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9. Februar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

George Orwell hätte seine Freude an der aktuellen Diskussion um die Staatsschulden in der Eurozone. Vor allem der Ansatz, Schulden nicht mehr nicht zurückzuzahlen, sondern sie einfach nie zurückzuzahlen ist geradezu atemberaubend. Das lässt sich ebenso kindgerecht für die Tagesschau oder die Nachwuchs-Propagandasendung „logo“ aufbereiten…

Im Zuge der ach so überraschend wieder auf dem Seziertisch der Euro-Pathologie gelandeten Verschuldung Griechenlands geht die Suche nach dem Schuldigen in die nächste Runde. So kommt nun auch das ewige Thema „Exportweltmeister“ wieder in die Medien. Besonders dramatisch wurde dies unlängst im oft sehr unterhaltsamen Portal telepolis formuliert.

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(telepolis) Deutschland zeigt gerne anklagend mit dem Finger auf andere, welche die Stabilitätskriterien nicht einhalten. Doch man fasst sich in Berlin nur ungern an die eigene Nase und verteidigt einen gefährlichen Vorgang sogar weiter, obwohl sich die negative Tendenz sogar deutlich verstärkt. Das kann ganz besonders beim Exportüberschuss beobachtet werden.

Dieser gefährliche Vorgang ist natürlich außerordentlich erschreckend. Man hat düstere Bilder vor Augen. Deutsche Export-Nazis zwingen mit vorgehaltener Flinte arglose Ausländer zum Kauf deutscher Waren. Kauf den BMW, Schurke, oder es wird dir schlecht ergehen! So stellen sich offenbar immer noch viele den weltweiten Handel vor. Dabei wird die Flinte vermutlich eher denen vorgehalten, die im asiatischen Raum diejenigen elektronischen Gadgets zusammenbasteln, mit denen sich der besorgte Mensch von heute so gerne im Café vor seinem Tässchen Bio-Latte niederlässt. Sollte jemandem im Ausland der schreckliche Absatz deutscher Produkte zuviel werden, dann gibt es ein einfaches Gegenmittel. Man muss nur Produkte aus anderen Ländern kaufen. Da man hierzulande jedoch etwaige „Schuldige“ in der Regel daheim sucht, wird diese Seite der Gleichung in der Regel ausgeblendet.

Schaut man sich bei allen bekannten Problemen die Entwicklung in Deutschland an und vergleicht diese mit den vielgelobten „konsumorientierten“ Ansätzen, so darf man konstatieren, dass man sich aller Kritik zum Trotz eher am oberen Ende der Tabellen wiederfindet. Darin sehen einige genau das Problem. Angesichts der politischen Tendenzen der letzten Jahre wird man vermutlich auch in Deutschland schon in einigen Jahren in den zweifelhaften Genuss alternativer Wirtschaftsexperimente kommen. Wir sind schon sehr gespannt darauf, unser Optimismus diesbezüglich hält sich aber in engen Grenzen. Die vielen Zufallspolitiker haben nichtsdestotrotz bestimmt schon Schubladen frischer Ideen für die ewig gestrigen effizienz- und qualitätsverliebten Ingenieure. Ein bisschen schlechtere Qualität zu höheren Preisen, das sollte doch klappen. An der Spree findet sich dann sicher ein „Think Tank“ von Schwadronieren, die etwaige mangelnde Praxiskenntnisse mit entsprechend überhöhten Salären ausgleichen. Einfach mal eine 50-Jahresprognose raushauen, die interessiert nach vier Wochen ohnehin niemanden mehr.

Auch die Großauguren in Brüssel kritisierten daher in gewohnter Manier den vor gar nicht allzulanger Zeit noch als „kranken Mann Europas“ dargestellten Michel.

(telepolis) Deshalb werde der Überschuss 2015 voraussichtlich sogar auf 8% steigen, erwartet Henzel. Doch die EU-Kommission stuft Überschüsse die dauerhaft über 6% liegen als stabilitätsgefährdend ein. Und Deutschland liegt seit Jahren über dieser Grenze, weshalb die Bundesregierung vor einem Jahr von Brüssel gerügt wurde. Immer wieder wurde Deutschland angehalten, mehr zu investieren und die Löhne zu erhöhen, um die Nachfrage im Inland zu stärken und die Importe zu fördern.

Der Exportüberschuss und vor allem das Übertreffen der im Text genannten Marke von 6% wird dann implizit mit der Verletzung der Maastricht Kriterien gleichgesetzt. Neben den ausgewiesenen Fachleuten in Brüssel melden sich auch Stimmen von der anderen Seite des Atlantiks.

Aus den USA hagelt es zum Teil harsche Kritik. Das US-Finanzministerium bezeichnet derlei Überschüsse immer wieder als Risiko für die weltweite Finanzstabilität. (…) Deutlichere Worte fanden dagegen einige Experten. „Deutschland ruiniert seine Nachbarn“, lautete das Urteil von Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman im Herbst 2013.

Mit der Stabilität des Finanzsystems und wie man diese bedrohlich ins Wanken bringen kann, kennt man sich in den USA in der Tat bestens aus. Dafür hätte es der aktuellen Finanzkrise als weiteren Beweis nicht bedurft. Was Paul Krugman, eine Art John McCain der Ökonomie, dazu zu sagen hat, ist wie immer gleichermaßen vorhersehbar wie unterhaltsam. Die Produktion von qualitativ hochwertigen Waren zu offenbar sehr konkurrenzfähigen Preisen als Gefahr für das Weltfinanzsystem einzuordnen und diese damit auf eine Stufe mit bizarren Derivatespektakeln und eine aus dem Ruder laufende Kreditvergabe durch heute Unfähige an morgen Zahlungsunfähige zu vergleichen, ist eine der üblichen Frechheiten des medialen Haudraufs.

