Spanien hat den Abriss in der Birne

13. August 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott   Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen. In Spanien erhoffen sich nun einige Politiker und die Verwalter der spanischen Bad Bank SAREB einen neuen Frühling am Bau durch den Abriss zigtausender nicht fertig gestellter oder unbewohnter Häuser. Für eine gewisse Zeit könnte so die Abrissbranche sogar mehr Aufträge bekommen als die Bauunternehmen…

Die spanische Bad Bank SAREB schlägt sich derzeit mit dem Versuch herum, das so genannte Projekt Bull abzuschließen. Es wäre der erste größere Verkauf eines Immobilienportfolios durch die Bank, so dass man angesichts des Symbolcharakters von einer weichen Verhandlungsführung hinsichtlich der Verkaufspreise ausgehen kann. Da dies die potenziellen Käufer wissen, darf man gespannt auf den Preis sein, falls dieser überhaupt bekanntgegeben wird. Aber in der EU ist man bereits daran gewöhnt, allein die Durchführung eines Projektes völlig unabhängig von den Kosten als Erfolg zu verbuchen. Dabei sein ist alles!

Geht der Verkauf durch, sollte man sich von den zwangsläufigen Jubelarien nicht blenden lassen, wechselten doch in diesem Fall weniger als ein Prozent der Immobilien der Bad Bank den Besitzer. Zusätzlich zun den 107.000 Häusern schlummern noch knapp 90.000 Immobilienkredite und Kreditstrukturen in der Bilanz des SAREB. Das groß verkündete Ziel, dessen Formulierung man wohl auf die hohen Temperaturen in den Räumen der Planer zurückführen muss, ist eine Eigenkapitalrendite von 14-15%. Die folgende Folie enstammt der Präsentation für potenzielle Investoren.

sarebyield

Der Nebensatz, dies sei eine konservative Annahme, erinnert an schmierige Finanzverkäufer aus den tiefen Sümpfen des Graumarktes. Um dieses ach so konservative Ziel zu erreichen, arbeitet man mit einer nicht ganz so konservativen Eigenkapitalausstattung von nur 8%. Dieser Hebel garantiert im Erfolgsfalle eine hohe Rendite und im Misserfolgsfall eine rasche Insolvenz.

sareb capital

Von den 107.000 Häusern in den Büchern des SAREB sind 76.000 nicht bewohnt. Ein Teil der Immobilien ist nicht einmal fertiggestellt. Nun warten die Abrissunternehmer des Landes auf den Startschuss zum Abriss der unfertigen und vieler nicht bewohnter Häuser. Ein Abriss spart auf lange Sicht die laufenden Kosten für ein Gebäude, dennoch darf man sich fragen, was ein Hektar Bauland in einer wüstenartigen Gegen wert ist, in dessen Umgebung zwar einmal Häuser standen, nun aber lediglich die Sonne auf den Sand brennt. Für die Ermittlung der Chancen auf die Einhaltung der Renditeziele ist das eine nicht unerhebliche Frage.

Etwaige Träume von Zuschreibungen sollten sich die Investoren des SAREB verkneifen. Auch mit der Nutzung durch Solaranlagen hapert es spätestens seit der neuesten Sonnensteuer, die auf der iberischen Halbinsel auf ihren Start wartet. So schließt sich der Kreis vom Brachland zum Bauland, vom Bauland zum unfertigen Haus über den Abriss wieder zum Brachland… (Seite 2)

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4 Kommentare auf "Spanien hat den Abriss in der Birne"

  1. Lickneeson sagt:

    Vielleicht sollte sich die SAREB, so sie denn tatsächlich einige Immobilienleichen loswerden, ein paar Lose bei „El Gordo“ besorgen.Die Chance in der spanischen Lotterie dürften ungleich höher liegen als in der Zukunft der Immobilien- u. Bankenlandschaft.Man könnte auch a la „Obelix gmbH&Co“ zu jedem Haus zwei Hinkelsteine und 3 Sklaven gratis zugeben um die Attraktivität zu erhöhen.

    14-15 % Rendite als konservativ anzupreisen erinnert an die hirnlose Zeit des Neuen Marktes.

    MfG

  2. spanien sagt:

    14-15% Rendite? Das ist nur eine schlappe Sache. Wenn die Abrissbirne richtig in Schwung kommt, na dann leuten die Weihnachtsglocken kräftig! Abreissen und entsorgen kostet nämlich mehr als ein Hausbau. Zur Ader werden dann die Personen gelassen die aufgebaut haben.Da geht der Immobilien-Boom im Rückwärtsgang erst richtig los! Keine Sorge, das Brachland kann ja dann wieder neu als Bauland verhöckert werden, z. B. mit Projekten wie die Transrapidzüge und das dazugehörige Land. Was vorher ein Acker war, wurde da mit „Goldpreisen“ verkauft. Wie man sieht, die Möglichkeiten und dessen Phantasien sind längst noch nicht ausgeschöpft.

  3. beccon sagt:

    Vielleicht helfen die Engländer wenn sie mit ihren Kanonenbooten von Gibraltar aus die Bruchbuden auf der spanischen Seite aufs Korn nehmen. Kollateralschäden sind nicht zu erwarten – immer auf die „Se vende“ und „Se alquila“ Schilder daraufhalten. =8-O

  4. Michael sagt:

    Egal ob die Häuser Lifte haben oder nicht
    http://gizmodo.com/the-builders-of-this-spanish-skyscraper-forgot-the-elev-1065152844

    In Spanien sollen sämtliche Reedereien abgerissen werden. In favor of what – Dem Deutschen Schiffsbau der zu kleine Schiffe hat gebaut und die im Moment, ob des großen Aufschwungs, in Asien in den Häfen rumlungern. Klar, wer hätte sich denken können, dass der Transport mal versiegt und sich allein mit grooooßen Schiffen rechnet. Dafür hat der Kleinanleger das Nachsehen.

    Man sollte mal die ganzen Phantasten in ein Raumschiff packen, zu anderen Galaxien reisen und sie am folgenden Morgen zu Erkenntnis kommen lassen, dass die anderen Raumschiffe einfach weg sind. In dem Sinne kann man eine ansehenliches Grüppchen so ganz nebenbei mal vergessen.

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