Spuren der Sparsamkeit. Not und Dummheit?

28. März 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Es ist eng in den Taschen. Sie werden entleert durch steigende Abgaben und höhere Preise. Das, was man braucht, wird teuer. Das, was man gerne hätte billiger. Die Welt von heute ist nicht mehr die von 2008. Die Ölpreise sind inzwischen soweit gestiegen, dass das Thema die Stammtische erreicht hat…

Bei drei Bier in Frankfurt für 12 Euro und einem Schnitzel für 15 Euro hat man ein gutes Thema: Tanken oder Nicht-Tanken. Und wann am besten? Diese Diskussionen nerven und bringen nicht weiter. Während die geballte Faust den Krug umfasst, dreht sich die Diskussion zäh im Kreise um Beträge von ein paar Euro, die das tägliche Leben jetzt mehr kostet.

Dank der Kraft von nominalen Zahlen bleibt das Guthaben auf dem Konto in etwa gleich. Zinsen? Welche Zinsen? Da kann man nix machen. Zur gleichen Zeit aber nagt der Geldfraß unbemerkt am Konto. Von der Öffentlichkeit ganz unbemerkt sorgen inzwischen diejenigen, die von der Hälfte der Bevölkerung gewählt wurden, mit Schirmen, Brandmauern, Bad Banks und Schattenhaushalten und den damit eingegangenen Verpflichtungen dafür, dass die künftigen Lasten im Milliardentakt größer werden.

Wenn man einem „Rettungsgelder“ gibt, muss man diese Summe einem anderen wegnehmen oder neue Schulden machen. Oder beides. Zeit in Deckung zu gehen und sich darauf einzurichten. Jetzt schon.

Nach aller Erfahrung liegen Stammtischrunden meist falsch, zumindest in Sachen Geld. Es hat aber etwas Heiteres. Deshalb gehe ich gern dorthin. Man erfährt, was man nicht machen sollte. Damals um die Jahrtausendwende waren Aktien das große Thema. In den letzten Monaten wird viel über Immobilien und die niedrigen Kreditzinsen geredet. Schön rein in Schulden und Abhängigkeiten. Das ist mir der Eintritt von 27 Euro für den Abend wert. Wenn später das Thema Sparen auftaucht, dann werde ich Geld ausgeben. Ich meine das richtige Sparen, nicht nur die Suche nach Schnäppchen – dann, wenn aus den heutigen Konsumenten die morgigen „Wünscher“ geworden sind. Das dauert. Vielleicht gar nicht mehr so lang…

Wie vermutet, jetzt gibt es tägliche Ratschläge in der Presse und Fernsehen. Heizung runter, Licht aus, Stoßlüftung und tausend andere Tipps. Der Kampf gegen Kosten ist für die einen Volkssport, für mehr und mehr Leute Notwenigkeit geworden. Soweit in Erfahrung zu bringen war, haben die Energiesparlampen die Hersteller reicht gemacht, nicht aber die Benutzer dieser Funzeln. Bei den Gasheizungen war es ähnlich. Ölheizungen waren früher der letzte Schrei wie heute überteuerte ökologisch korrekte Autos. Keiner kommt auf die Idee, das Auto stehen zu lassen.

Ganz hipp ist es geworden, den Mineralölkonzernen ein Schnippchen zu schlagen, seit an den Tankstellen die Volatilität der Preise wie an der Börse zugenommen hat. Zehn Cents Unterschied innerhalb eines Tages sind keine Seltenheit. Am Abend fallen die Preise, sagen Experten, um frühmorgens dann ausgeruht wieder zu klettern. Welch Ärger!

Auf den Straßen fahren um 22 Uhr, als ich den Beitrag schreibe, die Autos hin und her. Die Saison der Cabrios und Motorräder hat begonnen. Man hat den Eindruck, die Mehrheit der Leute kann sich sehr wohl Kraftstoff leisten. Wenn dem nicht so wäre, bliebe es da draußen um einiges ruhiger. Stabile Kraftstoffpreise werden heute mit einem Grundrecht auf diese verwechselt. Aber die Tankstellenpreise heizen nebenbei die Inflationsdebatte an. Ich höre öfters, dass man das Geld ausgeben sollte, solange man noch etwas dafür bekommt. Zugleich nimmt die kollektive Suche nach den Schuldigen zweitweise absurde Züge an. Keiner kommt auf die Idee, dass die Zentralbanken maßgeblich dahinter stecken, aber auch der Steueranteil, den die Regierung auf diese Produkte erhebt.

Als heute der Dieselpreis von 1,55 auf 1,48 Euro in den Nachmittagsstunden fiel, bildete sich an der Tankstelle eine riesige Schlange. Einmal gewinnen, sieben Cents für den Liter. Bei 50 Litern Diesel sind das sagenhafte 3,50 Euro oder zweieinhalb zusätzliche Liter. Bei einem Verbrauch von sieben Litern auf 100 Kilometer kommt man immerhin 35 Kilometer weiter. Strike! Einmal gewinnen! Nur einmal am Tag…

Überall klettern die Preise. Viele Schlagzeilen. Großes Geschrei. Seit Tagen schon sendet das Radio Beiträge darüber, dass die Eierpreise wegen neuer Verordnungen zur Haltung von Hühnern, die jetzt auf anderthalb A4-Seiten Platz haben dürfen. Das katapultiert gerade vor Ostern die Eierpreise um vier Cents für das Stück nach oben. Skandal!