Nur eines ist bekanntermaßen noch schlimmer, als Waren effizient herzustellen. Sie ahnen es, es geht um das Sparen. Irgendein Ökonom meinte kürzlich, der Sparer habe seinen „wirtschaftlichen Nutzen“ verloren. Wir glauben das nicht, was vermutlich an unserer eigenen Rückwärtsgewandtheit liegt. Immerhin, sollte der Sparer tatsächlich keinen Nutzen mehr haben, wäre dies die Eintrittskarte in eine Schnittmenge mit den meisten Volkswirten.



Sparen, ja, das ist ein Dauerbrenner. Auch bei diesem Thema haben sich die Definitionen in letzter Zeit verändert. Früher war die Lage einfach. Man sparte, wenn man weniger ausgab als man einnahm. Heute bedeutet Sparen, dass man statt 10% nur noch 9% mehr als seine Einnahmen ausgibt. So kann man jedes Jahr mehr Schulden machen obwohl man spart. Toll, oder? So wurde sogar ein de facto insolventer Staat wir Irland zum „Sparweltmeister“. Pleite ist das Land trotzdem. Gibt man aber statt 10% im Folgejahr einfach 11% mehr aus, als man einnimmt, dann kurbelt man die Konjunktur an. Wundervoll, es kann so einfach sein, ein guter Mensch zu sein. Eben noch legte man Geld zurück und war ein Parasit, jetzt leiht man sich immer mehr Geld und ist ein barmherziger Samariter. Ach Mr. Orwell, wie schade, dass Sie das nicht mehr erleben dürfen.

Das Ergebnis ist beeindruckend. Auf Staatenebene sieht das Resultat rigider Sparkurse aus wie folgt:

länder ratios

Natürlich ist es in Tagen wie diesen schwer vermittelbar, warum man erst arbeiten und dann vom Gehalt auch noch etwas zur Seite legen soll. Andererseits stellt sich die Frage, warum all die ebenso wortgewaltig vorgestellten wie hilflosen Experimente der Notenbanken weder in der Vergangenheit noch heutzutage irgendetwas realwirtschaftlich Zählbares hervorbringen. Eigentlich schade, ein bisschen reichtricksen für alle und dann zusammen ab an den Strand, das klingt doch sympathisch. Man spart sich zudem die lästige Ausbilderei, ein etwaiges Studium und so manch quälenden Arbeitstag. Lange kann es aber nicht mehr dauern, bis eine ganz schlaue Regierung das alles endlich auch für uns einrichtet! Und sollte es nicht klappen, dann sind wir halt selber schuld. Wie immer.



 

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32 Kommentare auf "Sparen.com"

  1. MFK sagt:

    Man muss schon unterscheiden zwischen dem Wunsch des Schuldners, Schulden nicht rückzahlen zu müssen, sondern deren Laufzeit zu verlängern und dem Recht des Gläubigers die Rückzahlung von Schulden bei Fälligkeit oder bei Verletzung von caveats verlangen zu dürfen. Ein Menschenrecht auf Schulden gibt es nämlich nicht.

  2. Sandra sagt:

    Qualität ist nicht durch Quantität zu ersetzen – nicht durch weniger und nicht durch mehr.
    Von guten Geschäften verstehen Politiker in der Regel nicht viel. Vom Geschäft, einen Handlungsrahmen im Interesse gegenseitiger guter Geschäfte zu etablieren, leider auch nicht.

  3. Beate sagt:

    Niemand denkt an deutsche Export-Nazis im Ausland.

    Deutschland ist ein IMPORT_VERWEIGERER.

    Die deutschen Unternehmen beteiligen ihre Arbeitnehmer nicht angemessen am Produktivitätsfortschritt.
    Die Löhne im Inland sind zu niedrig.

    Dazu kommt noch die Superblase 2008.

    Ohne die Anhebung des Spitzensteuersatzes auf 80% wird diese Krise noch 100 Jahre.

    • ToGue sagt:

      Genau! Wir heben die Löhe an, so dass dann der normale Facharbeiter den Spitzensteuersatz von 80% bezahlen darf… Dann wird alles gut!
      Ironie aus: Die Ausage: „Spitzensteuersatz (auf 80%) erhöhen“ ist mir zu platt.
      Erstens: Die Steuerlast auf Einkommen aus Arbeit(!) ist zu hoch, nicht zu niedrig!
      Zweitens: Über die Besteuerung von Einkommen aus „Riesenvermögen“ (nein, ich rede nicht vom Bürger der 10.000, 20.000 oder auch 50.000 Euro im Jahr aus Aktiendividenden bezieht) kann man sprechen. Wobei es m.E. eine groteske Idee ist, dass irgendeine „Entität“(ob Staat oder sonstwas) irgendjemanden 80% seiner Erträge wegnehmen darf oder sollte.

      Das Hauptaugenmerk sollte darauf gerichtet sein, auf welche Weise diese Erträge erzielt werden.

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo Beate,

      wer sagt, dass die Bürger die höheren Löhne und Gehälter für Importwaren ausgeben?
      Jeder soll doch selbst darüber entscheiden, was er wann und von wem kauft.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

      • demz sagt:

        Hallo Bankhaus Rott,

        ihr hättet fairerweise auch darauf hinweisen können, dass sich die wirtschaftspolitische Strategie Deutschlands, nämlich real sinkende Lohnstückkosten, nicht mit dem Inflationsziels der EZB von gut 2% („below, but close to, 2% over the medium term“) verträgt, der die Währungsunion eindeutig als (moderate) Inflations- bzw. DeflationsSCHUTZgemeinschaft, jedoch keinesfalls als Deflationsgemeinschaft, definiert.

