Spannende Zeiten, Uncle Sam

6. Oktober 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Bankhaus Rott

Wie jedes Jahr wird auch 2011 seinen Fußabdruck in den Geschichtsbüchern hinterlassen. In vielen Fachgebieten ist Spannendes entdeckt und entwickelt worden. Im Bankensektor wurde nichts Spektakuläres geleistet, daher muss als Eintrag vermutlich ein sparsamer Vers herhalten…

Dieser sollte von der Einsicht handeln, dass eine Problemverschiebung keine Lösung ist. Billiger hätte man dies Einsicht haben können, wenn man nicht nur in die Geschichtsfibel geschrieben, sondern auch in ihr gelesen hätte…

Während sich Hilflosigkeit und erste Anzeichen von Gereiztheit in den Parlamenten und Zentralbanken die Hände reichen, haben die meisten Normalbürger das Theaterstück „Alles in Ordnung – Nur keine Sorge!“ schon lange verlassen. Während sich die deutsche Arbeitsmarktstatistik in einer Art subventionierter 400-Euro Vollbeschäftigung suhlt und das Wiederreichen der realen Einzelhandelsumsätze der 90er Jahre in der BRD bereits für ein Gefühl der Seligkeit genügen, brodelt es in weiten Teilen des Westens.

Besonders viel Humor erfordert dabei der Blick in viele bekannte Nachrichtensendungen. So wird gerne davon gesprochen, „viele junge Griechen (oder Spanier) demonstrierten für „bessere Arbeitsbedingungen“. Bei Arbeitslosenquoten, die in jüngeren Bevölkerungsschichten an die 50%-Marke heranreichen eine interessante Idee. Das ist ungefähr so, als würden Vegetarier für eine bessere Panade bei Kalbsschnitzeln auf den Alex marschieren.

Vielerorts rund um den Globus ging der Glaube an die stets gleichen Worthülsen aus den Parlamenten verloren. Das ist in der EU nicht anders als in den Vereinigten Staaten. Die Deutlichkeit, mit der die US-Amerikaner sich in diesem Jahr von der Hoffnung an den Aufschwung verabschiedet haben, ist beeindruckend.

Die Bürger liegen mit ihrer Einschätzung wohl richtig, die laufend hereinströmenden Wirtschaftsdaten deuten auf eine rasche und deutliche Abkühlung hin. Eine Rezession träfe wie in anderen Ländern des Westens auf eine politisch zerklüftete Landschaft. Die strukturelle Krise, die  seit dem Jahr 2000 mehr und mehr ans Licht kommt, ist weiterhin ungelöst, die öffentlichen Haushalte gestresst, die Zentralbank am Ende des begrenzten Werkzeugkastens angelangt. Die balance sheet recession ist ein besonders übler Typ der Wirtschaftskrise, die sich nicht mit den alten Mitteln Zinssenkung und Kreditvergabe erleichtern lösen lässt. Dieses im eigenen Labor herangezüchtete Virus trifft nun auf einen durch Kreditexzesse gebeutelten Wirtschaftsorganismus. Das wird alles andere als lustig. (Seite 2)

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