(Staats-)Schuld und Sühne

2. Februar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Prof. Thorsten Polleit)

Blickt man in die Währungsgeschichte, so scheint es gerechtfertigt zu sein, den Buchtitel „Schuld und Sühne“ von Fjodor M. Dostojewski (1821 – 1881) mit der Staatsverschuldung in Verbindung zu bringen. Die Währungsgeschichte zeigt unmissverständlich, dass Staatsschulden früher oder später Probleme, mitunter sehr große Probleme, verursachen, für die die Gesellschaften nachfolgend einen hohen Preis zu zahlen haben…

„Die Nation mit Schulden zu beladen und die Rückzahlung nachfolgenden Generationen zu überlassen, ist moralisch unverantwortlich.“ Thomas Jefferson (1743 – 1826)

Im 19. Jahrhundert war die öffentliche Verschuldung (wie etwa in den USA) in der Regel relativ niedrig. Es waren Kriege, finanziert mit Kredit, die die Schuldenstände in die Höhe trieben, aber auch nur vorübergehend. Das änderte sich mit Beginn des 19. Jahrhunderts. Von da ab kletterte das Verhältnis von öffentlicher Schuld zur Wirtschaftsleistung – also die Schuldenquote – chronisch immer weiter in die Höhe.

Die Gründe sind bekannt. Hierzu zählen vor allem das Anspruchsdenken der Wähler gegenüber dem Staat, verbunden mit der Fähigkeit der staatlichen Zentralbanken, die Kredit- und Geldmenge „aus dem Nichts“ auszuweiten. Im Folgenden soll eine Episode der amerikanischen Währungsgeschichte im Blickfeld stehen: der Abbau der Kriegsverschuldung nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Als die Vereinigten Staaten am 8. Dezember 1941 in den Zweiten Weltkrieg eintraten, belief sich die Staatsverschuldung des Landes auf 45,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP).

Im Zuge der vor allem schuldenfinanzierten Kriegsführung erreichte die amerikanische Schuldenquote im Jahr 1946 den Rekordwert von knapp 122 Prozent des BIP. Nachfolgend sank die Schuldenquote mehr oder weniger stetig ab und erreichte 1974 mit 32,3 Prozent ein Nachkriegstief (danach ist sie jedoch mehr oder weniger wieder stetig angestiegen).

Wie erklärt sich, dass die Schuldenquote von 1946 bis 1974 abnahm? Die Antwort lautet: Es war nicht eine Rückzahlung der Staatsschulden, sondern eine Geldentwertungspolitik, durch die die Schuldenquote gesenkt wurde… (Seite 2)

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