        Man kann es auch ein bisschen so sehen wie bei einer Uni-Klausur. Da wird ja nicht nur derjenige bestraft, der sich einen Vorteil verschafft, indem er nach Abgabezeit noch weiter schreibt, sondern ebenfalls derjenige, der sich einen Vorteil verschafft, indem er schon nach Erhalt seines Aufgabenblattes loslegt, obgleich es noch nicht alle anderen Komilitonen erhalten haben.

        Viele Grüße
        demz

        • Bankhaus Rott sagt:

          Hallo demz,

          vielen Dank für Ihren Kommentar!

          so ziemlich alles, was mit vernünftigem Wirtschaften zu tun hat, ist nicht mit den Zielen der EZB vereinbar. Das „Inflationsziel“ und die Verdammung der Deflation gehören dazu. Zum einen ist eine Deflation in Folge schrumpfender Kredite im privaten Sektor nicht die Ursache sondern die Folge einer Krise. Dies wird von denen, die die vorangegangene Krise nach Kräften gefördert haben, sicherlich anders gesehen. Von längerfristigen Erfolgen der Zentralbanken sollte man besser nicht ausgehen.

          Das gilt für die Realwirtschaft ohnehin, aber auch für die Wertpapiermärkte. Die so genannte Greenspan und Bernanke-Puts waren bekanntermaßen zur Überraschung einiger jeweils gut 50% aus dem Geld. Man denke an die lachhafte Bezeichung der „great moderation“, die suggerieren sollte, man habe planmäßig die Wirtschaftszyklen abgeschafft.

          Eine schleichende Geldentwertung, einmal ganz abgesehen von der lachhaften Annahme, man könne so etwas langfristig planen und im Zaum halten, wird vor allem von denen als Segen betrachtet, die verschuldet sind. Das ist menschlich nachvollziehbar. Warum viele andere sich diesen Segen gerade schönreden lassen erschließt sich uns nicht.

          Das stets vorgebrachte Argument, bei sinkenden Preisen werde nicht mehr konsumiert, bringt das Konzept der Angebots- und Nachfragekurven doch arg ins Wanken. Es ist ein bisschen wie mit der starken und schwachen Währung. Der eine profitiert, der andere zahlt drauf. Die Aussage moderate Deflation sei generell böse und moderate Inflation generell gut ist unser Meinung nach falsch. Es gibt in beiden Welten Profiteure und Verlierer, von daher gibt es auch keinen Bedarf an einem generellen „Deflationsschutz“. Daher ist es immer hilfreich darauf zu achten, wer einem etwas verkaufen will. Wenn der Schuldner die Inflation schönreden will, dann darf man ruhig zweimal darüber nachdenken.

          Beste Grüße und Ihnen ein schönes Wochenende
          Bankhaus Rott

          • demz sagt:

            Hallo Bankhaus Rott,

            danke für Ihre Antwort.

            Zunächst einmal gibt es ja einen stabilen mittel- bis langfristigen Zusammenhang zwischen der Lohnstückkosten- und der Preisentwicklung, da in jedem Produktpreis auch Lohnkosten enthalten sind.

            Schaut man sich den EZB-Inflationschart an (http://www.ecb.europa.eu/mopo/html/index.en.html) dann ist der Deflationsimpact, der auf die Bilanzrezession zurückzuführen ist, in 2009 ablesbar, aber eben nur kurzfristiger Natur. Der aktuelle Deflationspfad in der Eurozone, den wir seit 2012 beschreiten, ist auf fiskalpolitischen Restriktionen zurückzuführen. Die expansive Geldpolitik wird damit im realwirtschaftlichen, HVPI-Bereich (also das, was für Lieschen Müller relevant ist), schlicht (mehr als) neutralisiert. Warum sollte sich auch ein Unternehmen selbst zum Nullzins Geld leihen, wenn seine vorhandenen Kapazitäten bereits unterausgelastet sind? Wenn in einer fragilen Nachkrisenzeit, in der der Privatsektor vorsichtig disponiert und eher geneigt ist Einnahmeüberschüsse zu bilden, nun auch noch der öffentliche Sektor versucht Einnahmeüberschüsse zu bilden, dann wird es für die Gesamtwirtschaft allerdings nie zu einem Einnahmeüberschuss kommen können, sondern das Ergebnis wird ein allgemeiner Einnahmerückgang sein und damit Druck auf die Preise.

            Der Ökonom Hans Gestrich, der der Lautenbachschen Kreditmechanik zuzuordnen ist, hat dazu in seinem Werk “Kredit und Sparen” auf S. 30 festgestellt: “Die im Deflationsproze selbst entstandenen Verluste sind aber nicht korrigierbar, weder im Einzelfall noch im ganzen [sic]. Die Zeit, die nicht zum Produzieren ausgenutzt worden ist, ist unwiederbringlich verloren. (…) [S]o ist ein deflatorischer Prozeß doch durch die Tatsache belastet, daß gesamtwirtschaftliche Verluste einfach durch Untätigkeit entstehen. Die scharfe Verurteilung eines solchen Prozesses als dem eigentlichen Sinn wirtschaftlicher Tätigkeit widersprechend, hat also von vornherein starke Gründe für sich. Zunächst scheint es so, als ob der Sparer begünstigt wird. Aber in Wirklichkeit wird durch die Einkommensminderung und die Verluste von Unternehmern das laufende Sparen gehemmt; schließlich ist auch der Unternehmer ein potentieller Sparer ersten Ranges. Eigentlichen Gewinn haben beim Deflationsprozeß nur diejenigen Besitzer früherer Ersparnisse, die nicht gezwungen sind, sie wegen geminderten oder ausfallenden Einkommens zu verzehren, sowie die Bezieher fester Nominaleinkommen, die inmitten des Verfalles Ersparnisse bilden können.”

