Sparen, Bauen, Zocken…

14. Mai 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott

Umfragen aus den USA führen derzeit zu unterhaltsamen Ergebnissen. So sagen 60% ihnen bereite das Sparen mehr Freude als der Konsum. Der aktuelle Anstieg des Konsums fällt somit vermutlich in die Kategorie Selbstgeißelung …

Da der steigende Konsum nicht von steigenden Realeinkommen begleitet wird, ist die Sparquote in den freien Fall übergegangen. In den USA setzt sich also in Anlehnung an Kennedy der Satz „frag nicht was der Einzelhandel für Dich tun kann, frage was Du für den Einzelhandel tun kannst“ durch. Möglicherweise orientieren sich die US-Bürger aber auch an der Brüsseler Definition des Sparens, die stets mit wachsenden Ausgaben verbunden ist.

Vielleicht liegt es auch an der Bequemlichkeit. Sparen ist bekanntlich der ärgste Feind des Online-Handels. Selbst wer im Internet einkauft muss sich noch bewegen. Der Sparer entledigt sich lästiger Aufgaben wie dem Anschalten des Rechners oder der langwierigen Auswahl von Produkten. Einfacher geht’s nicht!

Die Sparquote hat sich im dargestellten Zeitraum übrigens per saldo nicht verändert. Mit 2,7% rückt sie heute wie damals bereits wieder der Null auf die Pelle. Im längerfristigen Verlauf ist ein deutlicher Niedergang seit den 80er Jahren zu erkennen. Dieser Zeitraum geht einher mit der größten Aktienhausse in der US-Geschichte von 1982 bis 2000.

Die letzten Jahre haben den meisten Bürgern in den Staaten finanziell wenig gebracht. Abgesehen von älteren Menschen hat die Beschäftigungsquote abgenommen. Die Realeinkommen sind gesunken und die etwas einfältige Hoffnung, ein Studium rechtfertige jeden Kredit, entpuppt sich für viele als Bumerang. Möglicherweise ist das Ergebnis der Umfrage auch darauf zurückzuführen, dass sich viele Menschen gar nichts oder nur das nötigste leisten können. Der Spaßfaktor beim Brotkauf ist sicher vernachlässigbar im Vergleich zu den rauschhaften Massenbewegungen in Shopping-Malls (zumindest in denen, die noch gut besucht sind).

Die in Auflösung befindliche Mittelschicht leidet noch immer unter den Folgen der hohen Verschuldung aus den Zeiten des Immobilienbooms. Die meisten Menschen haben den größten Teil ihres Vermögens, oder besser gesagt ihrer finanziellen Kapazitäten, auf das Haus konzentriert. In der persönlichen Bilanz sind die Wohnungen und Bungalows nach wie vor der mit Abstand größte Teil. Daran haben die zahlreichen Zwangsvollstreckungen und die vemehrte Rückkehr zur nicht billigen aber flexiblen Mietbehausung nur wenig geändert…. (Seite 2)

 

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Ein Kommentar auf "Sparen, Bauen, Zocken…"

  1. Michael sagt:

    Die Amis waren schon immer sparsam. Keine Idee von einem Konsumrausch oder so ähnlich:)
    http://www.youtube.com/watch?v=lOfZLb33uCg

    Kann mich erinnern Los Angeles im 1ter ECommerce (Web)hype, Gated Area als Teil der Immobilienblase und dann wanderten die IT Berater nachdem L.A. ausgesaugt war gen Norden nach S.F. bevor sie nach Indien zurück mussten. Dort bekamen sie zwar immense Gehälter aber die Mietpreise waren nicht weniger astronomisch. Da hat keiner gespart:) Die habens krachen lassen.

    Sie haben recht. Ich kaufe auch nix mehr. Liegt vermutlich am Alter, was braucht man noch über 30 – nix mehr. Seit dem die langen IBANs da sind können sich die Leut auf der Bank die Daten von den Erlagscheine selbst eintippen. Und zumal ich denen Arbeit sparen will – kaufe ich einfach nichts mehr. Das ist einfach. Was du nicht willst das man dir tu … Internetbanking und Kreditkarten sind sowieso mit Vorsicht zu genießen.

    Nach Online Shoppen kommt Shoppen Offline – richtig bemerkt. Die Integration des Humanoiden in Form der AußerBetrieblichen Datenerfassungseinheit (ABDE) in den Logistikprozess – Kundenarbeit macht müde und wer ist schon gerne eine Datenerfassungseinheit und zahlt noch dafür. Konsumverzicht als Rundum Sorglos Paket – Wohltat für die Seele. Wenn sie wollen, dass ihnen mehr bleibt – weniger Arbeiten, spart Zeit spart Abgaben (Vorteil der Progression) – weniger einzukaufen spart Kundenarbeit von Geld ganz zu schweigen. Man kann auf viele Arten sparen … dann haben sie auch Zeit etwas zu bauen. Zocken bleibt Hobby.

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