Steht die Welt vor einem großen Krieg?

22. Februar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Wer sich in diesen Tagen mit aktuellen wirtschaftlichen und geopolitischen Aspekten und deren möglichen Konsequenzen beschäftigt, der steht vor folgender Frage: Ist die verfahrene Lage in Griechenland mit einem drohenden Staatsbankrott der schwerwiegendere Konfliktherd oder die sich immer weiter zuspitzende Krise in der Ukraine?

Pazifisten werden sich womöglich für die Ukraine-Frage entscheiden, während Geldsystemkenner die weitreichenden Konsequenzen einer Staatspleite in Griechenland als das Menetekel der aktuellen Zeit identifizieren könnten.

„Der Krieg ist die bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“ (Carl von Clausewitz: Vom Kriege, I, 1, 24)

Was aber, wenn beide Konfliktherde gar nicht getrennt voneinander betrachtet werden können, sondern auf fatale Weise miteinander verknüpft sind? Aus der Geschichte wissen wir, dass Kriege ein probates Mittel der Regierenden sind, von eigenem politischen Versagen abzulenken.

Fatalerweise zeigt sich politisches Versagen derzeit sowohl in der Ukraine-Frage, zuletzt mit dem gescheiterten Gipfel von Minsk, wie auch im Umgang der Politik mit der völlig desolaten Lage in Griechenland.

Konsequenterweise könnte man nun schlussfolgern, dass ein offensichtliches Scheitern der Eurorettungspolitik, ausgelöst durch einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone, der entscheidende Funke sein könnte, der das Fass in der Ukraine zur Explosion bringen könnte: Die immer deutlicher Zutage tretenden Probleme unseres Geldsystem könnten die Politik dazu verleiten, mit der Ukraine-Karte von genau diesen Problemen abzulenken.

Der US-amerikanische Regierungskritiker Ron Paul bemerkte kürzlich, ohne die militärischen Planspiele in der Ukraine würde sich die Lage dort sofort beruhigen. Das Land sei längst pleite und müsse sich nach einem Abzug des Militärs in erster Linie um den Wiederaufbau seiner völlig am Boden liegenden Wirtschaft kümmern.

Genau darum müsste es gehen. Und zwar in Griechenland wie auch in der Ukraine. Doch die Realität sieht völlig anders aus:

Das SPD-Urgestein Egon Bahr, der in den 1970er Jahren die Ost-Politik der Bundesregierung unter dem Slogan „Wandel durch Annäherung“ beförderte, warnte vor einiger Zeit:

„In der internationalen Politik geht es nie um Demokratie oder Menschenrechte. Es geht immer um Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.“

Vor dem Hintergrund dieser Aussage ist die Entwicklung der Ukraine-Krise seit Ende 2013 ein Lehrstück interessengeleiteter Weltpolitik:

Ausgangspunkt der Destabilisierung des Landes war die Ablehnung des EU-Assoziierungsabkommens durch die demokratisch gewählte Regierung von Wiktor Janukowitsch Ende 2013. Diese hatte errechnet, dass die Ukraine in Folge des Abkommens durch die Einschränkung des Handels mit Russland 160 Milliarden US-Dollar verlieren würde.

Als „Entschädigung“ hatte die EU der Ukraine daraufhin die stattliche Summe von drei Milliarden Euro angeboten. Wenig überraschend platzte das Geschäft deshalb. Damit konnte Stufe zwei der Eskalation beginnen: Fünf Milliarden US-Dollar hatte die US-Regierung nach Aussage von Vicoria Nuland, Staatssekretärin im US-Außenministerium, seit 1999 investiert, um einen Staatsstreich in der Ukraine voranzutreiben:

Mit durchschlagendem Erfolg, wie wir heute wissen. In Kürze könnte der Ukraine-Konflikt die nächste Eskalationsstufe erreichen: Ab März wird ein ganzes Bataillon US-amerikanischer Fallschirmjäger ukrainische Soldaten ausbilden. Die Armee soll lernen, sich gegen „Artillerie- und Raketenangriffe“ effektiver zu verteidigen, so die offizielle Begründung. Was bereits in Vergessenheit geraten ist: Vor ziemlich genau einem Jahr wurden auffällige Bewegungen von Nato-Panzern Richtung Osten registriert.

