Stark macht Märkte schwach

13. September 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart Investor

Der überraschende Rücktritt von EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark führt erneut zu tiefgreifender Verunsicherung an den Märkten. Es war ein Paukenschlag. Zwar fragte man sich schon seit einiger Zeit, wie lange der hochangesehene Geldexperte in der politisch willfährigen EZB unter Jean-Claude Trichet noch mitspielen werde, der Zeitpunkt seiner Entscheidung kam dennoch überraschend – vor allem überraschend spät..

Durchsetzen konnte sich der Mahner für stabiles Geld jedenfalls schon lange nicht mehr.

Mit Stark verlässt – nach dem Rücktritt von Ex-Bundesbank-Chef Axel Weber im Februar – der letzte profilierte Vertreter der stabilitätsorientierten Bundesbank-Tradition das EZB-System. Das ist konsequent, denn die Stabilitätsorientierung dieses Systems erweist sich nun immer offensichtlicher als bloßes Lippenbekenntnis, für das lediglich ein paar Feigenblätter benötigt werden. Bei den tatsächlichen Entscheidungen ist die Bewahrung des Geldwerts inzwischen eine exotische Minderheitsposition.

Die sich häufenden geldpolitischen Sündenfälle können kaum noch als einmalige Ausrutscher angesehen werden, sie sind das neue Programm. Die EZB, einst als Nachfolgerin der weltweit höchstangesehenen Deutschen Bundesbank aus der Taufe gehoben, feiert an der kurzen Leine der Politik nur noch höchst zweifelhafte Erfolge: Führender Ramschanleihen-Händler der Eurozone, Größte Bad Bank der EU, etc.

Ausgerechnet dieser Mann?!

Für die Nachfolge Starks ist nun ausgerechnet jener Jörg Asmussen im Gespräch, dessen Name hierzulande so untrennbar mit der „Finanzkrise“ verbunden ist. Einst war er als Lobbyist der True Sale International GmbH unterwegs, die sich überhaupt erst für jene unglückseligen Asset-Backed-Securities stark machte, die in der Folge die Bilanzen von Banken und eigens gegründeten Zweckgesellschaften vergifteten.

Daneben gab er den Aufsichtsrat der Skandalbank IKB, zu deren „Retter“ er sich schließlich beim Bankenrettungsfonds SoFFin aufschwang. Im Verwaltungsrat der Aufsichtsbehörde Bafin saß er nebenbei auch noch. Geschmeidig ist er also, der Herr Asmussen – eine Eigenschaft, die ihm bei den zunehmend kopf- und hilflosen Ad-hoc- oder besser Hüh-Hott-Maßnahmen der selbsternannten „Retter“ von Banken und Staaten hilfreich sein dürfte. Auch scheint das fragwürdige „Vom-Bock-zum-Gärtner“-Prinzip zumindest bei der Auswahl des politischen Personals inzwischen etabliert zu sein. Lediglich die Märkte, im Neusprech der EU-Nomenklatura also „verantwortungslose Spekulanten“, fanden wenig Gefallen an der Auswahl des neuen Gärtners, der schon so viele Böcke geschossen hat… (Seite 2)

Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , ,

3 Kommentare auf "Stark macht Märkte schwach"

  1. MARKT sagt:

    „Es ist daher geradezu widersinnig, dass eben dieses fragwürdige Geld nun massiv gegen Sachwerte wie Aktien aufwertet. Mit der Zeit sollte hier ein Umdenkprozess stattfinden.“