            Eine Zentralbank wird also ein positives Inflationsziel geldpolitisch anstreben (da war auch die BuBa mit einem Inflationsziel von 1,5% keine Ausnahme). Ob sie dabei allerdings auf eine komplementäre Fiskalpolitik trifft, entscheidet sich an anderer Stelle.

            Die Voraussetzung einer Mitgliedschaft in einer Währungsunion, die ohne politisch-fiskalische Integration auskommen will, liegt in der Harmonisierung der Lohnstückkosten- und mithin der Inflationspfade zwischen den Mitgliedsstaaten. Wenn man das akzeptiert, darf man keine auf realen Lohnsenkungen basierende Niedrigstinflations- oder Deflationspolitik betreiben, mit dem Ziel, die sich ergebende Lücke in der preislichen Wettbewerbsfähigkeit als Vorteil gegenüber den anderen Mitgliedstaaten auszunutzen und die Konsequenzen dieser Politik via Exportüberschuss an diese zu externalisiern.

            Wenn man das nicht akzeptiert, sollte man sich entweder erst gar keiner Währungsunion anschließen oder zuerst eine Fiskalunion ausgestalten

            Viele Grüße
            demz

    • Michael sagt:

      Was die Leut kaufen ist deren Privatvergnügen. Keine Sorge, Deutschland ist auch hart am Wind bezüglich der Importweltmeisterschaft. Es ist bestimmt von Vorteil die aus Export entstandenen Finanzierungsrahmen zeitnah wieder durch Importe auszugleichen. In dem Punkt sehe ich eher die Gefahr, dass am Ende die Exporte verschenkt worden sind. Das heute exportierte Auto ist in 15 Jahren Schrott.

      Da spielt dann das Einkommen wohl auch eine Rolle. Aber es wäre bestimmt kein Fehler sich für ein gutes Einkommen die Küche beim Tischler machen zu lassen die dann 50 Jahre hält. Es zeigt sich ja schon, dass durch die Berücksichtigung von Individualität und Qualität die Standardeinrichtung nicht mehr so extrem günstiger ist im Vergleich…

  4. Beobachter sagt:

    Leider blendet Bankhaus Rott vollkommen die Exportsubvention durch den für Deutschland viel zu niedrig bewerteten Euro aus. Die Menschen hierzulande werden dadurch für ihre Dienste nicht ausreichend entlohnt, die Gehaltsbezieher subventionieren den Export, ist dies nachhaltig?

    Das was die Schweiz durch den Euro-peg machte – und gescheitert ist – macht die Bundesbank durch den Euro, indem sie 1 griechischen, italienischen oder spanischen Euro in einen massiv unterbewerteten D-Euro tauschen muss. Dies wird zwangsläufig scheitern.

    Stabil kann ein System langfristig nur sein, wenn Ausleistungsbilanzen im Mittel bei 0 liegen, aber man sagt ja leider auch …. langfristig sind wir alle tot. Das scheint wohl die Maxime unserer Zeit zu sein.

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo Beobachter,

      die so genannte Einheitswährung, oder auch das Resultat des intraeuopäischen Multiwährungs-Pegs, der Euro, spielt natürlich eine Rolle. Wie unten erwähnt:

      Das leidige Thema Einheitswährung ist natürlich, wie man in Berlin sagen würde, nicht hilfreich. Man kann intern oder extern abwerten. Wenn ein Kanal geschlossen ist, kann man nur hoffen, dass jemand anderes intern aufwertet. Man kann sich aber auch dem Thema Währung noch einmal widmen.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

  5. Avantgarde sagt:

    Das Bankhaus Rott verstrickt sich hier in einen zwangsläufigen Widerspruch, dem alle Exportjünger unterliegen.

    Einerseits beklagt man, daß die anderen Nationen die Kredite gar nicht mehr zurückzahlen wollen oder können – andererseits will man es ihnen aber auch nicht erlauben.

    Ich denke wir sind uns einig, daß man Schuldnen aufgrund Waren und Dienstleistungen nur mit Waren und Dienstleistungen zurückzahlen kann und nicht mit Papier oder digitalen Nullen.
    Das ist doch auch das was ihr hier immer vertretet……. 🙂

    Also: Einerseits „muß, soll…“ D weiterhin Überschüsse erwirtschaften – das bedeutet doch nichts anderes, daß jemand anderes Defizite erwirtschften muss und somit seine Verschuldung ausweitet..

    Mag schon sein, daß GR niemals in der Lage sein wird genügend nach D zu exportieren um etwas zurückzuzahlen, F und I aber vielleicht schon.
    Exportieren wir die anderen Natonen nun auch noch gegen die Wand werden wir ihnen die BWW, Mecedes und sonstige Dinge wohl schenken müssen – was bei einem auseinanderbrechen der EU sehr leicht passieren kann.

    Dann sind die Schulden weg – aber leider auch die GESPAARTEN Guthaben.
    So ein Pech aber auch …..