Im Übrigen werden trotz anders lautender Bekundungen von Regierungsseite längst US-Waffensysteme in die Ukraine geliefert, wie man hier nachlesen kann. Das Beispiel zeigt sehr eindrucksvoll, welche Lügen uns im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise tagtäglich ins Haus flattern.

Dass gewisse Kreise hier ganz gezielt mit dem Feuer spielen, wird jeder erkennen, der die Ereignisse im Nachgang des Minsker Abkommens verfolgt hat: Wenn die Waffen sprechen, dann ist die Diplomatie schneller am Ende als Angela Merkel bis drei zählen kann.

Auch aus diesem Grund hat sich der frühere britische Auslands-Geheimdienstchef, Sir John Sawers, in dieser Woche gegen eine Bewaffnung der Ukraine durch den Westen ausgesprochen. Dies könne zum Krieg in ganz Europa führen.

Gabriele Krone Schmalz: Russland verstehen: Der Kampf um die Ukraine und die Arroganz des Westens

Für Kinkerlitzchen auf die Straße…

Das bedeutet: Während Pegida- und die zahlreichen Gegendemonstranten medienwirksam für diverse Kinkerlitzchen auf die Straße gehen, steht die Welt am Abgrund einer militärischen Auseinandersetzung zwischen den Großmächten USA und Russland.

Nebenbei bemerkt besitzt Russland 8.000 Atomsprengköpfe, während ein Großteil der 7.300 US-amerikanischen Kernwaffen in Deutschland stationiert ist. Die Schlussfolgerung lautet: Sollte der Westen Russland weiter provozieren und in die Enge treiben, und sollte es in der Folge zum Schlimmsten kommen, dann wäre Deutschland (!) die bevorzugte Kampfregion.

Sind wir eigentlich alle völlig verrückt geworden, dass wir diesem Treiben tatenlos zusehen? Wo bleiben die Massendemonstrationen für den Frieden in Europa? Wo bleiben wortgewaltige Stimmen, die laut und deutlich sagen, dass es Frieden und Wohlstand auf unserem Kontinent niemals gegen sondern nur mit Russland geben kann?

Ausgerechnet die Griechen könnten in diesem Zusammenhang eine Schlüsselrolle spielen: Wäre ein „Grexit“ nämlich verbunden mit einer Annäherung der Griechen an Russland, dann könnten die Menschen in Europa endlich erkennen, dass ihr Nachbar im Osten nicht der teuflische Dämon ist, als der er in den westlichen Medien bevorzugt gezeichnet wird.

© Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief



 

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11 Kommentare auf "Steht die Welt vor einem großen Krieg?"

  1. Kalle sagt:

    Zustimmung, bis auf das Wort „Kinkerlitzchen“ für die Pegida-Demonstranten. Abgesehen, dass diese auch eine Annäherung zu Russland und Stopp der Sanktionen fordern, ist das Ziel von Pegida, die kulturelle Zerstörung Europas durch ungezügelte Zuwanderung aus islamischen Gebieten zu verhindern. Deren Auswirkungen werden viele Generationen betreffen, während ein Krieg zwischen Großmächten gewöhnlich nicht die völkische Basis der betreffenden Länder zerstören kann, wie die Geschichte lehrt.

