Standby-Betrieb in Tokio

3. September 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Das japanische Essen erfreut sich bei vielen Menschen großer Beliebtheit. Man sagt, es sei leicht verdaulich, gesund und halte jung. Das klassische Gegenstück zu diesen Eigenschaften sind die Wirtschaftsdaten der Pazifikinsel. Sie sind in der Regel schwer verdaulich, wozu derzeit auch die Rezession in der Eurozone einen wachsenden Teil beisteuert…

Die letzten Daten zu den japanischen Exporten waren geradezu schauderhaft. Vor allem der anhaltende Niedergang der europäischen Wirtschaft schlug wie ein Komet in den Auftragsbüchern der japanischen Firmen ein. Für den Rest sorgte die Abschwächung der globalen Wirtschaft nach der Erholung der Vorjahre. Im Resultat fielen die Exporte in die Eurozone mit einem Tempo, wie es bisher nur 2009 zu beobachten war.

Die japanische Wirtschaft plagt nun neben der real schwächelnden Binnenwirtschaft auch eine Krise der Exportunternehmen.

Nun mögen einige Volkswirte daran in gewohnter Manier einen verregneten Sommer in den Abnehmerländern, die olympischen Spiele oder eine Absage des Minigolfturniers in Buxtehude als Grund nennen. Oder handelt es sich gar um einen heimtückischen Angriff auf die friedlich schlummernde Yen-Zone? Das klingt zumindest abenteuerlich!

In der Realität sind die Probleme nicht überraschend, dennoch beeindruckt die Dynamik. Ein Exportland kann sich von einer massiven Krise in den Abnehmerstaaten nicht dauerhaft entkoppeln. Die Frage ist lediglich, wie lange der zeitliche Verzug und wie ausgeprägt die Reaktion ausfällt. In Japan fallen die Reaktionszeit kurz und der ökonomische Ausschlag heftig aus.

Insgesamt brachen die Ausfuhren Nippons um 8,1% ein, während die Importe um 2,1% zunahmen. Erwartet worden war ein Rückgang um 3,6%.

Während die Exporte in die Staaten noch leicht wuchsen, sind die Rückgänge im Verkauf nach China (ca. minus 12 Prozent) und Europa (minus 25%) sehr deutlich und erinnern an den Beginn der akuten Phase der Krise.

Nun ist auf lange Sicht eine ausgeglichene Handelsbilanz nichts Schlechtes, es ist jedoch schwerlich vorstellbar, wie die japanische Wirtschaft auf die Schnelle einen derartigen Strukturwandel auf die Beine stellen sollte. Seisdrum, dem Wandel ist dies ohnehin egal, der kommt zur Not auch von alleine… (Seite 2)

Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , , ,

Kommentare sind geschlossen