    • Franz sagt:

      Ganz richtig. Ich bin zwar ein Fan des Bankhaus Rott doch die Verteidigung des deutschen Exportüberschusses ist ein Fehler. Ich empfehle Prof. Flassbeck und Prof. Sinn zur Weiterbildung. Exportüberschuss ist gleich Kapitalexport. In der heutigen Zeit sollten sich meine deutschen Freude auch einmal Gedanken machen ob die realen Güter die exportiert werden und deren Gegenleistung nur angeschrieben wird, insbesondere in Form der TARGET-Salden auch irgendwann in werthaltiger Form wieder zurückfließen werden. Da habe ich gehörige Zweifel.
      Und als Österreicher stelle ich mir die Frage, was unser großer Bruder tun wird, wenn es sich herausstellt, dass den Deutschen durch das europäische Hokuspokus Billionen gestohlen worden sind. Da lege ich mir lieber gleich die UZI unter den Kopfpolster.
      Übrigens beruht der deutsche Exportüberschuss nicht auf herrenmenschlichen Eigenschaften sondern auf der Ausbeutung des deutschen Arbeiters zugunsten der Unternehmer.
      Nur so kann der Exportüberschuss und der siechende Binnenkonsum erklärt werden.

      • Avantgarde sagt:

        Jepp – das kommt auch noch hinzu!

        Die Arbeitnehmer vor allem in der Nicht-Exportindustrie werden unter Wert bezahlt – unser Binnenmarkt ist doch seit vielen Jahren platt wie eine Flunder.

        Der Kapitalexport ist besonders heikel….
        Da das Umlageverfahren der gesetzlichen Rente ja angeblich so schlecht sei hatte man die super tolle private Vorsorge Riester eingeführt.(Für die Spezis in der Versicherungsbranche…)
        Nun kann das gespaarte Geld ja nur dort angelegt werden wo man sich verschuldet – und das ist nun mal eben in den Ländern, die ihre Verschuldung ausweiten.
        Also im Klartext legen die Deutschen ein Teil ihrer Überschüsse in den Krisenländern Europas an und erwarten davon später eine Rente.
        Mamamia…… das mit dieser privaten Rente kann ja mal noch ganz heiter werden….

        Und mir geht es hier wirklich gar nicht um Ideologie – sondern lediglich um eine Systematik die einfach zwingend ist.
        Nur durch Kredit wird Geld erzeugt, nur durch Verschuldung können Forderungen entstehen, Sparen alle gleichzeitig ist gar nichts anderes als Deflation möglich…..

        Falls die EU tatsächlich kollabieren sollte(was man wohl in Bertacht ziehen muss) dann werden sich viele Dinge über Nacht für alle sichtbar bewahrheiten – hoffen wir mal, daß das nicht geschehen wird.

      • stonefights sagt:

        Bei den Begriffen „diebisch“ und „Target“ brennen mir ständig die Synapsen durch,
        komme noch nicht drauf, warum 😉
        Glaube, dass zwischen der Namensfindung „Elster“ für die deutsche elektronische Steuererklärung durch die Arbeitsgruppe in 1996 und „Target“ für ein damals lediglich „Interlinking communication layer“ Bereich und späteren Target2 im weiteren Sinne ein Zusammenhang besteht 🙂
        Zumindest der, dass die Namensgebung Zynismus beinhaltet, der irgendeinem „höheren“ Wesen einen Schenkelklopfer geschenkt hat…
        „…In der germanischen Mythologie war die Elster sowohl Götterbote als auch der Vogel der Todesgöttin Hel, so dass sie in Europa den Ruf des Unheilsboten bekam. Als „diebische“ Elster war sie auch im Mittelalter als Hexentier und Galgenvogel unbeliebt….“
        „…Über TARGET sollen die Geschäftsbanken auch ihre Arbitrage-Möglichkeiten zwischen den verschiedenen Finanzplätzen wahrnehmen …Arbitrage (von franz. arbitrage, von lat. arbitratus „Gutdünken, freie Wahl, freies Ermessen“) …“

        Was wäre die Welt ohne Humor 😉
        LG; stonefights

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo Franz, hallo Avantgarde,

      vielen Dank für die frischen Einwürfe.

      unser Text wird, wie es bei diesem Thema gerne vorkommt, etwas anders aufgefasst, als er gemeint ist. Daher das für uns wichtige in Kürze:

      Jeder soll exportieren und importieren, wann und wie es ihm beliebt. Wer seine Exporte auf Umwegen selbst finanziert und später sein Geld nicht zurückbekommt, hat ein Problem, wie das natürlich auch bei den deutschen Exporten der Fall ist. Ob deshalb aber ein erfolgreiches Unternehmen die Fertigung einschränkt? Natürlich gibt es anhaltende Missverhältnisse, aber wie das Beispiel Japan zeigt, waren auch die dekadenlangen Exportüberschüsse nichts für die Ewigkeit. Alles ändert sich. Wer weiß schon, wie es um die Fertigung von Gütern für den Export in Deutschland in 15 Jahren bestellt ist.

      Wir sind kein „Export-Jünger“, aber wir halten nichts davon Exporte zwangseinzuschränken. Jeder kann Kredite vergeben, an wen er will, jeder kann Kredite aufnehmen, bei wem er will. Aber beide Vertragspartner sollten nicht jammern, wenn es irgendwann zu Problemen kommt, sondern das Problem untereinander lösen. Dass sich an das Jammerverbot dann niemand halten mag ist ein eigener Sachverhalt.

      Das leidige Thema Einheitswährung ist natürlich, wie man in Berlin sagen würde, nicht hilfreich. Man kann intern oder extern abwerten. Wenn ein Kanal geschlossen ist, kann man nur hoffen, dass jemand anderes intern aufwertet. Man kann sich aber auch dem Thema Währung noch einmal widmen.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

      • Avantgarde sagt:

        Danke für die Antwort!

