Weshalb also tun die Draghis, Bernankes bzw. Yellens und Kurodas dieser Welt das? Wem dienen sie tatsächlich?

Natürlich den Großbanken, deren Interessenvertreter Zentralbanken nun einmal sind. Nach mehreren Jahrzehnten beispielloser Schuldenmacherei im Rahmen einer Symbiose zwischen Regierung, Banken und Versicherungen ist das Finanzsystem im Jahr 2008 am Ende der Fahnenstange angekommen. Die bestehende Schuldenlast kann unter marktwirtschaftlichen Bedingungen nicht mehr bedient werden. Es geht also darum, diese Wahrheit zu verschleiern und die Kosten einer Bankensanierung, die marktwirtschaftlichen Prinzipien hohnspricht, auf die Masse des Volkes abzuwälzen. Darum, und nur darum geht es.



Zentralbanker sind Inflationsmacher

Zentralbanken sind keine Währungshüter. Zentralbanken sind Inflationsmacher. Es war mir stets ein großes Anliegen, diese wichtige Wahrheit ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Jetzt hat ausgerechnet Mario Draghi den Lügenschleier zur Seite gezogen, den das Zentralbankwesen so erfolgreich gewoben hat, indem er sagte: „Wir werden das tun, was wir tun müssen, um die Inflation und die Inflationserwartungen so schnell wie möglich zu erhöhen, wie es unser Auftrag verlangt.“ Der Untertitel unseres Buches „Das Greenspan Dossier“ lautete nicht umsonst: „Inflation um jeden Preis“.

© Claus Vogt – Krisensicher Investieren



 

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Ein Kommentar auf "Steht Mario Draghi etwa über dem Gesetz?"

  1. Argonautiker sagt:

    Bei der BIZ ist das ja schon länger offiziell, daß deren Mitarbeiter gesetzlich nicht belangt werden können. Sie haben quasi einen diplomatischen Status. Unantastbar. Selbst die Familienangehörigen sowie deren Angestellte unterliegen diesem Freifahrtschein. Vielleicht wird das nun so langsam auch auf die weiteren Zentralbanken ausgeweitet. Bedenklich. Vieles deutet auf einen Zentralbanken Putsch hin.

    Gruß aus Bremen

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