    • M.Schmidt sagt:

      Bei einem Krieg in Europa wird ALLES „platt gemacht“, dann ist auch „völkische“ Zuwanderung ein “Kinkerlitzchen”. Verschiedene Glaubensrichtungen haben in der Vergangenheit und können auch in der Gegenwart sehr gut miteinander leben. Das beweist die Geschichte ebenfalls und schon der Begriff „völkisch“ ist einfach Unsinn und schürt seltsame „Vorurteile“. „Menschen mit Menschen“ ist das Thema, die sich egal aus welchen Interessen nicht auseinander dividieren lassen sollten. Die Erde gehört „uns allen“ oder „keinem“ und „da sind „wir“ auf dem besten Weg….“Die Krone der Schöpfung“ hat scheinbar gar nichts begriffen und ist dabei sich abzuschaffen.

  2. M.Schmidt sagt:

    Wie sagte schon Albert Einstein:
    Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.

    „Der Mensch“ ist eben nicht lernfähig, aus der Geschichte schon gar nicht, und ob „ich“ da auf die Straße gehe oder nicht ist völligst belanglos.

    Die globalen Spielregeln werden auch nur von Kranken gemacht!

    Traurig, traurig aber so scheint es tatsächlich zu sein.

    • Hattigugi sagt:

      Bis auf einen Punkt stimme ich Ihnen zu.

      und ob “ich” da auf die Straße gehe oder nicht ist völligst belanglos.

      Wenn jeder so für sich denkt, geht keiner auf die Straße. Und das wäre das Verkehrteste.
      Ich denke, sehr Viele würden, fühlen sich aber vermutlich genauso hilflos und ohnmächtig, wie ich mich gerade fühle.

      • Ali sagt:

        Ich bin auch fast verzweifelt, wenn ich die Gegenwart betrachte. Wir sollten uns (das Volk) aber trotzdem vereinen und für den Frieden auf die Straße gehen. Eine andere Möglichkeit bleibt uns doch nicht. Und diesmal können wir nicht sagen, wir hätten es nicht gewußt.
        Ich jedenfalls folge dem Aufruf zur großen (?) Friedensdemonstration am Sa. 28.02. vor dem Reichstag in Berlin.
        Ich hoffe wir treffen uns da.

  3. falke sagt:

    Endlich, danke dieser Artikel fasst das zusammen was mir im Kopf herrumschwirrt.
    Fuer mich ist es kein „was aber…“ ich bin der festen Überzeugung das alles zusamnenhaengt. Es ist eine globalisierte Welt.
    Richtig aufgezeigt, Griechenland darf die EU nicht verlassen. Allerdings wird auch nicht grholfen wenn es sich finanziell nicht lohnt. Oder mann die Kontrolle nicht bekommt.
    Alles ist Verbunden. Waerend einige wie die Maden im Speck leben und das oft noch nichteinmal realisieren, müssen das Andere teuer bezahlen…

    Wir wollen unbedingt billige klamotten, in Bangladesch gibt es Aufstaende der Arbeiter mit Toten weil der Lohn einfach nicht zum Leben reicht.

    Exportieren teilweiser subventionierter industrieller Überproduktion aller Art sog. „Hilfe“
    (Befor wirs wegwerfen, kann man das ja noch nach Afrika verhökern)
    Die Folge: das Verarmen der Menschen in z.b. Afrika.
    Banken, Regierungen umd Grosskonzerne beuten ganze Länder aus und wollen die Kontrolle.
    Die Folge: Armut, Hunger, Aufstaende, Kriege…

    Das Komische ist das immer an den Symptomen gedoktert wird und nicht etwa an den Ursachen.
    Falsche Frage: „Wohin und was machen wir mit den Flüchtlingen?“
    Richtige Frage: „Warum flüchten sie und wie können wir helfen“

    Richtig: Was bewegt die Somalis dazu Piraterie zu betreiben?
    Falsch: Wie bekaempfen wir Piraterie, wer bezahlt diesen Einsatz?

    Richtig: Helfen noch mehr Schulden in einer Schuldenkriese, welche Alternativen?
    Wobei ich als „hilfe“ die uneigennützige Form meine!
    Fairer Lohn für gute Arbeit zum Beispiel. Wie wärs damit? Wirkliche Aufbauhilfe anstatt ein Land zu knebeln.