        Ich bin weit davon entfernt jemandem den Export verbieten zu wollen – aber es ärgert mich wenn man sich in D ständig auf die Schulter klopft und denkt man müsste die anderen besiegen – denn wenn man das schaffen sollte geht man selbt mit unter.

        Das erstrebenswerte Ziel wäre eigentlich eine möglichst ausgeglichene Handelsbilanz – zum Wohle aller Beteiligten – zumal wenn man sich noch im gleichen Währungsgebiet befindet.
        Ein Land aus der Eurozone niederkonkurieren zu wollen ist ebenso unsinnig wie wenn Bayern versuchte das Saarland platt zu machen – anschließend bekommen dann alle die Rechnung.

        So aber werden wir weiterhin Löhne drücken und prekäre Jobs (auch noch staatlich gefördert) schaffen, damit wir exportieren und anschliessend möglicherweise die Forderungen samt Riesterrenten auch noch verlieren.
        Wenn das mit Europa schief geht dann war es das für die nächsten paar Generationen.
        Aber Hauptsache man hat so einen nutzlosen Titel 🙁

        Dankenswerter Weise hab ihr hier wenigstens den Artikel aus der Wirtschaftswoche „Arme Exportweltmeister“ verlinkt. Das beleuchet wenigstens ein Teil des Problems.

  6. FDominicus sagt:

    @Avantgarde.
    Warum schreiben Sie nicht was Sie meinen. Statt uns zu bemühen effizient zu arbeiten sollten wir all danach streben möglichst ineffizient zu arbeiten.

    Hätten wir und doch bloß an diesen Herrschaften orientiert
    http://de.wikipedia.org/wiki/Maschinenst%C3%BCrmer

    dann ging es uns allen massiv besser – oder?

    • Avantgarde sagt:

      @FDominicus

      Mit Maschinenstürmern oder dem sog. real existierenem Sozialismus (welcher nun nicht mehr existiert) habe ich nichts zu tun.
      Und auch Wohlfahrtsstaat bedeutet keineswegs eine soziale Hängematte.

      Das Problem der Effizienz welches Sie da ansprechen ist tatsächlich existent – und ich glaube auch nicht, daß das zu ändern sein wird – Maschinen stürmen wird da nix bringen.
      Dazu empfehle ich ihnen mal das hier:
      https://www.youtube.com/watch?v=7Pq-S557XQU

      Den Widerspruch den ich oben aufgeworfen habe bleibt also bestehen – sie können ihn nicht auflösen.
      Denn das hat etwas mit Logik und nicht mit Ideologie zu tun.

    • blub sagt:

      @FDominicus sagt: 9. Februar 2015 um 14:21

      Was meinen Sie mit Effizienz?

      a) Im Sinne Wirkungsgrad (physikalisch) : Nutzleistung / zugefuehrte Leistung
      b) Anzahl von Produkten pro eingesetzer Arbeitszeit
      c) Anzahl von Produkten pro eingesetzten Rohstoffen
      d) Anzahl von Produkten pro eingesetzter Geldeinheit

      ?

      Man kann sehr wohl effizient in a,b,c) sein und trotzdem ineffizient in d). Man muesste auch nicht viel aendern sondern nur den Arbeitern/Angestellten hoehere Loehne zahlen.

  7. ben sagt:

    Studium ist ein andauernder Prozess.
    Oft irritiert was le Professseur da gefaselt hat. Und es braucht 1 -2 Generationen zur Änderung.
    Wenn Japan ca. 1000 Jahre brauchen soll wollten sie ihre Schulden zurückzahlen wollen.
    Wir hingegen nur 300 Jahre bräuchten.
    Dann erscheint mir das mit dem reich tricksen und an den Strand gehen schon logisch.
    Bei den – virtuellen Krediten – aus dem NICHTS. Und den auf und Abwertungsorgien der höchstverschuldeten und deren dann auch noch Bank spielen gegenüber erfolgreich kaputt gewrackten Märkten…..

  8. Dirk sagt:

    Toller Artikel, vielen Dank!

    Gottseidank können weder die Tagesthemen noch unsere Politiker „den“ Export einfach mal so eben drosseln, wie sollte das auch gehen. Obwohl- vielleicht solltee man doch Angst haben, was unsere Wirtschaftsexperten in Berlin -getragen von der öffentlichen Meinung- dahin gehend so alles einfallen lassen…
    Auf jeden Fall empfehle ich jedem, der in einem exportorientierten Betrieb arbeitet, sich ein wenig vorbeugend zu schämen.

    @ Avantgarde: Staatsschulden werden nicht durch Exportüberschüsse zurückbezahlt, das eine muss mit dem anderen nichts zu tun haben. Darum gibt es auch keinen Widerspruch.

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo Dirk,

      die Mitarbeiter eines exportorientierten Unternehmens als Prügelknabe, ein interessanter Gedanke. Na hoffentlich hat der Schlingel nicht auch noch was gespart …

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

  9. Sandra sagt:

    Betrachten wir mal eine sehr enge Gläubiger-Schuldner-Beziehung, aus der man scheinbar nicht entkommen kann.

    Der Einfachheit halber nehmen wir als Gläubiger den Verstand, als Schuldner den Körper bzw. anders herum.
    Ein Verstand, der sich ausschließlich innerhalb der externen Vorgaben bewegt, der alle Antworten geliefert bekommen möchte, sich selbst nicht hinterfragt ist per Definition ein Gläubiger. Der Gläubiger kontrolliert den Schuldner (Leistungserbringer) und möchte Gläubiger bleiben. Je nach Dominanz geht das solange gut, bis der Schuldner aufgrund von Raubbau nicht die entsprechende Mindestleistung erbringen kann. Dann hält der Schuldner den Gläubiger sozusagen gefangen. Ergibt sich der Gläubiger nicht und erhöht daher die Kontrollmaßnahmen, kann der Schuldner sich nicht erholen, fällt dann teilweise bis ganz aus. Gläubiger und Schuldner sterben natürlich gemeinsam.

