Spenden, spenden, spenden

25. August 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Das Finale des US-Wahlkampfs rückt in greifbare Nähe. Daher dreht sich das Karussell der Verwirrungen immer schneller. Ist Clinton schwer krank? Ist Trump präsidiabel? Wird Gary Johnson zum ersten Präsidenten, der beim Kiffen auch inhaliert? Kann Obama auch in Louisiana Unterwassergolf spielen? Auch ein Blick auf die fleißigsten Spender interessant…

Die finanziellen Zuwendungen für die beiden verbliebenen Kandidaten im US-Präsidentschaftswahlkampf sind interessant. Auch den nicht nur auf Grund der kürzlich veröffentlichten Dokumente derzeit im Fokus stehenden George Soros findet man wieder. Seine Firma findet sich aktuell auf Platz 4 im Spenderranking bei Hillary Clinton.

Die folgende Tabelle zeigt die Daten, die die Plattform opensecrets.org zusammengetragen hat.

donors

Die ersten fünf Plätze bei Clinton belegen Hedge Funds oder Private Equity Firmen. Immerhin sind diese Firmen offenbar liquide genug um sich finanziell politisches Engagement noch leisten zu können. Bei vielen Banken reicht die Kohle offenbar nicht mehr. Unter den Top Spender bei Obama waren seinerzeit noch Goldman Sachs und Co.

obama 2008

So ändern sich die Zeiten. Auch die Summen sehen geradezu putzig aus. Offenbar ist die mittlere Parteispende unter der Regierung Obama so gewachsen wie die Kosten der Krankenversorgung.

Bei Trump hält sich die Höhe der Zuwendungen in Grenzen, was ihm angesichts des vorhandenen Privatvermögens vermutlich zwar keine Freude bereitet aber auch keine Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Nach den deutlichen Absagen an das vorherrschende System des Lobbyismus möchte offenbar niemand in Vorleistung gehen.

Möglicherweise fürchtet manch potentieller Spender auch die Auswirkungen einer nennenswerten Spende für Trump, sollte dieser die Wahl nicht gewinnen. Die individuellen Spender sind nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Mittlerweile gibt es Möglichkeiten de facto anonym beliebige Summen zu spenden. Das funktioniert unter Einhaltung bestimmter Regeln durch die so genannten Super-PACs (political action committees). Diese sind nicht anderes als Zweckgemeinschaften politischer Lobbygruppen. Mit diesen sieht das Bild wie folgt aus.

inkl PACs

Sollte Clinton verlieren kann es kaum am Geld liegen.

Wer erwartet was ist die Frage, die man auch bei den Spenden im US-Wahlkampf stellen kann. Das ist im Grunde jedoch nicht nötig, denn die Verstrickungen von Clinton sind wie bei Obama bekannt. Die Bindung an Wall Street war schon bei Clintons Gatten bekannt und wird als einer der Auslöser für die von Bill Clinton durchgesetzte Abschaffung des Trennbankensystems genannt. Der nette Herr Clinton ist dank der hierzulande bei demokratischen US-Politikern üblichen sehr positiven medialen Darstellung vor allem als freundlich daher kommender Mann, der Saxofon spielen kann, bekannt. Über das politische Wirken daheim weiß man eher wenig. Man könnte von einem Gorbatschow-Effekt sprechen.

Bei Trump stellt sich die Frage ob er, sollte er als Sieger aus der Wahl herauskommen, bei seinem Kurs bleiben kann. Die mediale Panik zeigt wohl eher die Sorge vieler Lobbygruppen vor dem massiven Verlust derzeit weitreichender Einflussmöglichkeiten als die Sorge, dass ausgerechnet Trump den nächsten Weltkrieg auslöst.

Die spannende Frage ist, wenn er die diversen Einflussmöglichkeiten wirklich einschränken will, wie schwierig es wird das durchzusetzen. Immerhin, da er auf Spender weder angewiesen ist noch besonders hohe Spendensummen zusammengekommen sind, muss er zumindest keiner dieser Gruppen einen Gefallen erweisen. Das passt immerhin zur Story, was an sich schon außergewöhnlich ist. Wie weit man in den Staaten mit dem Prinzip „viel Feind, viel Ehr“ mittelfristig kommt wird sich zeigen.

Insgesamt darf man sich schon wundern, wenn knapp eine Billion Dollar für so eine nur halbwegs unterhaltsame Aufführung wie den US-Wahlkampf ausgegeben werden.

Mal sehen wann sich die deutschen Medien die Liste der PACs für Johnson anschauen. Es wäre doch gelacht, wenn sich dort nicht Hanfproduzenten aus Colorado fänden. Da fallen uns durchaus schlimmere Spendergruppen ein, aber darin, Kandidaten auf so etwas zu reduzieren, sind die ach so investigativen Journalisten hierzulande immer gut. Wäre doch gelacht, wenn man das bei Johnson nicht auch hinbekäme. Das Ganze dann per E-Mail an Frau Clinton, bitte. Aber bitte nur mit PGP …

 

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