Staatliche Erbschleicher

1. Mai 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Ralph Malisch

Wer mehr hat als andere, steht unter Generalverdacht – besonders heute, besonders in Deutschland. Neid gehört zu unserer Kultur wie Bockwurst und Bier. Dass hinter dem „Mehr“ auch Leistung stecken könnte, scheidet als Erklärung von vornherein aus..

„Hast du eigentlich geerbt?“ (freitag.de, 31.3.2015)

Zumindest beim „Schreibproletariat“, das seine Neidgefühle besonders wortgewandt rationalisieren kann. Die Frage „Hast du eigentlich geerbt?“ erscheint dort wohl als die einzig plausible Erklärung des „Wealth Gaps“ zu anderen und wird flugs in den Rang gesellschaftlicher Relevanz erhoben.

So werden Erben als Wurzel zahlreicher Übel identifiziert, etwa der „Gentrifizierung“, also der Aufwertung von Wohnraum, oder gar als Belastung des Klimas „in einer ohnehin brüchigen Gesellschaft“. Und weil die Argumentation so durchsichtig ist, versucht die Autorin dem naheliegenden Einwand gleich selbst die Spitze zu nehmen: „Alles nur Sozialneid auf die „Reichen“ also? Ganz so einfach ist es nicht.“ Ach, und wie ist es denn?!

Auch die „Lösung“ ist durchsichtig: Besteuerung! So als ob im Lande nicht schon fleißig besteuert würde und so als ob der Staat irgendeinen moralischen Anspruch auf Vermögen hätte, das andere erwirtschaftet haben. Warum die Debatte aktuell ist? Zum einen erben und vererben die Deutschen in den nächsten Jahren wie die Weltmeister: Ein „Tsunami“ von „bis zu vier Billionen“, zudem „nahezu steuerfrei“ – bäh, wie gemein – soll es bis zum Jahr 2020 sein. Das erscheint zwar als eine grob gegriffene und wenig plausible Zahl, aber sie ist groß genug, um daraus ein „Problem“ entstehen zu lassen. Und die Zahl wird ins „richtige“ Verhältnis gesetzt, nämlich zum Bundeshaushalt, denn der Staat ist chronisch klamm. Grund genug für ihn, jede Pietät fahren zu lassen und sich selbst zum Leichenschmaus einzuladen, oder sich von willfährigen Schreibern dazu einladen zu lassen.

„Vorbildlich“ sei es, dass „dm“-Gründer Götz Werner seine sieben Kinder qua Stiftung vor einem Erbe von „jeweils um die 160 Millionen Euro bewahrt“ habe. Ganz glücklich stimmt die Stiftungslösung dennoch nicht, denn ein namenloser „Stiftungs-Experte“ mäkelt: „Die Bürger lassen sich eines ihrer vornehmsten Rechte abkaufen, nämlich gemeinschaftlich organisiert über Parteien und Parlamente darüber zu befinden, wofür der Staat sein Geld ausgibt.“ Das Geld des Staates? Ging es beim Erben nicht eigentlich um das Geld des Erblassers, über das nun – als vornehmstes Recht des Bürgers(!) – die Sesselwärmer in den Parteien befinden sollen? Privateigentum als jene Krumen, die der Staat freundlicherweise gelegentlich vom Tisch fallen lässt?

Das Problem ist ja, dass es keine Gruppe im Lande gibt, die ineffizienter mit Geld umgeht, als „Parteien und Parlamente“. Obwohl der Staat den Bürgern Jahr für Jahr dreistellige Milliardenbeträge ohne nachprüfbar mehrwertige Gegenleistung abpresst, wirtschaftet er praktisch durchgängig defizitär. Je mehr Geld der Staat bekommt, desto mehr braucht er. Da scheint das Geld selbst bei Herrn und Frau Neureich besser aufgehoben, die ihr Erbe konjunkturfreundlich verjubeln. Dass schließlich so ein Beitrag in einem Magazin erscheint, dessen Herausgeber selbst vor allem Erbe ist, ist sozusagen der Meta-Witz an dieser Geschichte.

© Ralph Malisch – Smart Investor

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2 Kommentare auf "Staatliche Erbschleicher"

  1. rote_pille sagt:

    Manchmal fragt man sich echt, ob ein anarchistisches System mit konkurrierenden Mafiabanden als „Regierung“ einen auf die Dauer nicht billiger käme als dieser Sozialstaat.

  2. warum nicht gleich sagt:

    ein Oligarchensystem wie in der Ukraine oder in Amerika? Eigentum verpflichtet – zu nichts…
    Schöne neue Welt

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