    Verstand und Körper müssen keine Gläubiger-Schuldner-Beziehung führen. Sie können im gemeinsamen Interesse interagieren.
    Dies gilt auch für übergreifende Beziehungen.

  10. Michael sagt:

    Wohl kaum vermittelbar, dass der deutsche Arbeitnehmer bezüglich des Lohns hungert damit andere letztendlich zumindest zum Teil geschenkt die aus seiner Sicht teuren Autos fahren.

    Es bleibt am Monatsende zu wenig übrig und die als wertvoll statt preisvoll angepriesenen Assets werden zusehends unerschwinglich.

    Der deutsche Michael als Globetrottel oder schafft er doch die Transformation zum Globetrotter und Hasardeur?

    Seit dem den Menschen klar ist, dass ihre Arbeit kein Geld schöpft respektive hervorbringt wird es für Deutschland bestimmt hart die Propaganda aufrecht zu erhalten. Wie lange glauben sie schafft es die Arbeitgebervertreter in Deutschland noch die Leut zu verarschen … Ich habe da wenig Hoffnung für die deutsche Industrie. Wenig verdienen kann man mit weniger Aufwand auch.

  11. Michael sagt:

    Exporte sind wohl schwer zu verhindern. Mir ist aufgefallen, dass so mancher junger ‚Ökonom‘ gerne auf die Zeit des EURO fokussiert ist. Historisch ist Deutschland eigentlich immer mit auch genauso langen Unterbrechungen Exportüberschüsse gefahren und genauso Defizite.

    Sparen macht wohl Sinn. ‚Geld‘ verändert ja nichts dran, dass der Gewinn aus Arbeit der am Monatsende ungenutzt verbliebene Teil bleibt. Alles andere ist mal irrelevant.

    Eher gefährlich ist die Logik immer mehr Darlehen aufzunehmen führte zu immer mehr Wohlstand im Sinne von materiellem Überfluss. Für mich ist das noch immer, das Pferd von hintern aufgezäumt.

    Ökonomien sollten mal nicht sparen. Selbst der Einzelne kann sich keinen materiellen Wohlstand herbeisparen. Es ist immer besser niederzuhalten, wenn gleichzeitig mehr reinkommt. Man fährt ja damit eine extrem hohe Rendite auf Arbeit insbesondere in Richtung Zukunft. Geld das in der Vergangenheit nicht gemacht wurde ist sowieso nicht relevant im Moment. Dem nachzulaufen macht auch keinen Sinn.

    Die von ihnen zurecht als erstaunlich überraschend und konsequent schwerlich zu Ende gedachten charakterisierten Argumente verwundern jedes Mal wieder aufs Neue.

  12. Argonautiker sagt:

    Das Prinzip des Schuldgeldes bedeutet, daß man aus der Not eines Anderen Profit erzeugen will. Natürlich ist die Erde kein Sozialheim, aaaaber solch ein Verhalten zur normal gängigen Basis von Geschäftsbeziehungen der ganzen Welt zu machen, verwandelt die Erde in ein Haifischbecken, was sie nun mal auch nicht ist, und wenn sie es wäre, würde ich mal sagen, wäre es für Menschen nicht unbedingt erstrebenswert, das zu fördern. Für Haie schon.

    Die Aufhebung der Wertebindung der Währungen bei der Erzeugung des Geldes, bei gleichzeitigem bestehenbleiben der Bindung, daß Geld für Werte steht, hat etwas seltsames hervorgerufen. Bis dahin gab es Geld, was durch wirkliche Leistung erzeugt wurde, seit der Aufhebung der Deckung, gibt es zusätzlich ungedecktes Geld. Da man das ungedeckte Geld nicht als solches separat gekennzeichnet hat, kann man sie nicht voneinander unterscheiden. Ein Haifisch, also Schuldgeld, sieht seit dem exakt so aus wie ein Lamm, welches erst durch Tun Werte erzeugen musste, wofür es bezahlt wurde.

    Seit dem gibt es quasi zwei Währungs- und Wirtschaftsysteme, denn der größte Teil der Bevölkerung lebt ja auch trotz Aufhebung der Geld Deckung noch nach dem Prinzip, daß erst etwas getan werden muß, um etwas zu erhalten, denn sie können Geld nicht so einfach durch Kreditvergabe erzeugen. Sie können zwar Kredite aufnehmen, aber kein Geld durch Kreditvergabe erzeugen. Ein geringerer Teil der Menschen hat diesen Umstand des lockeren Geldes aus dem Nichts zu erzeugen genutzt. Und nun laufen die Haifische die wie Lämmer aussehen innerhalb der Herde und fressen und fressen und fressen.

    Final tritt also gerade das Imaginäre Geld gegen das Wirkliche an, wobei das Wirkliche natürlich keine Chance hat, denn Geld, einfach so wie ein Gott aus sich selbst zu erschaffen, ist natürlich viel, viel leichter, als durch Leistung Werte zu erzeugen. Das dumme ist nur, daß das Imaginäre eben ebenfalls zusammenbricht, wenn es das Wirkliche überwunden hat.

    Und genau in dieser letzten Phase sind wir gerade. Das ungedeckte Schuldgeld fordert und fordert und fordert von denen, die erst etwas leisten müssen um an Geld und damit an Werte zu kommen, bis es zusammenbricht.