Beobachtungen am Rande

Auf meinen ersten Radtouren fiel mir auf, dass es den Baumbeständen in der Umgebung ans Leben geht. Nie zuvor habe ich mehr Einschlag in den Wäldern beobachtet wie in diesem Jahr. Stattliche Eichen, stolze Buchen und Berge an Fichtenholz säumen den Weg – nicht nur hier in der Region. Früher waren Arbeitstrupps aus Gründen der Aufschübschung von Arbeitsmarktdaten unterwegs. Heute aber schlagen die Holzbauern ihre Bestände mit Lust und Leidenschaft selbst ein, um an den gestiegenen Holzpreise zu partizipieren. Viel Holz wird gestohlen, klagen sie. Wen wundert es?

Am Abend riecht es auf dem Balkon und in unserer Straße nach Holzbrand – eine Heizalternative für viele inzwischen. Nie Nachbarn haben in den letzten zwei Jahren fast alle Bäume in die Öfen gesteckt. Riecht gut, sieht weniger gut aus. Drei Fichten sind vor einer Woche gefallen. Ihr Duft im abendlichen Himmel macht etwas wehmütig. Ein Kirschbaum steht noch. Der nutzlose Blattverteiler soll besonders gut brennen und gut aus dem Kamin riechen. Kompott gibt’s doch bei Aldi. Ähnlichkeiten im Umgang mit alten Bäumen und alten Menschen sind nicht von der Hand zu weisen.

Ein Tipp meines Nachbarn… Pflanzen Sie Koniferen! Das macht was her. Dieser Trend der letzten Jahre hat dazu geführt, dass meine Umgebung irgendwie nach einem Friedhof aussieht.

Der Ofenbauer meines Vertrauens berichtet von einer nimmer endenden Nachfrage nach Öfen, Kaminen und allem, womit man heizen kann. Holz ist im Vergleich zu Öl, Gas oder Strom die noch kostengünstigere Alternative. Der Markt funktioniert.

Kein Wunder, dass die Nachfrage steigt und damit die Preise. Irgendwann ist man auch hier in der Klemme.

Wenn das Unerwartete passiert…

Nicht auf der Agenda haben die meisten echte Einschnitte, Sparsamkeit und Genügsamkeit. Nicht dass man es will. Man muss. Sicherlich könnte man, wenn man es klug anstellt, hier und dort noch ein paar Cents mehr sparen, indem man noch mehr die Preise vergleicht. Es ist eines der Lieblingshobbys der Deutschen geworden. Doch die Summe aller Einsparungen werden irgendwann nicht mehr ausreichen.

Verzicht kommt auf die Tagesordnung – und mit zunehmenden Verzicht zwei weitere Aspekte: Wut und Glück. Zum einen, weil man weiß, irgend jemand greift einem in die Tasche, dem man nicht auf die Finger hauen kann. Und zum anderen: Vieles war gar nicht nötig. Preissteigerungen sollten erst einmal irritieren. Und das tut sie auch.


 

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7 Kommentare auf "Spuren der Sparsamkeit. Not und Dummheit?"

  1. wolfswurt sagt:

    „Doch die Summe aller Einsparungen werden irgendwann nicht mehr ausreichen.“

    Ja, dann bleibt noch der Strick – der erspart alles.

    Nee nee, die Entwicklung ist schon richtig.
    Ein sich für intelligent haltendes Kollektiv, welches 50 Jahre Party auf Staatskosten(Staatsschulden) macht, wird vom Markt=Natur nun gezwungen den Preis dafür zu bezahlen.

    Wenn Dummheit wählt, dann bekommt sie was sie verdient.

  2. bebe13 sagt:

    Die Welt gerät aus den Fugen, weil der Mensch sich verweigert, aus den Fehlern anderer zu lernen.

    Dazu kommt noch, dass die Regeln des Kapitalismus genau in das Schema der Zivilisation passen. Wenn ich Geld habe, brauche ich keine sozialen Kontakte, die kann ich mir ja kaufen.

    Also bedeutet Kapitalismus Entfremdung, Entsolidarisierung und letztlich Enthumanisierung. Und Kapitalismus basiert auf der Tatsache, dass Geld nur mehr werden kann, wenn es verliehen wird, gegen Zinsen.

    Und wenn es nicht mehr reicht, erinnert man sich daran, wie es früher mal gemacht wurde und gut ist.

    Es gibt nur einen Lösungsweg : Entmonetarisierung, Ressourcenschonung, Maßhaltigkeit, Kompetenzenteilung und Achtsamkeit. Die Gemeinschaft ist die Summe der Einzelteile. Wer glaubt, das dickere Stück nehmen zu können, wird erfahren, dass menschliche Nähe und Zuneigung weder gekauft noch erzwungen werden kann, die wird gelebt, oder eben nicht.

  3. Johannes sagt:

    Das mit den Tankstellen und den Zeitpunkt für den günstigsten Preis des Tages, ist bei uns in Österreich einfacher.

    Die Tankstellen dürfen bei uns in Österreich nur 1x / Tag die Preise erhöhen, zu High Noon.;)

    Ab diesem Zeitpunkt darf der Preis für 24 Stunden nur fallen, somit ist knapp vor High Noon der günstigste Zeitpunkt. 😉

    Wenn der Stammtisch immer falsch liegt und dieser damit rechnet, dass das Geld bald nichts mehr Wert ist- was heißt das dann für uns?

    Doch Deflation? *grübel*

  4. JayJay sagt:

    Das gute alte Benzin @Frank wie du geschrieben hast, noch ist genug Papiergeld für große Wagen, Zweit – oder sogar Drittwagen da. Also was soll das gejammere um hohe Spritpreise. Das ist doch nur Gejammere, auf hohen Niveau. Selbst bei 2 Euro für den Liter, wären die Straßen noch genau so voll.

  5. crunchy sagt:

    Sehr informativ! Wenn das Chart nicht täuscht, werden die
    Autos demnächst die reinsten Ökowunder: Mit Holz(hackschnitzel)-vergasern.

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