    Ich schätze diese Seite und einige Kommentare die durch ein Denken über den Tellerrand hinaus geprägt sind. In einem, aber sehr wichtigem Detail vermisse ich aber bei vielen Autoren und Kommentaren dieses „Querdenken“.
    Meines Erachtens ist es absolut logisch, dass das hier so viel gescholtene „Papiergeld“ gegenüber nahezu allen Sachwerten aufwertet. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass dies noch mindestens für zwei bis vier Jahre der Fall sein wird. Weshalb? Natürlich läßt sich „Papiergeld nicht nur beliebig vermehren sondern es wird auch aktiv beliebig vermehrt“. Trotzdem wird dieses Geld und noch zusätzliches „Papiergeld“ komplett in Bankenrettungen und Stützungen von zahlungsunfähigen Staaten „investiert“ und erhöht somit in keinster Weise die Liquidität und Kaufkraft einer Mehrzahl von potenziellen Konsumenten. Es stützt nur die „Zombies“ unseres nicht mehr intakten Systems. Es wird der Tag kommen, an dem dies auch von der so systemkonformen deutschen Mittelschicht erkannt wird. Diese läßt sich derzeit noch durch eine Medienlandschaft im Zaun halten, die jeden der dem aktuellen Geschehen kritisch gegenübersteht als antieuropäisch, egoistisch, unsozial oder rechtspopulistisch abkanzelt. Diese Mittelschicht wird irgendwann erkennen, dass nur einige wenige von der Politik der letzten Jahrzehnte profitiert haben. Sie wird sich mit den „einkommensschwachen“ und davon gibt es auch in Deutschland viele (fällt aber kaum auf da keine Lobby vorhanden) verbünden und entzieht der Politik und damit auch den Notenbanken die Legitimation dieser Politik des „Gelddruckens“. Was zu einer weiteren Knappheit des Papiergeldes führt. Diese Knappheit kann dann nur noch durch den Zugriff auf das Vermögen der Masse kompensiert werden. (Dieses Vermögen ist noch reichlich vorhanden (ca. 8 Billionen+). Erst wenn dieser Schritt vollzogen wird, wird der Startschuß zu einer Inflationären Phase gegeben. (Bevor es der Staat mir wegnimmt gebe ich es aus) Ich rechne damit aber erst 2015/2016. Deshalb bin ich der festen Überzeugung, dass kurzfristig (ab Mitte/Ende November) für mindestens 2 Jahre Cash und Sachwerte Short die einträglichsten Anlageformen sein werden. Dabei sind die Edelmetalle sicher als eigene Anlageklasse zu bewerten. Wobei ich auch hier kurzfristg bis Mitte/Ende November eher short eingestellt bin. Ich sehe vor allem die Edelmetalle derzeit keineswegs als Inflationshedge. Ich gehe sogar soweit diese, speziell Gold als Deflationsschutz zu sehen. Zum Glück bin ich aber mit dieser Meinung ziemlich alleine.

    • Avantgarde sagt:

      Soweit ich es mitbekommen habe gehört der smartinvestor in die Abteilung Hyperinflationisten 🙂

      Und nun ist eben genau das Gegenteil von dem passiert was die sich so ausgedacht haben. Nicht Dax10000++ sondern 5000.
      Ganz bitter wenn jemand auf darauf gehört hat und bei 7500 kräftig eingestiegen ist.
      Der Dollar ist nicht kollabiert sondern steigt „oh Wunder“.

      Deshalb dürften sie halt etwas angefressen sein. 🙂

      Wobei – ich glaub zumindest momentan ist die Stimmung etwas zu bärisch…

      Längerfristig kann ich nur mein Mantra wiederholen, daß die Gefahren für unser Wirtschaftssystem eher auf der deflationären Seite zu finden sind und uns eine Bilanzdeflation droht – auch in Japan fing es mit dem Häusermarkt an…

      „Ich gehe sogar soweit diese, speziell Gold als Deflationsschutz zu sehen. Zum Glück bin ich aber mit dieser Meinung ziemlich alleine.“

      Nicht ganz 🙂
      Allerdings glaub ich, daß es auch hier noch zu einer deutlicheren Korrektur kommen müsste.
      Wenn EMs dann aber auf jeden Fall physisch!

  2. VickyColle sagt:

    @Markt
    Nein Du bist mit dieser Meinung bzgl. Gold nicht alleine :-).

    Zum Artikel:
    “Es ist daher geradezu widersinnig, dass eben dieses fragwürdige Geld nun massiv gegen Sachwerte wie Aktien aufwertet. Mit der Zeit sollte hier ein Umdenkprozess stattfinden.”

    Tja lieber SmartInvestor: Sachwerte sind halt kein gesetzliches Zahlungsmittel, daher kann (ich) zur Bedienung von Schulden und zahlen von Rechnungen eben nur gesetzliches Zahlungsmittel verwenden – und dieses ist nunmal (entgegen den Inflationisten), knapp.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.