    Export, Import, alles nur Stellschräubchen, die an diesem grundlegenden falschen Prinzip nur marginal etwas verlagern, aber nichts wirklich ändern können.

    Schönen Gruß aus Bremen

    • Michael sagt:

      Der Mensch als Einkommensbezieher kann kein Geld ‚erschaffen‘. Das wird dem klein gehaltenen Mann durchaus so suggeriert oder er wird im glauben gelassen. Geld ist da.

      Unser Geld ist definiert auf der Ebene Gesellschaft, dem unterdrückten resp. beherrschten Teil der Bevölkerung. Gesellschaft ist die Beherrschungssicht auf die Bevölkerung. Damit ist die Bewertung das Beherrschungsinstrument. Durch die Definition des Geldes wird man heute in eine Gesellschaft gezwungen. Das ist der legendäre Papiergeldsozialismus.

      Unser Geld existiert damit auf der Ebene von Unternehmen und Transaktionen. Es existiert nicht auf der Ebene des Menschen und nicht im Betrieb. Die beiden Ebenen sind verbunden durch die Bewertung.

      Die Ideen Geld über Recht abzubilden und ein funktionierendes Geldwesen auf den Weg zu bringen bedingt einen liberalen Zugang zum Miteinander. Das war die Idee die Gesellschaft sei die Essenz des positiven im Sinne des Miteinanders und der dadurch entstehenden Solidarität.

      Mit dem Sozialismus ist kein Staat zu machen und schon gar nicht Demokratie. Wenn jetzt die Beherrschungssicht auf die Bevölkerung einwirkt und damit auf den Menschen und nicht nur auf das Miteinander für das ein Regelwerk wurde vereinbar, dann wird Recht und damit verbunden Gesetz zu Instrument der Totalitäre – sog. Post Demokratie. Ich sehe jede Form der Manipulation einer Bewertung durch bspw. Medien die ein Bild in die Illusion einer existierenden Gesellschaft malen als Ausdruck totalitären Handelns – bspw. die Generierung eines Hypes.

      Insbesondere für den als unselbstständig Erwerbstätigen Teil der Einkommensbezieher hat das folgende Konsequenz. Er kann nicht investieren. Er kann nicht zusätzlichen Cash Flow generieren – den Zins. Er kann ein Darlehen nur aufnehmen um einer Zeitpräferenz (das war für den Herrn Polleit;)) nachzugeben im überschaubaren Rahmen, aber eigentlich sich nur vom ersparten Tauschmittel befreien.

      Ein echtes Geld ist an sich definiert auf der Ebene der Menschen untereinander und Ausdruck des Miteinanders. Deswegen soll ja auch das wirken in Harmonie mit dem angedachten Miteinander aus der Perspektive jener die sich dafür entscheiden. Das uns verordnete Zwangsgeld, egal welcher Natur es wäre und wie dessen Verwendung wirkte, ist Teil der Beherrschungssicht und ein Instrument der Unterdrückung. Die Idee Kredit als Schuld zu instrumentalisieren ist eben Ausdruck totalitären Denkens.

      • Argonautiker sagt:

        @ Michael

        Schön, daß wir uns da verstehen.
        Muschelgeld war noch richtiges Geld. Ein anerkanntes Zahlungsmittel das jeder herstellen durfte. Damit hätten einzelne Menschen jedoch nie eine solche Dominanz ausüben können, wie das heutzutage jedoch der Fall ist. Das ging nur mit einer monopolisierten Herstellung. So wie jegliche Monopolisierung, die Inanspruchnahme göttlichen Status beinhaltet, dem nun mal kein Mensch nachzukommen vermag, weil er Mensch ist. Da werden also einige Korrekturen anstehen um zur Wirklichkeit zurückzukehren, unter anderem wohl auch im Denken.

        Schönen Gruß

  13. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo demz,

    danke für die Ausführungen!

    „Wenn man das nicht akzeptiert, sollte man sich entweder erst gar keiner Währungsunion anschließen oder zuerst eine Fiskalunion ausgestalten“

    Ja, das sehen wir genauso. Leider hat man in einigen Ländern vergessen zu fragen, ob man gerne teilnehmen möchte oder nicht. Schade.

    Es stellt sich zudem die Frage, mit wem man sinnvollerweise eine Währungsunion gründen kann und mit wem nicht, wenn man nicht bloß eine Transfergesellschaft gründen möchte, die davon abhängt, dass einige Mitglieder dauerhaft Transfers leisten, um Asymmetrien auszugleichen, die sich mangels anderer Ventile nicht ausgleichen können. Nur Teile der unweigerlichen Folgen einer Gemeinschaft zu akzeptieren und andere nicht, das funktioniert auf Dauer für alle Beteiligten nicht. Um das zu wissen, hätte es des aktuellen Experimentes natürlich nicht bedurft. Mit den Niederlanden wäre eine Währungsunion vermutlich vergleichsweise problemlos umsetzbar gewesen, mit Griechenland oder Italien sieht der Fall anders aus.

    So eine Ansicht wird gerne als Schuldzuweisung oder gar Abwertung bestimmter Länder oder Menschen dargestellt, was aber gar nicht der Fall ist. Jeder soll nach seiner Fasson glücklich werden, da gilt auch für die Ökonomie. Das allerdings war vor der Währungsunion sicher eher der Fall aktuell. Wir denken, dass entgegen vieler politischer Beteuerungen der Euro Europa eher schadet als nutzt. Daran sind nicht die Bürger des einen oder der anderen Staates schuld. Es ist schlichtweg ein in dieser Konstellation nicht funktionierendes Konstrukt.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

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