Sparen in Gold

24. April 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Ohne verlässliches Geld wird Sparen schwierig oder gar unmöglich. Man sollte erwägen, Gold statt Termin- und Spareinlagen zu halten. Bislang hatte das Gold einen Nachteil gegenüber den Giroguthaben bei den Banken: Wer Gold hielt, musste auf Zinserträge verzichten, die er andernfalls mit dem Halten von Bankguthaben hätte erzielen können.

Doch die Situation hat sich geändert:

(1) Es gibt keine Verzinsung mehr auf Bankguthaben.
(2) Den Haltern von Bankguthaben drohen Verluste durch (i) Negativzinsen und/oder (ii) steigende Kontoführungsgebühren.

Hinzu kommt, dass es mittlerweile (iii) auch ein Zahlungsausfallrisiko gibt. Das wird dann schlagend, wenn eine Bank überschuldet ist und („große“) Bankguthaben im Zuge der Sanierung oder Abwicklung der Bank untergehen.

Die Geldhalter sind (iv) dem Risiko der Inflation ausgesetzt: Steigende Preise werden die Folge sein, wenn die Zentralbanken immer mehr neues Geld in Umlauf bringen, um Zahlungsausfälle von Banken und Staaten abzuwehren.

Nun sind Giroguthaben (die ja auf einen nominalen Geldbetrag lauten) und Gold aus Sicht des Sparers nicht unmittelbar vergleichbar; Giroguthaben und Gold sind heutzutage für viele „ganz unterschiedliche Dinge“.

Giroguthaben lauten auf festen Geldbetrag: Sie repräsentieren die Anzahl von Geldeinheiten. Der Goldpreis steht hingegen für ein Austauschverhältnis, und zwar für die Anzahl der Geldeinheiten, die für eine Feinunze zu bezahlen sind. Das (nominale) Giroguthaben kann daher nicht schwanken. Das ist natürlich anders mit Gold: Sein nominaler Preis kann sich im Zeitablauf ändern, kann zuweilen steigen, kann aber auch zuweilen fallen.

Mit Blick auf die Kaufkraft von Giroguthaben und Gold zeigt sich jedoch langfristig ein eindeutiges Ergebnis: Bankguthaben haben an Kaufkraft verloren, das Gold hat sie bewahrt beziehungsweise sogar gemehrt.

Gold als überlegene Alternative

Bislang (also zum Beispiel seit Anfang der 1970er Jahre) hatten Bankguthaben gegenüber Gold einen entscheidenden Vorteil: Für sie gab es eine Verzinsung, für Gold nicht. Weil die Verzinsung in der Regel über der Inflation lag, konnte der Sparer mit dem Halten von Bankeinlagen sein Vermögen erhalten beziehungsweise, was auch anzustreben ist, mehren. In einer Welt ohne Zinsen können jedoch Sparer nicht mehr weitermachen wie bisher. Denn das Halten von Bankguthaben wird zum Verlustgeschäft: Ohne Verzinsung lässt die Inflation die Kaufkraft der Bankguthaben schwinden.

Das, was der Sparer sich bisher von unverzinslichen Bankguthaben versprochen hat – nämlich langfristig die Kaufkraft zu bewahren -, können Bankguthaben nicht mehr erfüllen. Vielmehr ist das Halten von physischem Gold zur besseren Alternative geworden: Weil Bankguthaben nicht mehr verzinst werden, ist der bisherige „Nachteil“ des Goldes verschwunden.

Gold hat mittlerweile die Nase vorn mit Blick auf das Motiv „Kaufkrafterhalt“: Langfristig wird (das zeigt zumindest die Währungsgeschichte) das Gold seine Kaufkraft erhalten, Bankguthaben aller Voraussicht nach nicht.

Auch aufgrund von Liquiditätsüberlegungen ist Gold zu einem ernsten, ja mittlerweile überzeugende(re)n Konkurrenten zu Termin- und Spareinlagen aufgestiegen. Der Grund ist der Folgende: Termin- und Spareinlagen werden üblicherweise mittel- bis langfristig gehalten, um eine Verzinsung zu erzielen (die es nunmehr nicht mehr gibt), aber vor allem auch, um relativ liquide zu bleiben. Wenn sich aber herausstellen sollte, dass Banken überschuldet sind, so sind auch die Guthaben, die Kunden bei ihnen halten, nicht mehr sicher beziehungsweise sind nicht mehr jederzeit liquide.

Gold hingegen ist nicht nur ein erprobter Schutz gegen Geldentwertung. Es trägt auch kein Zahlungsausfallrisiko wie zum Beispiel Bankeinlagen. Gold ist nicht nur eine Impfung gegen Inflation, sondern auch gegen Bankpleiten.

polleit-2016-04-22

Ersparnis und Freiheit

Sparen ist eine notwendige Voraussetzung, dass eine Volkswirtschaft wachsen kann: Nur durch Konsumverzicht und Sparen lassen sich Investitionen finanzieren, durch die die Produktions- und Einkommensmöglichkeiten steigen.

Sparen ist vor allem auch wichtig für jeden einzelnen. Der übliche menschliche „Lebenszyklus“ sorgt bekanntlich für eine Phase, in der Arbeitseinkommen erzielt werden. Auf sie folgt eine Phase, in der sich in der Regel kein Arbeitseinkommen mehr erzielen lässt. Hier muss der Einzelne von seinen Ersparnissen leben: Er muss das aufzehren, was er in seiner arbeitsaktiven Zeit angespart hat.

Wenn der Mensch nicht über ausreichende Ersparnisse verfügt, oder wenn er im Alter darauf angewiesen ist, dass sie ihm von anderen zugewiesen werden, sind seine Handlungsfreiheiten empfindlich eingeschränkt. Will man nicht auf Almosen anderer angewiesen sein, muss man also sparen. Das aber ist nur möglich, wenn man sich darauf verlassen kann, dass das Geld seine Kaufkraft behält.

Denn ist das Geld nicht verlässlich, ist es inflationär, wird aus notwendigem Sparen unfreiwilliges Entsparen. Das ist die bittere Wahrheit, die sich jetzt beispielsweise im Euroraum zeigt. Mit ihrer Negativzinspolitik sorgt die Europäische Zentralbank (EZB) für eine Entwertung der (kurzlaufenden) Bankeinlagen und Schuldverschreibungen, die viele Menschen als Sparinstrumente nutzen.

Wenn dazu noch die Politik der Geldmengenvermehrung fortgeführt wird, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Teuerungsrate steigt – und der Zins noch weiter in den Negativbereich fällt. Zumindest für die länger laufenden Termin- und Spareinlagen gibt es eine bessere Alternative: das Halten von Gold. Die Euro-Sparer sind der Willkür des Staates beziehungsweise seines Agenten, der Europäischen Zentralbank, ausgesetzt, die sie ihrer Ersparnismöglichkeiten beraubt. Dagegen kann man sich nur noch schützen, indem man in Gold spart.

© Prof. Dr. Thorsten Polleit – Marktreport Degussa Goldhandel GmbH

 

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