    Am Ende dreht es sich um Kontrolle. Die über Rohstoffe und über die Menschen. Wobei arme Länder und Menschen sich doch viel leichter kontrollieren lassen. (Dazu ist die Gewinnspanne auch viel höher)

  4. olfgang sagt:

    „während ein Großteil der 7.300 US-amerikanischen Kernwaffen in Deutschland stationiert ist.“

    Quelle?

    Ich weiß nur von Büchel wo etwa 20 A-Bomben gelagert sein sollen.

  5. Wilfred sagt:

    Ich stimme Ihnen voll und ganz zu. Wir erleben eine permanente Kriegshysterie verbunden mit einer abstoßenden Russenhetze. Aber so lange der deutsche Michel sein Bier , seinen Fußball und das Dschungelcamp hat, wird er nicht aufwachen. Und da wo sich ein Fünkchen Protest zeigt, und da meine ich sogar Pegida, wird mit allen erdenklichen Mittel dagegen angekämpft.
    Naja, so ist das wohl, wenn die Kolonialherren (USA und GB) etwas andres wollen.

  6. karl sagt:

    Was hätten diese jetzigen Machthaber in der Ukraine wohl getan, wären die „Russen“ so mit der Demokratie umgegangen, wie sie es tun.
    Diese jetzige Entwicklung einer System-Herrschaft mit Entvölkerung der Russischstämmigen und Ausverkauf des Tafelsilber an die US-Magnaten, bei gleichzeitiger Milliarden-Verschuldung, sowie Überlassen der Staatsmacht an die USA, sind garantiert keine rosigen Zukunftsaussichten für die Ukraine. So wird der Bürgerkrieg, System gegen Bevölkerung, weiter gehn.
    Derzeitiges US-Kuratel über die 40 Millionen, ist bereits aus Deutschland hinreichend bekannt.

  7. FDominicus sagt:

    Ich hätte schwören können ich hätte hier etwas geschrieben. Leider sehe ich es ähnlich wie der Autor. Man muß „bedenken“ es ist ja nicht nur eine Währung die den Bach runter gehen wird sondern wir haben aktuelle ziemlich viele Währungen an der Kante, darunter so „Leichtgewichte“ wie den USD, EUR, Yen, was mit dem Yuan ist knan ich nicht so richtig einschätzen. Wer aber Geisterstädte baut macht sicherlich auch noch andere Dummheiten und die Grenzen dieser sind noch lange nicht ausgelotet.

    Ich bin aber nicht davon überzeugt, daß es unbedingt ein „traditioneller“ Krieg werden wird oder nicht doch Bürgerkriege.

  8. gilga sagt:

    „Nebenbei bemerkt besitzt Russland 8.000 Atomsprengköpfe, während ein Großteil der 7.300 US-amerikanischen Kernwaffen in Deutschland stationiert ist.“

    Nach offiziellen Angaben sind nur wenige Kernwaffen (wenn ich mich recht entsinne im Bereich 16-20) in Deutschland stationiert. Wurde im Zusammenhang mit der Problematik das deutsche Tornados (es handelt sich um taktische Gefechtsfeldwaffen) diese im Ernstfall ggf. ins Ziel tragen müssten (eben NATO) diskutiert.

    Selbst wenn wir an dieser Stelle mal davon ausgehen das man hier nicht alle Details der Öffentlichkeit bekannt gibt: Wenn ein Großteil der US-Kernwaffen in Deutschland stationiert wäre, wäre dies bekannt und nicht zu verheimlichen. Es bringt zudem aus verschiedenen Gründen (deutlich kürzerer Vorwarnzeit bei Angriffen des Gegners, verfügbare Alternativen in Form von U-Booten etc., Unmöglichkeit der effektiven Verteidigung gegen die vorhandenen Arsenale an ICBMs) auch überhaupt keinen Sinn. Das mag zu Zeiten des kalten Krieges anders gewesen sein. Heute jedenfalls ist zumindest diese Aussage wiederlegbar falsch.

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